Freizeit = freie Zeit: Tipps für mehr Lebensqualität

Zeitdruck und Dauerstress erschweren unseren Alltag erheblich. Viele Arbeitnehmer kommen kaum noch dazu, richtig abzuschalten, sich genüsslich auszuruhen oder zu regenerieren. Das geht auf Kosten der Lebensqualität.

Sie kennen das vermutlich selbst: Auch am Wochenende ist der Terminkalender prallvoll. Einkaufen, Freunde sehen, Sport, ausgehen, Familientreffen, Heimwerken etc. stehen auf der To-do-Liste. Wer permanent im Hamsterrad lebt, braucht bald sogar für die Freizeitgestaltung einen Plan.

Der Urlaub allein kann es nicht bringen

Zwei oder drei Wochen reichen bei Weitem nicht aus, um nachhaltig zu mehr Lebensqualität zu kommen – zumal Sie in der ersten Woche meistens merken, wie schwer Ihnen das Abschalten fällt.

Das Problem liegt woanders: Wer viel Zeit für den Beruf aufwendet, möchte seine knappe Freizeit so optimal wie möglich ausnutzen. Dabei kommt meistens nur eines heraus: Sie gehen vor wie im Job und verplanen die Ihnen zur Verfügung stehende Zeit komplett. Sie nehmen sich zu viel vor und verhindern damit, sich spontan für eine Aktivität zu entscheiden, auf die Sie wirklich Lust haben. Stattdessen haken Sie pflichtbewusst Verabredungen mit Freunden oder Verwandten ab. Hektik und Stress in der Freizeit entstehen zusätzlich dadurch, dass Sie Ihre Termine zu eng legen.

Wie Sie ruhiger und gelassener werden

Sich ausklinken lautet das Zauberwort. Erinnern Sie sich noch daran, wie das geht? Eigentlich sind wir so gestrickt, dass wir die Aufmerksamkeit uns selbst gegenüber steuern können. Dank dieser Fähigkeit lassen sich Gefahren beizeiten erkennen. Der Nachteil besteht eventuell darin, dass Sie kaum in der Lage sind, sich neuen Informationen zu entziehen. Wenn das Handy klingelt, reagieren Sie prompt, Sie checken Ihre Mails mehrmals am Tag und haben außerdem ein Auge darauf, dass Ihnen bei Facebook oder anderen Social Media nichts entgeht.

Ruhe finden Sie nur, indem Sie Ihr Handy einfach mal ausschalten. Sollte dies Ihre Unruhe eher vergrößern, probieren Sie es zunächst stundenweise. Sie müssen auch nicht jeden Artikel in der Zeitung oder online komplett lesen. Häufig reicht der Teaser unter der Schlagzeile, um im Bilde zu sein. Danach legen Sie die Zeitung am besten weg oder fahren den PC herunter.

Achtsamkeit lässt sich trainieren

Wenn Sie diese Fähigkeit nicht mehr besitzen, werden Sie den Eindruck haben, das Leben rausche gleichförmig und im Eiltempo an Ihnen vorbei. Das macht Sie auf Dauer missmutig und gereizt, und irgendwann wird zwangsläufig die Sinnfrage auftauchen: Wofür tue ich das bloß alles?

Zur Achtsamkeit gehört auch, anderen aufmerksam und bewusst zuzuhören und sie ausreden zu lassen. Ein intensiver Austausch mit anderen Menschen ist nur möglich, wenn Sie nicht ständig mit Ihren Gedanken woanders sind. Wenn Sie sich zudem jeden Abend drei Dinge notieren, die Sie für den vergangenen Tag als positiv verbuchen können, vermindern Sie Ihre Konzentration auf das Negative. So können Sie sich selbst aufbauen und gewinnen Kraft für den nächsten Arbeitstag.

Maßnahmen gegen den Alltagsstress

Um etwas für die Gesundheit Ihres Geistes und Ihres Körpers zu tun, lernen Sie am besten, aktiv Sinnvolles gegen den Stress zu unternehmen. Es liegt nämlich bei Ihnen, ob Sie eine Situation als stressig empfinden und bewerten.

Zahl Eins Dauerbetrieb vermeiden

Maschinen werden regelmäßig gewartet. So lassen sich Ausfälle vermeiden und zudem Fehlzeiten minimieren. Auch bei einem aus allen Nähten platzenden Terminplaner dürfen Sie sich Pausen gönnen. Besser noch: Sie planen diese gleich mit ein. Damit beugen Sie Ihrem eigenen Stress vor und haben mitten im Trubel bereits die Aussicht auf eine kleine Auszeit vor Augen.

Sie stehen zudem schwierige Phasen besser durch, wenn Sie den Stress verringern. Dies wirkt sich auf Ihre Arbeit aus: Sie geht Ihnen leichter von der Hand, und Ihnen unterlaufen weniger Fehler.

Zahl Zwei Gute Vorbereitung

Leistungsbereitschaft und Produktivität sind in der Arbeitswelt sehr gefragt. Wer eine maximale Leistung bringen möchte, sollte sich auch so gezielt wie möglich darauf vorbereiten. Sie verlieren Zeit und Effizienz, wenn Sie einfach loslegen, ohne gründlich nachzudenken.

Ohne vernünftige Planung haben Sie eindeutig mehr Stress. Dieser zeigt sich in u. a. in übermäßigen Überstunden, aber nicht selten auch in unkoordiniertem Handeln. Ein gutes Beispiel sind Köche: Diese müssen sich genau überlegen, welche Arbeitsgeräte und Zutaten sie benötigen – sonst wird ihre Arbeit nicht gelingen.

Zahl Drei Negative Gewohnheiten verändern

Wir Menschen ticken so, dass wir gewisse Gewohnheiten annehmen und diese auch beibehalten – und zwar immer dann, wenn sich ein bestimmtes Verhalten positiv ausgewirkt hat. Aber was sich in einer Situation als Vorteil erwiesen hat, muss dies längst nicht in einer anderen sein. Hat sich z. B. niemand darum geschert, wie lange Sie gearbeitet haben, so lange Sie solo waren, wird sich Ihr neuer Partner mit diesem Single-Verhalten voraussichtlich nicht einverstanden erklären. Kompromisse sind auch ein Teil des Anti-Stress-Programmes.

Es ist ratsam, von Zeit zu Zeit die eigenen Gewohnheiten zu überprüfen. Sind sie noch angemessen oder vielleicht nicht? Bringen Sie den Mut für Veränderungen auf – auch dadurch reduzieren Sie Ihren Stress bzw. die Möglichkeiten, dass er überhaupt entsteht.

Gesunde Work-Life-Balance

Wie gesundheitsfördernd die Freizeit ist, um dem Stress im Job vorzubeugen, belegt ebenfalls eine Studie, die Psychologen an der TU Dresden vorgenommen haben. Daraus geht vor allem hervor, wie wichtig auch das Alleinsein ist, um sich gut zu fühlen.

491 Studenten wurden befragt, wie viel Zeit sie für sich selbst und wie viel für andere haben. Das Ergebnis: Es litten diejenigen am wenigsten unter seelischen oder physischen Beeinträchtigungen, die angeblich genug Zeit „für ihre Freunde oder die Familie“, „über sich selbst nachdenken zu können“ und „für die täglichen Pflichten bei der Arbeit“ hatten.

Die Autoren der Studie betonen, dass eine gewisse Zeit des Alleinseins ein wichtiger Faktor bei der persönlichen Gesundheitsfürsorge und durch gemeinsame Freizeit mit anderen Menschen nicht zu ersetzen sei.

Allerdings ist die Kehrseite der Medaille – zu viel Einsamkeit – keineswegs hilfreich. Es kommt immer darauf an, die Bereiche Arbeit, Miteinander und Alleinsein im Gleichgewicht zu halten. Wenn Sie zu den Menschen gehören, bei denen die Fähigkeit der Selbststeuerung nach dem Motto „Ich kann meine Anspannung gut verringern, wenn ich genervt bin“ gut entwickelt ist, haben Sie gute Voraussetzungen für eine ausgeglichene Balance.

Ein gutes Selbstwertgefühl trägt ebenfalls dazu bei, um von dem üblichen Work-Life-Balance-Modell, das sich auf Arbeit und Freizeit gründet, in eines wechseln, das aus drei Komponenten besteht: nämlich aus Arbeit, Selbstzeit und sozialer Freizeit. So lautet die Empfehlung der Autoren der Dresdner Studie.

Wohlbefinden lässt sich also auch so erlangen: Schaffen Sie sich Rückzugmöglichkeiten und nehmen Sie sich die Zeit, Ihren Gedanken nachzuhängen und sich sowohl von arbeitsbedingtem als auch von sozialem Stress abzugrenzen.

Dazu noch ein passender Lesetipp: „Ein Zimmer für sich allein“ von Virginia Woolf, bereits 1929 erschienen, aber deshalb noch lange nicht überholt. Gilt als wichtiger Text der Frauenbewegung, aber auch Männer finden in diesem Plädoyer für Privatsphäre lesenwerte Ansätze.

5 Kommentare

  1. Sehr schöner Artikel!
    Mir persönlich hilft die “tägliche kleine Auszeit zwischendurch” gegen den Alltagsstress:
    Die Hunde geschnappt und eine Runde gedreht, über die Felder, durch den Wald oder einfach nur durchs Örtchen.
    Durch die Freude und Neugierde der Hunde geht der Blick automatisch auf die Umgebung, die Landschaft und die Gedanken machen sich selbstständig – oft kommen neue Ideen oder Lösungen ganz von selbst – und mit dem gewonnenen Abstand lässt es sich gut weiter arbeiten.

    Kleiner Tipp: Sollten Sie keinen Hund besitzen – in der Nachbarschaft befindet sich bestimmt der eine oder andere Vierbeiner – und die freuen sich ganz sicher über einen Spaziergang 🙂
    Einfach mal ausprobieren!

  2. Den Freizeitplaner haben viele doch schon. Spätestens mit den ersten Kindern lässt der sich nicht mehr umgehen. Wichtig ist, das, was an freier Zeit da ist, nicht mit der Vorstellung einzuengen, man müsse es “füllen”. Zeit ist dazu da, um sie mit dem zu verbringen, was für uns von Bedeutung ist. Nicht mit dem, was sie am ehesten ausfüllt.

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