Als billige Arbeitskraft auf dem Schleudersitz?
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Als billige Arbeitskraft auf dem Schleudersitz?

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  #1  
Alt 11.08.2010, 18:48
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RudeDude befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Standard Als billige Arbeitskraft auf dem Schleudersitz?


Hallo zusammen!

Ich bin 26 Jahr alt, habe Ende Juni 2010 die Bundeswehr nach 4,5 Jahren verlassen und bin nun als Quereinsteiger Produktmanager in Probezeit.

Ich habe eine kaufm. Ausbildung gemacht, ehe ich zur Bundeswehr ging, was es mir vielleicht leichter machte, den Job zu bekommen. Wenn man merkt, dass man seinen Job nicht mag und aussteigen will, ist man heilfroh, eine Stelle zu bekommen, die den eigenen Neigungen entspricht. Aber nun, nach gerade mal 2,5 Monaten, plagen mich Zweifel, die mich fast krank machen. Es gibt Dinge, über die ich mir in meiner Euphorie, nicht auf der Straße zu landen, zunächst kaum Gedanken gemacht habe.

Inzwischen habe ich aber das Gefühl, dass ich nur als billige Arbeitskraft eingestellt wurde für ein Projekt, dessen Untergang absehbar ist.

Ich soll Produkte managen, die neu ins Sortiment des Unternehmens aufgenommen wurden. Allerdings sind viele Produkte fehlerhaft und nicht richtig durchdacht. Deshalb verbringe ich 50% meiner Zeit mit Lieferantengesprächen bzw. Qualitätsmanagement. Ich gehe davon aus, dass ich mit dem Sortiment untergehen würde, weshalb ich natürlich alles daran setze, dass die Markteinführung gelingt.

Allerdings mache ich dafür Überstunden, die ich nicht abfeiern kann und die mir nicht ausgezahlt werden. Meine Kollegen machen Überstunden und dürfen dafür zumindest freitags sehr früh gehen.

Mein Einkommen liegt lt. eines Bekannten aus der gleichen Branche und meines Steuerberaters unter dem, was ich eigentlich bekommen sollte. Auch das, was ich nach der Probezeit (bereits in meinem Einjahresvertrag festgelegt) bekomme, soll zu wenig sein. Ich kann das nicht beurteilen, da mir verlässliche Informationen fehlen. Fakt ist, dass ich kaum damit auskomme, obwohl ich ein bodenständiger Mensch bin, der nicht ständig feiern geht oder sich teure Dinge leistet.

Wenn ich aber sehe, dass mein jetziger Arbeitgeber durch mich Geld von der Bundeswehr bekommt (sog. Ausbildungsgeld, als Anreiz ausgeschiedene Soldaten einzustellen), mir so wenig zahlt und mich dafür so lange arbeiten lässt, dazu noch nahezu jedes Produkt fehlerhaft ist und mit großen Diskussionen retourniert und neu ausgearbeitet werden muss, habe ich so das Gefühl, dass er sich eine billige Arbeitskraft geholt hat, die dieses Experiment durchführen und im Falle eines Fehlschlags direkt mit entsorgt werden soll.

Da ich ausschließlich für diese Marke zuständig bin, wäre ich überflüssig, sobald die Marke den Launch nicht überlebt.

Das war mir zwar vorher irgendwie bewusst, aber da wusste ich noch nicht, wie schlecht die Produkte ausgearbeitet sind.

Ich habe mich bereits für ein berufsbegleitendes Studium (Marketing & Kommunikation) eingeschrieben und meine Zweifel über die Aussage meines Chefs, ich würde in der neu zu gründenden Marketingabteilung Fuß fassen, produzieren ernsthafte Zukunftsängste.

Ich habe bereits eine kleine Singlewohnung gemietet und verkaufe gerade mein Auto, weil ich mir nicht mehr als einen gebrauchten Kleinwagen leisten kann. Ich denke bereits über einen Wochenend-Job nach.

Mein Lebenstandard ist stark gesunken und langsam sehe ich die Arbeitslosigkeit auf mich zukommen, wenn das mit den Produkten so weitergeht. Der Witz daran ist, dass die ganzen Produkte vor mir in das Sortiment aufgenommen wurden. Ich bin also hinzugekommen, als gerade die Marketingstrategie zu erarbeiten war. Sogar Mitarbeiter anderer Bereiche haben darüber getuschelt, ich wäre "eine arme Sau", weil meine Zukunft in der Firma von dieser einen Marke abhängt.

Ich befürchte, in eine ganz miese Situation geschlittert zu sein.

Eigentlich vertrat ich immer den Standpunkt, lieber wenig Geld am Anfang, dafür aber größere Aufstiegschancen. An Leistungsfähgikeit fehlt mir nämlich nicht.

Aber jetzt...ja, jetzt bin ich frustriert und es deprimiert mich. Die Frage ist nur: bin ich paranoid oder ist diese Praktik, von der ich schreibe, tatsächlich üblich?

Viele Grüße,
RudeDude
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  #2  
Alt 11.08.2010, 23:17
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bambasala befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Standard AW: Als billige Arbeitskraft auf dem Schleudersitz?

Vielleicht hilft es dir deine Handlungsmögllichkeiten zu überblicken.

1. kündigen und dich samt 3-Monats-Sanktion in die Mühlen des ALGII begeben, weil du für ALG I nicht lang genug gearbeitet hast

2. ausharren bis du unter Umständen gekündigt wirst und wenn’s für ALG I nicht reicht, oder dies zu niedrig diesmal sanktionslos auf ALGII ausweichen.

3. Wenn dir die Bezahlung und die Begleitumstände absolut nicht zusagen, dann zügig nach einem anderen Job suchen um 1. u. 2. zu vermeiden, egal ob die Markteinführung gelingt oder nicht.

Wovon ich eigentlich nicht ausgehen würde, ist ein gewollter Fehlschlag der Markteinführung. Kostet ja auch schon eine ordentliche Stange Geld sowas auf den Weg zu bringen und wenn dein Arbeitgeber eh schon einer ist, der an der falschen Stelle geizt, dann wird ihn der Verlust bei einem Flop auch schmerzen. Tja und was die fehlerbehafteten Produkte angelangt, warum überrascht dich das? Ist ja ganz im Sinne der Wegwerfgesellschaft und die Daseinsberechtigung für Reklamationsabteilungen.

Gruß B.
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  #3  
Alt 12.08.2010, 14:51
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nontestatum befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Standard AW: Als billige Arbeitskraft auf dem Schleudersitz?

Dein Job ist

*von der öffentlichen Hand gefördert
* vom Arbeitgeber befristet
* abhängig von Erfolg eines öffensichtlich desaströsen Produktes bzw. Dienstleistung


* nicht auf gleicher Augenhöhe mit den Jobs deiner Kollegen
* so schlecht bezahlt, dass du nur mit Mühe oder garnicht den Lebensstandard eines bezahlten Arbeitnehmers halten kannst.

*bedroht von einem grottenschlechten Arbeitszeugnis


Meiner Ansicht nach solltest du dich arbeitsuchend melden und dich schleunigst nach einem anderen Job umsehen.
__________________
Was dich nicht umbringt, macht dich nur haerter.
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