Berufsplanung mit Life/Work Planning

Life/Work Planning-SeminarMit Life/Work Planning wird ein Verfahren bezeichnet, das arbeitslosen Personen bei der individuellen Planung ihrer Karriere und der Suche nach einer Arbeitsstelle helfen soll. Es wurde von dem US-amerikanischen Arbeitsforscher und evangelischen Pastor Richard Bolles zu Beginn der 1970er Jahre entwickelt, der dazu verschiedene, in der Praxis der Karriereberatung angewandte Verfahren der Potentialanalyse zusammengetragen hat. Seit 1995 wird das Konzept auch von immer mehr Bildungsinstitutionen in Deutschland in Form von Life/Work Planning-Seminaren angeboten (v.a. an Weiterbildungsberatungsstellen von Universitäten, bei Trägern der evangelischen Erwachsenenbildung).

Was ist das Besondere an Life/Work Planning?

Im Gegensatz zu anderen Berufsplanungsverfahren liegt der Fokus auf dem Arbeitssuchenden selbst. Die Idee hinter dem Verfahren ist es, dass Personen auf Jobsuche lernen sollen, sich nicht verzweifelt an ein bestimmtes auf dem Arbeitsmarkt gefordertes Idealbild anzupassen, sondern nach der Arbeitsstelle zu suchen, die ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten entspricht; sie sollen sich selbst nicht als „Nachfrager nach Arbeit“, sondern als „Anbieter von Fähigkeiten“ und „Gestalter der eigenen Berufslaufbahn“ sehen. Ziel von Life/Work Planning-Seminaren ist es, dass die Teilnehmer ihren individuellen Bildungs- und Qualifikationsbedarf für den anvisierten „Traumberuf“ erkunden, ihr eigenes „Selbstvermarktungskonzept“ entwickeln und dabei wichtige Kompetenzen zum selbstgesteuerten und lebenslangen Lernern erwerben.

Wie läuft ein typisches Life/Work Planning-Seminar ab?

Der Aufbau von Life/Work Planning-Seminaren orientiert sich in der Regel an drei aufeinander folgenden Frage-Bausteinen:

1) Der Baustein „Was?“ dient dazu, Personen die eigenen Kompetenzen und vor allem auch die eigenen Interessen mithilfe von biographischen Fragebögen bewusst zu machen, damit sie sich bei Bewerbungen entsprechend präsentieren können. Denn die meisten Menschen verfügen über sehr viel mehr beruflich nutzbare Fähigkeiten und Interessen, als sie selbst glauben. Zudem sind andere Personen oft nicht etwa deshalb bei Bewerbungen erfolgreicher, weil sie besser qualifiziert sind, sondern weil sie genau wissen, was sie wollen, und dies auch gut „vermarkten“ können.

2) Mit dem Baustein „Wo?“ wird ermittelt, in welcher Arbeitsumgebung eine Person tätig werden will (z. B. bevorzugte Branche, Tätigkeitsfelder, Unternehmensphilosophie). Ziel ist es, klare Vorstellungen formulieren zu können und ein Profil der Wunschstelle bzw. des Wunschunternehmens zu entwickeln, das als Ausgangspunkt für die weitere Berufsplanung und Stellensuche dient.

3) Der Baustein „Wie?“ geht der Frage nach, wie eine Person anhand konkreter Methoden ihre Wunschstelle bzw. ihr Wunschunternehmen finden kann, das zu ihren Kompetenzen und Interessen passt. Dabei geht es vor allem darum, Personen zu vermitteln, dass die meisten Stellen auf dem so genannten „verborgenen Arbeitsmarkt“ existieren, d.h. nicht öffentlich ausgeschrieben werden, und deshalb Eigenaktivität gefragt ist (z. B. Knüpfen von Kontakten und Netzwerken) anstatt unter Umständen lange auf passende Stellenangebote zu warten oder sich entsprechend den vermeintlichen Anforderungen des Arbeitsmarkts „verstellen“ zu wollen.

Für wen ist Life/Work Planning gedacht?

An Life/Work Planning-Seminaren kann im Allgemeinen jede interessierte Person teilnehmen; Alter, schulische oder berufliche Ausbildung und Erfahrung spielen meist keine Rolle und auch die Motive für die Teilnahme können unterschiedlich sein (z. B. Rückkehr in den Beruf, berufliche Neuorientierung, Ausbildungs- oder Studienplatzsuche nach der Schule). Interessierte sollten sich aber bewusst sein, dass mit einem Life/Work Planning-Seminar ein hoher Arbeitsaufwand verbunden ist, da keine fertigen Konzepte geliefert werden, sondern jeder im Austausch mit anderen Teilnehmern sein individuelles Berufskonzept erarbeiten muss (z. B. in Gruppendiskussionen, Rollenspielen). Zeit für die mehrtägigen Workshops (meist in Form von Block- oder Wochenendkursen), Lernbereitschaft und Engagement sollten deshalb unbedingt mitgebracht werden.

Ebenso richten sich Life/Work Planning-Seminare aber auch an im Bildungs- oder Sozialwesen tätige Personen (z. B. haupt- und nebenberuflich tätige Dozenten und Trainer, Personalentwickler, Karriere- und Berufsberater, Lehrkräfte an weiterführenden und Berufsschulen, Sozialpädagogen, Gemeindereferenten, Pastoren), die das Verfahren selbst in ihren Angeboten nutzen möchten (z. B. zur Berufsorientierung, Weiterbildungsberatung, Stadtteilarbeit).

Buchtipp

Karrierefalle Internet. Managen Sie Ihre Online-Reputation, bevor andere es tun!” von Klaus Eck, erschienen im Hanser Verlag 2008

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