Und tschüss! Fristlose Kündigung durch Arbeitnehmer

„Fristlose Kündigung“ – die größte Angst vieler Angestellten. Doch wussten Sie, dass diese nicht immer arbeitgeberseitig ausgesprochen werden muss? Auch der Arbeitnehmer kann fristlos kündigen. Wir haben Ihnen die wichtigsten Gründe, das Vorgehen sowie mögliche Konsequenzen der fristlosen arbeitnehmerseitigen Kündigung zusammengefasst.

Inhalt
1. Was bedeutet „fristlose Kündigung“?
2. Mögliche Gründe für die fristlose Kündigung durch Arbeitnehmer
3. Muss der außerordentlichen Kündigung eine Abmahnung vorausgehen?
4. Vorgehen: Fristen und Form der außerordentlichen Kündigung
5. Sammeln Sie unbedingt Beweise!
6. Wie können Sie eine fristlose Kündigung schreiben? Inhalt und Muster
7. Mögliche Konsequenzen der fristlosen Kündigung

Was bedeutet „fristlose Kündigung“?

Die fristlose Kündigung ist auch unter dem Namen der außerordentlichen Kündigung bekannt. Wie der Name bereits sagt, wird hierbei keine Kündigungsfrist eingehalten. Selbst ein eigentlich nicht kündbarer Arbeitsvertrag kann unter Vorliegen der entsprechenden Gründe außerordentlich gekündigt werden. Allerdings muss der Betroffene vor einer fristlosen Kündigung alle anderen infrage kommenden Maßnahmen ergriffen haben, je nach Fall zum Beispiel eine Abmahnung. Erst, wenn diese ergebnislos geblieben sind und es keine andere Option mehr gibt, ist eine außerordentliche Kündigung rechtlich zulässig. Schlussendlich handelt es sich hinsichtlich der Gültigkeit oder Ungültigkeit einer außerordentlichen Kündigung stets um eine gerichtliche Einzelfallentscheidung. Dementsprechend vage sind auch die betreffenden Gesetzestexte formuliert. Eine Beratung durch einen Anwalt ist deshalb stets sinnvoll, bevor Sie die Kündigung einreichen.

Mögliche Gründe für die fristlose Kündigung durch Arbeitnehmer

Wie bereits erwähnt, müssen für die Gültigkeit einer fristlosen Kündigung durch den Arbeitnehmer schwerwiegende Gründe vorliegen (vgl. BGB § 626 Abs. 1). Diese können beispielsweise sein:

  • ausbleibende oder unpünktliche Bezahlung des Gehaltes (Wiederholungsfall)
  • unwiederbringlicher Verlust des Vertrauens zum Arbeitgeber
  • Gesundheitsgefährdung
  • anhaltende Arbeitsunfähigkeit
  • grobe Verletzung der Pflichten des Arbeitgebers
  • Verlangen einer Straftat
  • sexuelle Belästigung
  • Mobbing
  • Diskriminierung
  • aggressives Verhalten
  • Einbehaltung der Sozialabgaben

Allerdings sind diese Gründe nicht immer ausreichend für eine fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer. Auf der anderen Seite sind zudem natürlich weitere Fälle denkbar, welche die außerordentliche Kündigung rechtfertigen könnten. Daher ist stets die gerichtliche Einzelfallprüfung nötig, um festzustellen, ob in Ihrem individuellen Fall ein Grund vorliegt, welcher die Fortsetzung des Arbeitsvertrages für Sie als Arbeitnehmer unzumutbar macht. Der frühe Gang zum Rechtsberater oder Anwalt ist deshalb stets die beste Erstmaßnahme.

Muss der außerordentlichen Kündigung eine Abmahnung vorausgehen?

Ein Arbeitgeber muss den Arbeitnehmer in der Regel je nach Fall einmalig oder mehrmals abmahnen, bevor er eine fristlose Kündigung aussprechen darf. Für den Arbeitnehmer gilt das nicht (immer), sondern hängt vom jeweiligen Kündigungsgrund ab. So dürfen sie nach einem tätlichen Angriff oder einer schwerwiegenden sexuellen Belästigung natürlich sofort der Arbeit fernbleiben, während Sie bei der ausbleibenden Gehaltszahlung oder dem Zahlungsverzug seitens des Arbeitgebers diesen erst einmal abmahnen und ihm eine letzte Frist setzen müssen. Erst, wenn Ihr Gehalt nach Verstreichen dieser Frist (spätestens aber nach zweieinhalb Monaten) nicht auf Ihrem Konto ist, rechtfertigt dies eine außerordentliche Kündigung. Lassen Sie sich daher frühzeitig von einem Fachmann beraten, ob eine fristlose Kündigung in Ihrem individuellen Fall haltbar ist und wie Sie dabei vorgehen müssen.

Vorgehen: Fristen und Form der außerordentlichen Kündigung

Eine Frist für die „fristlose“ Kündigung – widerspricht sich das nicht? Nein! Tatsächlich müssen Sie selbst bei der außerordentlichen Kündigung eine Frist einhalten. Diese lautet:

Eine fristlose Kündigung dürfen sie nur innerhalb eines Zeitraumes von zwei Wochen aussprechen, nachdem der Kündigungsgrund eingetreten ist beziehungsweise Sie von diesem erfahren haben.

Möchten Sie also zum Beispiel aufgrund einer schweren Gesundheitsgefährdung an Ihrem Arbeitsplatz außerordentlich kündigen, so dürfen Sie diesen Zustand nicht erst ein halbes Jahr lang tolerieren und dann plötzlich der Arbeit fernbleiben. Stattdessen muss die fristlose Kündigung innerhalb von 14 Tagen nach Bemerken der Missstände in Schriftform bei Ihrem Arbeitgeber vorliegen. Am besten senden Sie diese via Post per Einschreiben mit Rückschein, um das Eingangsdatum Ihrer außerordentlichen Kündigung im Streitfall selbst im Nachhinein noch zweifelsfrei nachweisen zu können.

Sammeln Sie unbedingt Beweise!

Um den Kündigungsgrund vor Gericht beweisen zu können, müssen Sie unbedingt auch entsprechende Belege oder Zeugenaussagen sammeln. Die Art der Beweise richtet sich natürlich je nach Kündigungsgrund. Während Sie die Kündigung aufgrund von Arbeitsunfähigkeit durch ein ärztliches Attest noch relativ einfach nachweisen können, wird dies bei sexueller Belästigung oder Mobbing in der Regel schon deutlich schwieriger. Fotos, E-Mails oder Gesprächsprotokolle können hierbei je nach individuellem Fall Möglichkeiten der Beweissammlung darstellen. Praktische Tipps zur Dokumentation einer belastenden Arbeitssituation finden Sie zudem in unserem Artikel „Straining: Tipps beim Mobbing durch Langeweile im Job“.

Wie können Sie eine fristlose Kündigung schreiben? Inhalt und Muster

Um vor Gericht Bestand zu haben, muss Ihre in Schriftform eingereichte fristlose Kündigung folgende Mindestangaben enthalten:

  • Ihren Namen
  • Ihre Adresse
  • Anschrift des Arbeitgebers
  • Kündigungsgrund
  • Kündigungstermin

Gerne können Sie sich an folgendem Muster orientieren:

Ihre Anschrift einfügen

Anschrift des Arbeitgebers einfügen

Datum einfügen

Betreff: Fristlose Kündigung des Arbeitsvertrages vom (Datum einfügen)

Sehr geehrte Damen und Herren (oder Ansprechpartner einfügen),

Hiermit kündige ich den am (Datum einfügen) geschlossenen Arbeitsvertrag zwischen (Arbeitgeber einfügen) und (Arbeitnehmer einfügen) fristlos zum (Datum einfügen).

Die Erfüllung meiner aus dem Arbeitsvertrag hervorgehenden Pflichten muss ich aufgrund (Kündigungsgrund einfügen) mit sofortiger Wirkung einstellen.

Ich bitte um die schnellstmögliche Ausbezahlung meiner noch ausstehenden Überstunden sowie des Resturlaubes und um die Ausstellung eines qualifizierten Arbeitszeugnisses.

Mit freundlichen Grüßen
(Ihren Namen einfügen)

Muster-Vorlage hier kostenlos downloaden

Mögliche Konsequenzen der fristlosen Kündigung

Wenn Sie als Arbeitnehmer sich dazu entschließen außerordentlich zu kündigen und damit die Kündigungsfrist aus Ihrem Arbeitsvertrag zu umgehen, müssen Sie natürlich mit dem Widerstand Ihres Arbeitgebers rechnen. Es kann also zum Rechtsstreit und – sollten Sie diesen verlieren – zu Sanktionen kommen. Sie sollten die fristlose Kündigung deshalb stets als letzte Maßnahme in Betracht ziehen, wenn die Einhaltung der Kündigungsfrist für Sie absolut unzumutbar wäre. Manchmal lässt sich auch in der Verhandlung mit dem Arbeitgeber die Regelung vereinbaren, dass Sie zwar unter Einhaltung der Frist kündigen, durch Resturlaub und Überstundenabbau aber dennoch mit sofortiger Wirkung der Arbeit fernbleiben können. Das Zwiegespräch mit Ihrem Vorgesetzten könnte daher je nach individuellem Fall eine sinnvolle Erstmaßnahme sein, um einen Rechtsstreit vor Gericht zu verhindern.

Achtung: Egal, ob Sie schlussendlich fristgerecht oder außerordentlich kündigen: Beachten Sie, dass eine Eigenkündigung Ihrerseits eine dreimonatige Sperre (zwölf Wochen) des Arbeitslosengeldes nach sich ziehen kann. Auch eine Verkürzung Ihres Anspruchs auf das ALG I ist möglich. Bei der Agentur für Arbeit sollten Sie sich daher so früh wie möglich beraten lassen, sobald Sie die fristlose Kündigung in Erwägung ziehen.

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