Berufliche Weiterbildung: Ziele, Fortbildungsmaßnahmen und Kosten

beruflich weiterbildenBei der beruflichen Weiterbildung (auch als Fortbildung bezeichnet), handelt es sich um eine Form der Erwachsenenbildung. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil des lebensbegleitenden Lernens.

Schon lange ist es nicht mehr ausreichend nur mit Ausbildung und eventuellem Studium ein Leben lang zu arbeiten. Der beschleunigte technische und wirtschaftliche Wandel und die ständigen gesellschaftlichen Veränderungen führen dazu, dass nur durch berufliche Weiterbildung den wachsenden Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt Rechnung getragen werden kann.

Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Wer seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen will oder vor hat, auf der Karriereleiter nach oben zu steigen, für den ist Weiterbildung neben dem Beruf unabdingbar. In einigen Berufsgruppen, wie beispielsweise bei den Steuerberater und Steuerfachangestellten ist die berufliche Weiterbildung eng mit der Ausübung des Berufes verknüpft. Die ständigen Veränderungen im Rahmen der Steuergesetzgebung erfordern regelrecht die fortlaufende Aktualisierung des Wissensstandes, um im ausgeübten Beruf überhaupt bestehen zu können. Ähnliches trifft für Ärzte und Friseure gleichermaßen zu. Nur wer in seinem Fachgebiet ständig auf dem Laufenden bleibt, kann Schritt halten und sich dabei beruflich weiter entwickeln.

Die betriebliche Weiterbildung

Wichtigster Bereich der beruflichen Weiterbildung ist die betriebliche. Sie ist eine der Hauptmaßnahmen zur Sicherstellung der dauernden Anpassung der Kompetenzen der Mitarbeiter an die Anforderungen der Wirtschaft. Weiterbildungskurse, die über Unternehmen angeboten werden, haben zudem den Vorteil, dass die Kosten von den Unternehmen selbst getragen werden. Diese Möglichkeit wird in Deutschland von den Unternehmen noch nicht in ausreichendem Maße genutzt. Dabei kann sich ein Unternehmen durch betriebliche Weiterbildung seine Fachkräfte für die Zukunft selbst heranziehen. Schon heute ist absehbar, dass aufgrund des demografischen Wandels nicht ausreichend Fachkräfte auf dem Markt zur Verfügung stehen werden. Die gezielte Weiterbildung der Mitarbeiter ist daher unbedingt zu forcieren. Dazu gehören Coaching und Jobrotation genauso wie arbeitsintegrierte oder arbeitsplatzspezifische Formen der Weiterbildung. In den Unternehmen, die auf diesem Gebiet Vorreiter sind, existieren dazu Weiterbildungspläne und die Kosten werden in entsprechenden Weiterbildungsbudgets geplant. Unternehmen, die die Kosten für die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter tragen, machen auch entsprechende Verträge mit ihnen, welche die Mitarbeiter im Gegenzug an das Unternehmen binden. Die Weiterbildung gerät in solchen Fällen zum gegenseitigen Vorteil.

Die individuelle Fortbildung

Ein weiterer Bereich der beruflichen Weiterbildung ist die individuelle Fortbildung des Einzelnen, der damit in erster Linie die Erweiterung seiner Kompetenzen und Persönlichkeitsentwicklung sowie die Sicherung und Verbesserung der beruflichen Situation in Verbindung bringt. Die individuelle Weiterbildung kann in Abend- und Wochendseminaren, die von den Hochschulen angeboten werden, im Rahmen eines Fernstudiums oder des E-Learnings erfolgen. Der Fernunterricht ist dabei eine besondere Form der Weiterbildung, denn Lernende und Lehrende sind räumlich voneinander getrennt. Der Fernunterricht ist daher auch eine besondere alternative Weiterbildungsmöglichkeit für Alleinerziehende, die oft abends das Haus nicht verlassen können. Die individuelle berufliche Fortbildung bietet dem Interessierten oft neue Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt oder dient der Selbstverwirklichung der persönlichen Ziele im Leben und verbessert die Karrierechancen. Einige Unternehmen bieten Mitarbeitern die sich individuell qualifizieren bestimmte Vergünstigungen an. So werden beispielsweise betriebliche Freistellungen gewährt oder bei erfolgreichem Abschluss der Weiterbildung ein Teil der Kosten übernommen. Doch der größte Teil derjenigen, die sich individuell beruflich weiterbilden, macht das ohne jegliche Unterstützung durch andere. Informationen zu Weiterbildungsmöglichkeiten erhalten Sie zum Beispiel bei der Industrie und Handelskammer, bei den Berufsbildungszentren oder über entsprechende Recherchen im Internet. Welche der Angebote genutzt werden, hängt immer von der Persönlichkeit jedes Einzelnen ab. Manch einer benötigt die entsprechende Lernumgebung mit Mitschülern, ein anderer wieder lernt sehr zielstrebig und konsequent zu Hause allein vor dem Bildschirm bei freier Zeiteinteilung. Am Ende zählt nur das Ergebnis.

Ziele setzen

Wer sich für eine berufliche Fortbildung in dieser Form entscheidet, muss in erster Linie seine Ziele vor Augen haben und prüfen, dass die privaten Investitionen von Zeit und Geld sowie die Lernanstrengungen der Erreichung der beruflichen Ziele dienen. Nachweise über die individuelle berufliche Weiterbildung im Lebenslauf und den Bewerbungsunterlagen sind bei potenziellen Arbeitgebern gern gesehen, zeigen sie doch etwas von der Persönlichkeit des Bewerbers. Im Rahmen der individuellen Fortbildung gibt es zudem Fördermöglichkeiten, beispielsweise mit der Begabtenförderung in der beruflichen Bildung, welche für Fachkräfte gedacht ist, die ihre Ausbildung überdurchschnittlich gut abgeschlossen haben. Anlaufstellen, um sich nach entsprechenden Fördermöglichkeiten oder Bildungszuschüssen zu erkundigen, sind ebenfalls die Industrie- und Handelskammern vor Ort. Ein dritter Bereich der beruflichen Weiterbildung ist die für Arbeitslose oder für Menschen, die unmittelbar von Arbeitslosigkeit bedroht sind, welche als Teil der aktiven Arbeitsmarktpolitik zu sehen ist.

Fortbildungsmaßnahmen

Sofern der individuelle Bedarf einer berufliche Fortbildung festgestellt ist und die Fördervoraussetzungen gegeben sind, bietet die Agentur für Arbeit Betroffenen über Bildungsgutscheine entsprechende Fortbildungsmaßnahmen an. Das können Maßnahmen sein, die der Vertiefung und Auffrischung der bestehenden Kenntnisse dienen oder diese ergänzen, wie beispielsweise Business Englisch oder der Erwerb des ECDL (European Computer Driving Licence oder auch Europäischer Computer-Führerschein), der heute in vielen Unternehmen als Nachweis über Computerkenntnisse gefordert wird.

Umorientierung anhand einer Umschulung

Eine weitere Möglichkeit für Arbeitslose beruflich voran zu kommen, ist die Umorientierung anhand einer Umschulung in einen komplett neuen Beruf. Vor der Kostenübernahme dieser Fortbildungsmaßnahmen wird von seitens der Agentur für Arbeit individuell geprüft, ob die Voraussetzungen dafür gegeben sind und ob eine derartige Maßnahme zum Erfolg der Eingliederung in den Arbeitsmarkt beiträgt. Damit sollen die Chancen der Arbeitslosen wieder im Berufsleben Fuß zu fassen erhöht werden. Jährlich werden in diesem Bereich der Weiterbildung Millionen Euro ausgegeben, um die Arbeitslosen auf dem Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig zu machen und ihnen die Integration zu ermöglichen. Ganz gezielt werden Aus- und Weiterbildungen in Berufe finanziert, in denen ein Fachkräftemangel herrscht. Nicht alle Arbeitslosen interessieren sich für solche Angebote oder trauen sich oft nicht zu, noch einmal für längere Zeit mit Erfolg die Schulbank zu drücken. Die bestehenden Reserven sind in Zukunft noch besser zu erschließen. Die Arbeitsmarkt- und Qualifizierungspolitik des Staates muss dringend verbessert werden, um zu gewährleisten, dass die Schere zwischen denen die arbeitslos sind und den Unternehmen, die Fachkräfte suchen nicht noch weiter auseinander driftet. Um dem entgegen zusteuern, sind geeignete Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung dringend erforderlich.

Kosten

Wird die berufliche Weiterbildung nicht durch die Bundesagentur für Arbeit oder andere Kostenträger, aufgrund von Arbeitslosigkeit oder Rehabilitation finanziert, handelt es sich um die Fortbildung im eigenen Interesse. Für die anfallenden Kosten müssen die Betroffenen selbst aufkommen, können diese aber später steuerlich geltend machen.

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2 Kommentare

  1. Bei vielen kleineren Unternehmen ist es finanziell und zeitmäßig nicht möglich ihre Mitarbeiter weiterzubilden. Man betrachte hier kleinere Handwerksbetriebe, wo jede Hand gebraucht wird. Wer aber das Potenzial seiner Mitarbeiter erkannt hat, wird diese auch weiterbilden. Dann bleibt zu hoffen, dass man die Investition auch in Form von besserer Arbeitsleistung, wenn man das so überhaupt messen kann, zurück bekommt.

    Schade ist, dass sich Weiterbildungen leider für Otto Normalverdiener kaum bezahlen lassen.

  2. Interessantes Thema.
    Sie gehen auf ein sehr wichtiges Thema ein: deutsche Unternehmen nutzen die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter noch nicht genug, obwohl sie sich damit doch ihre zukünftigen Fachkräfte “heranziehen” können!
    Schade auch, dass individuelle Weiterbildungen nicht besser honoriert werden. So könnte man doch als Arbeitgeber auch wieder einen Nutzen draus ziehen und das aus dem Mitarbeiter herausholen, was ihm/ihr am meisten Spaß macht, wodurch er/sie sich mehr anstrengen wird.
    Wusste gar nicht, dass es tatsächlich Unternehmen gibt, die den ECDL fordern. Habe ihn selbst auch gemacht, aber die meisten können damit nichts anfangen 😀
    Insgesamt ein gelungener Beitrag. Und ich stimme zu: Berufliche Weiterbildung ist eine wichtige Maßnahme gegen den Fachkräftemangel!
    Dazu passend möchte ich gerne noch auf einen Thementag zum Fachkräftemangel hinweisen: http://www.marktundmittelstand.de/themen/fachkraeftemangel/thementag/?src=BL
    Findet am 5.12.2012 statt, Teilnahme kostenlos. Es wird auf verschiedene Faktoren – wie z.B. den demographischen Wandel – eingegangen und das in unterschiedlichen Formaten (Webinar, Online-Beitrag, Web TV).
    Ich denke, da kann man mal die Experten mit all seinen Fragen “quälen” 😉

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