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#1
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| Hallo liebe Leute Ich möchte gerne mal von euch hören, wir Ihr meine Situation bewertet. Ich bin 31 Jahre alt, habe meine kaufmännische Ausbildung (Industriekaufmann) bei meinem Vater im Unternehmen gemacht und bin seit ca. 10 Jahren im Verkauf tätig. Ich kümmere mich hier überwiegend um das Tagesgeschäft. Teilweise betreue ich auch strategisch wichtige Kunden und verhandle mit Lieferanten. Wir sind ein kleines Industrieunternehmen mit ca. 20 Mitarbeitern. In letzter Zeit mache ich mir ernsthaft Gedanken, dass Unternehmen zu verlassen, obwohl ich auch Anteile halte. Der Hauptgrund hierfür ist, dass ich aus der Abhängigkeit von meinem Vater und auch nicht mehr nur „als Sohn“ angesehen werden möchte, was doch sehr bedrückend ist. Ich habe jetzt für mich folgende Strategie zurecht gelegt, um überhaupt woanders eine Chance zu haben: Ich würde mich per Abendstudium zum Diplom-Kaufmann oder ähnlich fortbilden und nach abgeschlossenem Studium auf die Suche nach einem Job machen. Was denkt Ihr im allgemeinen darüber und hätte ich dann mit ca, 36 Jahren überhaupt noch eine Chance, woanders tätig zu werden ? Ich war ja vorher nur bei meinem Vater angestellt und ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie man mit einem solchen Lebenslauf woanders angesehen werden würde. Habe ich mir alles dadurch versaut ? Es ärgert mich auch, dass nicht schon eher etwas in Richtung Weiterbildung unternommen habe, jedoch ist das Arbeiten mit seinem Vater sehr stressig, und es ist auch eine Last (aber sicherlich ist es woanders auch so, ich habe keinen Vergleich und kein Gefühl dafür !). Ich kann mich auch nicht mit anderen darüber austauschen, von daher versuche ich es mal hier. |
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#3
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| Er ist 64 Jahre alt. |
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#4
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| Du bist im leistungsfähigen Alter, du hast sicherlich auch genügend Erfahrung, um anderweitig einen Job zu bekommen. Die Frage dabei ist nur, wie hoch dein Verdienst als Angestellter sein würde. Ich sehe aber ein anderes Problem. Es stellt sich die Frage, ob du mental überhaupt in der Lage bist, als dann ehemaliger Unternehmer (so bezeichne ich mal deinen Status) als ein Arbeitnehmer tätig zu werden, der dann in eine Authoritätspyramide eingebettet ist und der sich möglicherweise gleichzeitig die gegenteiligen Ansichten und Weisungen von 10 Vorgesetzten anhören kann und muss. Es ist wirklich kaum noch nachzuvollziehen, wieviel heisser Dampf und Blödsinn in Unternehmen in Deutschland im dritten Jahrtausend produziert wird, weil man gerade irgendwelchen neumodischen Theorien und Modellen nacheifert, und alles das vergisst, was man einem Kaufmannslehrling im ersten Lehrjahr in der Berufsschule beibringt. Wenn du 30 bist, dann ist dein Vater ca. 60 Jahre alt, damit steht dann sowieso ein Generationenwechsel an. Dein Vater muss sich entscheiden, ob er den Betrieb bis 80 führen will und dich damit zum ewigen Kronprinzen macht, oder ob er Kontinuität herstellt.
__________________ Was dich nicht umbringt, macht dich nur haerter. |
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#6
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| Danke erstmal für Deinen Kommentar. Ich bin teilweise müde, weil wir uns oft zerfleischen. Ich weiß auch nicht, wie ich mit meiner Arbei & Leistung darstehe im Vergleich. Meine größte Sorge ist, daß auch aus irgendwelchen Gründen eben was anderes suchen muß. Es kann sein, daß ein externer GF ihn ersetzt. Kann auch sein, daß er alles verkauft. Normal reden können wir kaum miteinander. Mich als GF wird es nicht geben. Das hat er mir deutlich klar gemacht. Ich habe zu viele Defizite. Ich wünschte, er hätte es mir vor 5 Jahren gesagt, dann hätte ich mich dementsprechend vorbereitet. Andererseits fühle ich mich der ganze Sache so verpflichtet und bin auch bereit durchs Feuer zu gehen in Bezug aus unsere Firma. Je länger ich warte, desto hilfloser fühle ich mich. Ich will einfach nicht eines Tages darstehen ohne echte Chance. Es bereitet mir wirklich viele Sorgen. Ich bin auch kein Single mehr. Habe 2 kleine Kinder, daß macht es nicht einfacher. |
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#7
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| Hast du zuviele Defizite oder hat er dir das nur eingeredet? Mal angenommen, dein Vater verstirbt, der Erbfall tritt ein, oder aus irgendwelchen anderen gründen tritt die Nachfolgenotwendigkeit ein, dann sehe ich nur ein Szenario: nämlich dass du dann der BOSS bist, und wenn du Defizite hast, du du auch definieren kannst, dann heuerst du einfach geeignetes Personal an. Ein Betrieb mit 20 Leuten sollte eigentlich so überschaubar sein, dass man keine Purzelbäume schlagen muss. So ein kleiner Betrieb müsste eigentlich ein Selbstläufer sein, das funktioniert nur dann nicht, wenn der "Patron" so dominant ist, dass sein Fehlen einen Betriebsstillstand erzeugt. Zerfleischende Diskussionen helfen nicht, sind kontraproduktiv, vielleicht übt ihr einfach mal ein Szenario. Thema für deinen Vater: was passiert, wenn ich morgen mit einem Schlaganfall im Krankenhaus lande? (Vielleicht ist der Sohn dann ja doch nicht soooooooooo dooooof Habt ihr euch eigentlich schon von der IHK beraten lassen?
__________________ Was dich nicht umbringt, macht dich nur haerter. |
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#8
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| Im kaufmanännischen Bereich sicherlich (Controlling etc.). Aber das möchte ich mit dem Studium schließen. Ich kann nicht mit ihm darüber reden, was wäre wenn "Du morgen umkippst". Das gibt es einfach nicht. Ich habe es zig mal versucht. Auch andere Szenarien. Habe es aufgegeben. Wir haben einen weiteren Gesellschafter in der Firma, bei dem ich seit jeher einen schweren Stand habe. Mir ist das unangenehm, von daher äußere ich erst jetzt. Er kann mit seinen Anteilen aber nichts machen. Wir haben die Majorität. Ich habe das Gefühl, mein Vater sieht, daß er diesen cholerischen Typen nicht bändigen kann. Er kocht seit Jahren sein eigenes Süppchen und agiert sehr geschickt. Ich habe oft vorgeschlagen, sich von einen dritten extern beraten zu lassen, auch wenn das Geld kostet. ("Alles Verbrecher & Idioten"...) Ich hoffe, dieser Thread wird von niemanden gefunden |
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#9
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| Mach‘ Dir keine Sorgen, denn Deine Situation ist mit Sicherheit keineswegs ein Einzelfall. Vielleicht hat schon irgendein anderer Sohn eines Unternehmenspatrons furchtbaren Ärger bekommen, weil ihm jemand unterstellt, er habe seinen Fall hier im Forum geschildert. ![]() Nun möchte auch ich versuchen, einen Rat zu geben: Deiner Schilderung nach ist es vergeblich, wenn Du versuchst, Problemlösungen gemeinsam mit anderen (z.B. Deinem Vater oder einem externen Berater) zu finden. Da Du aber offenbar bereit bist, gezielt an Dir selbst zu arbeiten, hast Du vielleicht die Möglichkeit, für Dich selbst eine Lösung herbeizuführen. Ich denke, das Schlimmste ist für Dich der Druck, den Du empfindest, in Kombination mit Verunsicherung, was Deine Leistungen, Dein Know-how, Deine Chancen anbelangt. Deiner Schilderung nach siehst Du keinerlei Möglichkeit, die Unternehmenspolitik zu beeinflussen, Deine Stellung im Unternehmen zu verbessern oder eine vernünftige Nachfolgelösung herbeizuführen. Wenn Du Dir dessen sicher bist, dann dürfte es wenig Sinn machen, wenn Du Deine Zeit und Kraft permanent auf vergebliche Bemühungen setzt. Umso länger Du Dich vergeblich um diese Dinge bemühst, desto unfähiger wirst Du Dir selbst am Ende vorkommen. Hast Du Deine Marktchancen durch Bewerbungen getestet? Mit 36 gibt es durchaus noch Möglichkeiten, woanders eingestellt zu werden. Die Idee mit dem Abendstudium zum Diplom-Kaufmann finde ich gut. Und wer hält Dich davon ab, Dich auch schon vorher und während dessen zu bewerben? Was geschieht eigentlich, wenn Du im Betrieb Deines Vaters klare Zeitgrenzen für Deine Arbeit setzt, damit Du genügend Zeit für Dein Abendstudium hast? Würde Dich Dein Vater allen Ernstes hinausschmeißen, wenn Du klare Grenzen (und zwar nicht nur in zeitlicher Hinsicht) setzt? Eltern brauchen manchmal ebenso klare Grenzen und Regeln wie Kinder. Wie auch bei Kindern muss man die Grenzen jedoch deutlich, wiederholt und mit Geduld (nicht mit Wut) erklären und dann mit absoluter Konsequenz einhalten. Da darf kein Schreien und kein Drohen nützen, um Grenzsetzungsversuche im Keim zu ersticken oder einmal gesetzte Grenzen wieder einzureißen. Schon mal ausprobiert, und zwar richtig konsequent? Genügend Zeit für ein Abendstudium wäre ein gutes Thema, um Grenzen zu setzen und auch wirklich durchzuziehen. Immerhin muss außerdem auch noch etwas Zeit für Deine Familie übrig bleiben.
__________________ Liebe Grüße, Melete Meine Beiträge entsprechen meinem besten Wissen und stellen meine persönliche Meinung dar. Eine Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit kann ich nicht übernehmen. Auch gebe ich keine Rechtsberatung und keinen Ersatz dafür. Recherche-Ergebnisse zeigen jeweils den Stand des Erstellungsdatums des Beitrags. |
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#10
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| Mein Tipp ist außerdem folgender: Argumentiere NICHT damit, dass Du durch ein Abendstudium Deine Leistungsfähigkeit für das Unternehmen Deines Vaters verbessern könntest. Es geht um DEINE PERSÖNLICHE Weiterbildung. Darauf hat ein erwachsener Mensch ein Recht und Du hast schon mehr als lange genug damit gewartet. Punkt.
__________________ Liebe Grüße, Melete Meine Beiträge entsprechen meinem besten Wissen und stellen meine persönliche Meinung dar. Eine Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit kann ich nicht übernehmen. Auch gebe ich keine Rechtsberatung und keinen Ersatz dafür. Recherche-Ergebnisse zeigen jeweils den Stand des Erstellungsdatums des Beitrags. |
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