Abgedroschene Floskeln im Bewerbungsschreiben, die Sie besser vermeiden sollten

Der Lebenslauf ist perfekt, innerhalb kürzester Zeit wurde das Studium abgeschlossen, mehrere Auslandspraktika sind absolviert, und auch die nötigen Fremdsprachenkenntnisse sind nachgewiesen.

In sozialer Hinsicht hat man sich engagiert und einschlägige Erfahrungen dokumentiert, und selbst das familiäre Umfeld lässt darauf schließen, dass ein potenzieller Bewerber gut zum favorisierten Arbeitgeber passen dürfte. Trotzdem hat man recht schnell nach dem ambitionierten Versand dieser perfekten Bewerbung einen großen Umschlag im Briefkasten: Die Bewerbungsunterlagen kommen zurück, garniert sind sie mit einem netten, doch unmissverständlichen Schreiben, dass man derzeit leider keine Verwendung für das jeweilige Profil habe, deshalb schicke man zur Entlastung alle Unterlagen zurück.

Spätestens dann ist klar: Bei dieser Bewerbung ist von Beginn an etwas schief gelaufen. Etwas Selbstkritik kann dann nicht schaden, denn was hat der Bewerber eigentlich falsch gemacht? Des Rätsels Lösung könnte im Bewerbungsschreiben liegen. Auch der perfekte Lebenslauf wird nicht darüber hinweg täuschen, wenn der Bewerber unzählige Floskeln im Bewerbungsschreiben verwendet hat, die im besten Fall völlig sinnentleert sind oder einfach abgedroschen klingen. Worauf also sollte man im Bewerbungsschreiben besser verzichten, und wie macht man es richtig?

Die Highlights an leeren Floskeln

Wollte man eine Rangfolge der Phrasen aufstellen, die im Bewerbungsschreiben einfach nur unter dem Stichwort „abgedroschen“ abgelegt werden, dürften dabei folgende Eigenschaften des offenbar hervorragend geeigneten Kandidaten im Vordergrund stehen: Der Bewerber bezeichnet sich selbst als innovativ denkend, als dynamisch und motiviert mit umfangreicher Erfahrung und proaktivem Verhalten bei Konflikten und Problemen. Als Teamplayer hat er eine einwandfreie Erfolgsbilanz vorzuweisen, die einen großen Mehrwert für das zukünftige Unternehmen darstellt. Und schließlich ist der Kandidat ein ergebnisorientierter Problemlöser, der seinem neuen Vorgesetzten größte Dienste erweisen wird.

Was sich hier als ein Horrorszenario aus einer beliebigen Bewerbung darstellt, ist nach einer aktuellen Studie des Karrierenetzwerks LinkedIn eine Liste der Fehler, die man in einer erfolgreichen Anfrage an den potenziellen Vorgesetzten besser vermeiden sollte. Unzählige Personalchefs raten dann auch, diese Ausdrücke im Anschreiben schlicht zu entfernen. Aussagekräftige Inhalte mit nackten Zahlen machen sich in der Regel viel besser, wenn sie die Höhepunkte der beruflichen Karriere darstellen, und sie vermitteln einen deutlich höheren Gehalt an Informationen, als es diese leeren Phrasen jemals könnten. Aus der unglaublichen Menge an Bewerbungen, die viele Unternehmen heute auch initiativ erhalten, werden solche Kandidaten jedenfalls deutlich positiver herausstechen, als man es mit Floskeln jemals könnte. Doch wie macht man es besser?

Stellenanzeigen richtig interpretieren

Natürlich suchen alle Unternehmen flexible und belastbare Mitarbeiter, die kontaktstark und mit Eigeninitiative vorgehen und die eine entsprechend langjährige Erfahrung vorzuweisen haben. Doch es ist mehr als unglücklich, auf solche pauschalen Beschreibungen ebenso pauschal zu reagieren. Vielmehr lohnt es sich, etwas Energie auf knackige Formulierungen zu verwenden, mit denen man auch einen von der Norm abweichenden Lebenslauf gut begründen kann. Schließlich suchen viele Unternehmen sehr wohl innovative Querdenker, die frischen Wind in den Betrieb bringen. Und letztlich wirken Floskeln schlicht unglaubwürdig, deshalb entscheidet man sich im besten Fall für nachvollziehbare Beispiele mit Informationsgehalt.

So geht es besser

Ein ausgefallenes Anschreiben fällt auf und erhöht die Wahrscheinlichkeit, zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Dabei gilt es die Balance zu wahren, dem Stil des Unternehmens zu entsprechen und gleichzeitig einzigartig zu wirken. Aus der Sicht des Unternehmens zu argumentieren, ist immer ein guter Ansatz, deshalb gilt es zu überlegen, welche Fähigkeiten der Betreib sucht. Darauf aufbauend gilt es, die eigenen Kompetenzen darzustellen.

Der erste Satz im Anschreiben hat natürlich eine ganz besondere Bedeutung, denn er erhöht die Chance, dass eine Bewerbung überhaupt gelesen wird.

Nicht zu unterschätzen ist auch die geeignete Länge des Schreibens, denn es gilt, in wenigen Sätzen die Qualifikation für die ausgeschriebene Stelle punktgenau herauszustellen. Die eigenen Vorzüge bringt man also am besten mit wenigen Worten auf den Punkt. Dabei ist es ratsam, eine Leistungsbilanz des eigenen Könnens vorzulegen, Eigenlob ist wiederum fehl am Platz. Echte und nachweisbare Erfolge dagegen kommen gut an und sind ein seriöser Nachweis der vorhandenen Qualifikation. Ein solcher Beleg kann beispielsweise darin bestehen, auf Referenzen durch den bisherigen Vorgesetzten zu verweisen oder Belastbarkeit konkret anhand der Tatsache nachzuweisen, im vergangenen Jahr als Key Account für mehrere Großkunden gearbeitet zu haben. Je konkreter man die eigenen Vorzüge belegen kann, desto größer sind die Chancen, sich von der Menge an Bewerbern abzuheben – und genau darauf kommt es an!

3 Kommentare

  1. Quirin White on

    Ich hoffe hier sind auch ein paar Profis mit aktuellem Arbeitsalltagswissen mit dabei. Hand aufs Herz: wer von euch liest das Anschreiben? Ich arbeite selbst im Recruiting, war vor kurzem auf einer Fachveranstaltung und habe dort die selbe Rückmeldung bekommen: dem Anschreiben wird nicht (mehr) die Bedeutung beigemessen, wie vor 10 Jahren. Ich habe im Arbeitsalltag gar nicht mehr die Zeit mich in die Prosa des Anschreibens großartig einzulesen. Step 1: Lebenslauf. Step 2: die letzten Arbeitszeugnisse. Und wenn ich dann noch unsicher bin, kommt Step 3: Anschreiben… Wie handhaben andere Recruiter das? Freue mich über Rückmeldungen!

  2. Spannender Beitrag, nur frage ich mich warum eine Bewerbung so unglaublich einzigartig sein soll wenn die Stellenanzeigen selbst sich nur in der Anschrift voneinander abgrenzen. Es liest eine Anzeige wie die andere…wir suchen…sie sind selbstsicher im Auftritt, haben eine hohe Lernbereitschaft…blablabla…da macht es unglaublich Spaß sich auf jede neue “Herrausforderung” individuell einzustellen und sich bei jeder Bewerbung drei Stunden Zeit zu nehmen um das perfekte Anschreiben zu erstellen. Ebenso wie die Anzeigen individuell sind, ist meist dann auch die Absage persönlich und einzigartig. Ich befürchte es fehlt meist beiden Seiten an kreativität und Lust an der Sache!

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