Rentenalter: 10 einfache Tipps für eine „frühe“ Frührente

Der demografische Wandel stellt unser Rentensystem vor immer größere Herausforderungen. Die Lösung der Politik scheint derzeit zu lauten, das Rentenalter wieder und wieder zu erhöhen. Zudem sinkt das Vertrauen der Gesellschaft in die staatliche Absicherung. Wer klug ist, sorgt selbst vor. Und wenn Sie schon selbst für Ihre Rente verantwortlich sind, wieso sollten Sie dann bis 67 schuften? Wir haben jetzt 10 Tricks für Sie, wie Sie in Frührente gehen können – mit 60, 50 oder vielleicht sogar schon 40?!

Inhalt
1. Renteneintritt mit 67? Das muss nicht sein!
2. Frührenten-Tipp #1: Beginnen Sie jetzt (!) mit dem Sparen
3. Frührenten-Tipp #2: Richten Sie ein unantastbares Sparkonto ein
4. Frührenten-Tipp #3: Kalkulieren Sie Ihren Geldbedarf
5. Frührenten-Tipp #4: Fordern Sie regelmäßig eine Gehaltserhöhung ein
6. Frührenten-Tipp #5: Investieren Sie in eine Immobilie
7. Frührenten-Tipp #6: Verkaufen oder vermieten Sie diese Immobilie
8. Frührenten-Tipp #7: Suchen Sie sich einen günstigen Alterssitz
9. Frührenten-Tipp #8: Schließen Sie private Versicherungen ab
10. Frührenten-Tipp #9: Vermehren Sie Ihr Geld durch Aktienfonds
11. Frührenten-Tipp #10: Machen Sie sich selbstständig!

Renteneintritt mit 67? Das muss nicht sein!

Die Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre hat in der deutschen Bevölkerung für viel Unmut gesorgt. Schließlich fiebern viele (ältere) Arbeitnehmer zwischen beruflichem und Alltagsstress auf den wohlverdienten Ruhestand hin. Und diesen möchten sie natürlich auch noch in vollster Blüte ihrer Gesundheit erleben. Doch eine Weltreise oder der lange geplante Hausumbau mit 67? Wer weiß, ob Sie dann überhaupt noch fit genug sind. 60 Prozent der Deutschen würden daher gerne früher in die Rente gehen als gesetzlich vorgesehen.

Statistik: Würden Sie gerne früher als, später als oder so wie momentan gesetzlich vorgesehen in den Ruhestand gehen? | Statista
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Allerdings steigt gleichzeitig die Angst, durch das gesetzliche Rentensystem nicht (mehr) ausreichen abgesichert zu sein, um den Lebensstandard halten und dadurch die Rente auch in vollen Zügen genießen zu können.

Statistik: Reaktion auf eine Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre und die damit verbundenen Rentenkürzungen bei früherem Eintritt | Statista
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Sie stehen damit nicht selten vor der Wahl: Schrauben Sie in der Rente Ihre Ansprüche zurück oder sorgen Sie zusätzlich privat vor? Wenn Ihnen das finanziell möglich ist, ist letztere gewiss die sinnvollere Variante. Und wenn Sie dabei mit etwas Köpfchen vorgehen, können Sie vielleicht sogar schon früher als mit 67 in Rente gehen – ohne in die gefürchtete Altersarmut zu rutschen. Wie das funktionieren soll? Unsere folgenden 10 Tipps sind auf jeden Fall ein guter Anfang:

Frührenten-Tipp #1: Beginnen Sie jetzt (!) mit dem Sparen

Wenn Sie früh in den wohlverdienten Ruhestand starten möchten, sollten Sie so früh wie möglich mit dem Sparen beginnen. Jedes Jahr mehr oder weniger kann aufgrund von Zinsen und Zinseszinsen einen enormen Unterschied für Ihre Rentenkasse bedeuten. Sparen Sie daher ab sofort so viel wie möglich und beschränken Sie sich auf einen bescheidenen Lebensstil.

„Wer nicht von Wenigem zu leben versteht, wird zeitlebens ein Sklave bleiben.“
(Horaz)

Das Gute an der Sache ist: Wenn Sie sich bereits jetzt an die Sparsamkeit gewöhnen, fällt sie Ihnen auch später in der Rente weniger schwer. Dennoch sollte sich Ihr Lebensstandard natürlich auf einem Level bewegen, mit welchem Sie sich (noch) wohlfühlen. Wenn Sie sich fortan durch Ihr Leben quälen und jeden Cent zweimal umdrehen, wird auch eine frühe Rente dafür keine ausreichende Entschädigung darstellen.

Frührenten-Tipp #2: Richten Sie ein unantastbares Sparkonto ein

Sparen Sie aber nicht auf Ihrem Girokonto oder einem zugehörigen Tagesgeldkonto, sondern richten Sie ein eigenes Sparkonto für Ihre Rentenrücklagen ein. Auf dieses Sparkonto sollten Sie keinen einfachen – besser sogar überhaupt keinen – Zugriff haben. Ansonsten sind Sie dazu verleitet, Ihre für die Rente bestimmten Finanzen stattdessen als Urlaubsgeld oder für dringende Anschaffungen zu vergeuden.

Überweisen Sie jeden Monat nach Gehaltseingang sofort einen festen Betrag auf dieses Sparkonto. So zwingen Sie sich quasi selbst zum Sparen und dazu, nur mit dem „restlichen“ Geld über die Runden zu kommen.

Frührenten-Tipp #3: Kalkulieren Sie Ihren Geldbedarf

Hierfür sollten Sie natürlich Ihren monatlichen Geldbedarf kennen. Erstellen Sie über mehrere Monate eine exakte Ausgabenaufstellung. Prüfen Sie anschließend, welche Ausgaben Sie eventuell einsparen oder durch günstigere Alternativen ersetzen könnten, zum Beispiel

  • Strom
  • Internet
  • Autoversicherung
  • Restaurantbesuche
  • Fitnessstudio
  • etc.

Sie sollten nun einen guten Überblick darüber gewonnen haben, wie viel Geld Sie wirklich zum Leben brauchen und wie viel Sie – direkt nach Gehaltseingang (!) – jeden Monat sparen können. Zudem sollten Sie kalkulieren, ob dieser Geldbedarf auch in Ihrer geplanten Rente ausreicht oder ob sich dieser aufgrund von Veränderungen, zum Beispiel dem Wegfall von Versicherungsbeiträgen, erhöhen beziehungsweise senken könnte. So können Sie bereits jetzt grob überschlagen, wie viel Geld Sie für jeden „früheren“ Monat Rente zurücklegen müssen.

Achtung: Vergessen Sie bei der Kalkulation Ihres Rentenbedarfs keinesfalls die Inflation!

Frührenten-Tipp #4: Fordern Sie regelmäßig eine Gehaltserhöhung ein

Während Ihr monatlicher Geldbedarf nun erst einmal konstant bleibt, können Sie natürlich mehr sparen, je mehr Geld auf Ihr Konto fließt. Einfach ausgedrückt bedeutet dies: Je höher Ihr Gehalt, umso mehr können Sie bei gleichbleibendem Lebensstandard für die (Früh-) Rente zurücklegen. Fordern Sie daher in regelmäßigen Abständen eine Gehaltserhöhung ein. Experten empfehlen hierfür einen Zeitraum von plus minus zwei Jahren.

Lese-Tipp:Gehaltserhöhung: Die besten Tipps für Ihre Gehaltsverhandlung

Frührenten-Tipp #5: Investieren Sie in eine Immobilie

Gerade in aktuellen Niedrigzinszeiten – oder vielleicht sogar bald Negativzinszeiten – ist es aber natürlich nicht sinnvoll, Ihr Erspartes nun einfach so auf dem Sparkonto liegen zu lassen. Sie sollten es stattdessen gewinnbringend investieren. Eine immer noch sinnvolle Variante kann dafür eine Immobilie sein. Sollten Ihre Einkommensverhältnisse es also zulassen, suchen Sie doch einfach einmal die Beratung durch einen Sachverständigen. Wichtig ist allerdings, dass Sie dabei nicht nach Ihrer persönlichen (und vielleicht völlig überteuerten) Traumimmobilie suchen, sondern nach einem rentablen Investitionsobjekt.

Frührenten-Tipp #6: Verkaufen oder vermieten Sie diese Immobilie

Ihr langfristiges Ziel wird es nämlich nicht sein, in dieser Immobilie selbst (mit Ihrer Familie) zu leben, sondern sie entweder nach einigen Jahren gewinnbringend zu verkaufen oder langfristig zu vermieten. Dadurch zahlt sich die Immobilie sozusagen selbst ab und sind Ihre Schulden ersti einmal getilgt, stocken die monatlichen Mieteinnahmen Ihre (Früh-) Rente auf.

Frührenten-Tipp #7: Suchen Sie sich einen günstigen Alterssitz

Für sich selbst sollte hingegen Ihr Ziel sein, so günstig wie möglich zu leben. Das bedeutet natürlich nicht, dass Sie mit Ihrer fünfköpfigen Familie in eine Einzimmerwohnung ziehen müssen. Stattdessen ist die Region hierbei ausschlaggebend: Sind Sie erst einmal in (Früh-) Rente, sind Sie ja prinzipiell flexibel hinsichtlich Ihres Wohnortes. Wieso also mieten Sie nicht anstelle der Dreizimmerwohnung in Hamburg ein schickes Einfamilienhaus mit Garten in Weißenfels an – für dasselbe oder sogar weniger Geld?! Suchen Sie sich einen möglichst günstigen Alterssitz, in welchem Sie sich aber natürlich trotzdem wohlfühlen.

Frührenten-Tipp #8: Schließen Sie private Versicherungen ab

Zusätzlich oder als Alternative zur Immobilie können Sie sich durch private Versicherungen nicht nur zum Beispiel gegen Berufsunfähigkeit absichern, sondern zugleich Ihr Geld gewinnbringend anlegen. Infrage kommen dafür zum Beispiel

  • Lebensversicherungen,
  • private Rentenversicherungen oder auch
  • eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit Rückvergütung.

Zwar bedeutet Letztere nicht unbedingt ein Plus für Ihre Finanzen, doch können Sie die ohnehin empfohlene Berufsunfähigkeitsversicherung so ganz praktisch mit Ihren Sparzielen verbinden.

Lese-Tipp:Berufsunfähigkeit – Ursachen, Versicherungen und Ablauf

Lassen Sie sich zudem beraten, ob eine Riester- oder Rürup-Rente in Ihrer individuellen Situation sinnvoll und rentabel sein könnte.

Frührenten-Tipp #9: Vermehren Sie Ihr Geld durch Aktienfonds

Bei dem Wort „Aktien“ schrecken viele Menschen zurück. Sie verbinden sie mit großem Risiko und eventuell hohen Verlusten. Doch die sogenannten „Aktienfonds“ gelten als eine der derzeit sichersten und rentabelsten Geldanlagen auf dem Markt. Zwar sind hier kurzfristige Kursschwankungen und dadurch auch Verluste zu befürchten, auf lange Sicht haben die Aktienfonds aber seit jeher ein Plus verzeichnet.

Wenn Sie es mit Ihrer Rente also nicht ganz so eilig haben und notfalls auch noch fünf, zehn oder 15 Jahre auf Ihr Geld warten können, sind Aktienfonds eine empfehlenswerte Geldanlage mit attraktiver Rendite. Wir empfehlen sie daher vor allem für „Frührenten-Fans“ in den 20-ern oder 30-ern.

Frührenten-Tipp #10: Machen Sie sich selbstständig!

Um sich in der (Früh-) Rente dann vielleicht doch noch den ein oder anderen Groschen hinzuverdienen und sich dadurch ein wenig Luxus leisten zu können, sollten Sie über eine Selbstständigkeit nachdenken. Vielleicht können Sie Ihren früheren Arbeitgeber ja noch auf freier Basis unterstützen beziehungsweise sich mit Ihrer früheren Tätigkeit als Freelancer ein kleines Zubrot verdienen. Oder aber Sie erfüllen sich einen lang gehegten Traum und lernen etwas völlig Neues: Wie wäre es mit Ihrem ersten eigenen Roman? Immerhin 14,5 Prozent der 65- bis 69-Jährigen in Deutschland sind noch erwerbstätig.

Infografik: Alte im Unruhestand | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

So ganz ohne Sinn – beziehungsweise „Aufgabe“ – im Leben wird es nämlich dann in der Rente doch recht schnell langweilig. Also finden Sie für sich die perfekte Kombination aus Wunscharbeitszeit und Wunschgehalt und versuchen Sie diese beiden so gut wie möglich unter einen Hut zu bringen. Das kann bedeuten, dass Sie sich tatsächlich bereits mit 55 in den Ruhestand verabschieden, dass Sie mit 40 Ihre Vollzeit- auf eine Teilzeitstelle reduzieren oder auch, dass Sie sich mit 35 selbstständig machen und als digitaler Nomade durch die Welt ziehen.

Lese-Tipp:Digitale Nomaden: Das Leben ist nicht immer eitel Sonnenschein

Hauptsache, Sie werden sich Ihrer langfristigen Wünsche bewusst und beginnen frühzeitig, Ihre Finanzen auf diese Ziele auszurichten. Wann Sie schlussendlich wirklich in (Früh-) Rente gehen können, hängt aber natürlich auch zu großen Teilen von der Vergütung in Ihrem Beruf beziehungsweise Ihrer Branche ab. Sind Sie damit dauerhaft unglücklich, könnten auch Weiterbildungen oder eine Umschulung für Sie der erste wichtige Schritt in Richtung „Rentenfreiheit“ sein.

Oder was denken Sie? Welches Renteneintrittsalter ist mit Disziplin und Planung realistisch? Haben Sie vielleicht selbst Ihre Arbeitszeit reduziert, sich selbstständig gemacht oder bereits in den Ruhestand verabschiedet? Welche Erfahrungen können Sie unseren Lesern diesbezüglich mit auf den Weg geben? Wir freuen uns auf Ihre Anregungen zum Thema in den Kommentaren!

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