Crowdsourcing: Chancen + Gefahren für Crowdworker und Unternehmen

Crowdsourcing…einer der vielen neuen Trendbegriffe, die die Arbeitswelt erobern und inflationär in Zeitschriften oder bei Meetings verwendet werden. Meinte ich vielleicht Outsourcing? Oder Crowdfunding? Nein, beziehungsweise nicht direkt. Es ist an der Zeit, der allgemeinen Verwirrung ein Ende zu setzten und ein für alle Mal zu klären was unter Crowdsourcing verstanden wird und wo die Chancen sowie die Gefahren dieses neuen Arbeitsmodelles liegen.

1) Definition von Crowdsourcing
2) Wie wird Crowdsourcing von Unternehmen genutzt?
3) Wo liegt die Motivation für die „Crowdsourcer“?
4) Vorteile des Crowdsourcing
5) Tipp 1: Die Zielvorgaben definieren
6) Tipp 2: Crowd auswählen
7) Tipp 3: Community mit einbeziehen
8) Tipp 4: Reichweite der Kampagne erhöhen
9) Tipp 5: Rechtliche Grundlagen klären
10) Tipp 6: Die richtige Beschreibung des Projektes erstellen
11) Wie sieht das von der anderen Seite aus? Über die Crowdworker und ihre Arbeit
12) Kritik am Crowdsourcing

Definition von Crowdsourcing

Also beginnen wir einmal ganz trocken mit der Definition. Was ist Crowdsourcing? Bei dem Begriff handelt es sich um ein Kunstwort, das durch die Mischung aus Outsourcing und „Crowd“ entstand. Es handelt sich dementsprechend um eine Art des Outsourcings, bei der die Arbeit aber nicht an ein Drittunternehmen oder einen Freiberufler ausgelagert wird, sondern an eine ganze Gruppe von Menschen, sprich eine „Crowd“. Dieses Kollektiv von freiberuflichen Arbeitnehmern findet sich im Regelfall über spezielle Communities im Internet zusammen. Klingt sehr abstrakt?

Vielleicht kann ein Beispiel diese Definition etwas verständlicher machen: Wikipedia. Da macht es eigentlich bei allen regelmäßigen Internetusern „Klick“. Auf Wikipedia werden Definitionen und Beiträge zu verschiedenen Fachbereichen von einer Vielzahl an Usern zusammengetragen. Bestehende Beiträge können ergänzt oder korrigiert und neue erstellt werden. Es handelt sich also um die zusammengetragene Intelligenz der Masse. Der Betreiber profitiert dabei von den unterschiedlichen Wissensspektren der Beitragenden sowie deren verschiedenen kulturellen und akademischen Hintergründen.

Wie wird Crowdsourcing von Unternehmen genutzt?

Konkret benutzen Unternehmen diese neue Art des Outsourcings für die Auslagerung gewisser Unternehmensaufgaben an die verschiedenen Ausbildungen und Kompetenzen einer Crowd. Natürlich immer auch mit dem Hintergedanken, auf diesem Wege das zu erreichende Ergebnis mit finanziell geringerem Aufwand zu erhalten. Meist handelt es sich dabei eher um breit gefächerte Aufträge, wofür mehrere fest angestellte Mitarbeiter zu konsultieren wären und damit der finanzielle Aufwand deutlich höher. Wir sprechen deshalb vor allem von der Erstellung von Artikeln oder Blogbeiträgen, über die Mitgestaltung hinsichtlich Design und Technik bei neuen Produkten, oder Forschungsprojekte. Ein Klassiker ist auch das Programmieren einer Website. Doch selbst spezifische Probleme werden immer lieber und häufiger ausgelagert: Die Chance, dass in der Crowd ein entsprechender Fachmann bzw. eine Fachfrau mit dabei ist, ist schließlich sehr hoch.

Wo liegt die Motivation für die „Crowdsourcer“?

Nun, ganz simpel und eigentlich auch ziemlich menschlich ist die Motivation zu einem Crowdsourcing-Projekt beizutragen immer dann besonders hoch, wenn das eigene Leben dadurch direkt betroffen wird. Neben finanziellem Zugewinn können hier auch Faktoren wie die Mehrwertgenerierung einer viel genutzten Internetseite durch ein besseres Design, oder ein besseres Produkt als das bisher genutzte durch technische Innovationen, ausschlaggebend sein. Viele Unternehmen bieten heutzutage aber nicht einmal mehr Geld für die Dienste an. Wie also werden die User dazu gebracht, gerade Ihr Problem zu bearbeiten? Wieder treffen wir hier vor allem auf menschliche Wünsche: Bekanntheit, Anerkennung, Sinnstiftung oder das Gefühl Gutes zu tun. In irgendeiner Art und Weise wird für die oft kostenlosen Mitarbeiter ein Mehrwert generiert. Seien Sie kreativ!

Vorteile des Crowdsourcing

Ein großer Vorteil des Crowdsourcing wurde bereits genannt: Sie erhalten Zugriff auf die Intelligenz der Masse. Gut ausgebildete Mitarbeiter aus allen denkbaren Fachbereichen arbeiten gemeinsam an Ihrem Projekt. Und das auch noch parallel und damit unschlagbar schnell. Und noch ein Faktor kommt hinzu: Dank dem globalen Zugriff durch das Internet haben Sie rund um die Uhr Nutzer, die für Sie arbeiten können. Fachexperten sind da so gut wie immer mit dabei. Eigentlich sollten diese Faktoren für Unternehmen weitaus bedeutender sein als der Fakt, dass sich mit diesem Modell Geld einsparen lässt. Dennoch wird Crowdsourcing bisher leider vor allem zu diesem Zweck genutzt. Wenn Sie sich aber einmal ausführlicher mit diesem Konzept beschäftigen und Ihre ausgelagerten Projekte besser an die Crowd anpassen, können Sie noch weitaus mehr herausholen als nur
Kostenersparnisse. Hierzu einige Praxistipps…

Tipp 1: Die Zielvorgaben definieren

Wenn Sie nicht wissen, was Ihr Ergebnis sein soll, ist das Projekt von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Also: Definieren Sie Ihre Ziele sorgfältig, lückenlos und leicht verständlich. Sie sollten außerdem überprüfbar sein, beispielsweise an feste Kennzahlen geknüpft, damit Sie diese hinterher auf Ihren Erfolg kontrollieren können.

Tipp 2: Crowd auswählen

Nun müssen Sie die richtige Community für Ihre Problemstellung finden. Nur dann lässt sich ein optimales Ergebnis generieren. Wählen Sie daher die „Bewerber“ aus der Crowd sorgfältig aus und vergewissern Sie sich stets, dass Sie die richtige Wahl getroffen haben. Gerne können Sie hier wie in einem Vorstellungsgespräch vorgehen und gewisse Kriterien voraussetzen. Auch Arbeitsproben sind bei entsprechenden Projekten durchaus üblich.

Tipp 3: Community mit einbeziehen

Die richtige Crowd gefunden? Dann behandeln Sie diese nicht als Ihre Mitarbeiter. Schließlich werden sie auch nicht bezahlt. Stattdessen handelt es sich um Partner, eine Art der Kooperation, bei der Sie auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Fairness ist hier das Stichwort, sonst laufen Ihnen die angeworbenen Experten unter Umständen ganz fix wieder weg. Also bieten Sie faire Konditionen und angemessene Preise an und lassen Sie Ihre Wertschätzung für die Mitarbeit stets in die Kommunikation mit einfließen.

Tipp 4: Reichweite der Kampagne erhöhen

Schon einmal was von den Netzwerkeffekten gehört? Je wichtiger die Crowd Ihren Auftrag nimmt, desto mehr werden wiederum mitarbeiten wollen und für umso wichtiger halten die anderen Crowdsourcer Ihren Auftrag. Eine Aufwärtsspirale, die sich dann zu Ihrem Vorteil nutzen lässt, wenn Sie die Reichweite Ihrer Kampagne so weit wie möglich ausdehnen. Hierfür bieten sich unter anderem die sozialen Netzwerke wie Facebook an. Unterschätzen Sie die Wichtigkeit dieses Schrittes nicht, denn die Spirale kann sich auch zu Ihren Ungunsten
umdrehen.

Tipp 5: Rechtliche Grundlagen klären

Was bringt Ihnen ein fertiges Projekt, wenn am Ende 27 Crowdsourcer die Rechte daran besitzen? Sie müssen also schon frühzeitig die rechtlichen Rahmenbedingungen klären und Ihren Mitarbeitern gegenüber die Transparenz darüber wahren. So ersparen Sie sich eventuelle folgende Streitigkeiten vor Gericht.

Tipp 6: Die richtige Beschreibung des Projektes erstellen

Alles vorbereitet? Dann kann es ja jetzt losgehen: Sie können Ihre Beschreibung erstellen und veröffentlichen. Die Beschreibung ist das wohl wichtigste Werkzeug, das über Erfolg oder Misserfolg des Crowdsourcing-Projektes entscheidet. Als erstes brauchen Sie den richtigen Eyecatcher. Eine Schlagzeile, die die Crowdworker auf Ihr Projekt aufmerksam macht und sie zum Lesen der Beschreibung ermuntert. Anschließend muss natürlich der Auftrag an sich reizvoll sein. Entweder durch die Arbeit selbst, die damit einhergehende Anerkennung (vor allem bei bekannten Marken und Unternehmen) oder eben doch das Geld. So oder so…je erfolgreicher Ihre Kampagne, desto mehr werden in der Regel auch die Medien darauf aufmerksam. Kostenlose Berichterstattung, die wiederum als kostenlose Werbung Marketingvorteile schafft. Crowdsourcing ist ein echter Alleskönner!

Wie sieht das von der anderen Seite aus? Über die Crowdworker und ihre Arbeit

Jede Medaille hat zwei Seiten, daher wollen wir uns dieses Modell einmal aus einer anderen Richtung ansehen.

  • Wie gestaltet sich die Arbeit für die Crowdsourcer?
  • Wo liegen die Motivation und der Mehrwert?
  • Was sind die Nachteile?

In erster Linie lässt sich sagen, dass es sich bei Crowdworkern meist um Freelancer handelt, die sich durch die freiwilligen Projekte weitere Aufträge erhoffen. Entweder bei den Unternehmen direkt oder bei neuen Auftraggebern durch außergewöhnliche Referenzen von namenhaften Projekten. Programmierer, Designer, Autoren…die Sparte ist breit, weist aber vor allem in den Kreativ- und Online-Bereichen eine Häufung auf.

Und Vorteile gibt es viele: die internationalen Plattformen bieten stets zahlreiche interessante Aufträge von Firmen und Unternehmen aus aller Welt an die der jeweilige Mitarbeiter sonst wohl niemals herankommen würde. Zudem entstehen in der Zusammenarbeit mit oftmals wildfremden Menschen neue Kontakte und Sie erhalten die Möglichkeit stets Ihr Wissen und Know-How zu erweitern. Schließlich können wir von jedem Menschen noch etwas lernen. Und dazu kommt ein schlichter aber sehr wichtiger Faktor: die Einfachheit. Simpel, schnell, unabhängig…die Plattformen bieten unbegrenzte Möglichkeiten.

Kritik am Crowdsourcing

Dennoch: nicht alles was glänzt ist Gold. Gewerkschaften wie ver.di befürchten den Verlust von Arbeitsplätzen durch die Auslagerung der Unternehmensaufgaben. Im Prinzip werden qualifizierte Mitarbeiter ausgenutzt, um an den eigenen sparen zu können. Nicht gerade das, was sich Arbeitnehmer für die Zukunft wünschen. Am Ende profitieren von diesem Konzept nämlich vor allem die billigsten Arbeitskräfte. Und im internationalen Netz ist die ganze Welt als Konkurrenz mit dabei. Wer kann in Deutschland schon mit dem Angebot aus Asien mithalten? Oder aus Spanien? Oder aus Brasilien? Ver.di warnt vor einer „Kannibalisierung der Arbeitsbedingungen“. Und der Deutsche Gewerkschaftsbund DGB schaltet sich nun ebenso ein: „Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie hier eine moderne Art der Sklaverei entsteht“, so Reiner Hoffmann beim IT-Gipfel in Hamburg. Und tatsächlich: viele namenhafte Unternehmen schrecken mittlerweile aus Furcht vor Imageschäden vor diesem Konzept zurück.

Also Crowdsourcing als Fluch oder Segen? Im Endeffekt muss das jeder für sich selbst entscheiden!

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