Völlig Hilflos und ohne Aussicht
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Völlig Hilflos und ohne Aussicht

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  #1  
Alt 16.06.2010, 17:13
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Guten abend,

Ich weiß gar nicht wo ich genau anfangen soll mit meinen Problemen.

Ich bin 20Jahre alt und bin im moment völlig hilflos und ohne Aussicht auf Besserung. Ich habe vor 3Jahren meine Mittlere Reife gemacht und danach die FOS wegen Krankheit abgebrochen. Auf Grund von schweren Depressionen und heftigen Panikattacken und Angstzuständen im Bezug auf Schule, musste ich bereits 2 Ausbildungen abbrechen. Ich befinde mich derzeit auch in einer Therapie.

Meine erste Ausbildung war die zum Industriekaufmann, die zweite zum Augenoptiker.

Beide musste ich wie gesagt abbrechen auf Grund dessen das ich einfach nicht in Schule kann. Ausbildung ohne Schule ist zwar möglich aber praktisch unschaffbar da mir die komplette Theorie fehlen würde.

Ich weiß einfach nicht wie ich wieder auf die Füße kommen soll, die Therapie hilft mir schon weiter, aber ob ich direkt bis zum September hin wieder "gesund" bin kann niemand sagen.

Ich weiß auch nicht wie andere Arbeitgeber darauf reagieren wenn ich 2 Ausbildungen bereits abbrechen musste oder ich von meinem Problem mit der Schule erzähle. Ich versuche auch Arbeit ohne Ausbildung zu finden, allerdings ist das nahezu unmöglich, ich möchte keinen Hilfsarbeiterjob oder so etwas auf ewig haben.

Mein Vater hat eine Beamtenstelle in einem Amtsgericht über eine Umschulung erhalten, dort wurden letztens erst Leute gesucht allerdings mit irgendeiner abgeschlossenen Ausbildung.

Ich weiß einfach nicht mehr weiter, ich hoffe ihr könnt mir irgendwie helfen oder wertvolle Tipps geben.

Mit freundlichen Grüßen
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  #2  
Alt 16.06.2010, 23:49
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Ich kenne Dich nicht. Aber dieser Satz hier fiel mir sofort auf:

Zitat:
...ich möchte keinen Hilfsarbeiterjob oder so etwas auf ewig haben.
Aus diesem Satz spricht eine Menge Zukunftsangst. Und daraus spricht vor allem eine Art von Druck, der wirklich jedem Menschen Angst machen würde - aber wirklich absolut jedem:


WENN DU NICHT JETZT

das ALLES ENTSCHEIDENDE

SCHAFFST,

DANN DROHT ETWAS - DANN DROHT SO ETWAS -, UND ZWAR

AUF EWIG



Ich erlebe immer wieder bei sehr jungen Leuten eine Art von Ewigkeitsvorstellungen, was ihr Berufsleben anbelangt. Gerade kürzlich hatten wir hier wieder einmal die Anfrage einer jungen Frau, die ihre Ausbildung abbrechen wollte, weil sie sich nicht vorstellen konnte, die Tätigkeiten, welche zu ihrem Ausbildungsberuf gehören, ihr ganzes Berufsleben lang zu verrichten.

Genau so ging es mir übrigens in der Ausbildung auch. Der Unterschied war nur, dass ich von vornherein meinte, Möglichkeiten zu kennen, um diese Art von Ewigkeit zu verhindern (spezialisierte Weiterbildung, wie ich dachte). U.a. deshalb spielte ich nie mit dem Gedanken an Abbrechen. Dann aber kam alles ganz anders und mein ganzes bisheriges Berufsleben (über 20 Jahre) verlief von vornherein völlig anders als ich dachte. Von Ewigkeit ist da keine Spur - nicht in positiver, aber eben auch nicht in negativer Hinsicht.

"Ja, Du hast aber eine Ausbildung", wirst Du jetzt vielleicht denken.

Beispiel 1:

Eine Freundin von mir brach aufgrund schwerer familiärer Probleme die Schule ab. Zunächst schlug sie sich als Hilfsverkäuferin durch. Dann bekam sie als ungelernte Verkäuferin eine Festanstellung. Einige Jahre später war sie Betriebsratsvorsitzende und erhielt neue Aufgaben (Einführung eines neuen Kassen- und Bestellsystems). Schließlich wurde sie Verantwortliche hierfür (direkt unterhalb der Geschäftsführung im Betrieb).

Nachdem die entsprechende Handelskette verkauft und in der Konkurrenz aufgelöst wurde, startete sie eine zweite Karriere dieser Art in einer Direktbank - beginnend als Call Center Agent. Tatsächlich nur wenige Jahre später befand sie sich im gehobenen mittleren Management, auf der dritten Hierarchie-Ebene von oben in dieser Bank (ohne Ausbildung und Studium).

Beispiel 2:

Ein Freund von mir erwarb den Hauptschulabschluss. Von Beruf wurde er Gärtner. Der schulische Teil der Ausbildung war für ihn nicht einfach. Sein Leben lang hat er sehr viel gelesen und sich intensivst mit Themen beschäftigt, die ihn interessieren. Deshalb war es von Anfang an nicht recht verständlich, warum er es beim Hauptschulabschluss belassen hatte. Aber als er versuchte, den Meistertitel zu erwerben, stieß er auf eben jene Probleme, auf die er schon in der Schule stieß. Das war wiederum - nein, noch mehr - unverständlich für ihn und seine Umgebung. Er ist ohne jeden Zweifel intelligent, belesen und allerbestens über die Fachthemen informiert.

Dennoch haderte er niemals mit seinem Beruf. Er ist mit Leib und Seele Gärtner, nicht nur beruflich, sondern auch als Hobby. Zudem verfügt er über viele Kenntnisse in Meteorologie und Ökologie. Über diese Hobbies fand er viele Kontakte. Und er ist derjenige, der in meinem Freundeskreis die langfristigste und sicherste Arbeitsstelle fand.

Ich könnte Dir jetzt unendlich viele, weitere Beispiele erzählen von Leuten, die in der Schule versagten und später einen sie erfüllenden Beruf fanden,
oder von Leuten, die eine wunderbare Schul- und Berufskarriere hinlegten, bei denen jedoch das Schicksal, die Konjunktur oder individuelle Begebenheiten des Arbeitgebers alles veränderten.

Ebenso könnte ich Dir Beispiele erzählen von Leuten, welche ihre Abschlüsse - ob schulisch, Ausbildung oder Uni - erst später, manchmal viel später, erlangten.

Und dann sind da auch noch all jene Beispiele, in denen Leute seit vielen Jahren ein sehr unsicheres Leben führen, das aber nicht immer ein schreckliches oder unzufriedenes ist: Künster, Freiberufler, kleine Selbstständige.

Damit möchte ich sagen: Streiche als erstes mal den Ewigkeits-Gedanken.

In Deinem Leben ist noch alles offen.

Das kann auch Angst machen.

Aber es ist auch eine riesengroße Chance.

Und ein zufriedenes Leben ist nicht von einem ganz bestimmten Weg abhängig.

Das ist das Einzige, das nun wirklich feststeht!
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Liebe Grüße, Melete

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  #3  
Alt 16.06.2010, 23:57
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Was Dir Dein Therapeut empfiehlt, weiß ich nicht. Deine schulischen Schwierigkeiten dürften m.E. auch außerschulische Gründe haben. Deshalb ist es wichtig, was er herausfindet und sagt.

Spontan könnte ich mir vorstellen, dass es für Dich eventuell gut ist, erst einmal von dem Schuldruck wegzukommen und tatsächlich irgendwelche Jobs anzunehmen.

Nach einer Pause von einigen Monaten könntest Du dann (ohne Druck, ganz von selbst) auf die Suche nach Lernformen gehen, die Dir liegen (z.B. Abi im Fernstudium oder im Selbststudium, Vorbereitung auf die Externenprüfung für eine Ausbildung etc.).

Und später kann es sein, dass Du keine Schwierigkeiten mehr mit Schulformen vom Lernen hast. Das wird genau dann eintreten, wenn Du Spaß am Lernen und am Lernerfolg gefunden hast. Das lässt sich jedoch nicht herbeizwingen. Wenn alles gutgeht, wirst Du da eines Tages einen Weg für Dich finden.

Ich persönlich habe aufgrund Deines Beitrags den Eindruck gewonnen, dass Du erst einmal eine Schulpause brauchst.

Es kann sehr gut sein, dass Du Dich im Augenblick gedanklich im Kreis drehst:

Deine eigenen Erwartungen, die Erwartungen anderer, Druck, Angst … Versagen … Angst, Druck, die Erwartungen anderer, Deine eigenen Erwartungen …

Gehe mal aus diesem Kreis raus. Finde irgendeinen Weg dafür. Das Leben ist definitiv anders.

Hast Du mal über ein soziales Jahr nachgedacht?

Infos und evtl. auch Adressen für ein freiwilliges soziales Jahr in Deiner Stadt findest Du hier:

Bundesarbeitskreis FSJ :: Willkommen auf der Seite des Bundesarbeitskreises FSJ
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  #4  
Alt 17.06.2010, 06:49
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Melete für den ersten Beitrag kann ich nur sagen:


Absolut zutreffend!!!
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  #5  
Alt 17.06.2010, 21:32
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Ich schließe mich voll und ganz Melete an. Ich finde auch das du erst einmal Pause brauchst. Zwang wird es wieder nicht klappen.Überlege es dir gut
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