Studie: Generation Y sehnt sich nach Selbstständigkeit

Als unschlüssige und unmotivierte Generation ist sie bekannt, wird spöttisch auch die „Generation Why“, „Generation Maybe“, „Generation beziehungsunfähig“ oder „Generation Praktikum“ bezeichnet – die Sprache ist von der Generation Y, welche derzeit so vielen Arbeitgebern Kopfzerbrechen bereitet. Doch sie ist viel besser als ihr Ruf. Die Generation Y ist nämlich vor allem eines, wie eine aktuelle Studie nun herausfand: selbstständig!

Inhalt
1. Generation Y: Die unentschlossene „Jugend von heute“
2. Die Generation X: Weniger ist mehr
3. Die Baby Boomers: Leben, um zu arbeiten
4. Wieso tun sich viele Arbeitgeber mit der Generation Y so schwer?
5. Die Generation Y sehnt sich nach Selbstständigkeit

Generation Y: Die unentschlossene „Jugend von heute“

Als Generation Y werden in der Regel die Jahrgänge zwischen 1980 und 1999 bezeichnet. Gerne werden ihre Mitglieder auch „Millenials“ oder „Digital Natives“ genannt, da sie im Zeichen der fortschreitenden Digitalisierung aufwuchsen und die erste Generation unter dem Einfluss moderner Medien, vor allem des Internets, darstellen. Dies mag mit einer der Gründe sein, weshalb die Generation Y sich in ihren Werten, Lebenseinstellungen und Zielen so grundlegend von ihren Eltern- und Großelterngenerationen unterscheidet. Die Generation Y ist nämlich vor allem durch

  • einen großen Wunsch nach Flexibilität,
  • das Streben nach einer ausgewogenen Work-Life-Balance,
  • die Bevorzugung des Privatlebens gegenüber dem Beruf,
  • den mangelnden Wunsch nach einer klassischen Karriere,
  • Patchwork-Lebensläufe und zahlreiche Jobwechsel,
  • Unentschlossenheit bezüglich ihres (beruflichen) Werdegangs,
  • große Sehnsucht nach Freiheit,
  • einen Drang zur Selbstverwirklichung,
  • die Suche nach einem Sinn in ihrer Arbeit und
  • das ständige Wissen um ihre Vergänglichkeit und dadurch das „Leben im Hier und Jetzt“ geprägt.

Damit steht die Generation Y in einem starken Kontrast zu den zwei vorangegangenen Generationen, der „Generation X“ und den sogenannten „Baby Boomers“.

Die Generation X: Weniger ist mehr

Die zwischen 1965 und 1980 Geborenen werden gemeinhin als die Generation X bezeichnet. Ganz gemäß dem Motto „arbeiten, um zu leben“ war in dieser Generation ein großes Streben nach beruflichem Erfolg erkennbar. Wer etwas auf sich hielt, machte Karriere – am besten mittels unbefristetem Arbeitsvertrag in der Großindustrie. Privat gestaltete sich das Leben ebenfalls eher spießbürgerlich als abenteuerlich: Ehe, Kinder, Eigenheim – die Generation X ist nicht gerade für Überraschungen berühmt. Ein Leben in finanzieller Absicherung, im Industriebeamtentum und privatem Glück, so ließe sich die Generation X wohl am besten beschreiben. Was langweilig klingt, scheint jedoch gut funktioniert zu haben. Sie ist bislang die Generation, welche scheinbar den perfekten Mix aus beruflichem Erfolg und privater Erfüllung gesucht und gefunden hat.

Die Baby Boomers: Leben, um zu arbeiten

Anders bei den sogenannten Baby Boomers. Für diese zwischen 1946 und 1964 Geborenen war die Arbeit das Wichtigste im Leben und nicht selten wurde alles, was nötig war, dafür aufgeopfert – selbst das erfüllte Familienglück oder sogar die eigene Gesundheit. „Leben, um zu arbeiten“ lautete das Motto der Baby Boomer Generation. Kein Wunder, schließlich wurden ihre Mitglieder in der Nachkriegszeit geboren und damit in einer Zeit, in der nicht wenige Familien ihren gesamten finanziellen Wohlstand sowie eventuell gleich mehrere Angehörige verloren hatten. Es war eine schmerzhafte, aber zuversichtliche Zeit. Die Baby Boomer Generation war die erste, welche den Begriff des „Workaholic“ hervorbrachte, und wohl auch diejenige, welche für unseren heutigen Wohlstand in Deutschland verantwortlich ist.

Wieso tun sich viele Arbeitgeber mit der Generation Y so schwer?

Deutsche Arbeitgeber sind durch diese Baby Boomers und die Generation X also ein wenig verwöhnt. Es handelte sich um pünktliche, fleißige, disziplinierte, hoch motivierte und ja, ein wenig „karrieregeile“, Arbeitnehmer. Nicht ohne Grund wird international von den berühmten „deutschen Tugenden“ gesprochen. In südländischen Kulturen können viele Unternehmen von solchen Angestellten nur träumen. Doch für die Arbeitgeber in Deutschland brechen durch den Berufseinstieg der Generation Y jetzt auch neue Zeiten an.

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Durch den Fachkräftemangel sind sie in vielen Branchen auf den jungen, gut ausgebildeten Nachwuchs angewiesen. Denn die Generation Y ist im Wohlstand und mit einer Bildung auf höchstem Niveau aufgewachsen. Doch weiß sie auch um ihren Wert und ihre gute Verhandlungsposition. Sie sucht nach einem Arbeitgeber, der ihr etwas bieten kann. Die Generation Y stellt (völlig neue) Ansprüche an einen Arbeitgeber und ist flexibel und mutig genug, notfalls auch ein Jobangebot abzulehnen. Patchwork-Lebensläufe sind in der Generation Y daher keine Seltenheit mehr.

Lese-Tipp:Ade unbefristeter Arbeitsvertrag – Hallo Patchwork-Karriere

Als Resultat müssen sich die Unternehmen im Kampf um die besten Arbeitskräfte plötzlich mehr anstrengen als noch vor wenigen Jahren. Zudem lässt sich die Generation Y nicht mehr (nur) mit materiellen Werten wie einem hohen Gehalt, einem Geschäftswagen oder hierarchischen Aufstiegschancen locken, sondern vor allem mit immateriellen Argumenten:

  • gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie
  • flache Hierarchien
  • flexible Arbeitszeitmodelle
  • selbstständiges Arbeiten
  • ausgewogene Work-Life-Balance
  • u. v. m.

In diesem Zuge nimmt die Bedeutung eines professionellen Employer Brandings stetig zu.

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Die Unternehmen müssen sich immer mehr den Ansprüchen der Generation Y fügen und können nicht mehr auf die angepassten und „einfachen“ Mitglieder der Baby Boomers oder Generation X zurückgreifen. Aus Arbeitgebersicht gelten die heutigen Zwanziger bis Mittdreißiger daher als „schwierig“, „faul“, „unentschlossen“ oder auch „unmotiviert“. Letzteres stimmt aber nicht einmal…

Die Generation Y sehnt sich nach Selbstständigkeit

…denn die Generation Y ist durchaus motiviert – nur verfolgt sie eben andere Ziele als ihre Eltern oder Großeltern. Eine aktuelle Umfrage der Hamburg Media School in Kooperation mit dem Netzwerk XING fand nämlich jetzt heraus, dass sich unglaubliche 44 Prozent der Befragten gerne früher oder später selbstständig machen würden. Sieben Prozent der Teilnehmer sind dies bereits. Das bedeutet: Über die Hälfte der jungen Generation Y sieht in der Selbstständigkeit das perfekte Arbeitsmodell für sich. Klar, kaum eines würde besser zu ihren Wünschen passen:

  • freie Zeiteinteilung
  • Vermischung von Berufs- und Privatleben
  • Flexibilität
  • Unabhängigkeit
  • keine Hierarchien
  • Selbstbestimmung
  • Selbstverwirklichung
  • bessere Work-Life-Balance

Gerade die neuen Möglichkeiten des digitalen Arbeitens sowie die durch das Internet entstandenen neuen Berufsbilder, wie „Blogger“ oder „Webdesigner“, machen die Selbstständigkeit für die Millenials immer einfacher und damit auch greifbarer. Das Lebensmodell der „digitalen Nomaden“ wird schon bald keine Ausnahme mehr sein, sondern Normalität.

Lese-Tipp:Digitales Arbeiten – Das Arbeitsmodell der Zukunft?

Das bedeutet: Solange sich die Arbeitgeber dagegen sträuben, sich an die neuen Anforderungen der Generation Y anzupassen, werden sie die dringend benötigten Fachkräfte nicht nur an die Konkurrenz, sondern zunehmend auch an die Selbstständigkeit „verlieren“. Die Generation Y könnte zur „Generation Unternehmertum“ werden. Doch es bleibt abzuwarten, wie viele der 44 Prozent ihre Pläne wirklich in die Tat umsetzen. Denn die „Generation Maybe“ genießt ja ebenfalls den Ruf, ihre Ziele gerne auf die lange Bank zu schieben – bis es zu spät ist. Entscheidungsfreude – das gehört nicht unbedingt zu den Stärken der Generation Y.

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Was denken Sie: Ist die Generation Y eine Generation voller zukünftiger Unternehmer? Oder wird auch sie sich früher oder später dem Druck fügen, „erwachsen“ werden und in die Fußstapfen der Baby Boomers und Generation X treten?

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