Berufsunfähigkeit – Welche Berufe sind besonders betroffen?

Berufsunfähigkeit

Berufsunfähigkeit liegt im Allgemeinen dann vor, wenn ein Berufstätiger voraussichtlich mindestens 6 Monate lang aufgrund gesundheitlicher Beeinträchtigungen nicht in der Lage ist, seinen ausgeübten oder einen anderen seinen Fähigkeiten entsprechenden Beruf auszuüben. Einer 2009 durchgeführten Studie der Deutschen Aktuarvereinigung im Auftrag des Magazins FOCUS zufolge, ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Fall mindestens einmal im Laufe des Berufslebens bis zum regulären Rentenbeginn mit 65 Jahren eintritt, relativ hoch: Bei heute 20-jährigen Frauen beträgt sie 38 Prozent, bei heute 20-jährigen Männern sogar 43 Prozent. Daneben spielt aber auch die konkrete Berufstätigkeit eine entscheidende Rolle bei der Beurteilung, wie hoch das Berufsunfähigkeitsrisiko ist, da einige Berufsgruppen stärker betroffen sind als andere.

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Berufe mit hohem Berufsunfähigkeitsrisiko

Nach Angaben der Zeitschrift map-report, die sich auf eine Statistik der gesetzlichen Rentenversicherung über Rentenneuzugänge zwischen 1994 und 2005 bezieht, ist das Berufsunfähigkeitsrisiko bei Handwerkern und Bauarbeitern wie zum Beispiel Gleisbauern, Estrich- und Fliesenlegern, Gerüstbauern, Dachdeckern, Pflasterern oder Maurern mit bis zu 67 Prozent am höchsten (http://www.map-report.com/gefährli.htm). In akademischen Berufen wie Arzt, Physiker, Mathematiker, Apotheker, Hochschullehrer, Elektro- oder Maschinenbauingenieur, Rechtsberater und -anwalt ist die Gefahr, berufsunfähig zu werden, mit 6 bis 9 Prozent dagegen deutlich geringer (http://www.map-report.com/ungefähr.htm).

Risikogruppen in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Solche und ähnliche Statistiken verwenden private Versicherungsunternehmen, um ihre Beitragssätze und Beitrittsvoraussetzungen für Berufsunfähigkeitsversicherungen festzulegen. Dazu werden Erwerbstätige je nach ihrem Beruf meist in 4 unterschiedliche Risikogruppen eingeteilt. Beispielsweise wie folgt:

• Gruppe 1: geringes Berufsrisiko bei hoch qualifizierten Berufstätigkeiten, in denen fast nur geistige und sitzende Tätigkeiten ausgeführt werden (siehe oben und z. B. Architekt, Volks- oder Betriebswirt, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Psychologe)

• Gruppe 2: normales Berufsrisiko bei kaufmännischen oder sonstigen Berufen, in denen vor allem sitzende und leichte körperliche Tätigkeiten ausgeführt werden (z. B. Bank- und Bürokaufmann, Verwaltungs- und Finanzbeamte, Programmierer, Heilpraktiker)

• Gruppe 3: erhöhtes Berufsrisiko bei Berufen, in denen auch körperlich anstrengende Arbeiten bzw. Arbeiten in einem gefährlichen oder stressigen Arbeitsumfeld ausgeführt werden (z. B. Erzieher, Friseur, Telefonist, Verkäufer, Bautechniker)

• Gruppe 4: besonders hohes Berufsrisiko bei Berufen, in denen fast nur körperlich anstrengende Tätigkeiten bzw. Tätigkeiten in einem gefährlichen oder stressigen Arbeitsumfeld ausgeführt werden (siehe oben und z. B. Altenpfleger, Bäcker, Berufssoldat, Elektriker, Gärtner, Maler und Lackierer, Polizist)

Auswirkungen des Berufsrisikos auf die Beiträge und Beitrittsvoraussetzungen in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Mit dem Berufsrisiko steigen in der Regel auch die Beitragssätze, so dass eine Berufsunfähigkeitsversicherung in manchen Fällen leider kaum bezahlbar ist. Eine berufliche Tätigkeit in einem als besonders gefährlich bewerteten Beruf kann darüber hinaus dazu führen, dass ein Versicherungsunternehmen nur bereit ist, die betreffende Person gegen einen hohen Berufs- oder Risikozuschlag zu versichern. Oder es verweigert die Versicherung ganz.

Zum Beispiel können aber auch Lehrer und Künstler Probleme haben, eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu bekommen, da Berufstätige in solchen Berufen überdurchschnittlich oft an psychischen Erkrankungen leiden. Diese sind wiederum laut der aktuellen Statistik der Deutschen Rentenversicherung mit 36 Prozent der häufigste Grund für Rentenneuzugänge. Weitere häufige Ursachen, die mitunter für Fitnesstrainer oder Tanzlehrer ein Versicherungshindernis sein können, sind Skelett- und Muskelerkrankungen (16 Prozent) sowie Herz-Kreislauf-Krankheiten (10 Prozent).

Jeder Versicherungsanbieter hat allerdings seine eigenen Beurteilungsgrundlagen, anhand derer er Berufe als mehr oder weniger gefährlich einstuft. Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen möchte, sollte deshalb im Vorfeld möglichst Informationen von mehreren Anbietern einholen und vergleichen. Denjenigen, die dagegen eine Ablehnung aufgrund ihres Berufs befürchten, rät die Zeitschrift Finanztest, gleichzeitig mehrere Anträge zu stellen. So lässt sich eventuell vermeiden, dass ein abgelehnter Antrag und ein damit verbundener Datenbankeintrag in das Hinweis- und Informationssystem (HIS) des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (auch „schwarze Liste“ genannt) automatisch zu einer Ablehnung eines Antrags bei einem anderen Versicherungsunternehmen führt.

Jeder Berufstätige sollte frühzeitig daran denken eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, um im Falle einer Berufsunfähigkeit abgesichert zu sein.

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Bisher gibt es 11 Kommentare. »

  1. Eine BU-Versicherung ist mich für als Fliesenleger sehr wichtig. Wenn ich eines Tages auf die Knochen nicht mehr kann, wer zahlt mir denn dann ausreichend was, niemand. Da gehe ich lieber einen Tag weniger feiern im Monate und sichere mich und meine Familie für die Zukunft zu gut es geht ab. Unter meinen Kollegen macht sich leider niemand die Gedanken und ist bereit dafür Geld auszugeben. Aber die sind alt genug und müssen wissen was sie tun.

    Grüße aus Dresden
    Bernd

  2. Von einer Freundin der Mann war Fleischer. Der ist mit dem Messer beim trennen der Fleischteile in sein Knie geraten und hat seitdem Gehbeschwerden. Einer anderer hatte sich den kleinen Finger abgesägt an der Knochensäge. Also wer im Handwerk tätig ist und die Absicherung auf die leichte Schulter nimmt, dem ist nicht zu helfen. Ich bin Bürokauffrau und habe auch keine, aber wenn ich körperlich schwer arbeiteten würde, würde ich mir das schon überlegen.

    Manuela

  3. Eine interessante Diskussion zum Thema findet Ihr bei uns im Forum:

    Ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll oder nicht?

  4. Ich kann nur jedem empfehlen nicht gleich das erste Angebot zu nehmen, sondern verschieden Versicherungen zu vergleichen. Günstig ist nicht immer gleich gut. Will heißen: Leistung auch unter die Lupe nehmen.

    Drum prüfe wer sich ewig bindet.

    Gruß Marcel

  5. Der Staat sollte allen Arbeitern einen Zuschuss zur Berufsunfähigkeitsversicherung leisten. Von 950 Euro netto kann ich mir das nicht leisten. Wer wenig verdient wird wieder einmal doppelt bestraft. Wenig Geld und keine Absicherung.

    Wenn das so weiter geht werde ich meine geliebte Heimat verlassen und mein Glück im Norden suchen, wo gute Arbeit auch entsprechend belohnt wird. Ein normaler Arbeiter hat hier in Deutschland keine Perspektive.

  6. Wer eine monatliche Absicherung durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung von 1500 Euro haben möchte, zahlt dafür auch schon in den jüngeren Jahren über 100 Euro. Je mehr Zeit man verstreichen lässt, desto mehr muss dann auch gezahlt werden. Ist doch klar, wenn man älter und anfälliger wird. Ich meine auch gelesen zu haben, dass die Preise auch kräftig steigen werden in den kommenden Jahren. Dann dürfte die BU zu einer Art Luxusversicherung werden.

    Liebe Grüße
    Silvia U.
    Floristin aus Leidenschaft

  7. Auch auf eine Verweisklausel im BU-Vertrag sollte geachtet werden. Sonst steckt man den Betroffenen einfach in einen anderen Beruf, wo er mit seinem Handicap noch irgendetwas machen darf.

    Liebe Grüße
    Silvia U.
    Floristin aus Leidenschaft

  8. Hallo
    Kann ich mir die gezahlten BU Beiträge auch wieder auszahlen lassen?
    Habe die Frage auch bei euch im Forum gestellt.
    http://arbeits-abc.de/forum/allgemeine-fragen/bu-versicherung-kuendigen-14476/

  9. Einen Rückkaufwert gibt es meines Wissens nach bei der Berufsunfähigkeitsversicherung nicht. Hier fließt alles in die Risikoabsicherung. Du kannst sie aber Beitragsfrei stellen lassen, dann zahlt du erst einmal nichts ein und brauchst sie nicht zu kündigen.

    Dresden grüßt

  10. Hab erst die Tage im Netz eine Statistik gesehen, dass nur jeder 6 Bundesbürger eine Berufsunfähigkeitsversicherung besitzt. Jedes Jahr sollen laut Statistik über 200.000 Menschen in Deutschland berufsunfähig werden. Bei 82 Mio Einwohner eine (zu) hohe Zahl.

  11. @ Bernie (Der Staat sollte allen Arbeitern einen Zuschuss zur Berufsunfähigkeitsversicherung leisten. )

    Du kannst den Staat nicht für alles in deinem Leben verantwortlich machen. Die Rahmenbedingungen gibt er doch vor, sonst würde es gar keine BU Versicherungen geben. In dem Fall ist jeder selbst für sich verantwortlich. Es wird doch viel zu viel für Zeugs ausgegeben, das keiner braucht.

Dein Kommentar dazu: