Studie belegt: Frauen sind die besseren Führungskräfte!

Gender-Pay-Gap, Frauenquoten in Führungsgremien, narzisstische Führungskulturen in deutschen Unternehmen – all das sind Themen, welche die Öffentlichkeit nun schon seit mehreren Jahren rege beschäftigen. Der Fortschritt hinsichtlich (frauen-) freundlicherer Führungskulturen gestaltet sich angesichts dessen allerdings überraschend langsam. Das berufliche Netzwerk XING wollte es genauer wissen und hat in einer repräsentativen Studie noch einmal einen kritischen Blick auf die Führungskultur deutscher Unternehmen geworfen: Mit negativen wie positiven Ergebnissen – und einer Menge Überraschungen.

Hintergrund: Geschlechterquote vom 1. Januar 2016

Die aktuelle Entwicklung der Frauenquoten in Führungsebenen ist vor allem vor dem Hintergrund des vor einem Jahr in Kraft getretenen Gesetzes zur Geschlechterquote für neu zu besetzende Aufsichtsratsposten interessant. Seit dem 1. Januar 2016 ist geregelt:

„unterrepräsentiert: Status von Frauen oder Männern, wenn ihr jeweiliger Anteil an den Beschäftigten in einem einzelnen Bereich nach Nummer 2 unter 50 Prozent liegt; bei einer ungeraden Anzahl an Beschäftigten sind Frauen oder Männer unterrepräsentiert, wenn das Ungleichgewicht zwischen beiden Geschlechtern mindestens zwei Personen des gleichen Geschlechts betrifft; maßgeblich für die Bestimmung einer Unterrepräsentanz ist die aktuelle Situation in demjenigen Bereich, auf den sich die angestrebte Maßnahme oder Entscheidung hauptsächlich bezieht.“
(Quelle: Bundesgleichstellungsgesetz vom 24. April 2015, §3, Abschn. 10)

Festgelegt wird in der Geschlechterquote, dass in börsennotierten und voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen fortan mindestens 30 Prozent der neu zu besetzenden Aufsichtsratsposten jeweils an Frauen vergeben werden müssen. Davon betroffen sind derzeit rund 3.500 deutsche Unternehmen. Ziel ist es, diese Geschlechterquote bis zum 1. Januar 2018 auf 50 Prozent zu erhöhen. Die Unternehmen werden außerdem dazu angehalten, eigene Zielvorgaben und Umsetzungspläne zu erarbeiten, um die Unterrepräsentanz von Frauen in Führungsebenen, also in Vorständen, Aufsichtsräten sowie dem oberen Management, langfristig aufzuheben und stattdessen für Geschlechterparität zu sorgen.

Dies hat in der Regel auch eine gänzlich neue Führungskultur zur Folge. Aber welche? Wirkt die Geschlechterquote überhaupt (schon) und wie zufrieden sind die Mitarbeiter mit ihren Führungskräften in Zeiten der Industrie 4.0? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigte sich die vom Netzwerk XING durchgeführte Studie zur Führungskultur in deutschen Unternehmen mit über 1.800 befragten deutschen Arbeitnehmern.

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Ergebnis der XING-Studie: #diequotewirkt – aber langsam!

Natürlich wäre es zu viel verlangt, von der neuen Geschlechterquote zu erwarten, dass bereits jetzt, rund ein Jahr nach deren Inkrafttreten, in deutschen Führungsgremien bereits Geschlechterparität herrscht. Dennoch: Die Fortschritte sind zwar erkennbar, gehen jedoch enttäuschend langsam voran, so das Resultat der XING-Studie. Immer noch sind 70,1 Prozent der Führungspositionen in allen Ebenen der deutschen Unternehmen mit Männern besetzt. Wo die Quote nicht verpflichtend ist, zeichnet sich bislang kaum ein Wandel ab. Dennoch lässt sich im Gegensatz zu den Zahlen vom 30. Juni 2016 immerhin ein kleiner aber feiner Schritt in die richtige Richtung beobachten:

Statistik: Frauenanteil in Führungspositionen in Deutschland nach Bundesländern im Jahr 2016 (Stand: 30. Juni) | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Mögliche Ursachen: Das „Problem“ mit den Frauen und den Führungspositionen

Die Gründe für den nur langsamen Fortschritt hin zu einer Geschlechterparität in den Führungsebenen deutscher Unternehmen sehen Experten vor allem darin, dass die „Ursachen“ für die Ungleichverteilung vielerorts noch nicht behoben wurden:

  • schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Familie
  • mangelnde Gender-Diversity im Unternehmen
  • zu geringe Förderung von Frauen für Führungspositionen
  • männerdominierte Unternehmenskulturen

Statistik: Welche der folgenden Aussagen erklärt Ihrer Meinung nach am besten, dass es in Deutschland deutlich weniger Frauen in Führungspositionen gibt als Männer? | Statista
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Für deutsche Unternehmen ist es an der Zeit, die Gender-Diversity gezielt zu fördern und vor allem den weiblichen Führungskräften durch eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie den Aufstieg zu erleichtern. Das ist nicht nur im Sinne der Gleichberechtigung gemäß Antidiskriminierungsgesetz nötig, sondern auch, um im Zuge des fortschreitenden Fachkräftemangels ausreichend hoch qualifizierten Nachwuchs für die Zukunft zu haben. Denn Fakt ist: Deutsche Unternehmen brauchen mehr Frauen – und das längst nicht nur wegen der Geschlechterquote. Die Möglichkeiten sind vielfältig:

Schwarz auf weiß: Frauen sind die besseren Führungskräfte

Es gibt zudem noch einen weiteren Grund, weshalb Frauen in Führungspositionen so wertvoll für ein Unternehmen sind. Aber Achtung: Das nächste Ergebnis der von XING durchgeführten Studie wird den männlichen Lesern die Nackenhaare aufstellen. Denn hier steht es schwarz auf weiß: Den Frauen wird in der Befragung eine bessere Führungskompetenz zugesprochen (24,1 Prozent) als ihren männlichen Kollegen (21,4 Prozent). Einen kleinen Trost für die männliche Riege gibt es trotzdem: Sie haben laut der fast 1.800 befragten Arbeitnehmer angeblich mehr Fachkompetenz (29,9 Prozent) als ihre weiblichen Pendants (26,9 Prozent).

„Ich glaube, ein Mann will von einer Frau das gleiche wie eine Frau von einem Mann: Respekt.“
(Clint Eastwood)

Schlussendlich sind diese Feinheiten nicht einmal ausschlaggebend. Egal, ob Mann oder Frau: Die Zufriedenheit der Arbeitnehmer mit ihren Vorgesetzten verzeichnet einen Anstieg von fast vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. Demnach fühlen sich 25,6 Prozent der Befragten von einer weiblichen und 22,6 Prozent von einer männlichen Führungskraft „ausreichend wertgeschätzt“. Ein positives Ergebnis – mit wiederum kleinem aber feinen Plus für die Damenwelt. Zumindest auf der emotionalen Ebene scheinen Frauen also tatsächlich die besseren Führungskräfte zu sein.

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Grundproblematik: Viele Frauen „wollen“ gar nicht

Nun wäre es aber natürlich ein leichtes Unterfangen, Frauen als die „bessere“ Führungskraft darzustellen, die nur aufgrund der männerdominierten Entscheidungsgremien auf ihrem Karriereweg zurückgehalten werden. Wie bereits erwähnt, gibt es viele verschiedene Gründe für die Disparität der Geschlechterquote in deutschen Unternehmen. Und da müssen sich auch die Frauen an die eigene Nase fassen, denn viele „wollen“ schlichtweg gar keine Führungsposition. Auch das Vorurteil

„Frauen seien weniger motiviert und streben seltener eine Karriere im klassischen Sinne an“

hat durchaus seinen wahren Kern. So fand die XING-Studie nämlich auch heraus, dass vor allem Frauen und ältere Arbeitnehmer 50plus weniger Interesse an einer Führungsposition zeigen als Männer jüngeren und mittleren Alters. Der beginnende Kulturwandel in deutschen Unternehmen wird daher erst vollends an Aufschwung gewinnen, wenn auch bei den Frauen selbst ein Umdenken stattfindet. Bis dahin werden auch Geschlechterquoten, flexiblere Arbeitszeitmodelle & Co keine wirklich bedeutende Veränderung mit sich bringen.

Aber vielleicht sind die Frauen damit ja auch einfach zufrieden? Wünschen Sie sich überhaupt eine Gleichverteilung in Führungspositionen? Und wieso (nicht)? Halten Sie die Geschlechterquote für eine sinnvolle Einführung?

1 Kommentar

  1. Wer die bessere Führungskraft ist, ergibt sich letztendlich nicht aufgrund des Geschlechts, sondern aufgrund von Persönlichkeitskompetenzen. Dazu brauche ich keine Studien, sondern muss nur ganz individuell die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fragen.

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