Ergotherapeut / Ergotherapeutin

Viele Menschen sind durch Krankheiten, durch einen Unfall oder durch Entwicklungs-
verzögerungen oder Entwicklungs-
störungen in der Kindheit in ihrer alltäglichen Selbstständigkeit eingeschränkt. Sie benötigen eine unterstützende Therapie, die sowohl die körperlichen als auch die psychischen Aspekte berücksichtigt und hilft, die Unabhängigkeit wieder herzustellen oder zu fördern. Diese therapeutische Hilfe bieten der Ergotherapeut oder die Ergotherapeutin.

Tätigkeiten und Aufgaben eines Ergotherapeuten

Der Erstkontakt zwischen Patient und Ergotherapeut entsteht mittels Überweisung vom behandelnden Krankenhaus, dem Haus- oder Kinderarzt. Nach einer gründlichen Anamnese und Diagnosestellung legt der Ergotherapeut fest, welche Hilfsmittel und welche Therapiemaßnahme angewendet werden müssen. Der Ergotherapeut unterscheidet dabei in verschiedene Bereiche. Im motorisch-funktionellen Bereich geht es vorrangig darum, Bewegungsfunktionen bei bewegungseingeschränkten Personen wiederherzustellen. Dabei werden einzelne Muskelgruppen mit speziellen Geräten trainiert oder Koordinationsübungen durchgeführt. Bei einseitigen Belastungen infolge von Lähmungen oder nach Amputationen, die das Tragen einer Prothese nötig machen, ist ein spezielles Gelenkschutztraining notwendig.

Im psychosozialen Bereich geht es vorrangig um die Förderung von affektiven und emotionalen Fähigkeiten. Eine wichtige Aufgabe beispielsweise bei Kindern mit ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom). Hier wird mit dem Patienten in der Gruppe oder einzeln trainiert, wie sie bestimmte Situationen besser bewältigen können.

Im Bereich der Arbeitstherapie werden behinderte Menschen auf die berufliche Wiedereingliederung vorbereitet. Dabei werden die Patienten in werksgemäßen Fertigungstechniken ausgebildet. In allen Bereichen benötigt es gut konzipierte Trainingsmaßnahmen, die vom Ergotherapeuten im Vorfeld geplant und erstellt werden müssen. Jede Behandlungsmaßnahme muss vom Ergotherapeuten exakt dokumentiert werden. Dabei gehören auch das Erstellen von Abrechnungen für die Leistungsträger und Evaluierungsarbeiten an.

Oft lassen sich die unterschiedlichen Bereiche nicht strikt voneinander trennen. Das heißt, der Ergotherapeut muss immer wieder neue Therapiekonzepte entwickeln, die auf die Ganzheitlichkeit des Patienten abgestimmt sind. Dabei ist Kreativität und spielerische Erfindungsgabe gefragt. Der Ergotherapeut muss über psychologisches Grundwissen verfügen, um einen sensiblen, aber nicht ängstliche Umgang mit dem Patienten und seinen gesundheitlichen Problemen zu entwickeln und um ihn entsprechend seiner Situation motivieren zu können.

Art und Dauer der Ausbildung

Ergotherapeut ist ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Sie findet im dualen System, dass heißt in einer Berufsfachschule und der auszubildenden Fachklinik oder Praxis, statt. Für die Ausbildung zum Ergotherapeuten wird ein mittlerer Schulabschluss vorausgesetzt. Bewerber mit Hauptschulabschluss können unter der Voraussetzung einer abgeschlossenen Berufsausbildung von mindestens zweijähriger Dauer aufgenommen werden. Kommunikations- und Teamfähigkeit sowie Freude am Umgang mit Menschen, Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem Patienten und der Arbeit mit ihm gehören zu den persönlichen Voraussetzungen eines Bewerbers.

Die Ausbildungsinhalte sind in theoretische und fachpraktische Lehrgebiete gegliedert. Im theoretischen Bereich lernen die Auszubildenden als erstes die medizinische Fachsprache. Diese ist wichtig, um Dokumentationen fachlich richtig vornehmen zu können. Die Auszubildenden lernen, wie ergotherapeutische Befunde zu erheben und wie Behandlungspläne zu erstellen sind. Um Krankheitsbilder erkennen zu können, lernen angehende Ergotherapeuten alles über die Anatomie und Physiologie des Menschen allgemeine und spezielle Pathologie und Arzneimittel. Sie lernen die Grundlagen der Arbeitsmedizin und werden in die Psychologie und Pädagogik und den Teilbereich der Behindertenpädagogik eingeführt. Mit Hilfe der Kenntnisse, die die Auszubildenden im Bereich Prävention und Rehabilitation vermittelt bekommen, sind sie in der Lage erste Handlungsanalysen zu erstellen und ergotherapeutische Behandlungsziele festzulegen. In der Gerontologie, der Altersforschung, erlernen sie die Besonderheiten altersbedingter Erkrankungen und psychosozialer Behandlungsverfahren.

Im fachpraktischen Bereich erlernen die angehenden Ergotherapeuten handwerkliche und gestalterische Techniken, die in der Therapie angewendet werden. Sie werden in die motorisch-funktionellen sowie in neurophysiologische und neuropsychologische Behandlungsverfahren eingeführt. Dabei erlernen sie Techniken zur Verbesserung der motorischen und psychosozialen Funktionsfähigkeit, die dem Patienten zur Selbstständigkeit verhelfen sollen. Im Bereich der Arbeitstherapie erfahren die Auszubildenden, welche Maßnahmen bei Patienten angewendet werden müssen, um eine Wiedereingliederung in das Arbeitsleben zu erreichen.

Weiterbildungsmöglichkeiten und Karrierechancen

Ergotherapeuten arbeiten in Krankenhäusern, ergotherapeutischen Praxen, Sonderschulen, aber auch in Heimen der Altenpflege oder körperlich und geistig behinderter Menschen. Das Angebot an Spezialisierungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten für Ergotherapeuten ist so vielfältig wie der Beruf selbst. So können Weiterbildungsmaßnahmen im Bereich der Atemtherapie, in der Orthopädie bis hin zur Unfallheilkunde absolviert werden. Wer sich beruflich weiterbilden möchte, kann eine Prüfung zum Motopäden ablegen oder sich zum Fach- oder Betriebswirt im Bereich Sozial- und Gesundheitswesen (ILS Fernkurs Fachwirt/in im Sozial- und Gesundheitswesen ) ausbilden lassen. Ergotherapeuten mit Hochschulzugangsberechtigung haben die Möglichkeit, Medizin, Sozialpädagogik oder Pädagogik oder ähnliche Fachrichtungen zu studieren. Aber auch der Schritt in die Selbstständigkeit mit einer eigenen ergotherapeutischen Praxis ist möglich und bietet zahlreiche berufliche Entwicklungsmöglichkeiten.

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