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#1
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| Hallo es geht um meine Tochter, die jetzt volljährig ist und nach der mittleren Reife nun eine Ausbildung als Medizinische Fachangestellte begonnen hat. Der Platz ist in einer großen OP-Praxis und sie war nach Probearbeit total begeistert. Am ersten Tag ging es auch und ihre Ausbildungsleiterin meinte auch, sie könne immer zu ihr kommen, wenn es Probleme gebe. Aber am Anfang , sagte sie auch, wäre noch jeder Azubi an seine Grenzen gekommen, sprich das eben Tränen flossen. So gab es die ersten Tage viele "Anschisse", weil man wohl ihrer Meinung nach zu viel voraussetzte. Außerdem wären einige Kollegen unfreundlich, manche würden sie ignorieren. Die Ärzte hingegen seien aber sehr freundlich, aber sie dürfe halt nur bei den OPs zuschauen (was erwartet sie nach 4 Tagen). Ich habe ihr natürlich gesagt, dass dies am Anfang völlig normal ist und man sich erst mal profilieren muss. Heute spielt sie schon mit dem Gedanken abzubrechen, weil sie meint, der Beruf sei eigentlich nichts für sie. Sie würde lieber wie im Praktikum als zahnmed. Fachangestellte eine Ausbildung machen. Ich denke, dass ist ne Schutzbehauptung, weil sie aus der unangenehmen Situation weg will. Wie soll man nach 4 Tagen schon wissen, ob ein Beruf der richtige ist? Ich denke mir schon, dass es am Anfang schwer ist, aber ich denke auch, wenn man sich mal ein paar Wochen durchgebissen hat, dann kann man wirklich beurteilen, ob es paßt. Bisher habe ich ihr nur die Möglichkeiten aufgezeigt und ihr auch gesagt, dass sie erst Mal mit den Kollegen reden soll und auf keinen Fall kündigen, ohne vorher etwas anderes zu haben. Leider habe ich wohl immer zu viel geholfen, auch bei den Bewerbungen, so dass sie jetzt mit 18 immer noch in vielen Dingen meine Hilfe erwartet. Ich glaube das war falsch und möchte ihr auch jetzt klar machen, dass sie, wenn sie einen Wechsel machen möchte, sich darum jetzt selber kümmern muss. Ich möchte ihr die Möglichkeiten aufzeigen, dass sie entweder bleiben und sich durchbeißen muss und dann merkt, dass es gar nicht so schlimm ist. Denn wenn man schon negativ eingestellt ist, dann bemerkt man ja nur negative Signale der Kollegen und redet sich vieles ein, nur um das Negative bestätigt zu bekommen. Alternativ müsste sie mit einem nicht so guten Zeugnis sich eine andere Stelle suchen und die würden sich auch wundern, wie man nch einigen Tagen schon merken kann, dass man den Beruf verfehlt hat. Liege ich da richtig oder was könnte ich noch tun, ihr mehr Mut zu geben? Ich meine, andere wären froh, wenn sie einen solchen Ausbildungsplatz hätten. LG M. Geändert von Franky (05.08.2010 um 11:54 Uhr) |
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#2
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| Ich würde ihr sagen, dass sie auf keinen Fall abbrechen soll ohne etwas anderes zu haben. Sie soll sich weiter umsehen, sich erkundigen was ihr vielleicht von der Berufsschule oder Ausbildungsbetrieb anerkannt wird wenn sie wechselt, damit sie nicht so viel Zeit verliert. Und wichtig, nicht aufhören bevor mindestens drei Monate vorbei sind. Das ist meiner Meinung nach die Einarbeitungszeit die man braucht um herauszufinden, ob Anfangsschwierigkeiten sich in Luft auflösen oder zu größeren Problemen werden. |
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feivelmaus67 (06.08.2010) | ||
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#3
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| Eigentlich ist es schon wieder zuviel, dass ich hier schreibe (Sie müsste das selber tun, aber ich möchte halt Informationen sammeln). Wenn sie 3 Monate wartet ist halt das Problem, dass die Probezeit dann rum ist und die Kündigung schwierig ist, andere Ausbildungsplätze ja teilweise noch bis 1.11. besetzt werden, aber ab Anfang 2011 ist der Zug abgefahren. Sie ist wohl das Arbeitsleben nicht gewohnt und das ist sicher jetzt ein Schock. ich denke auch, dass sie gewisse Tätigkeiten, die ihr Spaß machen noch gar nicht kennt. Abgesehen davon ist es ja nicht so, dass sie jetzt auf einmal feststellt, sie will Informatikerin werden, sondern nach wie vor im medizinischen Bereich bleiben möchte... LG M. Geändert von feivelmaus67 (05.08.2010 um 12:56 Uhr) Grund: Zusatzinfo |
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#4
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| BERUFENET, Berufsinformationen einfach finden - Suche Vermutlich ist deine Tochter mit falschen Vorstellungen an die Ausbildung herangegangen. Du solltest deine Tochter fragen, was sie eigentlich erwartet hat. Als Azubiene mit null Ahnung steht sie natürlich anfänglich dem Personal auch nur im Wege, deshalb kann es durchaus sein, dass der Eindruck erweckt wird, man würde sie ignorieren. Gerade im medizinischen Bereich gibt es zahlreiche juristische Stolperfallen, das Personal muss konzentriert arbeiten - auch unter hohem Arbeitsanfall - und darf sich keine Fehler erlauben. Deine Tochter stellt gerade fest, dass ein Unternehmen kein Schulhof ist, das bedeutet, es findet ein zielgerichtetes Geschehen statt, wo unproduktives Verhalten (Fehler, ...) Kritik und Tadel hervorrufen. Eine Rolle dürfte auch spielen, dass deine Tochter die Erfahrung macht, dass sie als volljährige junge Dame auch nicht besser behandelt wird als ein 15jähriges dummes Gör, das in der Arbeitswelt relativ entbehrlich ist. Gerade für junge Leute, die es gewohnt waren, im Mittelpunkt zu stehen oder zumindest in einer Gruppe anerkannt waren, dürften die jetzigen Erfahrungen bitter sein. Möglicherweise steht deine Tochter nun alleine und vereinsamt im Arbeitsleben und muss sich Anerkennung und Respekt erst wieder verdienen. Wie auch immer: der Job eines Auszubildenden ist es nicht, zu arbeiten, sondern zu lernen, damit er zukünftig (mit)arbeiten kann. Deshalb sollte man die Ausbildungstage nicht ungenutzt verstreichen lassen, sondern sich den Ausbildungsrahmenplan vornehmen und gezielt Fragen stellen. Vor allem sollte man mal den juristischen Hintergrund dieses Berufes deutlicher darstellen, dann kann man auch die Zusammenhänge besser verstehen, warum das Personal so und nicht so handelt. Die Ausbildung abzubrechen wäre äusserst unproduktiv, da die Lehrstellen in diesem Jahr bereits vergeben sind und allenfalls Nachrückerstellen zu bekommen wären, wo man dann mit den Altlasten, Kriegsschauplätzen und der verbrannten Erde vergangener Auszubildender zu kämpfen hätte. Und im Falle eines Lehrstellenverlustes Hilfe von der Agentur für Arbeit zu erwarten oder von der Arge, das wäre ungefähr so, als würde man darauf warten, dass Manna vom Himmel fällt. Zitat:
Man kann also zusammenfassen: der Anfang ist nicht leicht, man muss sich erst das Rüstzeug erwerben, um da überhaupt mitwirken zu können, und man muss eigenes Engagement aufbringen. Die Leute, die da arbeiten, sind in erster Linie dazu angestellt, die anfallende Arbeit zu erledigen, nebenbei kann man sich noch um Auszubildende kümmern, das ist aber nicht deren Hauptaufgabe. Gibt man die Lehrstelle auf, signalisiert man dem nächsten Ausbilder: Ich habe kein Durchhaltevermögen, ich habe noch nicht die notwendige Reife für die Arbeitswelt, ich bin für den Ausbildungsbetrieb ein finanzielles Risiko. Die Aufgabe eines Ausbildungsplatzes ist also nicht wirklich eine Option.
__________________ Was dich nicht umbringt, macht dich nur haerter. |
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feivelmaus67 (06.08.2010) | ||
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#5
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| Hallo, vielen Dank für die sehr hilfreichen Antworten. So sehe ich es auch, nur hätte ich es sicher nicht besser ausdrücken können. Die Stellen, die jetzt noch frei sind, konnten vermutlich wegen der hohen Anforderungen nicht besetzt werden oder sind durch Abbrecher freigeworden. Ich war Anfangs schon etwas überrascht über die Arbeitszeit (10,5 Stunden pro Tag), was auch noch ein Thema war. Aber sie ist selber Schuld, wenn sie als erste kommt und Abends erst dann geht, wenn man sie nachhause schickt. Gestern bekam ich einen Anruf wegen des Themas Abbruch, was zu meinen Beitrag hierfür führte. Am Abend dann aber schon waren die Wogen geglättet. Es liefe doch auf einmal ganz gut und sie hätte bei den Arbeitszeiten gar keine Zeit, sich etwas Anderes zu suchen. Außerdem hätte sie schon die ein oder andere Strategie angewendet, wie sie bestimmte Fehler vermeiden könnte, die wohl im Laufe des gestrigen Nachmittags dazu führten, dass die Ermahnungen deutlich weniger würden und überhaupt, die schwierigen Kollegen wären wohl einfach am Morgen schlecht gelaunt. Trotz dieser vermutlich temporären Wandlung, habe ich ihr die Möglichkeiten und Chancen noch einmal nahegelegt, zumal die für die Ausbildung relevanten Personen teilweise noch im Urlaub sind. Da läuft halt Einiges anders, wenn sich dann diejenigen kümmern müssen, die gar nicht wollen. Ich habe selber schon 2 Azubis hier gehabt für einige Wochen und kennen daher auch die andere Seite. LG M. |
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#6
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| Hallo ich möchte auch mal ein positives Feedback geben: Ihr wurde damals in der Probezeit noch die Kündigung nahe gelegt in Form eines Schreibens, dass sie nur noch unterschreiben musste. Das hat sie natürlich getan. Aber im Nachhinein war der Abbruch gut für sie und ich bin froh, dass sie es gemacht hat!!! Auch wenn ich damals anderer Meinung war. Der Grund: Nach dem Abbruch war natürlich keine Ausbildung mehr möglich, da alle Plätze belegt waren. Also musste sie ein Praktikum machen, denn einfach nur rumhängen geht nicht. So ging sie in die Pflege. Nach 1 Woche schon war ihr klar. DAS ist es und so hat sie 8 Monate Praktikum gemacht und ist jetzt schon voll in der Ausbildung, glücklich und zufrieden und so guten Noten, wie sie sie nicht mal in der Schule hatte. So habe auch auch etwas gelernt. Gruß |
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#7
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| ... vielen Dank für deine Rückmeldung Feivelmaus, es ist schön zu sehen dass sich diese unschöne Situation zum Guten gewendet hat.
__________________ ... schöne Grüße Wolf Die in meinen Beiträgen enthaltenen Aussagen stehen nur und ausschließlich für meine persönliche Meinung. Sie stellen keine, wie auch immer geartete, Rechtsberatung dar. Ich bin kein Jurist. |
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