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#1
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| Hallo Forum, 2006 habe ich mich zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Arbeit selbstständig gemacht. Das erzielte Einkommen war nicht hoch, doch als Zuverdienst der Ehefrau in Ordnung. Nach Trennung v. m. Mann benötige ich nun mehr Geld und versuche seit 6 Monaten in ein Angestelltenverhältnis zurückzukehren. Ich habe den Eindruck, dass Selbstständige nicht gern wieder aufgenommen werden, nach dem Motto: "Wer als Selbständiger "versagt" hat, taugt für den Arbeitsmarkt nix mehr, und muss sich ganz, ganz hinten anstellen". Was denkt ihr darüber? Hat jemand eine ähnliche Erfahrung oder Vermutung ? Wie kann ich meine Selbstständigkeit besser verkaufen? Über Antworten freue ich mich sehr.... ![]() LG Maiflocke |
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#2
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| Hallo Maiflocke! Wenn ich das richtig verstanden habe, so hattest Du nie vor, eine Unternehmer-Dynastie zu gründen oder einen Weltkonzern aufzubauen. Statt dessen hast Du nach einer Möglichkeit gesucht, neben Deinen Aufgaben in der Familie beruflich tätig zu sein. Dafür bist Du einer selbstständigen Tätigkeit nachgegangen, die von vornherein auf einen geringeren Umfang ausgelegt war und womöglich auch nicht erweiterbar ist. Von "Versagen" kann also gar nicht die Rede sein - im Gegenteil. Das erst einmal dazu. Es ist richtig, dass viele recht seltsame Vorstellungen von Selbstständigen existieren, die ich jetzt hier nicht weiter ausführen will. Tipp: Verwende das Wort selbstständig bzw. Selbstständigkeit in Deinen Bewerbungen überhaupt nicht. Schreibe statt dessen z.B. bla-bla-Tätigkeit für verschiedene Kunden oder Auftraggeber. Wie Du das genau darstellen kannst, können wir (wenn Du möchtest) noch besprechen. Diese Darstellung behälst Du dann im Anschreiben, im Lebenslauf und in den Bewerbungsgesprächen bei. Dass Du dabei eigenverantwortlich tätig warst, ist ein Vorteil, den Du hervorheben kannst, ohne Dich gleich als Unternehmerin darzustellen. Während andere lange Zeit aus dem Berufsleben ausscheiden oder allenfalls einem Minijob nachgehen, bist Du beruflich aktiv gewesen. Du hast Deine beruflichen Kompetenzen nicht nur erhalten, sondern sicher auch weitere, wertvolle Erfahrungen hinzugewonnen, die sich entsprechend herausarbeiten lassen. Nun ist Deine Familienphase abgeschlossen (warum genau, brauchst Du niemandem zu erklären, das geht keinen etwas an) und Du willst Dich wieder stärker in das Berufsleben einbringen. Warum in Festanstellung auf einer bestimmten Arbeitsstelle? Nun, z.B. weil Du es liebst, im Team zu arbeiten, und das in Deiner jetzigen Tätigkeit vermisst. Und weil Du Dich beruflich weiterentwickeln willst. Du strebst jene Aufgaben an, welche die Stelle, auf die Du Dich bewirbst, zu bieten hat. An diesem Punkt wird die Argumentation dann dieselbe wie bei Bewerbungen von Leuten, die aktuell in Festanstellung tätig sind. Was machst Du denn auf selbstständiger Basis und welche Tätigkeiten strebst Du in Festanstellung an? Genauere Tipps lassen sich dann auch noch geben.
__________________ Liebe Grüße, Melete Meine Beiträge entsprechen meinem besten Wissen und stellen meine persönliche Meinung dar. Eine Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit kann ich nicht übernehmen. Auch gebe ich keine Rechtsberatung und keinen Ersatz dafür. Recherche-Ergebnisse zeigen jeweils den Stand des Erstellungsdatums des Beitrags. |
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Maiflocke (24.02.2010) | ||
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#3
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| Moin, vieles wurde dir ja schon sehr richtig erklärt. Eine Kernproblematik mit (ehemals) Selbständigen ist in der Mentalität vieler Überzeugungsselbständiger zu finden, die lange Zeit ganz bewusst ohne Unternehmensstruktur und - vor allem - Hierarchie im Rücken arbeiten, weil sie sich, wenn nicht ohnehinm dann mit der Zeit, schwer tun, sich in eine solche Struktur einzufinden. Zudem ist die Darstellung "Geschäftsführer - Selbständig" o.ä. im Lebenslauf ein klassischer Genickbrecher. Besser sind hier Bezeichnungen wie "freiberufliche/r xyz" gefolgt von einer Ausführung der verschiedenen Projekte, die bearbeitet wurden. Wichtig ist in der Bewerbung: - Schlagworte wie "Geschäftsführer" / "Manager" / "Inhaber" in Kombination mit der Selbständigkeit vermeiden - Klar darauf hinweisen, dass mit dieser Bewerbung ein Angestelltenverhältnis erwünscht ist, damit keine Missverständnisse entstehen Dir muss klar sein, dass du im Verhältnis zu einem Bewerber, der aktuell in vergleichbarer Position in Festanstellung arbeitet, schlechtere Chancen haben wirst, sofern du im Gehalt nicht merklich darunterliegst.
__________________ All mankind is divided into three classes. Those that are immovable, those that are movable, and those that move. |
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Maiflocke (24.02.2010) | ||
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#4
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| M.E. ist ein Zusatz wie "freiberuflich" oder "selbstständig" oftmals sogar überflüssig. Man schreibt ja in anderen Fällen auch nicht "Tätigkeit/Position XY in Festanstellung bei...". Nehmen wir an, Maiflocke hätte Bürotätigkeiten von zu Hause aus übernommen. Dann könnte sie z.B. schreiben "Büroservice für verschiedene Unternehmen" und darunter dann die Tätigkeiten aufführen, die sie übernommen hat, dazu möglichst dann die Unternehmensnamen oder Beispiele für Unternehmen, für die sie gearbeitet hat. Idealerweise könnte sie mindestens eine schriftliche Referenz der Zeugnismappe beilegen, in welcher der Tätigkeitszeitraum, Zuverlässigkeit, Qualität der Arbeit, Kundenzufriedenheit u.ä. bestätigt werden. Das Bild vom Selbstständigen: In vielen Köpfen sitzt tatsächlich ein Bild vom Selbstständigen, bei dem der Unternehmer als Chef seines Ladens die Gewaltherrschaft über seine Zeit und Entscheidungen sowie seine Angestellten ausübt. Der alte Patriarch, welcher donnernd von seinem Chefzimmer aus regiert und sich jetzt mitnichten in irgendeine Struktur einfinden kann. Tatsächlich muss sich die überwiegende Anzahl von selbstständig oder freiberuflich tätigen Menschen in besonders starker Weise Kundenwünschen anpassen und z.B. mal eben auf Abruf auch die Nacht und das Wochenende durcharbeiten. Ist der Kunde nicht oder nicht ganz zufrieden, stehen zukünftige Einnahmen, schlimmstenfalls die Existenz auf dem Spiel. Viele Festangestellte (ich weiß, das trifft nicht auf alle zu) können hingegen mehr oder weniger pünktlich den Griffel fallen lassen. Überstunden müssen womöglich erst vom Betriebsrat genehmigt werden. Bei Minderleistungen gibt's vielleicht Ärger, aber dasselbe Gehalt. Es müssen schon nachweislich deutliche Fehler gemacht werden, um eine erste Abmahnung zu rechtfertigen. Schlechte Laune, mal nicht so gut drauf sein, Unwohlsein etc. führen i.d.R. bei Festangestellten zu keinen nachhaltigen Konsequenzen. Der Selbstständige kann schon heftige Probleme bekommen, wenn er beim nächsten Kundengespräch einfach nur in dessen Augen nicht überzeugend genug wirkt, nicht ganz so dynamisch wie sonst oder seine Präsentation eben nach Ansicht des Kunden ein klein wenig im Vergleich zu der des Konkurrenten in irgend einem Punkt abfällt. Außerdem sind es Selbstständige gewöhnt, kostenbewusst zu arbeiten. Weg mit den Vorurteilen gegenüber Selbstständigen! Eine Bekannte von mir sagte einmal: "Wenn jemand von der Selbstständigkeit wieder in eine Festanstellung geht, dann kann er eben nicht mehr einfach so machen, was er will." ![]() Wie service-orientiert, engagiert, flexibel und anpassungsfähig ein ehemaliger Selbstständiger ist, ergibt sich aus dem, was er in Selbstständigkeit gemacht hat. Alles andere gehört in das Reich des Figuren-Theaters mit seinen holzgeschnitzten Charakteren.
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Maiflocke (24.02.2010) | ||
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#5
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| Hallo Forum, eure positiven Ansichten zum Thema Selbstständigkeit haben mich aufgebaut und taten sehr gut. Ich merke mehr und mehr, wie komplex sich mein Vorhaben zur Rückkehr ins Angstverhältn. gestaltet. Dies wohl auch deswegen, weil ich verschiedene Sachen gemacht habe und mir noch nicht darüber im Klaren bin, ob ich (nur) zurück an den warmen Angestelltenofen will oder ob ich tatsächlich auf den Spuren einer "beruflichen Herausforderung" wandle. Bin ich nicht eher für leitende Positionen qualifiziert? Bei uns gibt´s einen Spruch, den kennt ihr sicher auch: "Die dümmsten Bauern, finden die dicksten Kartoffeln". Was mache ich nur mit mir und meinem Lebenslauf Zu meinem Werdegang: Gelernt habe ich den Beruf der Arzthelferin, habe hier 6 Jahre Berufserfahrung gesammelt, habe dann per Abendgymnasium mein Abitur nachgeholt, dann Erziehungswissenschaft (Dipl.-Päd.) fertig studiert, es folgte unmittelbar eine Weiterbildung zur Managementassistentin für Qualitätssicherung und Personalwesen. In diesem Bereich fand ich Arbeit und konnte endlich im Personalbereich Geld verdienen. Die Arbeit hier hat mir Spaß gemacht, aber irgendwie habe ich nicht richtig eingesehen, dass ich mit einem hart erarbeiteten Uni-Abschluss einen nur mäßig bezahlten Bürojob mache. Habe nebenbei Ausschau nach Einsatzmöglichkeiten im päd. Bereich gesucht und in der Förderung und Therapie von Legasthenikern gefunden. Während der Elternzeit habe ich Erfahrung als freie Mitarbeiterin in priv. Förderinstitutionen gesammelt und mich fortgebildet, als Existenzgründerin habe ich freiberuflich nach eigenem Konzept gearbeitet, nebenbei erziehe und versorge ich 2 Kinder. Das Auf-und Ab hinsichtlich der Einnahmen, hohe Kosten für die soziale Absicherung, zeitliche Begrenzung der Tätigkeit auf den Nachmittag bringen mich in der Freiberuflichkeit gerade nicht weiter. Ich kann die Arbeitgeber fast verstehen, wenn sie so ein Hybrid-Modell wie mich nicht wollen. Ihr bestätigt mir in euren Antworten, dass ich nicht mehr einfach genug gestrickt sein könnte für "Bürojobs". Aber für die gehobenen Tätigkeiten glaube ich nicht genügend qualifiziert zu sein. Ich spiele mit dem Gedanken, mich weiterzubilden. Entweder im pädagogischen oder im kaufmännischen Bereich. Nur bin ich schon 45 Jahre alt und ich bin mir nicht sicher, ob sich diese private zu bezahlende Investition noch lohnt. ![]() Bitte-Bitte beschäftigt euch doch noch mal mit meinem Fall, ich freue mich auf eure Antworten |
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