Aufsteiger der Modebranche – Hauptberuf: Fashionblogger

Die Modebranche hat neue Stars: Fashionblogger werden immer erfolgreicher und jagen den Moderedakteuren ihren Rang ab. Eine Entwicklung, die viele etablierte Modejournalisten in den Wahnsinn treibt. Gleichzeitig aber auch eine Entwicklung, die sich nicht mehr aufhalten lässt. Immer mehr hauptberufliche Modeblogger drängen auf den Markt und die Bekleidungsunternehmen reißen sich um die neuen Werbeträger. Was es mit dem „Hype Fashionblogger“ auf sich hat, versuchen wir in diesem Artikel kurz zu klären.

(1) Was macht eigentlich ein Fashionblogger?
(2) Worin liegt das Erfolgsgeheimnis der Modeblogger?
(3) Wie verdient ein Blogger sein Geld?
(4) Sind Modeblogger nicht „käuflich“?
(5) Blogger sind die Journalisten der Zukunft

Was macht eigentlich ein Fashionblogger?

Schreiben, Fotografieren, Veranstaltungen besuchen…die Arbeit eines Fashionbloggers ist in der öffentlichen Meinung bis heute eher ein Hobby. Und tatsächlich hat der Trend so seinen Ursprung gefunden. Die einstigen Blogger wollten eigentlich nur ihren Alltag teilen, ihr Outfit präsentieren oder das Geschehen in der Modewelt kommentieren und dadurch die bisherigen Gatekeeper in ihrer Arbeit ergänzen. Mittlerweile gibt es allein in Deutschland geschätzte 5.000 Modeblogger. Und immer mehr können davon leben. Vor wenigen Jahren war ein „Hauptberuf Modeblogger“ noch absolut undenkbar. Mittlerweile lebt etwa jeder 25. von seinem einstmaligen Hobby leben.

Die meisten Fashionblogger berichten rein privat. Es geht um ihren Geschmack, ihren Style und ihre Meinung. Es gibt jedoch auch äußerst erfolgreiche Blog-Magazine, an dieser Stelle seien „Journelles“ oder „This is Jane Wayne“ genannt. Diese Blog-Magazine machen immer mehr den klassischen Modemagazinen Konkurrenz und stoßen bei den Redakteuren oft auf heftige Ablehnung. Ein Paradebeispiel ist hier die Vogue-Chefredakteurin Anna Wintour, die regelmäßig öffentlich gegen die aufstrebenden Fashionblogger hetzt.

Worin liegt das Erfolgsgeheimnis der Modeblogger?

In erster Linie in ihrer Authentizität. Hier geht es nicht um Werbekunden und Auflagenzahlen: Ein Modeblogger berichtet aus freien Stücken und redaktionell unabhängig. Er gewährt seinen Lesern Einblicke in seine Persönlichkeit und sein privates Leben. Das lässt ihn zur perfekten Identifikationsfigur für die Leser werden. Und damit auch zum perfekten Werbeträger für die Modeindustrie. Deshalb sitzen die erfolgreichsten Blogger mittlerweile auf den Fashionshows der berühmtesten Designer in der ersten Reihe und Superstars wie die weltweit erfolgreichste Fashionbloggerin Chiara Ferragni streichen bei Werbedeals bis zu sechsstellige Beträge ein.

Wie verdient ein Blogger sein Geld?

Wie das geht? Die italienische Modebloggerin hat unter anderen eine eigene Schuhkollektion und zahlreiche Werbeverträge am Laufen. Ganz Asien ist verrückt nach der schönen Blondine und auch in der westlichen Welt ist sie überall ein bekanntes Gesicht. Mehr als drei Millionen Fans folgen der Bloggerin mittlerweile auf der Plattform Instagram, etwa 30.000 besuchen täglich ihren Blog („The Blonde Salad“). Damit können deutsche Blogger bislang zwar nicht mithalten, doch auch hier steigen die Einnahmen stetig mit dem Bewusstsein der Werbeindustrie über den Einfluss der Blogger auf ihre Zielgruppe.

Wo das Geld herkommt? Ein erster Faktor war die kostenlose Zusendung von Kleidung. Vor wenigen Jahren noch hat ein Fashionblogger für einen kostenlosen Pullover einen entsprechenden Beitrag verfasst. Die Zeiten haben sich geändert, nicht aber die Mechanismen. Noch heute erhalten erfolgreiche Modeblogger zahlreiche Päckchen jeden Tag. Darin versteckt sich kostenlose Designerware, bei der erfolgreichen Stuttgarterin Anni („Fashionhippieloves“) sind da auch einmal Taschen im Wert von 700 Euro dabei. Der Clue an der Sache: Die Blogger schreiben dennoch nur über jene Teile, die ihnen besonders gut gefallen. Der Rest wird weiterverkauft.

Eine weitere große Einnahmequelle sind Affiliate-Programme. Der Blog stellt ein Produkt vor, der Leser kauft es, der Blogger erhält eine Provision. So simpel wie wirksam. Denn je höher die Identifikation des Lesers mit dem Blogger ist, desto größer ist auch der Wunsch nach Nachahmung und dadurch der Prozentsatz der „nachgekauften Outfits“. Hinzu kommen klassische Werbeformen, wie Bannerwerbung & Co. Besonders hohe Beträge fließen bei direkten Kooperationen eines Bloggers mit einer Marke. Eine der bekanntesten deutschen Modebloggerinnen „Masha Sedgwick“ beispielsweise entwarf eine eigene Kollektion für die asiatische Marke „Romwe“. Chiara Ferragni führt ihre Schuhkollektion sogar unter eigenem Namen und hat ein geschätztes Jahresgehalt von sechs Millionen Dollar.

Sind Modeblogger nicht „käuflich“?

Eine beliebte Art der Werbung sind die sogenannten Advertorials. Dabei handelt es sich um bezahlte Beiträge mit Text und Fotos, in denen die Fashionblogger ein Produkt präsentieren – positiv versteht sich. Die Bezahlung schwankt dabei von 100 bis zu 10.000 Dollar pro Beitrag. Das brachte den Fashionbloggern in ihrer Gesamtheit jedoch den Ruf als „käuflich“ ein, gegen den sie sich bis heute zu wehren versuchen. “Wir arbeiten nur mit Brands zusammen, über die wir auch aus eigenem Antrieb schreiben würden,“ so Jakob Haupt von Dandy Diary. Jessica Weiß, die Betreiberin des Blog-Magazins „Journelles“ mit 12.000 Besuchern täglich, spricht sogar von einer höheren Transparenz als bei den Modemagazinen. Schließlich seien die Kooperationen auf den Fashionblogs stets ersichtlich.

Blogger sind die Journalisten der Zukunft

Zu den Bloggern kann im Endeffekt jeder stehen, wie er möchte. Der steigende Einfluss jedoch lässt sich nicht mehr abstreiten. Die Modeblogger sind die neuen Werbeträger der Branche und genießen Privilegien, die bis vor kurzem nur namenhaften Modejournalisten zu Teil wurden: Gesponserte Reisen, Geschenke, Einladungen, geliehene oder geschenkte Designerstücke… Und wer glaubt, das alles komme von ungefähr, der täuscht sich gewaltig. „Mode-Bloggen ist darauf angelegt, von außen nach Leichtigkeit auszusehen. Aber es ist ein Fulltime-Job.” Die Bloggerin Jessica Weiß arbeitet beinahe täglich über zehn Stunden. Es ist ein harter Job, stets geprägt von der Unsicherheit der schnelllebigen Online-Welt.

1 Kommentar

  1. So ein guter Post! Und so verständlich für alle Blogger-Newbies. Dieser Artikel gibt einem den perfekten Einblick in das Blogger-Leben und lässt jedem Blogger ein bisschen in die Karten gucken.

    Auch ich durfte schon mit Online Shops kooperieren und über die Ware berichten. Ganz wichtig finde ich allerdings: NIEMALS auf alles Ja sagen. Ein nein ist auch mal viel authentischer und bringt mehr Leser und bleibende Leser als wenn man alles schön und gut redet und ziemlich ‘fake’ erscheint, nur um die Marke gut dastehen zu lassen und weitere Ware zu erhalten.

Ihr Kommentar zum Thema