
Im Ausland zu arbeiten wird für viele Berufstätige immer attraktiver. Zum Teil sind Stellenangebot und / oder Verdienstmöglichkeiten in bestimmten Branchen im Ausland größer. Aber auch die Einstellungschancen im Inland können durch berufliche Auslandserfahrungen verbessert werden.
Wer sich im Ausland bewerben will, benötigt allerdings eine Menge Eigeninitiative und Hartnäckigkeit, da eine solche Bewerbung immer zeitlich und organisatorisch aufwändiger ist als eine Inlandsbewerbung. Ein Bewerber muss sich beispielsweise im Vorfeld zusätzlich über kulturelle Gewohnheiten informieren und sich um Einreiseformalitäten, Arbeitserlaubnis oder die Anerkennung von Bildungsabschlüssen im Zielland kümmern.
Zudem sind bei einer Auslandsbewerbung länderspezifische Bewerbungsgepflogenheiten zu beachten, die teilweise deutlich von den in Deutschland üblichen Formalitäten und Anforderungen abweichen:
Bewerbungsunterlagen
Im einigen Ländern gehört neben dem Anschreiben lediglich der Lebenslauf zur Bewerbung; zusätzliche Unterlagen (z. B. übersetzte Arbeitszeugnisse, Zertifikate) werden vielfach erst zum Vorstellungstermin mitgebracht. Insbesondere in Großbritannien muss ein ausgefülltes Bewerbungsformular beigelegt werden, das beim jeweiligen Unternehmen angefordert werden kann. Ein solches Formular umfasst in der Regel Fragen zu persönlichen und beruflichen Daten bzw. Erfahrungen sowie eine kurze Motivationsbegründung.
Anschreiben
In einem englischsprachigen Anschreiben ist vor allem die Reihenfolge von Adresse, Datum und Betreff zu beachten. Das Anschreiben beginnt links oder rechts oben mit dem Datum, wobei der Monatsname immer ausgeschrieben werden sollte, um Missverständnisse zu vermeiden (z. B. 10 September 2007). Anschließend folgen Adresse und Anrede des Personalverantwortlichen, erst dann Betreff und der eigentliche Text des Anschreibens. In einigen Ländern ist es zudem üblich, das Anschreiben handschriftlich zu verfassen (z. B. Frankreich).
Lebenslauf
Der Lebenslauf beginnt in einer englischsprachigen Bewerbung üblicherweise mit der Überschrift „Curriculum Vitae“ (oder „Résumé“ in den USA). Danach folgen die persönlichen Daten in der genannten Reihenfolge:
• Vor- und Nachname
• Adresse (Wohnadresse und Heimatland)
• Telefon-, Handy- oder Faxnummer mit Deutschlandvorwahl
• E-Mail-Adresse
• Geburtsdatum (Geburtsort nicht unbedingt nötig)
• Staatsangehörigkeit
Auf die Angabe von Alter, Familienstand, Religionszugehörigkeit und sonstige Angaben, die eventuell nachteilig ausgelegt werden könnten (z. B. Behinderungen, Krankheiten oder Vorstrafen) sollte verzichtet werden, sofern sie nichts mit der angestrebten Arbeitstätigkeit zu tun haben.
Im Anschluss folgt der eigentliche Lebenslauf beginnend mit der letzten Berufs- oder Bildungserfahrung. Je nach Zielland werden dann in auf- bzw. absteigender oder thematischer Reihenfolge die weiteren Arbeits- und Ausbildungsstationen genannt. Dabei ist speziell bei der Angabe von Aus- und Weiterbildungen darauf zu achten, dass die Inhalte oft nicht denen im Zielland entsprechen und erklärt werden muss, welches Wissen und welche Fähigkeiten erworben wurden.
Am Ende des Lebenslaufs stehen in vielen Ländern auch nicht wie in Deutschland üblich Ort, Datum und Unterschrift.
Kenntnisse / Fähigkeiten
Bei der Angabe von Kenntnissen und Fähigkeiten ist neben den für die Arbeitstätigkeit relevanten Kompetenzen besonders die Angabe wichtig, wie gut der Bewerber die Landessprache in Wort und Schrift beherrscht. Dabei sollten die eigenen Sprachfähigkeiten realistisch beurteilt werden (fließend, Alltags- oder Grundkenntnisse), denn spätestens im Vorstellungsgespräch kommen eventuelle Mogeleien ans Licht. Sind derzeit nur Grundkenntnisse vorhanden, sollte der Bewerber angeben, welche Maßnahmen er unternimmt, um sich die Sprache noch besser anzueignen.
Bewerbungsfoto
Ein Bewerbungsfoto ist in den USA und vielen europäischen Ländern nicht gewünscht bzw. muss nicht den strengen deutschen Kriterien entsprechen. Grund dafür ist, dass Unternehmen hier ihre Entscheidung mehr auf die rein fachliche und persönliche Eignung gründen und sich weniger von Äußerlichkeiten beeinflussen lassen wollen.
Zeugnisse / Referenzen
Wer sich im Ausland bewirbt, profitiert meist noch sehr viel mehr von privaten oder beruflichen Kontakten als in Deutschland. In einigen Ländern sind dies sogar die ausschlaggebenden Einstellungskriterien (z. B. Italien, Spanien). Deshalb ist es hier ratsam, vorhandene Referenzgeber mit Telefonnummer und vollständiger Adressangabe am Ende des Lebenslaufs aufzuführen oder der Bewerbung – falls gewünscht – Kopien übersetzter Empfehlungsschreiben und Arbeitszeugnisse beizulegen. Die entsprechenden Personen sollten im Vorfeld unbedingt darüber informiert werden, da es im Gegensatz zu Deutschland sehr wahrscheinlich ist, dass der potentielle Arbeitgeber Rücksprache mit ihnen hält.
Vorstellungsgespräch
Auch beim Vorstellungsgespräch sollte sich ein Bewerber in einigen Ländern auf ungewohnte, aber dort zulässige Nachfragen einstellen (z. B. über Familienverhältnisse, persönliche Gewohnheiten). Zudem werden je nach Zielland bestimmte Verhaltensweisen im Gespräch unterschiedlich bewertet: Während in den Niederlanden beispielsweise ein lockeres Auftreten und Engagement des Bewerbers gut ankommen, schätzen österreichische Arbeitgeber eher eine gewisse Zurückhaltung.
Fazit
Die genannten Hinweise können nur eine grobe Orientierung für eine Auslandsbewerbung sein, da sich auch die Bewerbungsgepflogenheiten im Ausland oft deutlich unterscheiden. Vor einer Bewerbung sollte sich ein Bewerber daher ausführlich mit den im Zielland üblichen Bewerbungsformalitäten auseinandersetzen. Länderspezifische Informationen sind beispielsweise bei der Arbeitsagentur oder im Internet erhältlich.
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