Freiberufler oder Kleingewerbe im Werbebereich?
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Freiberufler oder Kleingewerbe im Werbebereich?

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  #1  
Alt 25.06.2010, 15:27
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Lächeln Freiberufler oder Kleingewerbe im Werbebereich?


Hallo zusammen!
Ich habe schon einen interessanten Beitrag zum Thema Werbeagentur gelesen der aber nicht alle Fragen meinerseits beantwortet.

Nun- ich bin Hauptberuflicher Machinenbauer (gelernter Elektroniker) und das soll auch so bleiben.

Doch habe ich mich entschlossen mein langjähriges Hobby nebenbei zum Beruf zu machen.

Seit über 10 Jahren beschäftige ich mich mit digitalen Spezialeffekten für Filme/Videos und habe bereits an einige Privatprojekten teilgenommen.
Somit wird man als vfx-artist (vfx=visual effects) bezeichnet- was wegen des künstlerichen Anteils der Arbeit unter die Katalogberufe fallen würde.

Nun möchte ich auch Werbeclips drehen und mit visuellen Effekten versehen.
Darüber hinaus möchte ich passen 2d- und 3d Firmenlogos anbieten die sich einerseits in dem Video wiederfinden, anderseits aber auch auf Printmedien.
Visitenkarten und Flyer sollen ein Nebenprodukt meiner Selbstständigkeit sein- wobei ich nur der Designer bin- den Druck würde ich in Auftrag geben.

Kann ich mich nun als freiberuflicher vfx-artist anmelden oder habe ich dafür nicht die richtigen Vorraussetzungen?
Denn ich habe gelesen das man je nachdem

1) Eine entsprechende Ausbildung braucht
2) Beim "handeln mit Waren"- so also zB Visitenkarten und Flyern- unter andere gesetzliche Verhältnisse fällt (Handelsgesetz)

Is es also freberuflich möglich oder als Kleingewerbe ... oder garnicht ?

Ein entsprechendes Konzept arbeite ich gerade aus.
Sogar erste Flyer und Visitenkarten habe ich schon.
Als nächstes steht ein Existensgründer-Seminar an.
Und eine Anfrage ans Finanzamt habe ich auch schon geschrieben (Post).

Würde mich freuen wenn mir jemand weiterhelfen könnte- oder eigene Erfahrungen mitteilen würde .

mfg,
daFassi
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  #2  
Alt 25.06.2010, 19:28
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Standard Freier Beruf oder Gewerbe

Die endgültige Entscheidung des Finanzamts, ob Du als Freiberufler oder Gewerbetreibender eingestuft wirst, kann Dir hier niemand mitteilen.

Es ist in Deinem Fall mit Sicherheit äußerst ratsam, einen Steuerberater zu nehmen, der u.a. genau darauf spezialisiert ist.

Ob die eigene Anfrage beim Finanzamt eine gute Idee war, wird sich herausstellen. Ein entsprechend kundiger Steuerberater könnte die Beurteilung durchaus beeinflussen.

Wähle dabei keinen Steuerberater, der zufällig an der nächsten Ecke sitzt, sondern gehe über entsprechende Datenbanken zur Suche nach Steuerberatern im Internet. Er sollte z.B. Erfahrung im Bereich Werbung, Design, Film, künstlerischen Tätigkeiten und Freiberuflichkeit haben.

Führe am besten Gespräche mit mehreren. In einem ersten Telefonat sollte sich klären lassen, ob er über Erfahrungen verfügt, die Deinem Vorhaben und dem Thema Freiberuflichkeit entsprechen. In einem persönlichen Erstgespräch (das kostenfrei sein sollte) kannst Du dann die Kostenfrage klären sowie die Einzelheiten der Zusammenarbeit und dabei feststellen, ob Du Dir mit diesem Steuerberater eine dauerhafte Zusammenarbeit vorstellen kannst.
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  #3  
Alt 25.06.2010, 20:23
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Hallo Melete,

danke für die schnelle Antwort.

Eigentlich hätte ich nicht erwartet, dass man mir zu einem Steuerberater rät.
Denn ich gehe nicht von großen Gewinnen aus sondern rechne mit einem "netten Nebenverdienst".
Da Du aber mit sicherheit der Erfahrenere bist von uns beiden, werde ich Deinem Rat nachkommen.
Aber ein Steuerberater ist doch mit sicherheit sehr teuer???
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  #4  
Alt 25.06.2010, 20:39
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Fragen kostet erst einmal nichts.

Ich selbst habe überwiegend sehr gute Erfahrung mit der Einschaltung eines Steuerberaters gemacht.

Unterschreibe besser keine Vollmachten, die dem Steuerberater erlauben, ohne Rücksprache mit Dir alle Dinge mit dem Finanzamt zu regeln (und womöglich gar Rückzahlungen selbst einzuziehen).

Abgesehen von einer Ausnahme habe ich stets die Erfahrung gemacht, nach Abzug der Steuerberatungskosten am Ende mehr Geld herauszubekommen als ich das ohne Steuerberater hätte selbst erwirken können. Ein guter Steuerberater ist in mancherlei Belangen bei einer Existenzgründung ein sehr wertvoller Berater - auch wenn er natürlich nicht als Unternehmensberater fungiert.

Du hast ganz offensichtlich vor, Deine Nebentätigkeit zu professionalisieren. Ja, dazu gehört ein Steuerberater - es sei denn, Du wolltest Dich selbst zum Steuer- und Buchführungsprofi entwickeln. Das dürfte dann aber auf Kosten Deiner eigentlichen Tätigkeit gehen.

Natürlich ist es richtig und wichtig, sich selbst ein Stück weit zu informieren und sich nicht blindlings naiv von Dienstleistern abhängig zu machen.

Davon abgesehen: willst Du Deine nebenberufliche Tätigkeit professionalisieren, so konzentriere Dich auf Dein Kerngeschäft und suche Dir Dienstleister, dir Dir alles andere Wesentliche abnehmen.
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  #5  
Alt 25.06.2010, 21:48
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Daumen hoch

Und nicht zuletzt möchte ich ja auch andere fördern .
In diesem Sinne vielen Dank für die kompetente Antwort!

Es hört sich zumindest so an, als wenn ich das ganze realisieren könnte ...

Das ich dem Finanzamt schon Post geschickt habe verdanke ich dem Telefonat von heute morgen.
In dem hieß es - schicken Sie uns erst mal ein schreiben damit wir ihnen dann entsprechende Antragsformulare zusenden können, anhand derer wir feststellen können ob sie freiberuflich aktiv sein können... so in der Art ... natürlich habe ich sofort den Brief aufgesetzt.

Nun denn noch einen schönen Abend!
1000 Dank!
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  #6  
Alt 28.06.2010, 19:22
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Hallo!
Ich wollte nochmal etwas fragen.

Nach einigen Anfragen bekomme ich immer zu hören, dass das Grundprinzip immer das Gleiche sei.
Jetzt frage ich mich, welchen Vorteil ein Steuerberater in den angesprochenen Bereichen bringt- wenn doch sowieso das Gleiche ist?
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  #7  
Alt 28.06.2010, 20:46
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Was meinst Du denn jetzt mit Grundprinzip?

Und wen hast Du gefragt?
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  #8  
Alt 28.06.2010, 21:00
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Bei ein paar Steuerberatern habe ich angefragt.
Dabei habe ich natürlich ein paar Informationen gegeben wie zB dass ich es als freiberufliche Nebentätigkeit machen möchte und worum es geht.

Die Antworten waren eigentlich immer gleich:
...das Grundprinzip der steuerlichen Gewinnermittlung ist in allen gewerblichen Tätigkeiten gleich...
Oft wird aber auch hinzugefügt, dass man offen und flexibel für Neues ist.

Das finde ich sehr gut- und frage mich was mit "Neues" denn gemeint sein könnte?
Also- was macht ein Steuerberater mit Erfahrungen im Freiberufler/Designer-Bereich anders, als einer der in diesen Bereichen bisher weniger tätig war?

Danke
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  #9  
Alt 28.06.2010, 21:51
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Ah, jetzt versteh ich. Du hast Steuerberater gefragt, die bislang keine Erfahrung in den Bereichen Freiberuflichkeit, Design, Medien etc. haben. Diese haben Dir dann sinngemäß gesagt: Ist doch wurscht, womit einer Erfahrung hat, denn das Grundprinzip ist ja doch immer gleich.

Klar haben sie das gesagt, denn sonst gehst Du denen ja auch als Kunde verloren. So aber vielleicht erst recht.

Der erste Haken fängt schon mit dieser Aussage an:

Zitat:
...das Grundprinzip der steuerlichen Gewinnermittlung ist in allen gewerblichen Tätigkeiten gleich...
Wolltest Du nicht beim Finanzamt als Feiberufler geführt werden? Wir reden also nicht von gewerblichen Tätigkeiten. Da scheint den Herrschaften also schon einmal etwas entgangen zu sein.

Außerdem ist die Aussage per se merkwürdig: Wenn die steuerliche Gewinnermittlung im Grunde immer gleich wäre, sobald etwas mit einem Gewerbe zu tun hat, dann fragt man sich doch z.B., wozu es Heerscharen von Wirtschaftsprüfern gibt - ja, und wozu überhaupt Steuerberater? Dieses immer gleiche Grundprinzip kann sich doch wohl jeder reinpfeifen, oder?

Wenn jemand sein eigenes Expertentum infrage stellt, dann ist das kaum ein Argument dafür, ausgerechnet ihn als Experten zu engagieren.

Oben habe ich geschrieben:

Zitat:
Abgesehen von einer Ausnahme habe ich stets die Erfahrung gemacht, nach Abzug der Steuerberatungskosten am Ende mehr Geld herauszubekommen als ich das ohne Steuerberater hätte selbst erwirken können.
Bei dieser einen Ausnahme wählte ich einen Steuerberater, der mir von einem Bekannten empfohlen worden war. Er hatte zwar keine Erfahrung mit meinem Fachbereich, erklärte mir jedoch auch, dass dies gar keine Rolle spiele.

Unsere Zusammenarbeit begann gleich damit, dass er sich durch lange Telefonate mit dem Finanzamt und langwieriges Wühlen durch Fachliteratur versuchte, in Spezialfragen kundig zu machen. Abgesehen davon, dass ich es sehr fragwürdig fand, dass er sich sozusagen vom Finanzamt beraten ließ, wollte er mir diesen nicht eben unerheblichen Zeitmehraufwand als "Recherchekosten" auf der Rechnung unterjubeln.

Als ich schließlich einen anderen Steuerberater nahm, musste dieser die gesamte Arbeit des oben Genannten quasi noch einmal machen. Es gab diverse Fehler in den Umsatzsteuererklärungen bezüglich ermäßigter und nicht ermäßigter Steuersätze, absetzbare Kosten waren nicht vollständig berücksichtigt worden, weil derjenige sich offensichtlich nicht hinreichend in das Fachgebiet einfinden konnte, etc.

Ich bekam eine schöne Steuerrückzahlung, welche schon alleine deutlich höher war als die Kosten, die der neue Steuerberater im ganzen folgenden Jahr in Rechnung stellte.

Der neue Steuerberater bekam regelmäßig einen roten Kopf vor Wut, wenn er an seinen Kollegen dachte. Es ist nämlich wesentlich aufwendiger, alles noch einmal zu durchforsten und abzuändern, als es gleich selbst zu machen.

Tja, wozu brauchen wir Experten, wenn alles doch so einfach ist, respektive unsere deutschen Steuergesetze?
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  #10  
Alt 29.06.2010, 00:30
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Standard Suchtipp

Hier ist ein Steuerberater-Suchservice des Steuerberaterverbands:

Deutscher Steuerberaterverband e.V. - Steuerberater suchen

Bei "Branche" fand ich z.B. folgende Stichworte, die Du mal eingeben könntest, um einen geeigneten Experten in Deiner Umgebung zu finden (er braucht zwar nicht an der nächsten Ecke zu sitzen, aber es ist schon durchaus vorteilhaft, wenn er nicht in 100 km Entfernung sitzt, damit man auch mal unproblematisch mit ihm persönlich reden oder ihm persönlich etwas vorbeibringen kann):
  • Filmproduktion
  • Freie Berufe allgemein
  • Grafik und Design
  • Medienberufe

Warum wohl unterscheidet dieser und unterscheiden auch andere Steuerberater-Suchdienste zwischen diversen verschiedenen Branchen? Weil eh alles eine Soße mit demselben Grundprinzip ist?

Ich weiß, dass es richtig viel Zeit und Mühe kostet, für eine selbstständige Tätigkeit den richtigen Steuerberater zu finden,
  • der sich zum einen fachlich hervorragend auskennt und
  • mit dem zum anderen auch die Zusammenarbeit richtig gut klappen wird (sind halt auch Menschen und unterschiedliche Typen - so kann z.B. nicht jeder gleichermaßen mit Gründern klarkommen ... oder aber auch Gründer mit ihm).

Ich persönlich hatte im o.g. Beispiel mehrere Wochen immer wieder wirklich gut damit zu tun, den richtigen zu finden.

Aber es lohnt sich, die entscheidenden Dienstleister mit viel Sorgfalt und Zeitaufwand auszusuchen. Das habe ich nicht "nur" bei der Suche nach einem Steuerberater festgestellt, sondern auch bei der Suche nach anderen, entsprechend wichtigen Geschäftspartnern.
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