Chef will mich raus haben
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Chef will mich raus haben

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  #1  
Alt 27.02.2011, 12:35
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Hallo Zusammen,

Ich mache gerade meine ersten Gehversuche in diesem Forum und möchte gleich mal anfangen meine Situation zu schildern und euch um Rat zu bitten.
Ich bin seit 16 Jahren in einem kleinen Maschinenbauunternehmen (ca.25 Mitarbeiter) beschäftigt. Ich habe mich dort von der Picke an von einfachen Schlosserarbeiten bis zum CNC-Fräser hochgearbeitet(bin gelernter Werkzeugmacher)
Vor ca. 5 Jahren stieg der Junior mit in`s Boot. Es war vom ersten Moment an klar das wir uns nicht mögen.
Ich wurde min. alle 2 Monate ins Büro gerufen um mir wegen Geringfügigkeiten die Schuhe aufpumpen zu lassen.
Das Klima wurde von Monat zu Monat kühler, die Sticheleien seitens Junior häufiger. Die Krönung war vor 2 Jahren, als ich nach 3 Wochen Überstunden mal einen Samstag frei haben wollte. Ich wurde von Ihm als A....loch beschimpft, hätte eh keine Lust zu Arbeiten und solle mir doch eine andere Stelle suchen.
Von da an ging es abwärts. Ich wurde nicht mehr gegrüßt,etc.
Es begannen sich Krankheitssymptome zu zeigen, die auf meine angeschlagene Psyche zurückzuführen waren (Arztdiagnose).
Der Hammer war vor 2 Wochen. Da bekam ich die erste Abmahnung(angeblich nichtbefolgen einer Arbeitsanweisung) meines 30 Jährigen Berufslebens und wurde auf`s heftigste runtergemacht.
Ich bin nun Psychisch völlig zusammengeklappt. Mein Arzt sagte, das ich für min.6 Wochen nicht mehr arbeitsfähig sein werde.
Auch habe ich einen Anwalt aufgesucht um gegen die Abmahnung anzugehen.
Mein Arbeitsplatz ist nun nach nur 1er Woche von einem Zeitarbeiter besetzt und mein Chef ließ durchblicken das ich von ihm nur noch Hilfsarbeiten bekommen würde, bis ich selber Kündige.
Ich bin total durch den Wind und weiß mit der Situation nicht mehr umzugehen.Habe schon zig Bewerbungen geschrieben und 4 Vorstellungsgespräche bei Zeitarbeitsfirmen in Direktvermittlung gehabt.Ich finde einfach nur Stellenangebote von Zeitarbeitsfirmen.
Was soll ich tun. Ich weiß nicht weiter und habe ungeheure Zukunftsängste.
Gruß Tom
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  #2  
Alt 27.02.2011, 12:49
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Hallo,

jetzt mal ganz ruhig.

Ich habe schon gelernte Werkzeugmacher, die sich weitergebildet und hochgearbeitet haben in Führungspositionen mit Gehältern um die 60.000 Euro im Jahr gehen sehen, du bist in keiner Sackgasse.

Du siehst grade nur die Ränder deiner Welt. Die war bisher dieses Unternehmen, dieser Job und die Einstellung, einen Job im Leben zu haben, den du bis zur Rente machst. So wird es aber nicht sein, das weißt du jetzt.

Da du aber nie anderweitige Pläne gemacht hast, bist du jetzt völlig überfordert und hast natürlich Angst.

Unbegründet.


Fakt ist, du solltest dich mit dem Gedanken an einen Umzug anfreunden. Du kannst mit deinem Lernberuf durchaus einen Job finden, unsicher ist, ob du es direkt in deinem Umkreis kannst. Also würde ich dir dringend dazu raten, dich deutschlandweit zu bewerben.

Verlass dich nicht auf Stellenanzeigen!

Such gezielt via Google nach Unternehmen, die Werkzeuge herstellen oder in derselben Branche tätig sind wie dein jetziger Arbeitgeber und geh auf deren Homepage. Schau da nach Stellen. Schreib dort Initiativbewerbungen hin.

Dein Vorteil:
Du bist günstig.
Wenn du seit 16 Jahren im selben Unternehmen bist, verdienst du nicht sonderlich gut. Das kannst du zu deinem Vorteil nutzen.

Informier dich über neue Technologien.

Firmen die z.B. Werkzeuge für die Pharmaindustrie und HighTech-Anwendungen herstellen suchen ständig Leute mit KnowHow.
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  #3  
Alt 27.02.2011, 14:18
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Hi,

danke erst mal für die schnelle Antwort.

Ich habe zwar Werkzeugmacher gelernt, aber nie als solcher gearbeitet.
Ich war immer in der Produktion tätig, als Qualitätsprüfer,Schlosser, Maschinenführer oder CNC-Fräser.
An einen Ortswechsel ist auch nicht zu denken, da meine Frau einen sicheren Job hat.

Gruß Tom
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  #4  
Alt 27.02.2011, 15:48
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Das macht´s komplizierter.

Hast du Kontakte in deine Branche dort vor Ort? Also kennst du Leute, die im selben Bereich bei anderen Unternehmen dort arbeiten?
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  #5  
Alt 27.02.2011, 18:27
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Die Bekannten sind schon alle abgegrast.Ohne Erfolg.
Initiativbewerbungen habe ich auch schon an ca.20 Unternehmen im Umkreis von 50 KM versendet.Eine Absage von Thyssen Krupp!
Ca. 25 Bewerbungen über die Jobbörse der Arbeitsagentur Essen.Alles Zeitarbeitsfirmen, 4 Vorstellungsgespräche, davon 1 Direktvermittlung. Haben sich alle recht positiv über meine Bewerbung/Person geäussert. Bescheid bekomme ich in ca.2-3 Wochen. Dienstag Termin bei Arbeitsagentur/Betreuer.
Anwalt (Rechtsschutzversichert) kümmert sich um die ausgestellte Abmahnung.
Was soll ich sonst noch machen? Mehr geht doch nicht, schon gar nicht wenn man ohne Pillen nicht mehr schlafen kann.
Bin ich zu ungeduldig? Das ganze läuft nun seit 2 Wochen.

Gruß Tom
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  #6  
Alt 28.02.2011, 08:21
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Meine unmassgebliche Meinung:

Was du erlebst, ist nicht ungewöhnlich.

Der Junior ist jetzt mit im (Unternehmens-) Boot und will sein eigenes Team zusammenstellen, die Alten, die nicht in seine Schablone passen, fliegen.

Mit 43 bist du auf dem Arbeitsmarkt abgemeldet, es sei denn, deine Qualifikation wäre sehr hoch.

Von der Agentur für Arbeit bzw. Arge-Jobcenter hast du keine wirkliche Hilfe und Unterstützung zu erwarten, du musst dich selber kümmern und bemühen, Qualifikationen zu verbessern /zu aktualisieren. Evtl. könntest du eine Weiterbildung durch die Agentur für Arbeit (§§ 77 SGB III ....) in Anspruch nehmen, dieses müsstest du im Einzelnen mit deiner Agentur für Arbeit besprechen.

Vermutlich ist deine Schwachstelle, dass du dich als arbeitsamer Bürger nicht zuletzt über deinen Status als anerkannter Arbeiter und über deine Arbeit definierst, verlierst du deine Arbeit, bist du seelisch-moralisch am Boden zerstört. Diese mentale Einstellung müsstest du ändern, sonst gehst du kaputt. Das Leben geht nämlich weiter, auch ohne (dämlichen) Job.

Du schreibst, dass deine Frau einen sicheren Job hat. Demnach müsste eure soziale Situation zumindest nicht kritisch sein, was ansteht, wäre eine allgemeine Analyse eurer finanziellen Verhältnisse im Hinblick auf eine möglicherweise in Frage kommende Inanspruchnahme von ALG II.

Im Hinblick auf deinen Grad der Behinderung solltest du Mitglied in einem Sozialverband werden, wie z.B. dem VDK, SOVD und dich dort professionell beraten lassen.

Deinen alten Arbeitsplatz darfst du nicht fahrlässig aus eigenem Entschluss aufgeben, sonst droht dir eine ALG-Leistungssperre. Sollte ein entsprechendes Mitarbeitergespräch anstehen, so beachte, dass dir der Arbeitgeber nicht alles sagen muss, er ist nicht verpflichtet, dich umfassend "aufzuklären", er darf zu seinem eigenen Vorteil und zu deinem Schaden handeln.
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  #7  
Alt 28.02.2011, 09:36
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Zitat:
Der Junior ist jetzt mit im (Unternehmens-) Boot und will sein eigenes Team zusammenstellen, die Alten, die nicht in seine Schablone passen, fliegen.

Mit 43 bist du auf dem Arbeitsmarkt abgemeldet, es sei denn, deine Qualifikation wäre sehr hoch.
Sorry, aber das sind so Aussagen bei denen ich mich frage, wieviel Erfahrung der Verfasser tatsächlich mit solchen Situationen hat. Selbst. Fundiert. Nicht aus einschlägigen Medien.

Weder ist man mit 43 "auf dem Arbeitsmarkt abgemeldet", das ist nicht selten einfach ein vorgeschobener Grund, wenn aufgrund der eigenen Eingefahrenheit auf gewisse Rahmenbedingungen und mangelnder Flexibilität einfach keine Schnittmenge mehr gefunden wird zwischen Arbeitnehmer und Arbeitsmarkt. Die Zahl der Unternehmen, die auf´s Alter wirklich was geben im Sinne von alt = out bewegt sich faktisch im einstelligen Prozentbereich.

Noch schmeißen Juniorchefs grundsätzlich erst mal alle Alteingesessenen raus. Wäre das so, würden diverse Familienunternehmen schon mehrfach gekippt sein, weil das KnowHow fehlt. Sicher gibt es auch solche Fälle, aber eine imaginäre Allgemeinheit daraus zu fantasieren geht einfach an der Realität vorbei.

Der TE ist im besten Alter, qualifiziert und hat solide Erfahrung in seinem Beruf. Die Wirtschaft ist relativ solide im Augenblick. Gut, in der Produktion läuft aktuell fast 100% via Leiharbeit, aber auch das ist kein Genickbruch.

Wird schon.
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  #8  
Alt 28.02.2011, 10:00
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Meine Beiträge verfasse ich auf Grund eigener Erfahrungen und nicht zuletzt auf Grund der Erfahrungen anderer älterer Arbeitsuchender.

Wenn in einem Betrieb ein Generationswechsel ansteht, kann es durchaus so sein, dass eine neue Unternehmergeneration antritt, mit einer "modernen" Unternehmensphilosophie, eiskalte Betriebswirtschaftler, für die Menschen und Mitarbeiter nur Dreck sind, bestenfalls eine Kostenstelle.

Das muss natürlich nicht so sein, aber aus dem, was der User geschrieben hat, schliesse ich ganz klar, dass die beiden nicht gerade ein Herz und eine Seele sind.

Zitat:
Mein Arbeitsplatz ist nun nach nur 1er Woche von einem Zeitarbeiter besetzt und mein Chef ließ durchblicken das ich von ihm nur noch Hilfsarbeiten bekommen würde, bis ich selber Kündige.
Diese Aussage ist mehr als eindeutig.

Ich sehe das so: der User hat 16 Jahre für den Betrieb gearbeitet, jetzt ist er abgearbeitet, die 30% Grad der Behinderung kommen auch nicht vom Nichtstun, jetzt ist er eine Baustelle im Betrieb, die bereinigt werden muss. Also weg mit ihm, am besten auf die Müllkippe.

Ich will nicht behaupten, dass alle Betriebe so denken, aber hier im konkreten Fall dürfte es durchaus so sein. Und auf diesen hier geschilderten konkreten Fall bezieht sich mein Kommentar.
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  #9  
Alt 28.02.2011, 10:27
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Zitat:
Zitat von Counselor Beitrag anzeigen
Meine Beiträge verfasse ich auf Grund eigener Erfahrungen und nicht zuletzt auf Grund der Erfahrungen anderer älterer Arbeitsuchender.
Und diese Erfahrung stammt woher genau?
Aus Gesprächen mit den Geschäftsführern mittelständischer Unternehmen? Aus Studien? Woher?

Die überwiegende Mehrheit dieser "älteren Arbeitnehmer" hat kein nennenswertes KnowHow in Sachen Arbeitsmarkt. Da ist "ich bin halt zu alt" einfach die einfachste Erklärung. Es gibt eine Schallgrenze, ja, aber die fängt Mitte Fünfzig an.

Zitat:
Wenn in einem Betrieb ein Generationswechsel ansteht, kann es durchaus so sein, dass eine neue Unternehmergeneration antritt, mit einer "modernen" Unternehmensphilosophie, eiskalte Betriebswirtschaftler, für die Menschen und Mitarbeiter nur Dreck sind, bestenfalls eine Kostenstelle.
Und genau das ist einfach BILDZeitungs-Populismus und Quatsch.
Nachfolger in mittelständischen Familienunternehmen sind keine "eiskalten Betriebswirtschaftler". Kein Industriemagnat würde zulassen, dass sein Sohn zielsicher das Unternehmen ruiniert. Diese eiskalten Betriebswirtschaftler tauchen, wenn überhaupt, dann in Großkonzernen plötzlich im Management auf. Bei klassischen Altersnachfolgen nicht.

Zudem nicht selten der Konflikt dann, sofern er entsteht, nicht allein am neuen Geschäftsführer liegt. Da haben durchaus auch alteingesessene Mitarbeiter die sich überlegen fühlen gerne mal ihren Anteil dran.

Zitat:
Das muss natürlich nicht so sein, aber aus dem, was der User geschrieben hat, schliesse ich ganz klar, dass die beiden nicht gerade ein Herz und eine Seele sind.
Ja, hat er geschrieben. Aber wo genau steht, dass das allein auf die Kappe des neuen Juniorchefs geht? Da steht nichts von Mobbing, da steht was von einem beiderseitigen Konflikt.



Zitat:
Diese Aussage ist mehr als eindeutig.

Ich sehe das so: der User hat 16 Jahre für den Betrieb gearbeitet, jetzt ist er abgearbeitet, die 30% Grad der Behinderung kommen auch nicht vom Nichtstun, jetzt ist er eine Baustelle im Betrieb, die bereinigt werden muss. Also weg mit ihm, am besten auf die Müllkippe.
Das ist eine an Fantsie grenzende Spekulation.
Alles was man weiß ist, dass der TE und der Juniorchef sich nicht verstehn.

Von welcher 30%igen Behinderung redest du bitte?! Wo steht das?
Er hat aktuell psychosomatische Symptome, das kann mal vorkommen, das ist keine Behinderung und schon gar nicht ist das chronisch, wenn man entsprechende Behandlung wahrnimmt!
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  #10  
Alt 28.02.2011, 11:18
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Zitat:
Von welcher 30%igen Behinderung redest du bitte?! Wo steht das?
Pardon, da habe ich einen Beitrag verwechselt.

Nichtsdestotrotz:

Unter dem altem Chef konnte der User aufsteigen und sich verbessern, beim neuen Boss taugt er nichts mehr.

Er passt nicht mehr in die neue Firmenschablone, das hat nichts mit Ploetzeitungs-Quark zu tun, der neue Boss wendet "neumodische" Unternehmerstrategien an, die früher so nicht üblich waren.

Kein Arbeitgeber ist gezwungen, einen Arbeitnehmer ewig zu behalten und zu beschäftigen. Ihm steht die Möglichkeit der Kündigung jederzeit offen. Hier weigert sich der Arbeitgeber aber, eine Kündigung auszusprechen, er fürchtet eine entsprechend hohe Abfindungszahlung. Lieber wird solange gehetzt und gemobbt, bis der Mitarbeiter psychisch zermürbt ist und darum bettelt, selber gehen zu dürfen. Das ist dann der Lohn und Dank für eine lange Zeit Treue und Arbeit für und zum Unternehmen.

Sicherlich gibt es verschiedene Varianten, wie man den Fall betrachten kann, meine Ansicht ist die, die ich beschrieben habe, und ich glaube nicht, dass ich da falsch liege. Vielleicht sagt der User ja noch etwas dazu.
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