I’m back: Bewerbung nach der Elternzeit

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Emanzipation hin oder her: Bis heute sind es in Deutschland vor allem die Frauen, die nach der Geburt eines Kindes eine Auszeit vom Job nehmen und sich in der Elternzeit ganz und gar der neuen Mutterrolle widmen. Während sich zwar auch die Väter immer häufiger eine kurze Pause vom Beruf gönnen, kehren diese meist schon nach wenigen Wochen oder Monaten wieder in den Arbeitsalltag zurück. Die Frauen hingegen, steigen oftmals gänzlich aus der alten Stelle aus oder bleiben viele Jahre als hauptberufliche Hausfrau und Mutter bei den Kindern. Steht dann der berufliche Wiedereinstieg an, kann dies mitunter sehr schwierig werden. Wie also bewerben Sie sich am besten nach der Elternzeit, damit der Wiedereinstieg möglichst schnell klappt?

1. In Deutschland herrscht traditionelle Aufgabenteilung
2. Rückkehr in die vorherige Arbeitsstelle
3. Neuorientierung? Die Bewerbung nach der Elternzeit
4. Gründe für eine berufliche Umorientierung
5. Berufliche Umorientierung beginnt schon während der Elternzeit
6. Hilfe durch die Arbeitsagentur
7. Tipps für die Bewerbung nach der Elternzeit
8. Tipps für Ihr Anschreiben
9. Tipps für Ihren Lebenslauf
10. Zusammenfassung zur Bewerbung nach der Elternzeit

In Deutschland herrscht traditionelle Aufgabenteilung

Eine von Statista veröffentlichte Umfrage bestätigt: Die Deutschen leben sehr traditionell, wenn es um die häusliche Aufgabenverteilung geht. Demnach bleiben in 35 Prozent der Haushalte die Frauen Zuhause, um sich um Haushalt und die Kindererziehung zu kümmern, während der Mann voll berufstätig ist. Doch es zeichnet sich noch ein zweites Modell ab: Auch die Frau ist berufstätig und kümmert sich kurzerhand nebenher um die Kinder oder teilt sich die Erziehung mit ihrem ebenfalls berufstätigen Partner. Nur in vier Prozent der deutschen Haushalte ist der Vater alleinig für die Kindererziehung zuständig, neben oder statt der Berufstätigkeit. Es sind also bislang immer noch die Frauen, welche aufgrund der Geburt eines Kindes ihren Job aufgeben oder beruflich kürzer treten müssen. Dennoch werden die genommenen Auszeiten tendenziell immer kürzer. Es zieht die Frauen schneller wieder zurück in den Beruf. Wer ein passendes Modell mit seinem vorherigen Arbeitgeber gefunden hat, kann vielleicht einfach wieder die Arbeitszeit aufstocken. Wer die Berufstätigkeit jedoch gänzlich aufgegeben hat, tut sich mit dem Wiedereinstieg mitunter sehr schwer. Je länger die Elternzeit, desto schwieriger.

Statistik: Wie ist bei Ihnen die Arbeitsteilung bei der Versorgung des Kindes/der Kinder organisiert? | Statista
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Rückkehr in die vorherige Arbeitsstelle

Da die Auszeiten, wie bereits erwähnt, immer kürzer werden, bleiben während der Elternzeit mittlerweile viele Arbeitsverträge bestehen und Frau kehrt kurzerhand in ihre alte Arbeitsstelle zurück. Dennoch sollten Sie in der Elternzeit keinen ausgedehnten Urlaub sehen, was Ihren Beruf betrifft. Denn trotz kurzer Nächte und anstrengender Tage, sollten Sie in der Elternzeit auch Ihren Job nicht gänzlich aus den Augen verlieren. Beachten Sie in der Elternzeit daher folgende Grundregeln, wenn Sie anschließend in die vorherige Arbeitsstelle oder auf eine vergleichbare beim alten Arbeitgeber zurückkehren können:

  • Halten Sie stets regelmäßigen Kontakt zu Ihrem Arbeitgeber.
  • Zeigen Sie Interesse an internen Schulungen oder Weiterbildungen während der Elternzeit.
  • Bieten Sie sich, wenn möglich, auch während der Elternzeit als Urlaubs- oder Krankheitsvertretung an.
  • Halten Sie auch Kontakt zu Ihren Kollegen und behalten Sie einen groben Überblick über laufende Projekte.
  • Beginnen Sie, wenn möglich, recht früh wieder mit Ihrer Rückkehr, selbst wenn es nur wenige Stunden pro Woche sind (Sie dürfen während der Elternzeit bis zu 30 Stunden arbeiten).
  • Besprechen Sie frühzeitig mit Ihrem Arbeitgeber, ab wann und mit welcher Wochenstundenzahl Sie wieder einsteigen möchten.
  • Kümmern Sie sich ebenfalls rechtzeitig um die Betreuung für Ihr/e Kind/er.
  • Besprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber, ob eventuell flexible Arbeitszeiten oder Home Office infrage kommen.

So bekunden Sie auch während Ihrer Abwesenheit Interesse und Engagement. Zudem fällt Ihnen der Wiedereinstieg leichter, da Sie intern sowie fachlich auf dem Laufenden sind. Lassen Sie nicht zu, dass Sie im Unternehmen „vergessen“ werden und anschließend wieder bei Null anfangen müssen. Machen Sie sich also auch während der Elternzeit unverzichtbar, natürlich stets im Rahmen des Möglichen.

Neuorientierung? Die Bewerbung nach der Elternzeit

Gründe für eine berufliche Umorientierung

Es gibt aber auch viele potenzielle Gründe, weshalb Sie nach der Elternzeit nicht mehr in Ihre vorherige Arbeitsstelle zurückkehren können beziehungsweise möchten. Vielleicht war Ihr Arbeitsvertrag vor der Elternzeit nur befristet und wurde demnach nicht verlängert. Oder das Unternehmen musste in der Zeit Ihrer Abwesenheit Insolvenz anmelden. Vielleicht möchten Sie ja auch einfach nicht zurück zu Ihrem alten Arbeitgeber oder überhaupt in den erlernten Beruf? Prinzipiell ist der Wiedereinstieg nach der Elternzeit ein optimaler Zeitpunkt für eine berufliche Neuorientierung. Allerdings dürfen Sie die auf Sie wartenden Hürden bei der Bewerbung und dem Wiedereinstieg in einem komplett neuen und unbekannten Arbeitsumfeld nicht unterschätzen. Prinzipiell gilt: Eine berufliche Umorientierung nach der Elternzeit sollte sich niemals nachteilig auf Ihre Karriere auswirken. Sie sollten daher entweder bessere Aufstiegschancen, eine attraktivere Bezahlung, einen kürzeren Arbeitsweg, interessantere Arbeitsinhalte oder schlichtweg ein positiveres Arbeitsumfeld haben als vor der Elternzeit.

Berufliche Umorientierung beginnt schon während der Elternzeit

Doch auch wenn Sie nach der Elternzeit nicht mehr in Ihren vorherigen Beruf zurückkehren möchten, sollten Sie diese effektiv nutzen. Eine berufliche Neuorientierung beginnt nämlich nicht erst nach, sondern schon während der Elternzeit. Werden Sie sich deshalb frühzeitig darüber klar, wohin es nach der Elternzeit beruflich gehen soll und belegen Sie entsprechende Fortbildungen, beginnen Sie ein Fernstudium oder treten Sie eine Teilzeitstelle an. Vielleicht benötigen Sie ja auch noch den ein oder anderen Sprachkurs oder müssen an Ihren SAP-Kenntnissen feilen? Was auch immer es ist: In Ihrer Bewerbung können Sie positiv auffallen, wenn Sie auch in der Elternzeit beruflich aktiv waren und diese nicht schlichtweg eine Lücke im Lebenslauf darstellt. Achten Sie deshalb darauf, dass Sie die jeweiligen Weiterbildungen, Sprachkurse o.ä. durch entsprechende Zertifikate und Belege nachweisen können.

Hilfe durch die Arbeitsagentur

Wenn Sie sich nach der Elternzeit eine neue Arbeitsstelle suchen müssen, erhalten Sie natürlich auch die entsprechende Unterstützung von der zuständigen Agentur für Arbeit. Hier werden Sie jedoch nicht als „normale Jobsuchende“ behandelt, sondern es gibt mittlerweile spezielle Beratungen und Programme für Berufsrückkehrerinnen nach der Elternzeit. Dabei sollen vor allem schwer zu vermittelnde Mütter oder Alleinerziehende unterstützt werden. Wichtig ist, dass Sie sich frühzeitig bei der Arbeitsagentur melden und einen Beratungstermin vereinbaren. So können Sie gemeinsam eine Strategie entwickeln, wie und in welchen Beruf Sie nach der Elternzeit einsteigen werden. Die Wiedereinstiegsprogramme für Frauen dauern in der Regel zwischen einem halben und einem Jahr. Um natürlich die Kindererziehung nebenher weiterhin zu ermöglichen, können Sie diese nicht nur in Vollzeit, sondern auch als Teilzeitstelle absolvieren. Die Arbeitsagentur bietet zudem einen Kostenzuschuss für die Kinderbetreuung während der Wiedereinstiegsmaßnahmen an. Das ein oder andere Arbeitsamt hat mittlerweile sogar eigene Betreuungsmöglichkeiten für Kinder geschaffen. Fragen Sie doch einfach einmal bei Ihrer zuständigen Agentur für Arbeit nach.

Tipps für die Bewerbung nach der Elternzeit

Wenn Sie sich nun nach der Elternzeit auf eigene Faust oder mit der Unterstützung durch die Agentur für Arbeit auf eine Stelle bewerben, sollten Sie folgende Grundregeln unbedingt beachten:

  1. Die Elternzeit erwähnen? Prinzipiell müssen Sie in der Bewerbung keine Angaben zu Ihrem Familienstand oder den Kindern machen. Das bedeutet, dass Sie auch die Elternzeit nicht erwähnen müssen. Allerdings ergibt sich so eventuell eine unschöne Lücke im Lebenslauf, die Fragen aufwirft. In der Regel ist es deshalb sinnvoller, die Elternzeit zu erwähnen und gleichzeitig nachweisen zu können, dass Sie diese effektiv für Weiterbildungen, Umschulungen, Sprachkurse o.ä. genutzt haben.
  2. Die Kinderbetreuung sichern: Weiß Ihr potenzieller neuer Arbeitgeber nun aber, dass Sie Kinder haben, wird ihn auch interessieren, ob für deren Betreuung gesorgt ist. Er möchte schließlich nicht, dass Sie aufgrund der schlecht organisierten Kinderbetreuung im Job häufig fehlen. Sichern Sie ihm deshalb auch gleich in der Bewerbung zu, dass die Kinder gut versorgt sind und er sich um Ihre Fehlzeiten keine Sorgen machen muss. Weitere Informationen hierzu finden Sie im Artikel „Lebenslauf: Kinder und Familienstand erwähnen?
  3. Wo liegen Ihre Stärken? Konzentrieren Sie sich in der Bewerbung auf Ihre Stärken, welche Sie durch Ihre Ausbildung, bisherige Berufserfahrung, die Weiterbildungen während der Elternzeit oder auch durch das Muttersein selbst erlangt haben. Klar ist die Auszeit nicht unbedingt förderlich für Ihre Karriere, dennoch stehen vor allem bei qualifizierten Fachkräften die Chancen auf den Wiedereinstieg sehr gut. Kein Grund zur übertriebenen Bescheidenheit also.
  4. Soft Skills als Ihr Hauptargument: Wenn es Ihnen an Berufserfahrung oder fachlicher Qualifikation fehlt, können Sie in der Bewerbung mit Ihren Soft Skills glänzen. Denn auch die Betreuung und Erziehung der Kinder ist aus beruflicher Sicht keine „verschwendete Zeit“. Als Mutter, wie auch als Vater natürlich, nehmen Sie aus dieser Erfahrung nämlich eine Menge mit: Belastbarkeit, Organisationstalent und Flexibilität sind nur einige der für einen Beruf wichtigen Soft Skills, welche Sie in der Elternzeit erlernt oder verbessert haben. Seien Sie stolz darauf und treten Sie selbstbewusst auf. Dennoch brauchen Sie dem potenziellen neuen Arbeitgeber keine tiefen Einblicke in Ihre Erziehungsmethoden oder den Familienalltag zu geben. Hier gilt es das richtige Maß aus nachvollziehbarem Argument und privaten Informationen zu finden.

Tipps für Ihr Anschreiben

Wenn Sie sich aus der Elternzeit heraus auf eine Stelle bewerben, sollten Sie Ihre Stärken betonen und dabei vor allem auf die Übereinstimmung mit der Stellenanzeige achten. Wenn Sie während der Elternzeit weiterhin gearbeitet haben, zum Beispiel in Teilzeit, können Sie diese im Anschreiben unerwähnt lassen. Haben Sie die Elternzeit für Fort- oder Weiterbildungen genutzt, sollten Sie diese kurz erwähnen und erläutern. Im Mittelpunkt Ihres Anschreibens stehen aber stets Ihre Qualifikationen, Stärken und Ihr Know-How, welche Sie für die Stelle qualifizieren. Ihre Elternzeit sollte deshalb, wenn überhaupt, eine untergeordnete Rolle spielen. Wichtig zu erwähnen ist diese vor allem dann, wenn Sie durch die Soft Skills glänzen möchten. Achten Sie aber auch hierbei stets auf deren Relevanz für die Stellenanzeige und tragen Sie nicht zu dick auf.

Tipps für Ihren Lebenslauf

Die Elternzeit gehört eher in den Lebenslauf. Da Sie im Anschreiben ja bereits durch Ihre Ausbildung, fachlichen Qualifikationen oder Fort- und Weiterbildungen während der Elternzeit gepunktet haben, geht es nun darum, ein lückenloses Bild Ihres Werdeganges aufzuzeigen. Vermerken Sie die Elternzeit deshalb für den entsprechenden Zeitraum im tabellarischen Lebenslauf. Hierfür können Sie entweder einen eigenen Punkt für die Elternzeit wählen oder diese unter „Sonstiges“ einbringen. Wichtig ist aber auch hier, dass Sie stets unbedingt hinzufügen, ob Sie während der Elternzeit gearbeitet beziehungsweise Fortbildungen absolviert haben, bei wem und mit welchen Inhalten.

Zusammenfassung zur Bewerbung nach der Elternzeit

Prinzipiell gelten für Ihre Bewerbung nach der Elternzeit natürlich dieselben Grundregeln wie für jedes andere Anschreiben und den Lebenslauf auch. Dennoch fassen wir noch einmal die Besonderheiten zusammen, die Sie beachten sollten, um nach der Auszeit möglichst schnell und erfolgreich wieder einzusteigen: Versuchen Sie auch während der Elternzeit beruflich aktiv zu bleiben und diese effektiv für persönliche Weiterbildungen zu nutzen. Konzentrieren Sie sich dann in der Bewerbung auf Ihre Stärken sowie die in der Elternzeit erworbenen Fähigkeiten, fachlichen Qualifikationen und Soft Skills. Erwähnen Sie die Elternzeit in der Bewerbung, um Lücken im Lebenslauf zu vermeiden, geben Sie aber keine zu privaten Einblicke. Nun kann eigentlich nichts mehr schiefgehen und wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei Ihrem Wiedereinstieg, der Rückkehr in den alten Job oder der beruflichen Neuorientierung.

Haben Sie Tipps oder Erfahrungen mit der Bewerbung nach der Elternzeit? Dann freuen wir uns auf Ihre Anregungen in den Kommentaren!

Beitrag von

Mirijam Franke

Mirijam Franke ist freiberufliche Texterin und Autorin. Die studierte Medienwirtschaftlerin aus Friedrichshafen am schönen Bodensee stieg nach ihrem Abitur bereits im zarten Alter von 18 Jahren als Lektorin in der Industrie ein. Seit Oktober 2014 unterstützt sie unser Team von Arbeits ABC mit Textbeiträgen und Ratgebern rund um die Arbeitswelt.

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