Hilfe, weiß nicht mehr weiter - innere Kündigung
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Hilfe, weiß nicht mehr weiter - innere Kündigung

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  #1  
Alt 03.01.2012, 09:31
Bailey
Gast
 
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Standard Hilfe, weiß nicht mehr weiter - innere Kündigung


Hallöchen,

ich habe seit einigen Monaten nun schon ein Problem, welches mir mitlerweile psychisch schon so fertigmacht, dass ich jeden tag nur heulen könnte.

Ich arbeite jetzt seit fast genau einem jahr in einem kleinen Unternehmen (10 Mitarbeiter)als Buchhalterin. Mein erster Job nach der Ausbildung. Anfangs war alles super, der Job machte mir total viel Spaß. Nach und nach bekam ich immer mehr Aufgaben zugeschrieben, welche mir ebenfalls Spaß machten. So bin ich nun bei Buchhalterin/Messeorganisatorin und IM-/Exportsachbearbeiterin geladet.

Nur langsam kann ich einfach nicht mehr. Seit rund 2 Monaten wird alles immer schlimmer. Unser Chef ist kaum noch auszuhalten, man wird für jede Nichtigkeit total zusammengestaucht. Innerhalb der letzten 2 Wochen hat er mal eben 3 Mitarbeiter gekündigt, weil diese ihm Widersprochen hatten. Eigene Meinung darf man hier schonmal nicht haben. Neueinstellung? fehlanzeige, es bewerben sich zwar welche, die sind aber alle anscheinend nicht gut genug für Ihn.

Die Wochenarbeitszeit beträgt immer an die 50, Pausen werden nicht mehr gemacht, wir schaffen es sonst einfach nicht. Auch nach Feierabend, müssen wir erreichbar sein, werden zur Sau gemacht, weil wir um 20 Uhr keine Mails mehr beantworten (Abreitszeit lt Vertrag 08:30 - 17:00). Wer hierzu was sagt, wird psychisch direkt fertig gemacht. Ich hatte 2 Wochen im Sonner Urlaub...in diesen 2 Wochen wurde ich jeden 2ten Tag angerufen. Abschalten ging gar nicht.

Ich schaff es alles einfach nicht mehr. Mir geht es körperlich und seelisch einfach nur noch schlecht. Ich habe Magenschmerzen ohne Ende, laut Arzt sogar eine chronische Magenschleimhautentzündung. Leide zusätzlich seit mehreren Wochen unter Bluthochdruck. Mein Gott, ich bin Mitte 20, da sollte man so etwas noch nicht bekommen. Ich habe seit 2 Monaten nicht eine Nacht mehr durchgeschlafen. Sobald meine Gedanken wieder Richtung Arbeit schweifen, könnte ich heulen und mir wird sofort übel.

Ich weiß wirklich nicht mehr was ich tun kann. Die Krönung überhaupt kam gestern. Ich hätte am Freitag einen Arzttermin wegen meines Bluthochdrucks gehabt (habe seit Ende Dezember ständig Ohrsausen, Atemnot und ein unglaubliches Mattheitsgefühl) gehabt. Diesen Termin darf ich nun nicht wahrnehmen, weil Chef es mir verboten hat. Er ist mit seiner Familie (und nein, KEINER aus der ganzen Firma wusste davon) in den Skiurlaub gefahren. Er meinte ich könnte ja gehen, wenn alle wieder da sind, und die Messe in Paris beendet ist. Das wäre dann im Februar.

Ich habe das Gefühl, jeden Moment zusammen zu brechen. Ich kann einfach nicht mehr. Ich habe keine Kraft. Ich wünschte mir sogar manchmal, dass mich auf der Autobahn einfach mal einer erwischt. Solche Gedanken kenne ich nicht von mir. Ich war mal ein sehr fröhlicher Mensch. ICh weiß nicht was aus mit geworden ist. Diese ständige Depressive Stimmung macht mir wirklich Angst.

Sogar jetzt könnte ich schon wieder heulen, wenn ich über alles nachdenke. Kündigen kann ich nicht, habe bisher keinen Job in Aussicht und die 3 Monate Sperrfrist kann ich mir nicht erlauben. Was kann ich tun? :(
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  #2  
Alt 03.01.2012, 18:46
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Standard AW: Hilfe, weiß nicht mehr weiter - innere Kündigung

Das ist wieder mal so ein typischer fall, wo sich ein Arbeitnehmer in Geiselhaft bei seinem Arbeitgeber befindet.

Du hast einen Arbeitsvertrag, aber du bist nicht im alten Rom, wo man sich als freier Mensch selber gegen Geld in die Sklaverei verkaufen konnte.

Dein Boss ist natürlich auch clever, der lässt dich im Monat 5 Wochen lang arbeiten, 4 Wochen sind vereinbart und 3 Wochen werden bezahlt .

Fürsorglich ist er auch, schliesslich soll die Zeit zu Hause sinnvoll verbracht werden, also beantwortet man noch seine Telephonanrufe und E-Mails ...
hast ja auch Zeit genug dazu, schlafen kannst du ja nicht mehr ...

Motivation wird auch vermittelt: das Personal wird heruntergeputzt, bis man glaubt, nichts wert zu sein und dass man froh und dankbar sein muss, weil man ist ja so doof, dass kein anderer Arbeitgeber einen nehmen wird ... Danke, Boss, dass du mich Flasche beschäftigst ....

Du musst unbedingt umdenken.


Der Arbeitsplatz ist de facto verloren. denn deinen Boss wirst du nicht ändern, er ist auch keinen Vorschlägen zugänglich, denn er ist ja die Nr. 1.

§ 1
Der Boss hat immer Recht.

§ 2
Hat der Boss nicht Recht, tritt § 1 in Kraft.

§ 3
Wer aufmuckt, wird gefeuert



Da der Betrieb ein Kleinbetrieb bis 10 Leute ist, kann der Boss Personal feuern und einstellen wie er beliebt, der Kündigungsschutz greift dort nicht.

Personal wird nicht eingestellt, weil er jetzt die Rationalisierungsdividende einfährt, man sieht ja, dass es auch so geht.


Du selber leidest inzwischen an einem Erschöpfungssyndrom mit Bluthochdruck, Leere, Depressionen. Und das ist noch nicht das Ende ...

Du gehst bitte umgehend zu deinem Arzt und lässt dich untersuchen.

Wenn der Bluthochdruck ständig einen hohen Wert aufweist, muss etwas dagegen unternommen werden, also Blutdrucksenker verschrieben werden.

Du machst bitte keine Überstunden mehr bzw. nur noch auf ausdrückliche Anweisung des Bosses und lässt dir dann die Überstunden bezahlen. Schau in den Arbeitsvertrag, was dort zu den Überstunden vereinbart ist.
Denn wenn der Boss die Überstunden bezahlen muss, will er die vielleicht auf einmal nicht mehr.

Den Quark mit der abendlichen Erreichbarkeit stellst du bitte auch ab.

Und wenn es absolut erforderlich sein sollte, lässt du dir den Kommunikationsvertrag bezahlen. Und auch die Überstunden bzw. eine Bereitschaftspauschle: Deine Vergütung vereinbarst du dann bitte auf Nettobasis: sonst wird zuviel weggesteuert.

Dann meldest du dich bitte bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend, also leistungslos, und suchst dir einen neuen Job.

Lasse dir bitte ein Zwischenzeugnis erstellen. Wahrscheinlich wird er dir das verwehren, dann gehst du bitte zu einem Fachanwalt für Arbeitsrecht und erstellst dort mit dem RA einen Vorschlagstext.

Das kostet Geld, aber aus der Geschichte kommst du ohne Kriegskosten nicht heraus, das muss man so hinnehmen. Freedom is not free, die Freiheit gibt es nicht kostenlos.

Tritt in eine Gewerkscjaft ein, dann kannst du dich im Gespräch mit anderen austauschen, es hilft schon viel, wenn man über seine rechte und Pflichten umfassend Kenntnis hat.

Bitte lasse deinen Arbeitsvertrag analysieren, wer weiss, welche Ostereier darin versteckt sind.

--->Bluthochdruck
__________________
Lieber himmlischer Vater, ein neuer Tag beginnt.
Gib mir neue Kraft und Geduld.
Tröste mich durch dein Wort.
Erquicke mich in meiner Mattigkeit.
Sei du bei mir, wenn Schmerzen kommen und ich mutlos werde.
Laß mich den Tag bestehen und dankbar annehmen,
was Menschen mir Gutes erweisen.
Du bist mein Vater, dir vertraue ich mich an.
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