My mum is working – Wenn das Kind mit ins Büro darf

0

In meinem Artikel „Kinder – Das Aus für die Karriere?“ lautete das traurige Fazit: Frauen müssen sich in Deutschland immer noch zwischen Kind oder Karriere entscheiden. Doch der Fachkräftemangel hinterlässt seine Spuren auf dem deutschen Arbeitsmarkt und auf gut ausgebildete Frauen kann in vielen Unternehmen schon bald nicht mehr verzichtet werden – trotz Kindern. Die Lösung lautet daher: Wie können Unternehmen das Arbeitsumfeld so gestalten, dass eine Frau Kinder haben und dennoch produktiv arbeiten kann? In diesem Sinne soll das sogenannte „Eltern-Kind-Büro“ einmal näher unter die Lupe genommen werden.

1. Was ist eigentlich ein Eltern-Kind-Büro?
2. Eltern-Kind-Büro: Ein Modell mit Zukunft?
3. Für wen sind Eltern-Kind-Büros eine Alternative?
4. Unternehmen denken wirtschaftlich

Was ist eigentlich ein Eltern-Kind-Büro?

Wenn Frauen nach dem Mutterschutz oder der Elternzeit wieder arbeiten möchten, stehen sie häufig vor einem großen Problem: Wie sollen die Kinderbetreuung und der Job unter einen Hut gebracht werden? Nicht jeder kann sich schließlich einen Babysitter leisten, der Kindergarten schließt viel zu früh und eigentlich ist es für das Kind doch aus das Beste, in der Nähe der Mutter zu sein. So denken jedenfalls 49 Prozent der Befragten in einer im Jahr 2016 veröffentlichten Studie.

Statistik: Sollten Mütter zu Hause bleiben, weil dies die beste Betreuung für ihre Kinder darstellt, oder sollten Mütter auch arbeiten gehen? | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Doch es muss nicht immer entweder das Kind oder der Job sein. Mittlerweile gibt es auch zahlreiche neue Arbeitsmodelle als Alternativen: Eine davon ist die Arbeit im Home Office, in der Praxis jedoch gestaltet sich das meist sehr schwierig. Babys und Kleinkinder können Sie schließlich nicht ständig unbeaufsichtigt lassen. Im Jahr 2006 kam in Deutschland deshalb ein ganz neues Modell auf: Das Eltern-Kind-Büro. Als Mischung aus Betreuungsangebot und voll ausgestattetem Büro sollen Mütter so in Zukunft Kinder und den Beruf besser unter einen Hut bringen können. Mittlerweile gibt es zahlreiche solcher Eltern-Kind-Büros, entweder von externen Anbietern (Sie arbeiten also quasi im Home Office) oder aber auch direkt im Unternehmen. Internetzugang, eine Telefonverbindung und Wimmelbücher für das Kind – ein Eltern-Kind-Büro bietet alles, was Sie und Ihr Kind benötigen. Allerdings stellen die Eltern-Kind-Büros bislang häufig nur ein kurzfristiges Angebot in „Notfallsituationen“ dar, wenn zum Beispiel die Kinderkrippe geschlossen ist.

Eltern-Kind-Büro: Ein Modell mit Zukunft?

Dass Eltern-Kind-Büros aber auch auf lange Sicht durchaus Sinn machen, zeigen bereits einige mutige und innovative Unternehmen mit großer Familienorientierung. Eltern-Kind-Büros werden hier zum Teil sogar extra für Mitarbeiter/innen neu erschaffen, damit diese nach der Geburt möglichst schnell wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren können – auf eigenen Wunsch natürlich. Ein bisschen Spielzeug, ein gemütliches Kinderbett, und schon können Eltern die Arbeit und Kinder vereinen, behaupten zumindest die Nutzer/innen der Eltern-Kind-Büros.

Viele Arbeitgeber und -nehmer jedoch, sind diesbezüglich noch sehr skeptisch. In einer aktuellen Umfrage des MONITOR FAMILIENLEBEN glauben nur 17 Prozent aller Eltern mit minderjährigen Kindern, dass sie Beruf und Familie vereinen könnten. Besonders in männerdominierten Branchen werde demnach viel zu wenig Wert auf die Familienfreundlichkeit der Unternehmen gelegt. Aber ist nicht gerade hier der Mangel an Fachkräften besonders groß und gut ausgebildete Frauen wären eigentlich unverzichtbar? Das Eltern-Kind-Büro zählt deshalb durchaus als Konzept der Zukunft. Der Wandel hin zur Akzeptanz solcher neuen Arbeitsmodelle allerdings, wird noch viele Jahre dauern…

Für wen sind Eltern-Kind-Büros eine Alternative?

Da viele internen Eltern-Kind-Büros bislang nur als Alternative für den Notfall gelten, können nur sehr wenige Arbeitnehmer in Deutschland ein solches Angebot in Anspruch nehmen. Anders sieht das bei externen Anbietern aus: Beim Projekt „Rockzipfel“ treffen sich täglich und langfristig Eltern zum Arbeiten – hauptsächlich Mütter. Diese bringen ihre Kinder mit und wechseln sich dann gegenseitig zwischen Kinderbetreuung und Arbeit ab. So sparen sie sich die Kosten für ausgebildete Erzieher und können dennoch ihrem Beruf nachgehen.

Allerdings geht das bislang nur, wenn Sie entweder freiberuflich beziehungsweise selbständig unterwegs sind, oder aber von Ihrem Arbeitgeber die Erlaubnis zum Home Office haben. Eigentlich ein geniales Konzept: In einer Art Spielgruppe mangelt es den Kindern an nichts. Im Gegenteil: Die Mutter – oder auch der Vater – ist stets in Sichtweite, sie können erste Freunde finden und soziale Kompetenzen erlernen. Die Eltern hingegen profitieren vom Abwechslung zwischen Beruf und Kindern und können nebenbei noch Geld verdienen. Wenn es doch so genial ist: Wieso schrecken bislang so viele Unternehmen vor dem Eltern-Kind-Büro zurück?

Unternehmen denken wirtschaftlich

Das Grundproblem scheint darin zu liegen, dass viele Unternehmen den wirtschaftlichen Wert der Eltern-Kind-Büros noch nicht erkannt haben. Familienfreundlichkeit klingt zwar auf dem Papier gut, was sich finanziell aber nicht lohnt, wird bislang nicht umgesetzt. Dabei sahen bereits im Familienreport auf dem Jahr 2012 74 Prozent der Befragten einen betriebswirtschaftlichen Nutzen den der Familienfreundlichkeit von Unternehmen. Hierbei fallen Stichworte, wie:

  • Rekrutierung von Fachkräften
  • Employer Branding
  • Mitarbeiterbindung
  • geringere Kosten für Vertretungen und deren Einarbeitung
  • Senkung von Fehlzeiten

Die Liste ist lang, die Vorteile sind groß. Da bleibt nur zu hoffen, dass die Unternehmen schon bald den wahren Wert ihrer Familienfreundlichkeit und der Eltern-Kind-Büros erkennen und nicht mehr nur kurzfristige, sondern auch langfristig innovative Arbeitsmodelle für Eltern mit Kind schaffen. Und auch Mütter werden davon profitieren, denken zumindest fast 40 Prozent der Befragten zur Aussage „Es ist für ein Kind sogar gut, wenn seine Mutter berufstätig ist und sich nicht nur auf den Haushalt konzentriert“.

Statistik: Inwieweit stimmen Sie der Aussage zu, dass es für ein Kind sogar gut ist, wenn seine Mutter berufstätig ist und sich nicht nur auf den Haushalt konzentriert? | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Was denken Sie zur Vereinbarkeit von Kind und Beruf und würden Sie ein solches Eltern-Kind-Büro gerne nutzen?

Beitrag von

Mirijam Franke

Mirijam Franke ist freiberufliche Texterin und Autorin. Die studierte Medienwirtschaftlerin aus Friedrichshafen am schönen Bodensee stieg nach ihrem Abitur bereits im zarten Alter von 18 Jahren als Lektorin in der Industrie ein. Seit Oktober 2014 unterstützt sie unser Team von Arbeits ABC mit Textbeiträgen und Ratgebern rund um die Arbeitswelt.

Schreiben Sie einen Kommentar