Betriebliches Gesundheitsmanagement: Vorteile & Tipps

Die demografische Entwicklung, die Globalisierung und Digitalisierung, eine anspruchsvolle „Generation Y“ – die Arbeitswelt befindet sich derzeit in einem Wandel. Immer mehr Arbeitnehmer brechen unter dem ständigen Zeit- und Leistungsdruck ein und Stichworte wie „Work-Life-Balance“ oder „Employer Branding“ sind in aller Munde. Doch was viele Arbeitgeber dabei vergessen, ist erst einmal das richtige Fundament zu errichten: ein professionelles betriebliches Gesundheitsmanagement.

Inhalt
1. Einführung: Von Babyboomers, Workaholics und Karoshi
2. Generation Y, Digitalisierung, demografischer Wandel: Ein Land im Umbruch
3. Die Arbeitswelt wird immer komplexer – und die Menschen immer kränker
4. Das Dilemma um die „Work-Life-Balance“
5. Definition: Was bedeutet „betriebliches Gesundheitsmanagement“?
6. Vorteile: Betriebliches Gesundheitsmanagement – eine „Win-Win-Situation“
7. Umsetzung: So führen Sie BGM in Ihrem Unternehmen ein
8. Fazit: Betriebliches Gesundheitsmanagement ist kein „Kann“, sondern ein „Muss“

Einführung: Von Babyboomers, Workaholics und Karoshi

Wenn Deutschland für eines international bekannt ist, dass sind es seine fleißigen, pünktlichen und disziplinierten Arbeitnehmer. Gerade die sogenannte „Babyboomer-Generation“, also die 1950er und 1960er Jahrgänge, ist bekannt für ihre selbstlose Aufopferung im Job. Nach der Zerstörung und Armut, welche der zweite Weltkrieg hinterlassen hatte, gab es schließlich kein wichtigeres Ziel, als sich wieder zum Wohlstand hochzuarbeiten.

Arbeit war und ist für viele Babyboomer die höchste Priorität im Leben. Ihre Generation prägte den Begriff des „Workaholics“. Der Preis für das Streben nach der großen Karriere und finanzieller Sicherheit war für viele Betroffene aber hoch: Eine zerstörte Gesundheit, kein (glückliches) Familienleben und unzählige geschiedene Ehen. Während viele der Babyboomers nun an der Schwelle zum Ruhestand stehen, werden ihn leider ebenso viele nicht mehr erleben. Der Grund: „Karoshi“ – der Tod durch Überarbeitung!

Generation Y, Digitalisierung, demografischer Wandel: Ein Land im Umbruch

Die Generation Y, welche derzeit auf den Arbeitsmarkt drängt, ist zu dieser Form der Aufopferung nicht mehr bereit. Sie möchte nicht nur leben, um zu arbeiten, sondern sie möchte ihr Leben auch in vollen Zügen genießen. Gut, wenn der Job eine ausgewogene Work-Life-Balance zulässt. Noch besser, wenn sich Privat- und Berufsleben sogar optimal kombinieren lassen.

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Die Berufseinsteiger fordern also ein Umdenken auf dem Arbeitsmarkt ein – auch, um ihre Gesundheit zu schonen und langfristig erhalten zu können. Und das können sie sich dank demografischem Wandel und daraus resultierendem Fachkräftemangel auch leisten. Arbeitgeber, die sich dieser Entwicklung querstellen, werden früher oder später Probleme bekommen, noch ausreichend qualifiziertes Fachpersonal gewinnen und an das Unternehmen binden zu können. Spätestens jetzt wird das betriebliches Gesundheitsmanagement also zu einem Muss für die Arbeitgeberattraktivität, das sogenannte Employer Branding.

Die Arbeitswelt wird immer komplexer – und die Menschen immer kränker

Die Generation Y wird gerne als „faul“ oder „zu anspruchsvoll“ beschimpft. Dabei sind ihre Forderungen durchaus als sinnvoll, ja sogar dringend überfällig zu bewerten. Nicht nur der „Workaholismus“ der Babyboomers führt nämlich dazu, dass die Zahlen stressbedingter Erkrankungen seit einigen Jahren in erschreckendem Tempo in die Höhe schießen.

Besonders auffallend an diesen Zahlen ist, dass vor rund zehn Jahren noch vor allem Arbeitslose von psychischen Erkrankungen betroffen waren. Mittlerweile sind es vor allem die Arbeitnehmer, welche entsprechende Diagnosen verzeichnen. Allein die AOK (Allgemeine Ortskrankenkasse) stellte einen Anstieg der Fehltage aufgrund von psychischen Erkrankungen von über 50 Prozent fest. Damit hat sich der Wert seit dem Jahr 1976 verfünffacht. Aber woran liegt das?

Infografik: Die stärksten Belastungen im Arbeitsalltag | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Experten schieben die Gründe in erster Linie auf die Digitalisierung und Globalisierung. Der weltweite Konkurrenzdruck steigt stetig an. Die Geschäftswelt ist ständigen Sparmaßnahmen und Umstrukturierungen unterworfen. Die Komplexität der Arbeitsabläufe steigt. Arbeitsinhalte werden so lange komprimiert und das Zeitmanagement optimiert, bis sich viele Arbeitnehmer mittlerweile „24/7“ unter Zeitdruck fühlen. Und das nicht mehr nur am Arbeitsplatz, sondern dank Digitalisierung auch am Feierabend, an den Wochenenden oder im Urlaub. Denn die ständige Erreichbarkeit und damit die Vermischung von Berufs- und Privatleben führen dazu, dass es immer mehr Arbeitnehmern schwerfällt, in ihrer Freizeit abzuschalten.

Fällt es Ihnen schwer, nach der Arbeit abzuschalten?*
Trifft voll und ganz zuTrifft eher zuTrifft eher nicht zuTrifft überhaupt nicht zu
Alle Beschäftigten13%20%33%34%
Chemie13%17%37%33%
Metallerzeugung und -bearbeitung8%17%35%40%
Maschinen- und Fahrzeugbau12%15%30%43%
Energieversorgung9%32%34%25%
Baugewerbe10%16%38%36%
Handel13%18%28%41%
Verkehr und Lagerei11%18%33%38%
Gastgewerbe13%22%24%41%
Information und Kommunikation14%20%35%31%
Finanzdienstleistungen und Versicherungen8%21%39%32%
Wissenschaftliche, technische und andere Dienstleistungen17%22%28%33%
Öffentliche Verwaltung, Sozialversicherung, Verteidigung12%22%34%32%
Erziehung und Unterricht22%29%27%22%
Gesundheits- und Sozialwesen17%22%36%25%

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Das Dilemma um die „Work-Life-Balance“

Ist Ihnen der Widerspruch aufgefallen?

  • Einerseits wünscht sich die Generation Y eine bessere Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben, sprich eine ausgewogenere „Work-Life-Balance“, bestenfalls sogar die „Work-Life-Integration“.
  • Andererseits ist genau diese fehlende Trennung zum Beispiel in Form der ständigen Erreichbarkeit eine hohe (gesundheitliche) Belastung für die Betroffenen.

Natürlich liegt es auch an den Arbeitnehmern, für sich selbst Wege zu finden, um Beruf und Privatleben zu trennen, in der Freizeit abzuschalten und sich ihren Arbeitsalltag möglichst stressfrei zu gestalten. Dies ist allerdings nur möglich, wenn an dieser Stelle auch der Arbeitgeber mitzieht.

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Dieser befindet sich nämlich ebenfalls in einem echten Dilemma: Er muss mit der Zeit gehen, sich an die Generation Y anpassen und kann nicht weiterhin an veralteten Strukturen festhalten. Andererseits steigen die Anzahl der krankheitsbedingten Fehltage und damit auch die Kosten in den letzten Jahren stetig an. Wie also kann er mit dem Trend „Generation Y“ mitgehen und auf der anderen Seite dem gefährlichen Trend „Burn-Out & Co“ entgegenwirken? Die Antwort lautet: betriebliches Gesundheitsmanagement!

Definition: Was bedeutet „betriebliches Gesundheitsmanagement“?

Unter betrieblichem Gesundheitsmanagement, auch „BGM“, ist die Gestaltung, Entwicklung und Koordination von Maßnahmen am Arbeitsplatz zu verstehen, welche die betrieblichen Strukturen, Prozesse, die Organisation, Arbeitsgestaltung und Betriebsatmosphäre für die Arbeitnehmer gesundheitsförderlich gestalten.

Ziel ist also, einerseits die Angestellten zu ermutigen, selbst (mehr) auf ihre Gesundheit zu achten, und andererseits das Arbeitsumfeld gesundheitsförderlich einzurichten. Das Gesundheitsmanagement setzt sich daher aus vielen verschiedenen Aspekten zusammen, die alle ein und dasselbe Ziel verfolgen: gesündere Mitarbeiter.

Vorteile: Betriebliches Gesundheitsmanagement – eine „Win-Win-Situation“

Dahinter stecken aber natürlich nicht nur „guter Wille“ oder „Mitleid mit den Arbeitnehmern“, sondern ein professionelles betriebliches Gesundheitsmanagement ist eine waschechte „Win-Win-Situation“. Der Mitarbeiter gewinnt deutlich an Lebensqualität, fühlt sich besser, fitter, gesünder und vom Arbeitgeber wertgeschätzt. Der Stress wird merklich reduziert, die Arbeitsatmosphäre verbessert und so auf lange Sicht die psychische und physische Gesundheit der Mitarbeitenden erhalten. Aber wie „gewinnt“ der Arbeitgeber? Ganz einfach:

  • Gesündere Mitarbeiter bedeuten weniger krankheitsbedingte Fehltage und dadurch geringere Kosten für Krankenstände. Betriebliches Gesundheitsmanagement zählt daher als zunehmend wichtiger Wirtschaftsfaktor.
  • Die Arbeitnehmer bleiben zudem leistungsfähig, selbst bis in höhere Alter hinaus. Dadurch bleiben ältere Mitarbeiter länger im Betrieb – und mit ihnen wichtiges Knowhow sowie unverzichtbare Ressourcen.
  • Doch auch die Gewinnung und Bindung neuer Mitarbeiter wird durch das betriebliche Gesundheitsmanagement für das Unternehmen erleichtert. Stichwort: Employer Branding.
  • Die Mitarbeiter fühlen sich wertgeschätzt, sind dadurch zufriedener und motivierter.
  • Dies erwirkt eine bessere Betriebsatmosphäre, was wiederum (emotionalen) Stress verringert und dadurch gesundheitsfördernd wirkt. Betriebliches Gesundheitsmanagement löst also eine positive Aufwärtsspirale aus.
  • Weniger Stress bedeutet zugleich weniger Fehler und damit auch weniger Kosten. Das heißt: Die Mitarbeiter liefern eine bessere Qualität, was schlussendlich sogar beim Kunden eine höhere Zufriedenheit nach sich zieht.

Betriebliches Gesundheitsmanagement ist also genau genommen sogar eine „Win-Win-Win-Situation“, von der Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Kunden gleichermaßen profitieren.
„Gesundheit ist gewiss nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts.“ (Arthur Schopenhauer)

Umsetzung: So führen Sie BGM in Ihrem Unternehmen ein

Die Implementierung des betrieblichen Gesundheitsmanagements ist ein aufwändiger, dafür aber lohnenswerter Prozess, wie Sie nun bereits wissen. Es kann durchaus sinnvoll sein, sich hierbei die Hilfe erfahrener externer Berater ins Haus zu holen. Prinzipiell läuft die Einführung des BGM in folgenden Schritten ab:

  1. Bestandsaufnahme des Status Quo
  2. IST-Analyse
  3. Umfassende Einbeziehung der Organisations- und Personalentwicklung
  4. SOLL-Analyse, sprich Zieldefinition via SMART-Formel
  5. Planung der praxisorientierten Maßnahmen und Instrumente
  6. Frühzeitige Einbeziehung der Mitarbeiter
  7. Umsetzung und Implementierung des BGM
  8. Evaluation, Kontrolle und Optimierung

Lese-Tipp:Zielstrebigkeit: Ziele erreichen per SMART-Formel

Bei diesem Prozess sind stets drei verschiedene Handlungsebenen zu beachten:

  1. Wird der gesetzliche Arbeitsschutz eingehalten?
  2. Welche zusätzliche betriebliche Gesundheitsförderung ist wünschenswert?
  3. Wie sieht das Case Management bei individuellen Krankheitsfällen aus?

Das Ergebnis des betrieblichen Gesundheitsmanagements kann vielfältige Gesichter annehmen. Denkbar sind zum Beispiel:

  • Angebot von regelmäßigen Gesundheitschecks beim Betriebsarzt
  • flexible Arbeitszeitmodelle
  • „Treppen statt Aufzug“- Kampagnen
  • Sportangebote in den Pausen oder nach Feierabend
  • „Schlafräume“ für die Mittagspause

Wichtig ist, dass Sie als Arbeitgeber und Ihr Führungspersonal dabei als gutes Beispiel vorangehen. Denn Sie wissen ja:
„Der wahrhaft Edle predigt nicht, was er tut, bevor er nicht getan hat, was er predigt.“ (Konfuzius)

Fazit: Betriebliches Gesundheitsmanagement ist kein „Kann“, sondern ein „Muss“

Wenn Sie über noch kein oder ein veraltetes betriebliches Gesundheitsmanagement verfügen, sollten Sie diesen Zustand schleunigst ändern. BGM ist im Zuge der aktuellen Entwicklungen in der Geschäftswelt das unverzichtbare Fundament für zufriedene und gesunde Mitarbeiter, ein erfolgreiches Employer Branding, die Gewährleistung Ihrer Wirtschaftlichkeit usw. Die Liste könnte lange weitergeführt werden. Fakt ist: Nur mit einem betrieblichen Gesundheitsmanagement auf der Höhe der Zeit lassen sich Globalisierung, Digitalisierung, demografischer Wandel, steigende Komplexität der Geschäftswelt und alle weiteren Herausforderungen meistern und in eine „Win-Win-Win-Situation“ verwandeln – ohne auf Kosten der Gesundheit Ihrer Mitarbeiter zu gehen, was für Sie existenzbedrohend enden könnte.

Wie steht es um das betriebliche Gesundheitsmanagement in Ihrem Unternehmen? Welche Maßnahmen haben Sie als Arbeitgeber ergriffen? Und von welchen Angeboten profitieren Sie Ihrer Meinung nach als Arbeitnehmer am meisten? Welche Entwicklungen wären für die Zukunft wünschenswert? Teilen Sie Ihre Erfahrungen, Meinungen und Ideen in den Kommentaren mit uns!

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