Bewerben und Arbeiten in Spanien
Spanien ist das beliebteste Urlaubsziel der Deutschen. Viele Urlauber tragen sich mit dem Gedanken, für immer dort zu bleiben. Besonders reizvoll erscheinen ihnen das mediterrane Klima mit den vielen Sonnentagen und die Mentalität der Spanier.
In Spanien leben mehr als 40 Millionen Mensch auf der Iberischen Halbinsel, den Balearen und den Kanaren. Das Klima ist sehr unterschiedlich. Immer Sommer können die Temperaturen durchaus 40 Grad erreichen. Spanien verfügt über knapp 6.000 km Küstenlänge an denen sich 2.000 Sandstrände befinden.
Regiert wird Spanien von einer Monarchie durch den König Juan Carlos. Es besteht Religionsfreiheit, aber etwa 96 Prozent aller Spanier sind römisch-katholisch. Die Amtssprache in Spanien ist kastilisch aber in einzelnen Regionen wird auch Katalanisch, Galizisch, Baskisch und Valencianisch gesprochen.
In Spanien geht es um einiges entspannter zu als in Deutschland. Das heißt aber auch, dass es bei den Behörden etwas länger dauert. Weil das Einkommen unterdurchschnittlich ist, sind natürlich auch die Lebenshaltungskosten niedriger. Allerdings nicht in den Metropolen. Dort ist das Leben relativ teuer. Wer sich länger als sechs Monate in Spanien aufhält, ist zur Zahlung von Einkommenssteuer verpflichtet. Einkommenssteuerfrei sind Einkommen von unter 20.000 Euro, sonst liegt der Satz für Familien bei 10,4 und für Alleinstehende bei 13,6 Prozent.
Der spanische Arbeitsmarkt
Die Wirtschaft in Spanien wächst zwar stetig aber die Arbeitslosenquote liegt im Vergleich zu anderen EU-Ländern relativ weit oben. Sie liegt in etwa bei 11 Prozent. Weil immer mehr Frauen arbeiten wollen und die Zahl der Immigranten steigt, ist damit zu rechnen, dass sich an der Zahl der Arbeitslosen vorerst nichts ändern wird.
Die besten Chancen auf einen Job hat man in den Metropolen Spaniens, in Städten wie Madrid und Barcelona oder in Valencia. Das Lohnniveau in Spanien liegt allerdings nur bei 70 bis 80 Prozent des europäischen Durchschnitts. Auch bei den Arbeitszeiten wird der deutsche Durchschnitt übertroffen. Wochenendarbeit ist üblich und durch die dreistündige Siesta, die in vielen kleineren Firmen eingehalten wird, verlängert sich der Arbeitstag entsprechend. In Spanien gibt es großzügige gesetzliche Urlaubsregelungen und 14 Feiertage.
Eine feste Anstellung zu bekommen ist in Spanien schwer. Meistens gibt es befristete Arbeitsverträge. Ein Vertrag über sechs Monate, der eventuell einmal verlängert wird, ist für Berufseinsteiger die Regel. Der Arbeitgeber zahlt Arbeitslosen- und Krankenversicherung. Das Lohnsteuerniveau ist niedriger als in Deutschland.
Ganz anders sieht es bei befristeten Jobs für die Saison aus. In der Tourismusbranche bestehen gute Aussichten für Kellner, Köche, Animateure und Reisekaufleute. Besonders auf den spanischen Urlaubsinseln Mallorca, den Kanaren oder Ibiza kommt man dann auch weiter, wenn die Sprachkenntnisse zu wünschen übrig lassen. Ähnlich gute Chancen haben Masseure, Psychotherapeuten und Arzthelferinnen, die bei deutschen Ärzten einen Job finden können. Akademiker und Ingenieure haben hingegen in den großen Städten Spaniens die besten Aussichten auf einen Job. Besonders die IT-Branche befindet sich im Aufwind. Beliebte Arbeitskräfte sind Fachhochschulabsolventen. Etwas schwieriger ist die Situation am Arbeitsmarkt für Hochschulabsolventen aus der Wirtschaft und für Geisteswissenschaftler.
Sich direkt vor Ort um eine Stelle zu kümmern, ist die zu bevorzugende Variante bei der Jobsuche. Gute Chancen bestehen bei mittelständischen Unternehmen, die auch wirtschaftliche Beziehungen zu deutschen Unternehmen haben. Deutsche haben unter bestimmten Voraussetzungen noch drei Monate Anspruch auf Arbeitslosengeld. Dazu muss das Formular E 303 (Information – E 303 deutsch PDF) ausgefüllt werden. Die Bearbeitung eines solchen Antrages dauert aber meistens zwei oder drei Monate.
Die Suche nach passenden Stellenangeboten
In Spanien ist es wichtig, Kontakte zu haben. Viele Stellen werden ausschließlich aufgrund von Beziehungen vergeben. Deshalb sind sie auch nicht in Inseraten in der Zeitung oder auf Jobbörsen zu finden. Wer durch ein Praktikum vor Ort Kontakte knüpft, hat weitaus bessere Chancen, einen Job zu bekommen. Außerdem kann auch eine Initiativbewerbung nützlich sein, wobei der Bewerber dann dranbleiben und immer wieder hartnäckig telefonisch nachfragen sollte. Anders als in Deutschland sind mündliche Abreden allerdings in Spanien nicht verbindlich.
Informationen über potenzielle Arbeitgeber finden Interessierte auf Jobbörsen der Arbeitsämter. Auch die Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht Stellenangebote, aber besser ist die Suche direkt vor Ort. Dabei können Branchenbücher nützlich sein. In den regionalen Tageszeitungen werden regelmäßig auch Stellenanzeigen geschaltet, aber auch die großen spanischen Zeitungen wie El Mundo oder La Vanguardia veröffentlichen Stellenangebote, bei denen auch Akademiker fündig werden können. Schlussendlich gibt es noch die Veröffentlichungen der spanischen Arbeitsagentur INEM.
Die Bewerbung in Spanien
Die Bewerbung an sich ist anders als aus Deutschland bekannt. Ein Anschreiben und der Lebenslauf gehören dazu, aber auf ein Foto und Zeugnisse kann verzichtet werden. Im Anschreiben sollte der Bewerber das Interesse für seine Person beim Leser wecken. Dabei sind Aussagen über die Vergangenheit nicht so wichtig. Viel wichtiger sind Nachweise über Kenntnisse der Sprache oder über absolvierte Praktika vor Ort und/oder Studienaufenthalte. Vorteilhaft ist eine spanische Adresse. Alle Berufsbezeichnungen und Schulabschlüsse sind in die spanische Sprache zu übersetzen und die Zensuren sollten in das spanische Notensystem, das anders als das Deutsche ist, übertragen werden.
Nicht alle deutschen Abschlüsse und Ausbildungen werden automatisch auch in Spanien anerkannt. Hier kann eine Nachfrage beim europäischen Arbeitsamt EURES nützlich sein, bei der zu erfahren ist, welche spanische Behörde für den Beruf zuständig ist.
Das Vorstellungsgespräch in Spanien
In Spanien wird neben der Berufserfahrung eines Bewerbers auch auf seine Lebenserfahrung wert gelegt. Von daher sind entsprechende Fragen dazu in der Landessprache nichts Ungewöhnliches. In den verschiedenen Regionen werden unterschiedliche Sprachen gesprochen und zum Teil wird auch von den Bewerbern explizit erwartet, dass sie Sprachkenntnisse in der Regionalsprache haben.
Zusätzlich zum Vorstellungsgespräch ist in Spanien ein Einstellungstest üblich, bei dem die Persönlichkeit und die Intelligenz eines Bewerbers getestet werden. Die Persönlichkeit eines Bewerbers spielt in Spanien eine wichtige Rolle, da auch die Qualität des Arbeitsklimas einen höheren Stellenwert hat.
Bei den Vorstellungsgesprächen gibt es verschiedene Formen. Dazu gehört das Gespräch zwischen Bewerber und Arbeitgeber, das Gespräch zwischen Bewerber und ausgewählten Angestellten, mehrere aufeinanderfolgende Gespräche und das Gruppengespräch, bei dem mehrere Bewerber gleichzeitig eingeladen sind.
Zu den typischen Fragen gehören die nach der Berufserfahrung, nach dem derzeitigen Job, der Grund für die berufliche Neuorientierung, die Frage wie der Bewerber auf dieses Unternehmen gekommen ist und die Frage nach der Freizeitgestaltung.
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Simone G. am 22 Oktober 2010:
Ich hätte da noch eine Frage. Gibt es denn in Spanien so etwas wie Arbeitslosengeld, falls man doch mal gekündigt wird? Falls ja, wie lange muss man in einer Festanstellung gearbeitet haben?
Liebe Grüße
Simone