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| • Gewusst wie! – Kritik gegenüber dem Chef erfolgreich äußern |
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#1
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| Hallo zusammen, ich habe mich hier angemeldet, da ich wirklich nicht mehr weiter weiß, ich hoffe ich finde hier jemanden, der mir zumindest einen guten Rat in meiner Situation geben kann. Hintergrundinformationen: Ich habe vor 2 Jahren einen wirklich nicht berauschenden Schulabschluss (Real) gemacht und mit mehr Glück als Verstand eine ziemlich gute Ausbildungsstelle (mein Traumjob) bekommen. Da dieser Betrieb allerdings Konkurs ging, bin ich nun bei einem neuen Arbeitgeber, konnte die Ausbildung aber nahtlos weiterführen und bin nun folglich im 2. Lehrjahr. Der Job machte mir immer super viel Spaß, auch meine Kollegen sind ausnahmslos sehr nett und hilfsbereit. Auch über meinen Chef kann ich nichts negatives sagen, er ist zwar immer sehr im Zeitdruck und kurz angebunden aber ein richtig sympathischer Mensch, also einer für den man sich gerne den ***** aufreisst. Ich habe das auch immer gerne getan, wie der Rest bei mir im Büro ebenso, 2 Überstunden am Tag bei einer 40 Stunden Woche sind wirklich das Minimum was alle arbeiten, die meisten arbeiten auch noch über das ganze Wochenende oder bleiben an 1-2 Tagen unter der Woche von 8 bis 22 Uhr... Das ganze geschieht nicht unter Zwang sondern aus einer Selbstverständlichkeit heraus, ich war das ein oder andere mal auch schon meine 14 Stunden am Stück arbeiten, muss aber betonen das ich nie direkt dazu aufgefordert wurde aber es fällt einem natürlich entsprechend schwer, wenn man weiß, dass etwas fertig werden muss und die Kollegen dann sitzen lässt. Das alles geht nun seit ca. Jahresanfang so und mittlerweile bin ich nur noch verzweifelt. Ich wohne ca. 60km von meinem Ausbildungsbetrieb entfernt und pendel aufgrund schlechter Bahnverbindungen mit dem Auto - mein Azubi Gehalt geht also fast ausnahmslos für Sprit drauf, ich habe aber dazu noch 3 Monatsgehälter an Schulden für diverse Reperaturen die ich schon kaum abbezahlen kann, also Späße wie in der Mittagspause mal zur Dönerbude zu gehen gehören für mich zum absoluten Luxus, welchen ich mir maximal 2-3 mal im Monat erlauben kann. Die Arbeitszeit belastet mich zusätzlich, wenn ich an einem kurzen Tag bis 18 Uhr arbeite wird es gerne auch mal 19:30 Uhr bis ich zu Hause bin, da ist dann noch nichts gegessen geschweige denn mal irgendetwas für mich getan, da ich natürlich zwangläufig meine Freundin und meine Freunde vernachlässige steigen die mir auch aufs Dach, die Zeit reicht einfach hinten und vorne nicht. Ich beobachte an mir selber wie es an mir frisst: Ich bin komplett lustlos auf alles, ich kann nichtmal mehr anständig lachen (ich hätte nie gedacht, dass es soetwas wirklich gibt ich war immer ein saulustiger Mensch und fast schon eklig gut gelaunt den ganzen Tag), ich muss den ganzen Tag über meine aktuelle Situation nachdenken und habe einfach keine Ahnung wie ich das noch schaffen soll, die Arbeit kommt mir immer komplexer und unschaffbarer - ich mir immer nutzloser und unfähiger vor. Aufgrund dessen verschlechtert sich natürlich auch meine Leistung in der Arbeit, mein Chef wird unzufriedener (obwohl er verständnisvoll bleibt, merke ich ihm einfach an wie er immer mehr ins Zweifeln mit mir kommt) und meine ohnehin schon panische Angst diese Ausbildungsstelle zu verlieren steigt jeden Tag ins unermessliche. Auch körperlich geht es bergab, früher bin ich 2-3 mal die Woche ins Fitness Center gegangen, das packe ich schon seit Monaten einfach nicht mehr, ich hab 0 Antrieb. Seit einiger Zeit habe ich auch immer öfters Sodbrennen, seit ca. 3 Wochen kann ich keine Nacht mehr durchschlafen weil ich Nachts aufwache von meinen Magenkrämpfen. Auch bekomme ich von Zeit zu Zeit (2 mal die Woche) sehr spontane, aber sehr sehr heftige Stiche im Herzen, immer nur ein par Sekunden lang und dann oft ein par mal hintereinander. In diesen Momenten ertappe ich mich immer wieder wie ich mir wünsche, dass dieses Stechen einen Herzinfarkt oder irgendeine Krankheit ankündigt, um dadurch einfach 2-3 Wochen eine Auszeit zu haben. An Urlaub ist derzeit nämlich auch nicht zu denken, wir haben sehr viel Arbeit und gerade ich noch einige unfertige Projekte... Ich weiß wirklich nicht mehr weiter, jeden Tag wird es schlimmer und ich weiß nicht mehr wie ich aus dieser Abwärtsspirale herauskommen soll. Zeitweise überlege ich mir ernsthaft mir mein Bein oder einen Arm zu brechen oder irgendetwas in der Art um eine Pause zu bekommen, da ich einfach keinen anderen Ausweg mehr sehe... Ich hoffe es gibt hier im Forum jemanden, der sich die Mühe macht sich meinen Roman durchzulesen und vielleicht den ein oder anderen Tip für mich hat. Danke im Vorraus und viele Grüße! |
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#2
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| Zitat:
Schildere ihm ruhig mal, wie Du Dich fühlst und warum. Er wird Dich höchstwahrscheinlich krankschreiben, auch ohne dass Du Dir einen Arm brichst. Dein Arbeitgeber erfährt die Krankheit oder deren Ursache durch die Krankschrift nicht. Wie lange geht Deine Ausbildung noch? Kannst Du sie verkürzen? Es dürfte Dir wenig damit geholfen sein, wenn wir Dir hier Tipps bezüglich der erlaubten Arbeitszeiten für Azubis geben. Meistens ist es auch gar nicht die genaue Stundenanzahl an täglicher Arbeit, die Probleme auslöst, wie Du sie geschildert hast, sondern Druck, der mit der Arbeit verbunden ist. Dabei kann es auch sein, dass Du Dir zusätzlichen Druck selbst aufbaust, z.B. durch Deine (durch die Erfahrung des Konkurses verständliche) Angst, den Ausbildungsplatz zu verlieren. Es ist für Dich wichtig, Wege zu finden, diesen Druck irgendwie abzubauen. Vielleicht kann Dir der Arzt dazu etwas empfehlen oder einen Kurs vorschlagen o.ä.. Das ist auch wichtig für spätere Berufssituationen. Welchen Beruf erlernst Du denn? Ich frage das, weil Arbeitszeiten, wie Du sie geschildert hast, in manchen Branchen ziemlich üblich sind.
__________________ Liebe Grüße, Melete Meine Beiträge entsprechen meinem besten Wissen und stellen meine persönliche Meinung dar. Eine Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit kann ich nicht übernehmen. Auch gebe ich keine Rechtsberatung und keinen Ersatz dafür. Recherche-Ergebnisse zeigen jeweils den Stand des Erstellungsdatums des Beitrags. |
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#3
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| Hallo Melete, vielen Dank für deine Antwort. Leider habe ich das Problem, dass ich meinem Arbeitgeber sagen muss warum ich krank bin, ich muss mich persönlich krank melden bei ihm und muss natürlich auch begründen, warum er jetzt X Tage auf mich verzichten muss. Meine Ausbildung dauert noch ca. 1 Jahr, verkürzen ist nicht möglich. Selbstverständlich baue ich mir diesen Druck auch hauptsächlich selbst auf, hauptsächlich aufgrund meiner schlechten Mittleren Reife. Ich habe eine Ausbildung im IT Bereich die mit "Abitur erforderlich, in Einzelfällen sehr gute Mittlere Reife" ausgeschrieben wird. Diese Ausbildung 2 mal zu bekommen ist unglaubliches Glück und ihr könnt mir glauben, dass ich mich schon überall beworben habe. Der Punkt ist der: Diese Ausbildung bedeutet ALLES für mich, verliere ich diese kann ich auch meine Schulden nicht mehr bezahlen geschweige denn mein Auto, das wäre der Super-GAU den ich auf keinen Fall riskieren möchte. Ich habe auch etwas Angst, dass diese eher psychische Geschichte ein schlechtes Licht auf mich wirft bzw. nicht anerkannt wird von meinem Chef. Ein gebrochener Arm ist ein gebrochener Arm... |
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#4
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| Dass Du Dich persönlich melden musst, bedeutet doch nicht, dass Du einen umfassenden, detaillierten und lückenlosen Bericht über sämtliche Symptome, deren Ursachen und alle Deine Befindlichkeiten abgeben musst. Du hast eine Magenerkrankung, die mit erheblichen Krämpfen einhergeht. Die Ursachen werden derzeit ermittelt. Punkt. Magenerkrankungen können auch durch Infektionen verursacht werden. Gebrochener Arm ist gebrochener Arm und Magenkrampf ist Magenkrampf. Wieso willst Du da denn Romane über Deine Psyche erzählen? Das macht man nicht einmal dann, wenn man unkündbar ist und das beste Vertrauensverhältnis zum Chef hat. Die Herzprobleme würde ich auch nicht empfehlen, ihm auf die Nase zu binden. Chefs wollen im übrigen auch gar nicht alles von ihren Untergebenen wissen - schon gar nicht in Details! Deinen Chef interessiert lediglich, wann Du wieder einsatzfähig bist. In diesem Zusammenhang interessieren ihn ein oder zwei Stichworte zu Deiner Erkrankung. Arm gebrochen ist schließlich hinsichtlich der Wiedereinsatzfähigkeit etwas anderes als Arm ab. Ne Magensache kommt meist wieder in Ordnung. WARST DU DENN SCHON BEI EINEM ARZT?
__________________ Liebe Grüße, Melete Meine Beiträge entsprechen meinem besten Wissen und stellen meine persönliche Meinung dar. Eine Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit kann ich nicht übernehmen. Auch gebe ich keine Rechtsberatung und keinen Ersatz dafür. Recherche-Ergebnisse zeigen jeweils den Stand des Erstellungsdatums des Beitrags. |
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#5
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| Du selbst siehst Deine Erkrankung offenbar - zumindest ein Stück weit - als eine Psychosache an. Tatsächlich aber können sich verschiedene Ursachen in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken. Der kausale Zusammenhang könnte sogar anders herum liegen. Zum Beispiel: Körperliche Ursachen => führen zu Müdigkeit, Schwäche und Antriebslosigkeit, => lange Arbeitszeiten und Druck sind schlechter zu ertragen, => verstärken Müdigkeit, Schwäche und Antriebslosigkeit, => Leistung lässt nach, => Angst und Unruhe steigt, => was zu Schlafstörungen führt, => was Müdigkeit, Schwäche und Antriebslosigkeit noch mehr verstärkt, => Niedergeschlagenheit macht sich breit, => das Selbstbewusstsein leidet, => was Angst und Unruhe verstärkt => usw. Du solltest Dich dringend mal ärztlich durchchecken lassen. Mangelerscheinungen: Ursachen können sogar - so banal das spontan klingen mag - in Mangelerscheinungen liegen. Im Folgenden einige Beispiele für Mangelerscheinungen und Symptome, die durch sie hervorgerufen werden können. Insbesondere bei länger andauerndem Mangel sind erhebliche Symptome bzw. Erkrankungen die Folge. Vitaminmangel: Müdigkeit, Lustlosigkeit, Leistungsabfall, Konzentrations- und Gedächtnisschwäche, Schwindel, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, Appetitmangel, Magen- und Darmprobleme, Kopfschmerzen, ja ich las sogar von Angstzuständen und Depressionen. Eisenmangel: Schnelle Ermüdung, innere Unruhe und Konzentrationsmangel, Herzrasen oder Herzklopfen. Mangel an Salz/Natrium, z.B. auch verursacht durch Schwitzen: Müdigkeit, Mattigkeit, Muskelschwäche, Krämpfe, Verwirrtheit, Gedächtnisverlust. Hand auf's Herz:
Mangelerscheinungen lassen sich durch eine Blutuntersuchung schnell feststellen. Stelle Dir doch einmal vor, Deine Müdigkeit und Mattigkeit wäre viel geringer. Würde dann nicht alles leichter werden? Natürlich - ganz ohne jeden Zweifel - starker Arbeitsdruck, viele Überstunden und Unplanbarkeit der Freizeit nagen an jedem Menschen. Allerdings hält man das - auch wenn es nicht schön ist - normalerweise durchaus ein paar Jahre aus. Insbesondere sehr junge Leute kennen ihren Körper meist noch nicht gut genug, um Symptome deuten zu können, und unterschätzen die möglichen Auswirkungen meist auch. So ging ein ehemaliger Bekannter von mir nach einer langen Phase, in der er sich äußerst einseitig ernährt hatte, erst zum Arzt, als er bereits unter Knochenzersetzung litt, obwohl er sich schon einige Zeit lang äußerst schlecht gefühlt hatte. Er führte das auf seine Niedergeschlagenheit aufgrund seiner Unzufriedenheit mit seinen Lebensumständen zurück.
__________________ Liebe Grüße, Melete Meine Beiträge entsprechen meinem besten Wissen und stellen meine persönliche Meinung dar. Eine Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit kann ich nicht übernehmen. Auch gebe ich keine Rechtsberatung und keinen Ersatz dafür. Recherche-Ergebnisse zeigen jeweils den Stand des Erstellungsdatums des Beitrags. Geändert von Melete (15.07.2010 um 18:06 Uhr) |
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