Konfliktpotential: Hilfe, mein Chef ist ein Jungspund

Chefs und unmittelbare Vorgesetzte genießen in aller Regel das Vertrauen und den Respekt der Mitarbeiter. Doch was, wenn er (oder sie) deutlich jünger ist als man selbst? In Zeiten, in denen die Young Professionals und Digital Natives den Arbeitsmarkt erobern und auch immer mehr Führungspositionen einnehmen, ist dieses Szenario vom älteren Mitarbeiter und dem jüngeren Chef längst keine Seltenheit mehr. Das Problem: Wie so oft, wenn zwei Generationen mit unterschiedlichen Ansichten aufeinandertreffen, gibt es reichlich Konfliktpotential. In diesem Beitrag verraten wir Ihnen, wie Sie mit einem Chef umgehen, der deutlich jünger ist als Sie.

Inhalt
1. Alter Hase versus Jungspund
2. So klappt es mit dem jüngeren Chef
3. Auch der Junior Chef steht in der Pflicht

Alter Hase versus Jungspund

Ehe wir Sie mit hilfreichen Tipps versorgen, wollen wir zunächst einmal klären, warum die Konstellation Junger Chef – älterer Mitarbeiter überhaupt so explosiv ist. Es geht hierbei in erster Linie um den Faktor Erfahrung. Viele Mitarbeiter können auf eine langjährige Karriere in einem Unternehmen zurückblicken und dementsprechendes Wissen und reichlich Erfahrungswerte vorweisen. Sie sind alte Hasen und genießen diesen Status auch. Kommt nun ein „Jungspund“ um die Ecke, der auch noch zum neuen Vorgesetzten wird, verschärft sich die Situation augenblicklich. „Was will der mir denn erklären, der ist doch gerade erst mit der Uni fertig?“ oder „Na da bin ich ja mal gespannt, der ist ja noch grün hinter den Ohren.“ sind typische Gedanken, die bereits erste Konflikte prophezeien. In den Augen langjähriger Mitarbeiter fehlt es den jungen Chefs schlicht und einfach an Erfahrung. Sie werden weniger ernstgenommen und erhalten auch nicht den nötigen Respekt.

Info: Nicht nur für Sie als Mitarbeiter ist diese Situation schwierig. Auch der junge Chef muss sich erst einmal an die ungewohnte Konstellation gewöhnen und jeden Tag kämpfen, um von seinen Mitarbeitern anerkannt zu werden.

Ein weiterer Streit- und Reibepunkt sind die unterschiedlichen Meinungen in vielen Situationen. Während der alte Hase den über Jahre hinweg erprobten Weg gehen will, probieren Young Professionals gern neue Optionen aus – immer darum bemüht, noch effektiver zu arbeiten und das Ziel noch schneller zu erreichen.

Schlussendlich stößt auch der oftmals lockere Führungsstil der Junior Chefs bei vielen älteren Angestellten auf Unverständnis, Irritation und auch Verärgerung. Die Einführung des kategorischen „Du“, flache Hierarchien, fast schon freundschaftliche Aktivitäten nach Feierabend? Nicht jeder Arbeitnehmer freut sich über solche Aussichten.

Fassen wir also noch einmal zusammen. Die drei größten Konfliktpotentiale zwischen den Generationen sind:

  • unterschiedliche Erfahrungsgrade
  • unterschiedliche Ansichten
  • unterschiedliche Auffassung eines guten Führungsstils

So klappt es mit dem jüngeren Chef

Ihr neuer Chef ist deutlich jünger als Sie und Sie bemerken schon nach kurzer Zeit, dass es zu Reibereien kommen könnte? Die folgenden Tipps helfen dabei, das Konfliktpotential zu minimieren und das Betriebsklima zu retten.

Tipp #1: Fähigkeiten des Junior Chefs anerkennen

Behauptungen, die darauf abzielen, Ihrem neuen Chef mangelnde Kompetenz zu unterstellen, sollten stets mit Vorsicht genossen werden. Dass der junge Vorgesetzte noch nicht so lange wie Sie arbeitet, heißt nicht automatisch, dass er nicht die benötigten Fähigkeiten aufweist. Ganz im Gegenteil: Die Führungsetage wird ihn nicht auf Verdacht eingestellt, sondern ganz bewusst ausgewählt haben – weil er durch fachliche Kompetenz, innovative Ideen und die nötigen Soft Skills brillieren konnte. Man muss einfach neidlos anerkennen, dass viele Young Professionals extrem ambitioniert sind und viele neue Impulse für das Unternehmen mitbringen. Darauf kommt es den Betrieben an und deswegen stehen Junior Chefs gerade auch so hoch im Kurs.

Merke:

  • Young Professionals weisen meist umfassende Qualifikationen auf
  • Sie setzen neue Impulse und sind daher sehr wertvoll für Unternehmen
  • Selten wird eine Führungsposition grundlos besetzt

Tipp #2: Sich für Neues öffnen

Haben Sie schon einmal daran gedacht, dass ein Chef, der jünger ist, auch durchaus Chancen und Potentiale für Sie mitbringen kann. So unvorstellbar es vielleicht klingen mag, aber: Sie können durchaus etwas von Ihrem neuen Vorgesetzten lernen. Verschließen Sie sich nicht vor dieser Option, sondern öffnen Sie sich für Neues. Wenn es Ihr Vorgesetzter genauso handhabt, kann eine überaus fruchtbare Zusammenarbeit entstehen, von der alle Beteiligten profitieren.

Merke:

  • Neues ist nicht automatisch schlecht
  • Auch nach vielen Jahren Berufserfahrung können Sie noch dazulernen
  • Sehen Sie die Situation als Chance der persönlichen Weiterentwicklung
  • Ihre Lernbereitschaft signalisiert dem Junior Chef Respekt und Akzeptanz
  • Im besten Fall beruht die Offenheit auf Gegenseitigkeit

Tipp #3: Den eigenen Frust nicht auf andere übertragen

Hand aufs Herz: Hat Ihr Groll gegenüber dem jungen Chef eventuell auch ein ganz kleines bisschen mit Ihrem persönlichen Karriereweg zu tun? Hätten Sie sich in dessen Alter vielleicht auch eine so hohe Position gewünscht? Stellt sich einfach nur Ihr Stolz quer, wenn es darum geht, den Anweisungen eines jüngeren zu folgen? Im Beruf ist einfach kein Platz für solche persönlichen Querelen. Hier wird Professionalität gefordert – und das bedeutet eben auch, den privaten Frust nicht auf eine andere Person zu übertragen. Geben Sie dem neuen Chef eine Chance und lehnen Sie ihn nicht von vornherein ab.

Merke:

  • Persönlicher Groll hat nichts im Beruf zu suchen
  • Jeder Karriereweg verläuft anders
  • Beweisen Sie Professionalität, indem Sie den jüngeren Chef akzeptieren

Tipp #4: Sich in Zurückhaltung üben

Jeder Mensch trägt eine gewisse Impulsivität in sich. Aus dem einen bricht sie häufiger heraus, aus dem anderen eher selten. Wenn Sie zur ersten Gruppe gehören und Schwierigkeiten haben, Ihren jüngeren Chef zu akzeptieren, werden Sie sicherlich oft verleitet sein, ihm zu widersprechen und mit „gutgemeinten“ Ratschlägen zu versorgen. Jetzt mal ganz ehrlich: Zuarbeiten dieser Art sind keine Nettigkeit, sondern die reinste Torpedierung seiner Autorität. Indem Sie den Vorgesetzten immer wieder darauf hinweisen, wie er es besser machen könne, untergraben Sie seine Kompetenz und Entscheidungsfähigkeit. Unsere ausdrückliche Empfehlung lautet daher: Üben Sie sich in Zurückhaltung und stellen Sie nicht jede Handlung des jungen Chefs sofort infrage. Wenn dieser seine Aufgabe ernst nimmt und ebenfalls um ein angenehmes Betriebsklima bemüht ist, wird er auf Sie zukommen, wenn er einen Ratschlag oder eine Meinung benötigt.

Merke:

  • Permanentes Widersprechen und Ratschläge untergraben die Autorität des Vorgesetzten und schädigt das Betriebsklima
  • Der Junior Chef wird auf Sie zukommen, wenn er Hilfe benötigt

Tipp #5: Ein Vier-Augen-Gespräch suchen

Kein Vorgesetzter der Welt darf von vornherein davon ausgehen, von allen Mitarbeitern akzeptiert zu werden. Es ist also Ihr gutes Recht, Bedenken zu äußern und erst einmal skeptisch zu sein. Wichtig ist, dass Sie Ihrem Unmut nicht im Kreise der kompletten Belegschaft Luft machen, sondern ganz gezielt das Gespräch zu Ihrem Chef suchen. Ein Vier-Augen-Gespräch baut nicht nur Distanz ab, sondern gibt auch beiden Parteien die Möglichkeit, sich alle Bedenken und Vorurteile von der Seele zu reden. Gerne können Sie diese Situation auch nutzen, um dem neuen Vorgesetzten Ihre Hilfe in Form von Ratschlägen anzubieten. Erwarten Sie hinterher jedoch nicht, dass dieser das Angebot auch annimmt.

Merke:

  • Öffentliche Zweifel und Rebellionen sind nicht angebracht
  • Ein vertrauliches Gespräch bietet allen die Möglichkeit, sich zu positionieren und Vorurteile abzubauen

Auch der Junior Chef steht in der Pflicht

Abschließend muss eines unbedingt noch erwähnt werden. Sie allein sind natürlich nicht dafür verantwortlich, dass die Zusammenarbeit zwischen jungem Vorgesetzten und älteren Mitarbeitern funktioniert. Auch die andere Seite – sprich: Ihr neuer Chef – ist dazu verpflichtet, die Konfliktpotentiale aktiv abzubauen. Legt er beispielsweise ein offenes und transparentes Auftreten an den Tag, wird es Ihnen vermutlich leichter fallen, mit Ihm ins Gespräch zu kommen und Vorurteile abzulegen. Darüber hinaus sollte der Respekt stets wechselseitig sein. Wenn er die Arbeit seiner Angestellten nicht wertschätzt und respektiert, wird es der Junior Chef sehr schwer haben, sich langfristig durchzusetzen.

Wir sind gespannt auf Ihre Erfahrungen. Haben Sie einen Chef, der jünger ist als Sie? Wie schaffen Sie es, mit dieser komplizierten Situation umzugehen? Oder sind Sie vielleicht eine Führungsperson, die sich den Respekt der älteren Belegschaft erst einmal erarbeiten musste? Auch diese Sichtweise würde uns sehr interessieren. Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.

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