Arm und reich: Über fünf Millionen gehören nicht mehr zur Mittelschicht

Dass die Einkommen hierzulande ungleich verteilt sind, ist Thema jeder zweiten Talkshow. Nun liegen Zahlen vor, die die gefühlte Ungleichheit mit klaren Fakten untermauern.

Eine Untersuchung des DIW (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) und der Uni Bremen im Auftrag der Bertelsmann Stiftung kommt zu folgendem Ergebnis: Die Mittelschicht in der Bundesrepublik ist in den vergangenen Jahren um mehr als fünf Millionen geschrumpft. Der wachsende Wohlstand kommt nur einer kleinen Elite zugute, die Forscher sehen die Gefahr einer sozialen Spaltung im Land.

„Süddeutsche“ und „Spiegel online“ zitieren aus der Studie: „”Gemessen an den Reallöhnen, dem realen Haushaltsnettoeinkommen und dem Vermögen hat die Einkommensmittelschicht in Deutschland in den vergangenen Jahren zum Teil deutliche Einbußen erlitten.“ Die Forscher haben festgestellt, dass sich die Ungleichheit nicht nur bei den Einkommen, sondern auch bei den Vermögen der Bundesbürger bemerkbar macht. Vergessen ist das Versprechen „Wohlstand für alle“ aus den Zeiten des Wirtschaftswunders, heute profitiert nur eine sogenannte „Elite der Gesellschaft“.

Als Mittelschicht definieren die Forscher die Bevölkerungsgruppe, die über 70 bis 150 Prozent des Medianeinkommens verfügt. Dieses teilt die Einwohner Deutschlands in zwei Hälften – die mit höheren und die mit niedrigeren Einkommen. Im Jahr 2010 lag das Medianeinkommen bei 19.400 Euro. Zur Mittelschicht wurden Alleinstehende mit einem monatlichen Einkommen zwischen 1.130 und 2.420 Euro gerechnet – oder Familien mit zwei Kindern unter 18 Jahren und einem Budget zwischen 2.370 und 5.080 Euro. Die Spannweite ist also relativ breit.

Die Mittelschicht wird kleiner

Seit 1997 schrumpft sie, 2010 ist sie an ihrem bisherigen Tiefpunkt angekommen. Der Anteil der Mittelschicht an der Gesamtbevölkerung hat sich von 65 auf 58,5, Prozent verringert. In Zahlen: Sie sank um 5,5 Millionen auf 47,3 Millionen. Zu dieser Entwicklung haben verschiedene Faktoren beigetragen, wie die Wissenschaftler erläutern: Die Haushalte mit Alleinerziehenden und Singles haben zugenommen, die Zuwanderung sogenannter „bildungsferner Personen“ hat sich erhöht, die Senkung des Spitzensteuersatzes macht sich ebenso bemerkbar wie die unzureichende Angleichung der Sozialleistungen an die Inflation.

Die Studie weist nicht nur kritisch auf die Ungleichheit hin, sondern auch auf die sinkende Chancengleichheit. Die Forscher monieren, dass immer weniger eine soziale Durchmischung der gesamten Gesellschaft stattfindet. Wo noch ein sozialer Aufstieg gelingt, handelt es sich nach ihrer Einschätzung um eine „Absetzbewegung von wenigen aus der Mitte nach oben.“

Kürzlich wurde bekannt, dass im Armutsbericht auf Initiative der FDP der Satz „Die Privatvermögen in Deutschland sind sehr ungleich verteilt“ getilgt wurde.

Wie ist Deine Meinung dazu, dass die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird?

22 Kommentare

  1. Carola Hartmann via Facebook on

    Zutreffend!!! Und das gemeinste ist das sch…träger für weniger harte arbeit mehr verdienen…

  2. Christoph Bärwinkel via Facebook on

    es ist nicht direkt eine meinung aber bei mir persönlich macht sich nur noch fassungslosigkeit breit

  3. Andrea Prohaska via Facebook on

    das ist a l l e s von der menschen-verachtenden PO-litik so gewollt !

  4. Susi Zintl via Facebook on

    Wieso beschwert ihr euch? Ihr habts doch gewählt und werdet es wieder wählen. Selber schuld 😉

  5. Andrea Prohaska via Facebook on

    das sehe ich etwas anders,Susi Zintl : es steht von Vorneherein schon lange fest,wer an die Macht kommt.Dafür treffen sich jedes Jahr die sog. Elite (Bilderberger) Merkel, ehemalige rechte Hand und Schülerin Honeckers, ist das beste Beispiel dafür. Die USA mit ihrem ersten Schwarzen als Präsident gaben die Richtung vor, Deutschland zog nach. Und die Nachfolger der beiden werden derweilen schon auf ihren “Einsatz” vorbereitet…narzisstisches krankes System,sonst nichts. Wahlen sind modernisierte Brot + Spiele !

  6. Um dem entgegen zu wirken, bräuchten wir den Kommunismus. Dann gebe es nur einige wenige, die richtig was in der Tasche haben und weitaus mehr Menschen hätten weniger in der Tasche. Es funktioniert nunmal nicht, dass es allen perfekt geht durchweg. Es gibt gute und schlechte Zeiten. Immer auf die Politik zu schimpfen ist auch ein Fehler. Man hat es immer selbst in der Hand aus seinem Leben etwas zu machen, ob nun hier in Deutschland oder anderswo. Wenn einem die Zustände hier nicht zusagen, geht es ab ins Ausland, wo es einem vermeintlich besser geht. In einem sind wir Deutschen Weltmeister – im JAMMERN.

  7. Eine Finanzordnung, die für eine solche Umverteilung sorgt, gehört einfach umgebaut! Und wer weiß, wie Geld geschöpft wird, wird feststellen, wie räuberisch das System ist. Geld wir nur durch Arbeit vermehrt. Erst wer über 1 Million € auf dem Konto hat, darf an der Arbeit anderer Reich werden.
    Prof. Berger schreibt darüber, dass unsere Finanzordnung eben nicht alternatvilos ist:
    http://faszinationmensch.com/2012/12/18/prof-dr-dr-wolfgang-berger-uber-die-sternstunden-der-geschichte-und-die-notwendigkeit-einer-neue-finanzordnung/
    VG Marin

  8. Marco Rauschenberger via Facebook on

    Das ist meiner Meinung nach gewollt, wenn es anders wäre hätte man politisch schon längst was unternommen dagegen.

  9. Dieter Schade via Facebook on

    Das Wirtschaftssystem denkt global, lässt Reiche reicher, Mächtige mächtiger und Arme immer ärmer werden. So schafft man keinen sozialen Frieden auf der Welt und einen Weltfrieden schon gar nicht.

  10. Wir können aber alle etwas tun. Wir haben die Macht! Denn wir sind die Konsumenten. Unser Geld ist wie Energie. Dort, wo wir sie hinfließen lassen, verstärken wir etwas.
    Also: bewusst konsumieren.
    Ich weiß, wer wenig Geld hat, muss ausgerechnet die Energie dorthin fließen lassen, wo es für uns unzuträglich ist.
    Aber es gibt auch Initiativen wie Transition Town. Anbauen, wie immer es geht, um selbst ernten zu können.
    Oder Tauschen, was das Zeug hält …
    Weihnachtliche Grüße, Martin

  11. Winfried Strobel via Facebook on

    nimm ´mal eine Schere in die Hand – und mache sie ganz auf – sie hat einen Endpunkt – dann sind beide Teile ganz offen – auch die Griffe – was kennst Du tun, wenn beide Teile ganz offen sind ? – Du musst sie wieder schließen – bevor Du die Schere wieder verwenden kannst.

    Das musst Du selbst tun !

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