Bewerben und Arbeiten in Frankreich

Bewerben und Arbeiten in FrankreichIm Sommer des Jahres 2008 konnte Frankreich eine Arbeitslosenquote von 7,3 Prozent vermelden und damit einen Erfolg verbuchen. Innerhalb von nur einem Jahr ist die Quote um 0,8 Prozent gesunken. Mittlerweile haben wir die Wirtschaftskrise, die weltweit alle Länder erfasst hat und die Situation sieht etwas anders aus. Die Arbeitslosigkeit in Frankreich ist wieder stark gestiegen. Im Oktober 2009 ist die Zahl der Arbeitslosen, verglichen mit dem gleichen Monat des Vorjahres, um 25 Prozent angestiegen. Mehr als 2,6 Millionen Menschen sind in Frankreich ohne Job. Nach wie vor gehen aufgrund der Krise viele Arbeitsplätze verloren. So wie das auch in Deutschland der Fall ist. Besonders stark von der Arbeitslosigkeit betroffen sind Regionen wie Nord-Pas-de Calais, die Provence-Alpes-Côte d’Azur und Languedoc-Roussillon sowie Picardie. Besonders hoch ist die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen.

Innerhalb der Europäischen Union ist Frankreich der größte Agrarstaat. In diesem Sektor sind aber nur drei Prozent der Berufstätigen beschäftigt. Zu den wichtigsten Arbeitgebern in Frankreich zählt ohne Frage der Dienstleistungssektor. Immerhin 75 Prozent aller Franzosen arbeiten in der Dienstleistungsbranche. Dazu zählen der Handel, die Finanzdienstleister, die Immobilienwirtschaft und die Gastronomie. In der Industrie ist gerade einmal ein Fünftel der Erwerbstätigen beschäftigt. Anders sieht es bei der französischen Bauwirtschaft aus, die Auftragslage ist höher als die vorhandenen Kapazitäten.
Deshalb sind gerade im Baubereich Arbeitskräfte gesucht. Gefragt sind Facharbeiter, Ingenieure aber auch Arbeitskräfte ohne Ausbildung. Auch im Handel, hier ist die Fluktuation in Frankreich ziemlich hoch, werden immer wieder Arbeitskräfte nachgefragt. Gesucht werden auch Bäcker, Fleischer und, Köche. Wer als Tagesmutter oder Haushaltshilfe Arbeit sucht, hat auch gute Chancen einen Job zu finden.

Der Arbeitgeber in Frankreich wünscht sich vom Arbeitnehmer solide Fachkenntnisse mit möglichst breitem Qualifikationsspektrum. Er setzt Sprachkenntnisse voraus, Französisch sowieso aber meist auch Englisch und Deutsch. Deutsch besonders da, wo es Depardancen in Deutschland gibt. Bei den Soft Skills sind soziale Kompetenzen, Teamfähigkeit und interkulturelle Kompetenz gefragt.

Wer in Frankreich arbeiten möchte, spricht selbstverständlich die Landessprache. Gerade internationale Konzerne beschäftigen gern auch ausländische Mitarbeiter. Gesucht werden IT-Spezialisten, Experten im Finanzwesen sowie qualifizierte Versicherungsfachleute. Gern gesehen sind Akademiker in den Bereichen Human Ressource und im Sektor Energie und Umwelt. Deutsche können als EU-Bürger mit einem gültigen Reisepass oder mit dem Personalausweis in Frankreich einreisen und zu jeder Zeit eine Arbeit aufnehmen. Bleibt man länger als drei Monate im Land, ist eine Aufenthaltserlaubnis zu beantragen, die bei der Polizei- oder Verwaltungsbehörde ausgestellt wird. Die sogenannte carte de séjour ist nicht verpflichtend, aber wer ein Konto in Frankreich eröffnen möchte, wird nach der Aufenthaltserlaubnis gefragt.

Bewerben in Frankreich

Ohne Kenntnisse der französischen Sprache in Wort und Schrift haben Bewerber auf dem französischen Arbeitsmarkt keine Chance.
Die Bewerbungsunterlagen sind ähnlich denen in Deutschland aufgebaut. Dazu gehören der Lebenslauf mit den Angaben zur Person, der durchlaufenen Ausbildung, den Sprachkenntnissen, der Berufserfahrung und schlussendlich persönliche Angaben zu den Hobbys und zur Verfügbarkeit. Dieser Punkt ist anders als in Deutschland. In Frankreich teilt der Bewerber im Lebenslauf mit, ab wann er für das Unternehmen zur Verfügung steht.
Ähnlich abweichend ist auch die Tatsache, dass im französischen Lebenslauf die beruflichen Ziele erwähnt werden. In drei bis vier Sätzen schildert der Bewerber, welche Ziele er beruflich verfolgt, die sich aus seinen Erfahrungen und Fähigkeiten ableiten.

Der Lebenslauf hat eine Länge von etwa zwei Seiten. Direkt verbindliche Standards gibt es nicht, sodass der Bewerber auch persönliche Akzente setzen kann, aber dabei die geschilderten Grundsachverhalte umfassend vermittelt. Der Lebenslauf bekommt keine Überschrift und in Frankreich ist es nicht unüblich, den Lebenslauf mit der Hand zu schreiben. Ähnlich wie bei Bewerbungen in den USA und in England sind Bewerbungsfotos nicht notwendig.

Die wichtigsten Punkte im Überblick:

• Angaben zur Person – Fiche d’identité
• Ausbildung – Formation
• Sprachkenntnisse – Langues
• Berufserfahrung – Expérience
• Verschiedenes – Divers

Das Bewerbungsschreiben in Frankreich

Französische Anschreiben für eine Bewerbung sind kurz. Nicht länger als eine Seite. Die Form des Schreibens weicht von der deutschen Form ab. Rechts stehen das Datum und die Adresse des Unternehmens, an das die Bewerbung gerichtet ist. Adressiert wird an einen Ansprechpartner, vorausgesetzt, dessen Name ist bekannt. Inhaltlich wird das Anschreiben wie ein Deutsches gestaltet. Gehaltsvorstellungen werden nicht erwähnt, es sei denn, sie wurden ausdrücklich verlangt.

Das Anschreiben ist dann dreiteilig. Der erste Teil nimmt Bezug auf das Stellenangebot, im zweiten Teil wird auf die Kenntnisse und Fähigkeiten eingegangen und im dritten Teil wird um ein Vorstellungsgespräch ersucht.
Zeugnisse und Befähigungsnachweise werden nicht mitgeschickt.
In Frankreich ist es üblich, sich einige Tage nach dem Versand der Bewerbung nach dem Stand des Bewerbungsverfahrens zu erkundigen.

Was ist beim Vorstellungsgespräch zu beachten?

Grundsätzlich laufen Vorstellungsgespräche nach dem gleichen Muster wie in Deutschland. Der Bewerber ist möglichst gut über das Unternehmen informiert.
Prinzipiell lässt sich sagen, dass für ein Vorstellungsgespräch in Frankreich die gleichen Maßstäbe zu setzen sind, wie für das Vorstellungsgespräch in Deutschland. Diese Informationen bekommen deutsche Bewerber entweder aus dem Internet oder sie lassen sich Informationen in Form von Broschüren direkt vom Unternehmen schicken. Mit einer Einladung zum Vorstellungsgespräch bekundet das Unternehmen sein großes Interesse und das Gespräch gibt Gelegenheit offene Fragen zu klären und sich gut zu präsentieren.
Für den Ablauf des Vorstellungsgesprächs in Frankreich gibt es drei Varianten.

• Der Bewerber wird von einem Personalreferent interviewt und manchmal im Anschluss noch von einer
weiteren Person.

• Es werden mehrere Bewerber zusammen interviewt.

• Der Bewerber wird gleichzeitig von verschiedenen Personen befragt.

Während des Vorstellungsgesprächs wird auch über das Gehalt gesprochen, deshalb sollte der Bewerber Kenntnisse über orts- und brancheübliche Gehälter haben. Gelegentlich werden auch Persönlichkeits- oder Intelligenztests im Rahmen des Vorstellungsgesprächs durchgeführt.

Wie findet man passende Stellenangebote?

Französische Stellenangebote sind in den großen Tagezeitungen wie Le Figaro oder Le Monde und in Regionalzeitungen zu finden. Für Absolventen von Hochschulen gibt es die Association pour l’Emploi des Cadres. Die hilft, Akademikern eine Arbeit zu finden. Bewerbungen sollten grundsätzlich nur auf das jeweilige Fachgebiet erfolgen, da sonst kaum Chancen bestehen.
Die französische Arbeitsverwaltung stellt Online-Angebote unter pole-emploi.fr ein und es gibt eine Reihe von Jobbörsen, die nach Stellenangeboten durchsucht werden können. Darunter sind abg.asso.fr für Akademiker, monster.fr und go4constructionjobs.com für Arbeiten im Baugewerbe weltweit. Die private Personalvermittlung apec.fr vermittelt Führungskräfte.

Natürlich können auch die Webseiten der Unternehmen in Frankreich nach Stellenangeboten durchforstet werden.

Bookmark and Share
Sie haben noch Fragen? Sie möchten anderen Menschen mit Ihrem Wissen weiterhelfen?
Dann besuchen Sie unser Forum!

Wenn Sie auf diesen Artikel verweisen möchten, benutzen Sie bitte folgende URL:
http://arbeits-abc.de/bewerben-und-arbeiten-in-frankreich/

Dein Kommentar dazu: