Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung – Bedeutung bei Krankmeldung


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Es ist nur ein kleiner Zettel, doch er kann von großer Bedeutung werden: die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, auch als Krankmeldung bezeichnet.

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung – Bedeutung bei Krankmeldung, Unterschiede und SanktionenSie dient dem Arbeitnehmer als Nachweis seiner Erkrankung und der Unfähigkeit, der beruflichen Tätigkeit nachzugehen, und ist bei Arbeitgeber einzureichen. Auf der Basis der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ergibt sich der Anspruch des Arbeitnehmers auf Zahlung seines Einkommens durch den Arbeitgeber und bei fortgeschrittener, dauerhafter Krankheit der Anspruch auf Zahlung des Krankengeldes durch die Krankenkasse. Darüber hinaus können sich aus der verspäteten Vorlage der Bescheinigung sogar arbeitsrechtliche Konsequenzen ergeben.

Was ist eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung?

Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung wird von allgemeinen Ärzten, von Fachärzten oder von Zahnärzten ausgestellt, wenn der Arbeitnehmer aufgrund einer Erkrankung arbeitsunfähig ist. Der Arbeitnehmer ist aus seinem Arbeitsvertrag heraus verpflichtet, seine Arbeitsleistung zu erbringen. Kann er dieser Pflicht nicht nachkommen, weil er erkrankt ist, muss die Arbeitsunfähigkeit von einem Arzt bestätigt werden. Der Arbeitnehmer benötigt dann einen Nachweis, dass er seiner Verpflichtung krankheitsbedingt nicht nachkommen kann.

Welche Bedeutung hat eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung?

Der Krankmeldung kommt für den Arbeitnehmer eine ganz maßgebliche Bedeutung zu. Aus dem Datum auf der ersten Krankmeldung ergibt sich die Dauer der Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber. So hat der Arbeitgeber das laufende Gehalt bis zu sechs Wochen nach dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit zu zahlen. Maßgeblich für den Beginn und das Ende dieser Frist ist das Datum auf der Erstbescheinigung des Arbeitgebers. Mit dem Ablauf des 42. Tages der Krankschreibung beginnt die Zahlung des Krankengeldes durch die Krankenkasse, die bis zum Ablauf von sechs Monaten nach der ersten Krankschreibung läuft. Die Zahlung des Krankengeldes führt für den Arbeitnehmer üblicherweise zu einer finanziellen Einbuße, da gesetzlich Versicherte lediglich rund 90 Prozent des bisherigen Nettogehalts erhalten. Der jeweilige Verdienstausfall kann durch eine private Krankentagegeldversicherung ausgeglichen werden. Privat Versicherte dagegen vereinbaren mit ihrer Krankenversicherung ein Krankentagegeld nach ihrem Ermessen. Es sollte sich im Rahmen des üblichen Nettoeinkommens bewegen.

Das Datum der ersten Krankmeldung kann für alle Beteiligten durchaus maßgeblich werden. Ist nämlich der Arbeitnehmer zwischenzeitlich wieder arbeitsfähig und erkrankt zu einem späteren Zeitpunkt erneut mit der bekannten Diagnose, gilt für die Zahlung des Gehalts durch den Arbeitgeber und die Zahlung des Krankengeldes immer das Datum der neuen Krankmeldung.

Welche Unterschiede gibt es hinsichtlich der GKV und PKV?

Zunächst muss der Arbeitnehmer eine Krankmeldung bei seiner Krankenkasse vorlegen. Dies dient vor allem der Berechnung der Dauer der Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber sowie der Berechnung, ab wann das nachfolgende Krankengeld durch die Krankenkasse zu zahlen ist. Im Einzelfall kann es hier durchaus zu Streitigkeiten zwischen Krankenkasse und Arbeitgeber kommen, ab wann welche Zahlung greift.

Gesetzlich Versicherte erhalten eine Krankmeldung in dreifacher Ausfertigung. Das Original ist der Krankenkasse einzureichen, die erste Kopie ist für den Arbeitgeber vorgesehen. Die zweite Kopie verbleibt bei dem ausstellenden Arzt und gehört in die Krankenakte des Patienten. Auf der Ausfertigung für den Arbeitgeber ist zwar die Dauer der Krankschreibung enthalten, nicht aber die Diagnose. Sie ist lediglich für die Krankenkasse bestimmt, nicht aber für den Arbeitgeber.

Auch bei privat Versicherten besteht die Option, eine Krankmeldung in dreifacher Ausfertigung anzulegen. Allerdings hat der behandelnde Arzt auch die Möglichkeit, eine freitextliche Variante in einfacher Ausfertigung zu wählen, die dann vom Patienten entsprechend vervielfältigt werden muss.

Wann muss eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung beim Arbeitgeber vorgelegt werden?

Üblicherweise verlangt der Arbeitgeber, dass eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung am dritten Tag der Erkrankung vorgelegt wird. Auch gibt es Arbeitgeber, die diese Vorlage erst am vierten Tag benötigen. Von größerer Bedeutung kann es allerdings sein, wenn die Krankmeldung schon früher als am dritten oder vierten Tag verlangt wird. Das kann der Fall sein, wenn ein Arbeitnehmer durch wiederholte kurzzeitige Erkrankungen auffällig wird und der Verdacht besteht, dass diese kurzen Erkrankungen medizinisch nicht fundiert und begründet sind. Umgangssprachlich spricht man dann auch davon, dass der Arbeitnehmer „blau macht“. Der Arbeitgeber ist bei einem begründeten Verdacht durchaus berechtigt, eine frühere Vorlage der Krankmeldung zu verlangen. So gibt es dann auch einige arbeitsrechtliche Urteile in dieser Fragestellung, die sehr wohl zum Vorteil des Arbeitgebers ausgelegt werden. Sein Recht, eine vorzeitige Vorlage der Krankmeldung aus begründetem Anlass zu fordern, wurde in einschlägigen arbeitsrechtlichen Urteilen immer wieder bestätigt.

Welche Sanktionen gibt es bei Verstößen?

Im schlimmsten Fall kann eine verspätet vorgelegte Krankmeldung sogar zu einer außerordentlichen Kündigung führen. Dies gilt sowohl, wenn der Arbeitnehmer verpflichtet wird, seine Krankmeldung bereits am ersten oder zweiten Tag vorzulegen, als auch bei der regulären gesetzlichen oder betrieblichen Verpflichtung der Vorlage am dritten oder vierten Tag der Erkrankung.

Für Arbeitnehmer bestehen nach geltender Rechtsprechung dann oft nur wenige Chancen, solche Kündigungen für unwirksam erklären zu lassen. Die arbeitsrechtliche Rechtsprechung stellt sich hier häufig auf die Seite des Arbeitgebers und geht von einer Pflichtverletzung des Arbeitnehmers aus, die so gravierend sein kann, dass eine Kündigung angemessen sein kann. Das gilt natürlich nur, wenn der Arbeitnehmer tatsächlich seiner Verpflichtung zur Vorlage der Krankmeldung nachweislich nicht nachgekommen ist, obwohl er bereits mehrfach zur rechtzeitigen Vorlage angehalten wurde.

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2 Leser-Kommentare

  1. Karriereberater 11. Oktober 2011 at 02:42 - Reply

    Muss ein Arbeitsunfähigkeitsnachweis auch nach einem Tag Krankheit erbracht werden? Kann der Arbeitgeber das verlangen?

  2. freerider 27. Juli 2012 at 11:01 - Reply

    hier wird behauptet, der arbeitnehmer sei in der pflicht, die gkv von seiner arbeitsunfähigkeit zu informieren. womit ist diese feststellung zu begründen (sgb v, entfg,…) ? nach meinen informationen ist genau dieser punkt (arbeitnehmer oder doch der behandelnde arzt) gesetzlich nicht geregelt… hat jemand weitergehende informationen, die rechtlich belegbar sind ?

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