Gehälter: Diese Jobs lohnen sich auch ohne Studium

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Wir wachsen in einer Gesellschaft auf, in der einem schon früh klargemacht wird, dass wir für einen gut bezahlten Job studieren müssen. Und selbst dann haben wir noch lange keine Garantie. Schließlich sei der Arbeitsmarkt total überlaufen und Konkurrenz hoch. Wer hat heutzutage nicht mindestens Abitur, einen Bachelor- oder Masterabschluss oder sogar einen Doktortitel? Was also sollte uns denken lassen, wir könnten einen gut bezahlten Job finden wenn wir „nur“ eine Ausbildung haben, oder nicht einmal das? Ein Fehlschluss – zum Glück.

Der Mangel an Fachkräften macht sich breit, der Kindermangel wird bemerkbar und die Arbeitgeber müssen umdenken. Während es in anderen Ländern, sagen wir einmal der Schweiz, schon lange gang und gäbe ist, dass vor allem soziale oder technische Ausbildungsberufe mitunter sehr gut bezahlt werden, ist das in vielen Bereichen in Deutschland leider noch nicht der Fall. Doch das wird immer mehr kommen. Und schon jetzt gibt es vielerlei Ausnahmen. Wenn Sie also damit liebäugeln die akademische Laufbahn zu verschmähen und lieber eine Ausbildung zu machen, so lassen Sie sich von uns einige Berufe vorschlagen.

Inhalt:
1) Vorwort: Geht es wirklich immer nur ums Geld?
2) Industriemeister in der Metallindustrie
3) REFA-Techniker
4) Mechatroniker
5) Staatlich geprüfter Techniker
6) Technischer Produktdesigner und Systemplaner
7) Maurer
8) Steuerberater
9) Versicherungskaufmann oder -frau
10) Sekretärin für den Vorstand
11) Laborleitung
12) Pilot
13) Fluglotse
14) Binnenschiffer

Vorwort: Geht es wirklich immer nur ums Geld?

Doch zuerst einmal muss Folgendes klargestellt werden: Wir wollen Ihnen hier nicht erzählen, Geld sei bei der Arbeitswahl der wichtigste Faktor. Im Gegenteil: Wenn Ihr Traumberuf Sie glücklich macht haben Sie weitaus mehr gewonnen, als durch finanziellen Reichtum. Dennoch leben wir in einer Neidgesellschaft, in der die meisten jungen Berufseinstiger von einer Karriere und hohen Gehältern träumen. Wenn Sie beides vereinen können haben Sie im wahrsten Sinne des Wortes das große Los gezogen. Sollte es aber bei der Berufswahl zurzeit noch hapern, dann könnten Ihnen folgende Vorschläge vielleicht einen Wink in die richtige Richtung geben.

Industriemeister in der Metallindustrie

Klar können Sie nicht von heute auf morgen Industriemeister werden. Aber es ist ein durchaus realistisches Ziel, das auch ohne ein Studium realisierbar ist. Alles was Sie brauchen ist laut IHK eine Aufstiegsfortbildung nachdem Sie eine erfolgreiche Ausbildung abgeschlossen und einige Jahre Praxiserfahrung gesammelt haben. Ein Meister kann dann im übertragenen Sinne als Führungskraft des unteren bis mittleren Managements angesehen werden. Dementsprechend steigt auch das Gehalt: auf etwa 3.100 bis 5.000 Euro brutto monatlich. Was Sie dafür tun müssen? Für reibungslose Produktionsabläufe sorgen, Lehrlinge ausbilden und Ihre Mitarbeiter zuverlässig anleiten.

REFA-Techniker

Bleiben wir in den technischen Bereichen: Als REFA-Techniker verdienen Sie bis zu 4.014 Euro brutto im Monat. Was aber verbirgt sich hinter dieser Berufsbezeichnung, die Ihnen gut und gerne einmal mehr als das Doppelte des Gehalts eines Facharbeiters oder Gesellen einbringt? Eine leider relativ teure aber offensichtlich lohnenswerte Weiterbildung, die auf eine erfolgreich abgeschlossene Berufsausbildung aufsetzt. Anschließend werden Sie für komplexe Arbeitsprozesse Ihres Betriebes verantwortlich sein, diese stetig kontrollieren, planen und optimieren.

Mechatroniker

Das klingt Ihnen bisher alles noch zu langweilig? Der Beruf des Mechatronikers gilt als einer der abwechslungsreichsten im technischen Sektor. Schließlich ist die Elektronik mittlerweile in praktisch jedem Alltagshelferlein zu finden, muss gewartet, repariert, entwickelt oder verbaut werden. Da wird sogar die dreieinhalbjährige Ausbildung bereits mit bis zu 1.000 Euro pro Monat bezahlt. Zwar steigt dieses Gehalt zu Beginn meist auf gerade einmal 2.100 Euro an, doch die Aufstiegschancen gestalten sich für einen Mechatroniker vielfältig und um Ihre Zukunft müssen Sie sich in dieser Sparte auch keine Sorgen machen. Durch Fort- und Weiterbildung sind Sie zudem in der Lage sich auf ein Fachgebiet zu spezialisieren und gleichzeitig einen besseren Verdienst zu erzielen. Manchmal bis zu 5.000 Euro brutto.

Staatlich geprüfter Techniker

Na gut, der letzte technische Beruf in dieser Reihe…versprochen! Es handelt sich wieder um eine Fortbildung. Je nach Richtung können Sie diese auf Ihre Ausbildung aufsetzen und dadurch vor allem im Maschinenbau- und Elektrotechnikbereich gute Gehälter erwarten, bis zu geschätzten 3.484 Euro im Monat. Leicht gemacht wird Ihnen das während der sage und schreibe zweijährigen Weiterbildung aber nicht.

Technischer Produktdesigner und Systemplaner

Klingt technisch, ist es aber nicht. Beziehungsweise nur zum Teil. Eigentlich handelt es sich um die im Jahr 2011 umbenannte Ausbildung zum technischen Zeichner. Ein moderner Beruf, der als rechte Hand eines Ingenieurs oder Architekten dessen Ideen auf Papier bringt und die Pläne skizziert. Damit ist der technische Produktdesigner einer der wenigen kreativen Berufe, bei denen mit Sicherheit mit einem guten Einkommen gerechnet werden kann. Nachdem in der Ausbildung bis zu 1.000 Euro im Monat auf das Konto rieseln, hängt der anschließende Verdienst stark von der Spezialisierung ab. Mit Weiterbildungen und einigen Jahren Berufserfahrung kommen Sie schon mal auf bis zu 5.000 Euro im Monat.

Maurer

Ja, Sie haben richtig gelesen. Der gute alte klassische Maurer-Beruf kann sich bis heute mit einem Gehalt von bis zu 4.000 Euro im Monat durchsetzen. Während in der Ausbildung etwa 550 bis 1.230 Euro bezahlt werden, liegen die Einstiegsgehälter im Bereich um die 2.700 Euro, abhängig vom Bundesland. Ein Beruf, den Sie mit Sicherheit lange ausüben können wenn Sie harte Arbeit nicht scheuen und gerne an der frischen Luft sind. Denn bauen werden die Menschen immer. Wie aber kommen Sie auf die 4.000 Euro? Wieder einmal sind hier Fleiß, Weiterbildungen und ein Meisterschein der Schlüssel zum Erfolg.

Steuerberater

Nun der Sprung zu einer ganz anderen Sparte. Den Beruf des Steuerberaters können Sie zwar studieren, müssen Sie aber nicht. Es gibt auch vielfältige Wege der Aus- und Weiterbildung um Ihr Examen zu erreichen. Und das lohnt sich: 50.000 bis 70.000 Euro im Jahr werden für einen 30- bis 35-jährigen Steuerberater geschätzt. Die meisten davon sind selbstständig. Das bringt weitere Vorteile mit sich. Wenn Sie den Schritt in die Selbstständigkeit wagen möchten liegen Sie mit dem Steuerberater nicht daneben. Sie müssen allerdings eine gewisse Vorliebe für Zahlen mitbringen und dürfen sich auch vor direktem Kundenkontakt nicht scheuen.

Versicherungskaufmann oder –frau

Eine Tätigkeit, der ihr schlechter Ruf oftmals vorauseilt, die aber durchaus lohnenswert sein kann. Bei einer seriösen Ausbildung hat der Beruf des Versicherungskaufmannes oder der Versicherungskauffrau nicht mit einem „schmierigen von Tür zu Tür wandern und den Menschen zwielichtige Versicherungen andrehen wollen“ zu tun. Im Gegenteil: Als Fachmann für Versicherungen und Finanzen profitieren Sie nicht nur von einem entspannten Arbeitsalltag im Büro, Sie können bei einer Ausbildung als Fach- oder Betriebswirt auch zum gefragten Helferlein für Kunden werden. Und dementsprechend Ihren Verdienst aufpeppen. Nach einem Ausbildungsgehalt von immerhin 1.000 Euro im Monat kommen Sie so auf einen Durchschnittslohn von 5.500 Euro brutto. Und das schon nach fünf Jahren.

Sekretärin für den Vorstand

Büro ja, Versicherungen nein? Keine Sorge, hier gibt es noch weitere Möglichkeiten. Ein vor allem bei Frauen beliebter Job ist der der Sekretärin. Und wenn Sie ein entsprechend hohes Tier bei seiner täglichen Arbeit unterstützen können schnell einmal bis zu 5.000 Euro im Monat dabei herausspringen. Schließlich ist die Arbeit im Vorzimmer des Chefs alles andere als einfach und wird oftmals schmunzelnd unterschätzt. Ein durchaus interessanter Beruf mit tollen Aufstiegschancen.

Laborleitung

Sie sind total verrückt nach Chemie? Arbeiten gerne hautnah an Ihrem Projekt und lieben es, die Flüssigkeiten ineinander zu mischen oder neue Produkte chemisch zu testen? Dann unterschätzen Sie nicht den Beruf eines Chemielaboranten. Weitaus weniger anstrengend als das oftmals kritisierte Chemiestudium können Sie hier ähnlich hohe Löhne erlangen. Je nach Unternehmen und Bundesland steigen Sie mit bis zu 2.850 Euro ein. Aber damit ist es noch lange nicht vorbei. Stichwort „Weiterbildung“: Durch verschiedenste Fortbildungen zum Betriebs- oder Fachwirt oder einem Industriemeister im Bereich Chemie klettern Sie schnell die Karriereleiter nach oben. Wenn Sie es sogar zum Laborleiter schaffen kommen Sie auf durchschnittliche 3.600 Euro im Monat, mit starken Unterschieden zwischen den einzelnen Bundesländern. Während Sie in Hessen auch einmal 4.400 Euro erhalten, müssen Sie sich in Berlin leider mit 2.900 Euro zufrieden geben. Als Laborleiter sollten Sie also möglichst ortsunabhängig sein und womöglich einen Umzug in Betracht ziehen. Lohnen würde es sich allemal!

Pilot

A propos ortsunabhängig: Schon immer davon geträumt sich die Welt von oben anzusehen, die Straßen der Lüfte zu entdecken und exotische Länder zu bereisen? Pilot ist der Traum vieler Berufseinsteiger, doch die meisten scheitern an den harten Zulassungsvoraussetzungen. Denn sie sind für viele Menschen verantwortlich, müssen Nervenstärke beweisen und von allerbester Gesundheit sein. Geschafft? Dann können Sie mit Ihrem Traumberuf den ein oder anderen Akademiker neidisch machen. Zwischen 8.000 und 15.000 Euro bringen Piloten pro Monat von ihren Touren wieder mit nach Hause. Je nach Fluggesellschaft und Berufserfahrung. Und bis dahin werden Sie auch in Ihrer Ausbildung schon relativ verwöhnt, zumindest was das Finanzielle angeht. Als Co-Pilot erhalten Sie bereits im ersten Berufsjahr durchschnittliche 5.000 Euro. Doch einen Haken hat die Sache: Die Ausbildung zum Piloten wird nicht übernommen und muss aus eigenen Mitteln finanziert werden. Bei 60.000 bis 70.000 Euro Kosten starten die meisten Piloten mit einem Berg an Schulden in ihren neuen Traumberuf. Viele Unternehmen bieten ihren Auszubildenden an diese Kosten vorzufinanzieren. Sie werden anschließend monatlich von Ihrem Gehalt wieder abgezogen. Lohnenswert ist der Beruf des Piloten trotzdem. Und ein Traum für viele unter uns.

Fluglotse

Doch der Flughafen bietet auch tolle Jobs für diejenigen unter Ihnen, die unter Höhenangst leider oder doch lieber jeden Abend pünktlich wieder zuhause sind. Fluglotsen tragen eine ähnlich hohe Verantwortung und werden dementsprechend bezahlt. Anders als bei den Piloten wird die Ausbildung voll finanziert und bereits im dritten Lehrjahr mit bis zu 4.800 Euro monatlich bezahlt. Rekord unter den Ausbildungslöhnen. Und dann? Rechnen Sie mit 6.000 bis 8.000 Euro zu Beginn, steigend mit der Zeit der Berufserfahrung. Einer der vielen Gründe weshalb die Ausbildung zu den beliebtesten Deutschlands gehört und jedes Jahr von Bewerbern geradezu überrannt wird. Den Abschluss schaffen die Wenigsten. Aber wenn, dann haben Sie einen echten Traumjob ergattert. Einen Versuch ist es wert!

Binnenschiffer

Mit dem Fliegen können Sie nicht so viel anfangen? Ihr Herz gehört dem Wasser und Sie möchten die Tradition der Matrosen fortsetzen? Als Binnenschiffer durchlaufen Sie eine duale Ausbildung, die bereits mit etwa 988 Euro vergütet ist. Anschließend steigen Sie mit etwa 2.500 Euro brutto ein. Aber das Ziel ist natürlich immer eines: Kapitän. Wer will das nicht? Und das Sahnehäubchen: 4.000 Euro brutto monatlich. Ahoi!

Beitrag von

Mirijam Franke

Mirijam Franke ist freiberufliche Texterin und Autorin. Die studierte Medienwirtschaftlerin aus Friedrichshafen am schönen Bodensee stieg nach ihrem Abitur bereits im zarten Alter von 18 Jahren als Lektorin in der Industrie ein. Seit Oktober 2014 unterstützt sie unser Team von Arbeits ABC mit Textbeiträgen und Ratgebern rund um die Arbeitswelt.

6 Kommentare

  1. Quirin White am

    Das Schlimme ist ja: da diese These immer noch in die Köpfen rumspukt, werden Schüler ins Gymnasium geprügelt, die beim besten Willen dort nix zu suchen haben. Dadurch leidet die Qualität der ganzen Klasse drunter – dies wiederum führt zu Problemen beim Übertritt in die BA / Uni oder was auch immer. Es ist einfach unnötig, dass jeder auf’s Gymnasium geht, es ist einfach unnötig, dass sich jeder einbildet, studieren zu müssen…

  2. Jens Perkiewicz am

    Ja klasse. Laborleitung ohne Studium. Die Fälle, in denen eine duale Ausbildung in die Leitung eines kleinen Labors mündet dürften die absoluten Raritäten sein. In der Regel wird sogar die Promotion zum Dr.rer.nat. als Eingangsvoraussetzung verbindlich gemacht. Bitte Geschriebenes mit Realität abgleichen.

  3. Dennis Stachel am

    Irreführender Beitrag. Allein zum Thema Pilot hätte sich der Autor einmal die Anforderungen ansehen können.

  4. Gerhard Glaser am

    Wie schon einige Kommentstoren geschrieben haben, ist vieles in diesem “Bericht” schlecht recherchiert. Und ob 4.000 € (Maurer) als gut zu bezeichnen sind, stelle ich in Frage. Dieser Betrag ist bei vielen Studienabgängern das Einstiegsgehalt. Natürlich gibt es Ausnahmen und es gibt Nicht-Akademiker, die hohe Gehälter beziehen – aber es ist halt nicht die Regel. Ich halte eine umgekehrte Argumentation für richtig: besser den Master, als den Bachelor machen!

  5. Grad auch der Absatz zum technischen Produktdesigner und Systemplaner gehört eher ins Land der Träume. Zwar mag das in Einzelfällen sicherlich mal vorkommen, aber der technische Produktdesigner ist leider ausgestorben. Längst hat das Studium “Produktdesign/Industrial Design” diese Bereiche abgedeckt. Denn auch hier gilt es, die Schwerpunkte zu beachten und zu wählen. Die meisten Industrial Designer sind bereits nach Bachelor besser und umfangreicher ausgebildet als der entsprechende Lehrberuf. Bei Gehaltsfragen sieht es beidseitig mies aus: Viele Produktdesigner unterbieten sich gegenseitig und somit liegt der Bruttolohn realistisch lange zeit bei ca. 28 000-35 000€ (im Jahr). Bei Materabsolventen sieht es nicht anders aus. Natürlich verdient ein Teamleiter oder Creative Director mehr…aber wie viele gibt es davon? Bei Agenturen regiert längt der Sparkurs, einzig größere Firmen können sich im hausinternen Designbetrieb größere Gehälter leisten (allem voran Automobildesign).
    Auch der Systemplaner ringt um seine Existenzberechtigung, wenn Ingenieurstudiengänge eine Vielzahl der Einsatzbereiche abdecken können. Auch Ingenieure belegen Designseminare, sowie andersherum auch.

    Bei all den Floskeln sieht die Realität meist anders aus. Der Artikel hier reicht vielleicht für eine Stammtischdiskussion, um seine Kinder anschließen ahnungslos in einen Beruf zu treiben…zu mehr reicht es dann leider nicht.

  6. Also was hier eingangs behauptet wird, stimmt in vielen Fällen schon mal gar nicht !
    Zum einen ist es heute völlig egal, ob man eine akademische oder eine handwerkliche Ausbildung hat. Viele Akademiker üben heute (nach ihrem Master) einen Lakaienjob aus.
    Der angebliche Fachkräftemangel wurde von mir über ein ganzes Jahr untersucht und das Ergebnis habe ich jetzt in dem neuen Buch veröffentlicht.

    “Fachkräftemangel in Deutschland ?
    Ein Lügenmärchen der Politik und der Wirtschaft !”

    Abschließend noch eine Sache zur Schulbildung. Mir sind Abiturienten bekannt, die noch nicht einmal einen “Dreisatz” beherrschen. Ein Hauptschüler dagegen kann das aber.
    Soviel zum Thema “gute Schulbildung”

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