12.3.1 Geringfügig entlohnte Beschäftigungsverhältnisse – was man als Arbeitnehmer sonst noch wissen sollte

Minijobs sind für den Arbeitgeber preisgünstige Arbeitsverhältnisse und für den Arbeitnehmer steuer- und sozialversicherungsfrei, denn der bekommt sein Geld “brutto für netto”, so oder ähnlich wird gerne eine geringfügig entlohnte Beschäftigung umschrieben, sehr geehrte Leserinnen und Leser des Online-Seminars Lohn und Gehalt.

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Doch wie ist die genaue Rechtslage? Seit dem 1. Oktober 2005 verwaltet die Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See den Aufgabenbereich, der mit Minijobs im gewerblichen Bereich und in privaten Haushalten zu tun hat. Die Sitze der Minijob-Zentrale sind Essen, Gelsenkirchen und Cottbus. Sie ist deutschlandweit die zentrale Einzugs- und Meldestelle für alle geringfügigen Beschäftigungen. Zum ihren Aufgaben gehört neben dem Meldeverfahren zur Sozialversicherung und dem Einzug der Pauschalabgaben bei allen gewerblichen Minijobs auch die Durchführung des Haushaltsscheck-Verfahrens für Minijobs in Privathaushalten. Letzteres soll aber im Online-Seminar Lohn und Geahlt nicht Gegenstand der Betrachtung sein.

Vom Meldeverfahren zur Sozialversicherung ist dort zu lesen. (Was es damit auf sich hat und wie grundsätzlich die entsprechenden Meldungen erfolgen, werden wir den Leserinnen und Lesern des Online-Seminars im Rahmen praktischer Lohnabrechnungen über mehrere Monate hin in Form von Originalformularen in nächster Zukunft zeigen.) Mit dem “Einzug der Pauschalabgaben” sei die Minijob-Zentrale betraut. Doch wie hoch fallen diese aus? Grundsätzlich zahlt der Arbeitgeber zusätzlich zum Arbeitsentgelt von der Lohnsumme

– 15 % pauschal einen Beitrag zur Rentenversicherung
– 13 % pauschal einen Beitrag zur Krankenversicherung
– 2 % pauschale Lohnsteuer, die grundsätzlich auf den Arbeitnehmer abwälzbar ist, zusätzlich
Umlage 1: 0,70 %, Umlage 2: 0,14 % sowie eine Insolvenzgeldumlage ab dem 1. Januar 2013, deren Umlagesatz 0,15 % beträgt. Von der Insolvenzgelsumlage sind solche Arbeitgeber ausgenommen, die nicht “Pleite gehen” können, also z. B. Bund, Länder und Gemeinden oder sonstige juristische Personen des öffentlichen Rechts, wenn die Zahlungsfähigkeit durch Bund, Länder oder Gemeinden gesichert ist.

Rentenversicherungspflicht für Minijobber ab dem 01.01.2013

Wer ab dem 1. Januar 2013 ein geringfügig entlohntes Beschäftigungsverhältnis eingegangen ist, unterliegt der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung. Minijobber erwerben damit Ansprüche auf das volle Leistungspaket der Rentenversicherung mit vergleichsweise niedrigen eigenen Beiträgen.

Dazu ziteren wir für das Online-Seminar Lohn und Gehalt die entsprechenden Informationen der Minijob-Zentrale: Alternativ zur vollen Rentenversicherungspflicht können sich Minijobber von der Versicherungspflicht in der Rentenversicherung befreien lassen. Hierfür muss der Beschäftigte dem Arbeitgeber schriftlich mitteilen, dass er die Befreiung von der Versicherungspflicht wünscht. Dann entfällt der Eigenanteil des Minijobbers und nur der Arbeitgeber zahlt den Pauschalbeitrag zur Rentenversicherung. Hierdurch verlieren Minijobber, die nicht anderweitig der Versicherungspflicht in der Rentenversicherung unterliegen, die Ansprüche auf einen Großteil der Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung.

Wie eine solche Verzichtserklärung aussieht, die ein Minijobber von seinem Arbeitgeber vorgelegt bekommt, zeigen wir Ihnen an diesem Muster:

Antrag Befreiung Rentenversicherung (PDF)

Wer als Minijobber nicht auf die Versicherungsfreiheit verzichtet, zahlt demnach die Differenz zwischen der Arbeitgeberpauschale von 15 % zum vollen Beitrag in der Rentenversicherung von derzeit 18,9 % aus eigener Tasche. Bezogen auf maximal 450,00 € pro Monat beläuft sich der Arbeitnehmeranteil auf höchstens 17,55 €.

Geringfügig entlohnte Beschäftigungsverhältnisse, die vor dem 01.01.2013 aufgenommen worden waren und deren Arbeitsentgelt weiterhin maximal 400,00 € beträgt, sind auch ab dem 01.01.2013 versicherungsfrei in der Rentenversicherung, sofern der Arbeitnehmer nicht bereits damals eigene Beiträge zur Rentenversicherung geleistet hat.

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Weil wir uns beim Online-Seminar Lohn und Gehalt auf die wesentlichen Kernpunkte konzentrieren wollen, verweisen wir mit diesem Link auf die Webseite der Minijob-Zentrale, bei der sich jeder per Newsletter kostenfrei über Änderungen der Rechtslage usw. informieren lassen kann: http://www.minijob-zentrale.de/DE/0_Home/node.html

12.3.2 Praktische Abrechnungsbeispiele geringfügig entlohnter Beschäftigungsverhältnisse

Für die Mitarbeiterin Manuela Minijob haben wir die Lohnabrechnung für den Monat Januar erstellt. Sie hat insgesamt 40 Stunden gearbeitet – den 01. Januar als Feiertag haben wir deshalb unberücksichtigt gelassen, weil Frau Minijob mittwochs nicht für das Unternehmen tätig ist und an der Summe von 40 zu bezahlenden Stunden nichts ändern würde – bei einem Stundenlohn von 8,50 €. Weil Frau Minijob nicht auf die Rentenversicherungspflicht verzichtet hat, führt der Arbeitgeber die “fehlenden” 3,9 %, entsprechend 13,26 € als Eigenanteil zusätzlich an die Minijob-Zentrale ab.

Was Ihnen wie vermutlich den meisten Arbeitnehmern unbekannt ist, stellen wir im Rahmen des Online-Seminars Lohn und Gehalt gewissermaßen exklusiv vor, ein Lohnjournal nämlich. Ein solches Lohnjournal zeigt nicht nur die Beträge, die auf der Brutto-Nettolohnabrechnung des Arbeitnehmers erscheinen, sondern zusätzlich auch alle Beiträge des Arbeitgebers. Wir rechnen also einmal nach:

– 44,20 € entsprechen exakt 13 % pauschalem Krankenkassenbeitrag
– 51,00 € entsprechen ebenso exakt 15 % pauschalem Rentenversicherungsbeitrag
– 6,80 € ist der Betrag, der sich aus 2 % pauschaler Lohnsteuer bezogen auf 340,00 € errechnet und auch die Beträge zu den vorgenannten Umlagen sind korrekt ausgewiesen. Unsere Mitarbeiterin, die 340,00 € Lohn bekommt, kostet den Arbeitgeber demnach insgesamt 445,37 €. Setzt man beide Größen ins Verhältnis, sieht man, dass der Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung knapp 32 % beträgt.

Manuela Minijob mit RV ohne Feiertag Januar 2014 (PDF)

Lohnjournal (erweitert) Minijob Januar 2014 (PDF)

Ein Arbeitgeber möchte eine frei werdende Stelle statt mit einem in Vollzeit tätigen Arbeitnehmer wie z. B. Leo Lohn, bekannt aus unseren Musterabrechnungen, durch eine entsprechende Anzahl von Minijobbern ersetzen. Die Entgeltgrenze von 450,00 € pro Mitarbeiter und Monat darf nicht überschritten werden. Könnte das bei gleichem Netto-Stundenlohn, wie ihn Leo Lohn erzielt, für den Arbeitgeber von Vorteil sein? Wir werden eine Beispielabrechnung durchführen, um den Wahrheitsgehalt dieser Aussage zu überprüfen.

Zugrunde legen wir die Januarabrechnung aus Kap. 3.1. des Online-Seminars Lohn und Gehalt. Das dazugehörige Lohnjournal präsentieren wir Ihnen hier und entnehmen der Spalte ganz rechts, dass Leo Lohn, der 2.760,00 € Bruttoentgelt bezogen hat, Kosten von 3.372,03 € verursacht hat, etwa das 1,22-fache seines Bruttolohns.

Lohnjournal (erweitert) Leo Lohn Januar 2014 (PDF)

Das Nettoentgelt liegt bei ca. 9,49 € pro Stunde, natürlich in Abhängigkeit von der Steuerklasse des Mitarbeiters. Für den genannten Arbeitgeber wollen wir die Kosten ermitteln, die ihm entstehen, wenn 184 Arbeitstunden zu je 9,49 € mit Minijobbern abgedeckt werden. Der Minijobber bekommt also 9,49 € pro Stunde deshalb, damit er sich “nicht schlechter steht”!

Um die Geringfügigkeitsgrenze nicht zu überschreiten, darf der einzelne Mitarbeiter nicht mehr als 47 Stunden arbeiten, wobei für das Online-Seminar Lohn und Gehalt die nötige Flexiblität der Arbeitszeit unterstellt wird. Für den einen Vollzeitmitarbeiter müssten also etwa vier geringfügig Beschäftigte eingestellt werden. Die Werte projiziert auf die Mitarbeiterin Manuela Minijob, ergibt sich das folgende Bild:

Manuela Minijob mit RV ohne Feiertag Januar 2014 Vollzeitersatz (PDF)

Dazu zeigen wir Ihnen auch wieder das entsprechende Lohnjournal, bei dem der Arbeitgeberaufwand zur Vergleichbarkeit mit dem Lohnjournal aus der Abrechnung von Leo Lohn mit vier – weil vier Mitarbeiter benötigt werden – zu multiplizieren ist:

Lohnjournal (erweitert) Minijob Januar 2014 Vollzeitersatz (PDF)

Der Vergleich der Arbeitgeberaufwendungen in unserem Beispiel für das Online-Seminar Lohn und Gehalt zeigt deutlich, dass die Kosten der benötigten geringfügig Beschäftigten bei ansonsten vergleichbaren Parametern tatsächlich um etwa 1.000,00 € unter denen einer Vollzeitkraft liegen.

Sie als Leserinnen und Leser des Online-Seminars Lohn und Gehalt werden verstehen, dass sich der Autor bzw. der Betreiber der Seite Arbeits-ABC.de der Neutralität wegen weitestgehend persönlicher Wertungen enthalten. Nur, so viel sei an dieser Stelle angemerkt: Die heutigen betriebswirtschaftlichen Kostenvorteile, die ein Unternehmen – möglicherweise gezwungenermaßen – durch die Substitution regulärer Arbeitsplätze durch Arbeitsverhältnisse im Sektor geringfügiger Beschäftigungsverhältnisse erzielt, werden als zukünftige Kosten, etwa durch fehlende Einnahmen im Gesundheitsbereich oder bedingt durch Altersarmut, auf die gesamte Volkswirtschaft und damit auch auf die Unternehmen zurückfallen.

weiter: Die sozial- und steuerrechtlichen Besonderheiten bei kurzfristig Beschäftigten

>> Inhaltsverzeichnis Online-Seminar Lohn und Gehalt mit Musterabrechnungen <<
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2 Kommentare

  1. “…Ansprüche auf das VOLLE Leistungspaket der Rentenversicherung…” Aus welchem Parteiprogramm wurde das denn abgeschrieben? 😉

  2. Man Dy

    Was genießen eig. Menschen die noch voll arbeiten gehen, aber trotzdem nen Hungerlohn erhalten ????? Doppelte Bepunktung oder was??? eine traurige wirtschaftliche Entwicklung im tollen Deutschland. Ich kenne Unternehmen, da werden mittlerweile 3 Minijobber auf eine Vollzeitstelle gesetzt, geschürt durch solche Gesetze. Diese Menschen sind sicher froh überhaupt Arbeit zu haben, bekommen sogar im Gesamten gesehen das gleiche im Monat
    (Amts- Aufstockung) wie ich heraus. Da fragt man sich warum man da selbst noch 40h ackert, vergleichsweise zu dieser Darstellung wie oben geschrieben. Ich zahle voll Hort- & Essenkosten sowie auch teils Fahrtkosten meiner Kinder, da ich ja normal arbeiten gehe, bei oben genanntem Verdienstmodell wäre ich freigestellt durch den Staat. Was bitte ist da nur falsch gelaufen???
    Menschen die ihr Geld selbst verdienen, schieben ihre Kinder in Fremdbetreuung und sind im Alter fertig im Kreuz.
    Die, die sich das andere “Modell” aussuchen, werden auch noch belohnt mit gleicher Rentenbepunktung, paaaaah… hoch lebe die deutsche Wirtschaft

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