Ferieneffekt: Urlaub macht doof

Haben Sie schon einmal vom sogenannten „Ferieneffekt“ gehört? Oder vielleicht bei sich selbst beobachtet, dass Sie sich die ersten Tage nach den Ferien beziehungsweise dem Urlaub irgendwie „doof“ fühlen? Dass das nicht am Jetlag oder zu vielen Cocktails im Urlaub liegt, konnten bereits zahlreiche Studien belegen. Es ist tatsächlich der Urlaub selbst, der uns dumm macht. Doch keine Sorge, nach wenigen Tagen verschwindet der Ferieneffekt wieder und es kann Normalität einkehren.

1. Was ist der Ferieneffekt?
2. Gibt es den Ferieneffekt auch bei Arbeitnehmern?
3. Wie lange hält der Ferieneffekt an?
4. Den Ferieneffekt mindern? Ja, das geht…
5. Der richtige Umgang mit dem Ferieneffekt – Tipps und Tricks

Was ist der Ferieneffekt?

Bereits im Jahr 1996 beschäftigte sich erstmals ein Forscher mit dem Ferieneffekt: Harris Cooper konnte in einer Meta-Studie an der Universität von Missouri in Columbia nachweisen, dass Schüler, Arbeitnehmer und Studenten aus einem Urlaub dümmer zurückkehren als zuvor. Bei Schülern konnte der Grad der „Verdummung“ sogar genau definiert werden: Nach den Sommerferien seien diese wieder auf dem Stand des Frühjahres. Es fehlt also sage und schreibe ein halbes Jahr Lernstoff. Der Forscher kam außerdem zu dem Schluss, dass der Ferieneffekt mit der Länge der Auszeit korreliert und dass vor allem die Rechtschreib- und mathematischen Kenntnisse der Probanden darunter litten. Und noch einen interessanten Fakt konnte der Cooper ausmachen: Mit steigendem Alter schlägt der Ferieneffekt stärker zu. Bei Schülern sei er deshalb gerade kurz vor dem Abschluss – und damit zur denkbar unpassendsten Zeit – am ausgeprägtesten.

Gibt es den Ferieneffekt auch bei Arbeitnehmern?

Die vor allem auf Schüler spezialisierte Studie brachte auch andere Forscher zum Grübeln: Gibt es diesen Ferieneffekt auch bei Arbeitnehmern? Und wenn ja, wie lässt er sich messen? Die Antwort war einfach: mit dem Intelligenzquotienten. So entschied sich der deutsche Gedächtnisforscher Siegfried Lehrl zur einer weiteren Studie mit schockierendem Ergebnis: Nach einem dreiwöchigen Urlaub war der Intelligenzquotient der erwachsenen Probanden um durchschnittlich 20 Punkte gesunken.

Wie lange hält der Ferieneffekt an?

Es ist also bewiesen: Deutsche Arbeitnehmer kehren nach dem Urlaub dümmer zurück als sie gegangen sind. Doch keine Sorge: Der Ferieneffekt ist nur eine vorübergehende Erscheinung. Das Gehirn hat das Gelernte nicht vergessen, sondern durch die Auszeit nur in weite Ferne verschoben. Die grauen Zellen müssen nun also erst einmal wieder auf Hochtouren kommen, und das braucht nun einmal seine Zeit. Von rund zwei bis drei Tagen gehen die Forscher hierfür aus, dann sollten Sie wieder wie gewohnt arbeiten können. Nachteiligen Einfluss auf Ihre Karrierechancen sollte der Ferieneffekt deshalb auf lange Sicht nicht haben.

Den Ferieneffekt mindern? Ja, das geht…

Ähnlich einem Jetlag, müssen Sie sich also nach dem Urlaub erst wieder akklimatisieren. Allerdings geistig und nicht (nur) körperlich. Tatsächlich gibt es aber eine ebenso simple wie effektive Methode, um den Ferieneffekt bereits im Urlaub deutlich zu mindern: Lesen! Wer hier und da zum Buch greift, hält auch an freien Tagen das Gehirn auf Trab und kann zurück auf der Arbeit den Ferieneffekt schneller überwinden. Dabei spielt es nicht einmal eine Rolle, ob es sich um eine anspruchsvolle Lektüre oder einen unterhaltsamen Roman handelt. Greifen Sie also im nächsten Urlaub bewusst wieder einmal zum Buch.

Der richtige Umgang mit dem Ferieneffekt – Tipps und Tricks

Natürlich gibt es aber auch einfach Menschen, die nicht gerne lesen. Und der Urlaub soll ja schließlich der Entspannung dienen, frei von Zwängen und ungeliebten Tätigkeiten. Was also ist die Lösung für alle „Nicht-Leser“? Nicht mehr in den Urlaub gehen? Natürlich nicht! Wenn Sie sich den Ferieneffekt bewusst machen, können Sie sich die anschließende Akklimatisierung durch die richtige Planung selbst erleichtern. Bedenken Sie also bereits vor Ihrem Urlaub, dass Sie die ersten zwei bis drei Tage nach Ihrer Rückkehr nicht gewohnt leistungsfähig sein werden. Das bedeutet:

  • Legen Sie wichtige Termine und Meetings nicht auf die ersten zwei bis drei Tage nach Ihrem Urlaub.
  • Dringende Aufgaben oder eilige Projekte sollten Sie vor Ihrem Urlaub erledigen.
  • Sparen Sie sich dafür einfache Tätigkeiten für die „Ferieneffekt-Zeit“ auf.
  • Legen Sie sich vor dem Urlaub eine To-Do-Liste für Ihre Rückkehr an.
  • Beginnen Sie ein bis zwei Tage vor dem Ende Ihres Urlaubs damit, sich mental auf die Arbeit vorzubereiten.
  • Gehen Sie in den Gedanken wichtige Projekte, Termine oder anstehende Aufgaben durch und stellen Sie sich mental auf Ihre To-Do-Liste ein.
  • Lassen Sie sich nicht stressen!

Die letzte ist die wohl wichtigste Regel für den Umgang mit dem Ferieneffekt. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit, sodass er von selbst vorbeiziehen kann. Niemand startet schließlich nach dem Urlaub wieder mit 180 Prozent in den Job – wie die Studien belegen. Und eigentlich ist der Ferieneffekt doch als gutes Zeichen zu bewerten: Offensichtlich konnten Sie im Urlaub endlich einmal so richtig abschalten und sich erholen. Die kurzzeitige Verdummung ist da wohl ein ungeliebter Nebeneffekt, den wir in Kauf nehmen müssen.

Welche sind Ihre Tipps und Tricks für den Umgang mit dem Ferieneffekt?

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