Jeder kennt sie, der eine mehr, der andere weniger. Sie verursachen Wut, Angstgefühle und Frustration. Im schlimmsten Fall machen sie uns krank und depressiv.
Der eine fühlt sich durch sie groß und erhaben, der andere klein und machtlos. Manchmal halten sie sich im Rahmen, häufig arten sie aus. Sie haben auch einen Namen „Konflikte“ und dürften vielen Menschen bekannt sein. Konfliktsituationen entstehen aus den unterschiedlichsten Gründen und spiegeln sich wieder in verschiedensten Austragungsvarianten. Ein besonders beliebter Austragungsort ist der Arbeitsplatz. Aber warum gibt es eigentliche Konflikte? Woran machen wir sie fest? Warum kommen Menschen nicht immer friedlich miteinander aus? Weshalb machen wir uns das Leben schwer?
Warum entstehen Konflikte?
Es ist so einfach, wie wir Menschen im Grunde nun mal gestrickt sind. Wir sind halt alles nur Menschen oder besser gesagt Individuen, mit eigenen Gefühlen, Gedanken, Interessen, Werten, Vorstellungen, Ansichten und Zielen. Unser Wesen ist geprägt durch ganz spezielle Verhaltensweisen, welche jeder für sich, auf seine ganz eigene Art zum Ausdruck bringt. Sowie aus einem entfachten Feuer, schnell ein schwer zu bändigender Brand entstehen kann, so rasch erhitzt sich das eigene Gemüt, sobald wir das Gefühl verspüren, es will uns jemand an den Kragen.
Häufig entstehen Konfliktsituationen urplötzlich. Dabei macht es keinen Unterschied, ob man einer Firma schon seit längerem angehört oder sich als Neuling in ein bestehendes, oft auch ein geschworenes Team eingliedern muss.
Solange lange es Menschen auf dem Erdball gibt, gehören Konflikte in Form von Neid, Missgunst oder Rivalität leider zum alltäglichen Leben.
Im Gegensatz zur Urzeit sind wir heute viel zivilisierter und klüger. Die Ausdrucksweise und das Leben miteinander hat sich verändert. Mit Ausnahme einiger würde ein gebildeter Mensch der heutigen Zeit, anstatt zur Keule zu greifen, seinen Verstand einsetzten und gegen argumentieren. Aber wie schon erwähnt, Ausnahmen bestätigen die Regel. Deshalb gibt es auch in einer Zivilisation wie der heutigen Menschen, die durch ihr Urverhalten auffallen und das Leben miteinander erschweren. Im Gegenzug dieser „machtvollen“ Wesen, haben es zurückhaltendere Menschen sehr viel schwerer.
Im nachfolgenden möchten wir Dir verdeutlichen, wie ein typischer Konflikt am Arbeitsplatz aussehen kann und welche Methoden zu einer Konfliktlösung beitragen können.
Ein Beispiel aus der Praxis – Konflikte im Arbeitsalltag
Als Ausgangssituation haben wir uns überlegt ein kleines Phantasie-Büro ins Leben zu rufen. Die Art der Firma lassen wir dabei außen vor. Es sei nur soviel gesagt, es handelt sich um eine kleine Firma mit sechs Mitarbeitern und einem Arbeitgeber. Die Mitarbeiterzahl setzt sich aus zwei männlichen und vier weiblichen Personen zusammen. Zwei der Frauen kommen mit allen Parteien prima zurecht und haben kein Interesse daran, mit irgendeinem der Kollegen/innen herum zu streiten. Die Männer halten sich ebenfalls ganz und gar aus allem heraus und gehen fleißig Ihrer Arbeit nach (dazu sei aber gesagt, dass es durchaus auch Zankhähne gibt). Zwei der Damen sind noch übrig. Mit ihnen wollen wir uns im folgenden etwas näher befassen.
Da wäre zum einen Frau Zorn, im Alter von dreiundsechzig Jahren. Mit fünfundzwanzig Jahren Firmenzugehörigkeit, gehört sie zum festen Inventar der Firma und steht zudem als erste Ansprechperson gegenüber dem Arbeitgeber. Den täglichen Arbeitsaufwand erledigt sie aufgrund ihrer langjährigen Berufspraxis schnell, zuverlässig und routiniert. Der Umgang mit dem Personal ist ihr vertraut. Gerne miemt sie die Rolle der Büromutter. Mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen und dem Wortlaut durch die Blume, verteidigt sie ihre fest eingenommene Position, wo sie nur kann. Dabei bleibt sie stets freundlich und wird nie beleidigend.
Daneben stellen wir Frau Frisch. Sie ist zweiundzwanzig Jahre, eine junge, dynamische und selbstbewusste Persönlichkeit und erst seit kurzem in der Firma angestellt. Gleich nach Abschluss ihrer Berufsausbildung bewarb sie sich, erhielt die Zusage und Mitglied der Besatzung. Da Frau Zorn ihrem Ruhestand entgegensieht, hat der Arbeitgeber vorgesorgt und eine nach seinen Vorstellungen passende Nachfolgerin auserkoren. Frau Zorn erhielt die Anweisung, Frau Frisch mit dem bevorstehenden Aufgabenbereichen vertraut zu machen.
Das wären sie nun, die zwei Damen, die nun miteinander auskommen sollen. Eigentlich auch ein ganz normaler Vorgang, in einer Firma. Probleme sollte es keine geben. Doch irgendwie sind sich die beiden Damen nicht wirklich grün. Aber warum? Fahren wir fort.
Da ist nun Frau Zorn. Ehrlich gesagt, sieht sie es überhaupt nicht gerne, dass so ein blutjunges Mädel ihre Position einnehmen soll. Sie selbst hat ihr berufliches Soll bald erfüllt. Ihrem wohlverdienten Ruhestand sieht sie dennoch mit gemischten Gefühlen entgegen. Zudem kommt noch, dass die Nachfolgerin, Frau Frisch so gar nicht ihren Vorstellungen einer adäquaten und gebührenden Nachfolgerin entspricht. Dies lässt sie Frau Frisch auch immer häufiger spüren und stichelt sie, wo sie nur kann. Neben einigen Gerüchten, die sie unter die Belegschaft gebracht hat, ging sie sogar zum Chef, um ihre Zweifel, ob Frau Frisch den Anforderungen tatsächlich gewachsen ist, kund zu tun.
Frau Frisch hingegen, anfangs noch gelassen, bemerkt nun langsam, welch Unwetter sich hinter ihrem Rücken auftut. Noch macht sie gute Miene zum bösen Spiel und bemüht sich allem gerecht zu werden. Schließlich möchte sie keine schlafenden Hunde wecken. Sie vermutet der Neueinstieg in die Firma und das neue Arbeitsumfeld, an das sie sich erst gewöhnen muss, hat bei ihr Spuren hinterlassen. Sie glaubt fest daran, nach und nach wird sich der Stress legen und Normalität kehrt ein. Nichts desto Trotz, Frau Zorn zeigt wenig Verständnis für die Bemühungen, der Frau Frisch. Immer öfter lässt sie ihre Rivalin spüren, das sie nicht willkommen ist. Da es Frau Frisch fern liegt, sich mit Pauken und Trompeten dem Feind zu stellen und ihren Unmut zu verkünden, lässt sie es noch eine Zeit lang über sich ergehen. Vielmehr konzentriert sie sich nun auf die anderen Kollegen/innen. Als böse Überraschung muss Frau Frisch schnell feststellen, das irgendwie alle unterm Pantoffel von Frau Zorn stehen.
Vorgestellt haben wir Dir Frau Frisch, als eine junge, dynamische und selbstbewusste Frau. Diese Fassade blättert nun allmählich mehr und mehr ab. Sie fühlt sich in Ihrer Rolle unwohl, hat Angstgefühle und weiß sich keinen Rat, warum Frau Zorn ihr so böswillig gegenüber steht. Was soll Frau Frisch da machen? Es scheint, als ist sie Frau Zorn gegenüber hilflos ausgeliefert. Was würdest Du Frau Frisch raten, um den Konflikt ein für allemal zu beseitigen? Soll sie aufgeben und das Schiff verlassen oder soll sie sich dem Feind stellen und für klare Verhältnisse sorgen? Wie würdest Du Dich entscheiden?
Unser Rat an all diejenigen, denen das Beispiel vertraut erscheint oder die sich gerade in einer ähnlichen Situation befinden: Wer schweigt und hin hält, der erhält auch weiterhin Prügel und Missgunst.
Wer sich aber der Konfliktsituation stellt, anfängt Fragen zu stellen und sich mit dem Kontrahenten auseinander setzt, erntet Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Frage Dich, weshalb sich die Beziehung zu Kollegen/innen stetig verschlechtert. In unserem Beispiel sind uns nun beide Parteien bekannt. Der Grund, warum Frau Zorn so versauert ist, sollte klar sein. Nur unserer Frau Frisch ist der Grund der schiefen Wetterlage noch nicht bewusst. Deshalb versetze Dich in die Rolle der Frau Frisch und überlege, wie Du Dich in solche einer Situation verhalten würdest.
So bewahrst Du in prekären Situationen Haltung
Die größte Problematik an Konflikten am Arbeitsplatz ist, dass sie nur sehr selten offen angesprochen werden. Wenn Konflikte auftreten, dürfen sie nicht im Raum stehen bleiben. Noch im Anfangsstadium muss das Thema auf den Tisch und von Angesicht zu Angesicht ausgetragen werden. Gibt es mehrere Beteiligte, mit denen die Beziehung im Job auf wackeligen Beinen steht, sollte es machbar sein, dass alle an der Aussprache teilnehmen. Ein Konflikt darf nicht eskalieren! Sobald er sich festgefahren hat, wird es schwer die Bögen wieder zu glätten.
Ebenso wichtig wie ein klärendes Gespräch, ist Dein persönlicher Einsatz. Es ist unbedingt notwendig, das auch Du die Situation möglichst genau analysierst. Dabei sei besonders ehrlich zu Dir selbst. Vielleicht bist Du von Natur aus, eher zart betucht, besitzt ein empfindliches Wesen und reagierst deshalb schnell gereizt? Oder bist Du zu überempfindlich und kannst den schärferen Ton des Kollegen/der Kollegin nicht so locker aufnehmen, wie alle anderen?
Frage Dich:
- Wer ist tatsächlich das Opfer?
- Hast Du eventuell zum Auslösen des Konflikts beigetragen?
- Wer ist der Urheber?
- Was motiviert/animiert den Kollegen/die Kollegin dazu, Dich zu ärgern?
- Was möchte er/sie dadurch erreichen, welches Ziel verfolgt der/diejenige?
- Welche Postion besitzt er/sie?
- Gibt es Verbündete, denen Du Dich anvertrauen kannst?
- Wie könnte man den Konflikt lösen?
- Was kannst/möchtest Du zur Konfliktlösung beitragen?
Wenn Du Dir sicher bist zu wissen, wer und warum man Dich nicht sonderlich mag/duldet, wird es Zeit für eine Aussprache. Ansonsten warte ab. Beobachte die Situation, mit einem wachsamen Auge. Vielleicht hat der Kollege, die Kollegin nur vorübergehend schlechte Laune. Stellt sich nach einigen Tagen keine Besserung ein, verschlechtert sich die Stimmung zunehmend, wird es Zeit zu handeln. Es ist gewiss nicht leicht, in solchen Situationen den ersten Schritt zu wagen. Aber es ist der einzig wahre Weg Konflikte aus der Welt zu räumen.
Auch wenn Du vor Wut nur so überschäumen könntest, bewahre Ruhe und Haltung. Mache Dir ausgiebig Gedanken zur Problematik. Gehe auf Deinen Rivalen zu und biete ihm ein klärendes Gespräch an. Frage, warum er/sie das tut, was Du schlimmes getan hast! Zudem solltest du unmissverständlich ausdrücken, das dieser Zustand sofort aufhören muss.
Du hast Angst vor der Aussprache? Dafür gibt es keinen Grund! Dir gegenüber steht kein Mensch mit übersinnlichen Kräften, sondern jemand, wie Du und ich. Wenn Du es vollbracht hast, das Gespräch stattgefunden hat und es Deiner Meinung nach auch befruchtet hat, dann warte ab. Verfolge und beobachte, ob und wie die Person sich Deiner Worte/Warnung angenommen hat und sie umsetzt. Wenn der Konflikt dennoch kein Ende nimmt, suche ein erneutes Gespräch. Zeige, dass Du zu einer Lösung des Konflikts bereit bist. Vermittle Kompromissbereitschaft. Ziehe Dich nicht zurück und werde somit ein Aussenseiter, sondern knüpfe Beziehungen zu anderen Kollegen/innen. Wenn alle Stricke reißen, scheue Dich nicht vor dem Gang zum Betriebsrat (sofern einer vorhanden ist), Vorgesetzten oder Arbeitgeber. Auf keinen Fall darfst Du Dich unterkriegen lassen. Bewahre bei Auseinandersetzungen Ruhe und stelle Dich Deinem Kontrahenten mit sachlichen Argumenten. Schließlich geht es um Deinen Arbeitsplatz.
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Ich musste leider selbst die Erfahrung machen. Ich schilderte den Fall meinem Vorgesetzten und der meinete ich solle mich nicht so haben. Den betrieb habe ich dann endlich gewechselt.
Ich würde mich nicht von meinem Arbeitsplatz vertreiben lassen. Noch klein beigeben, nee.
Solche Angelegenheiten werden mit viel Fingerspitzengefühl gelösst.
Nur so zeigt sich, wer die Oberhand behält.
Wünsche Dir aber alles Gute und das du von solchen Dingen in Zukunft verschont bleibst.
Liebe Grüße
Cindy
Meistens sind es doch kleinere Diskrepanzen die zum Katsch führen. Meist total sinnlose Dinge.
Hallo Cindy
es ist sehr schön wie du das schreibst, aber leider ist das überhaupt nicht einfach! Ich muss eine ähnlich situation schon seit über einem jahr durchmachen. Zuerst habe ich wie du gedacht. Aber jetzt fühl ich mich als azubi machtlos. Ich bin noch im ersten lehrjahr, hab davor ein 8 monatiges praktikum gemacht und alles wurde schlimmer. Meine ausbilderin und chefin haben es am ende geschafft. jedes mal wenn ich versucht habe mit ihnen zu reden und sie darauf anzusprechen haben Sie mich ausgelacht. Nun such ich mit mitten in einer ausbildung eine stelle die mich weiter ausbilden kann und glücklich bin ich lange nicht mehr und nicht nur dass, ich habe auch kein selbstvertrauen mehr.
Liebe grüße
Wenn der Betriebsrat und der Chef der Lage nicht Herr werden, sollte das Unternehmen verlassen werden. Ein schlechtes Arbeitsklima zerrt nicht nur an den Nerven, sondern mindern auch die Arbeitsleistung.
Konflikte lassen sich nur mit Gesprächen lösen. Missachtung, Gewalt oder Ignoranz verschärfen Konfliktsituationen nur noch mehr und ein vernüftiges Miteinander somit nicht mehr möglich. Die Streithähne sollten von ihrem hohen Ross steigen und sich auf einer ebene des vernüftigen Austausches treffen.