In welchen Berufen gibt es die meisten stressbedingten Ausfälle?

Berufsgruppen mit den meisten stressbedingten AusfällenDie Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) hat 2001 in Kooperation mit der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) eine Studie zum Thema „Arbeitsbedingungen und Stressbelastungen“ durchgeführt. Danach sind vor allem Berufsgruppen aus dem Sozial- und Gesundheitsbereich in überdurchschnittlichem Ausmaß von Stress betroffen: Die Angehörigen dieser Berufsgruppen leiden im Vergleich zu anderen Gruppen deutlich häufiger an psychosomatischen Beschwerden (z. B. Ruhelosigkeit, Erschöpfung, Nacken- und Rückenschmerzen), fehlen wesentlich öfter krankheitsbedingt am Arbeitsplatz oder werden deshalb sogar berufs- oder erwerbsunfähig.

Besonders stark betroffen sind nach der Studie unter anderem folgende Berufsgruppen:

• Sozialarbeiter/innen sind tagtäglich mit den Problemen ihrer Klienten konfrontiert (z. B. Gewalt, sexueller Missbrauch, Drogen- und Alkoholsucht). Gleichzeitig werden aber aufgrund von Stellenkürzungen immer mehr Anforderungen an die Berufstätigen gestellt (z. B. unregelmäßige Arbeitszeiten, Bereitschaft zu Wochenendarbeit).

• Erzieher/innen müssen sich häufig in Konfliktsituationen bewähren, vor allem in der Arbeit mit verhaltensauffälligen Kindern, zu großen Kindergruppen oder schwierigen Eltern. Auch die Lärmbelastung während der Arbeit (z. B. schreiende Kinder) trägt zum erhöhten Stressempfinden bei.

• Lehrer/innen klagen insbesondere über die permanente „Dreifachbelastung“, den unterschiedlichen Anforderungen von (teilweise problematischen) Schülern, Eltern sowie Kollegen und Schulleitung gerecht werden zu müssen. Hinzu kommt häufig eine ungünstige Arbeitsumgebung (v. a. Ausstattung der Unterrichtsräume).

• Altenpfleger/innen sind zum einen dem wachsenden Wettbewerbsdruck unter Altenpflegeeinrichtungen ausgesetzt. Durch Personaleinsparungen müssen sie immer mehr körperlich anstrengende Aufgaben in kürzerer Zeit erledigen (z. B. Umbetten und Waschen von Bewohnern). Zum anderen sind Altenpfleger/innen ständig mit dem Leiden von Heimbewohnern und Angehörigen sowie Todesfällen konfrontiert.

• Krankenhauspersonal ist meist ebenfalls starken körperlichen und psychischen Belastungen ausgesetzt (z. B. schweres Heben, Umgang mit Krankheit und Tod). Tagtäglich müssen zahlreiche Patienten und Notfälle versorgt werden, vielfach fehlt aber aus Kostengründen das Personal. Ärzte und Pflegekräfte müssen deshalb häufig Sonderschichten einlegen und unter Termindruck viele Arbeiten gleichzeitig erledigen (z. B. Patientenbetreuung vs. Verwaltungstätigkeiten).

• Köche / Köchinnen beklagen häufig ihre langen Arbeitszeiten (bis zu 16 Stunden täglich), Wochenend- und Feiertagsarbeit, die körperlich einseitige Arbeit im Stehen und die permanente Hitze-, Geruchs- und Lärmeinwirkung. Besonders in Großküchen kann die Koordination im Team unter Zeitdruck schnell zu Konflikten führen.

• Hilfsarbeiter/innen arbeiten meist unter sehr ungünstigen Arbeitsbedingungen. Dazu gehören je nach Tätigkeit beispielsweise wechselnde Wetterbedingungen, Rauch-, Staub-, Geruchs- oder Lärmbelästigung, Tragen schwerer Lasten, Akkordarbeit oder monotone Fließbandtätigkeiten sowie Nacht- und Schichtarbeit.

• Raumpfleger/innen sind ständig in Bewegung und dabei vor allem einseitigen körperlichen Belastungen ausgesetzt. Unregelmäßige Arbeitszeiten, mangelnde Unterstützung durch Vorgesetzte und die Geruchseinwirkung von Reinigungsmitteln sowie Schmutz und Abfällen werden ebenfalls als belastend empfunden.

Ansatzpunkte für die Stressreduktion

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (2007) gibt insbesondere Arbeitgebern und Personalverantwortlichen, aber auch Arbeitnehmern zum Beispiel folgende Anregungen für eine stressfreiere Arbeitsgestaltung:

• Bei der Arbeitsorganisation gilt es insbesondere „Durcharbeiten“ zu vermeiden. Stattdessen sollten regelmäßige, kurze Pausen zum „Auftanken zwischendurch“ möglich sein. Zudem sollten monotone Arbeitsabläufe in immer gleicher Körperhaltung (z. B. permanentes Stehen, zu lange Fließbandarbeit) und Zeitdruck reduziert werden. Die Arbeitsdauer sollte an die Arbeitsbelastung angepasst sein. Und lässt sich zum Beispiel Schicht- und Nachtarbeit nicht vermeiden, sollte sie wenigstens auf Zeiten beschränkt werden, die der Belastungsfähigkeit der Arbeitnehmer entsprechen.

• Der Arbeitsplatz sollte vor allem ordentlich sein, intakte Arbeitsmittel zur Verfügung stellen (z. B. Unterrichtsräume), möglichst ergonomisch gestaltet sein (v. a. PC-Arbeitsplätze) und ausreichende Bewegungsfreiräume bieten. Zusätzlich sollte für gute Lichtverhältnisse, Lärmschutz und ein angenehmes Raumklima gesorgt werden.

• Arbeitsaufgaben sollten weder unter- noch überfordern, da sonst Erfolgsgefühle ausbleiben und die Arbeitsmotivation nachlässt. Bei der Gestaltung von Arbeitsaufgaben sollte daher möglichst auf Abwechslung, geistige und körperliche Anregung, klare Arbeitsanweisungen sowie Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten für die Arbeitnehmer geachtet werden.

Diese Anregungen sind allerdings sehr allgemein gehalten und helfen wenig gegen Stresssituationen, die aufgrund von Personalmangel, nicht vermeidbarer Belastungen (z. B. Wetter, Gerüche) oder persönlicher Konflikte entstehen. Im letzten Fall könnten aber beispielsweise regelmäßige, professionell angeleitete Supervisionen, die vor allem in sozialen Einrichtungen oder Krankenhäusern immer öfter eingesetzt werden, zu einer angenehmeren Arbeitsatmosphäre beitragen.

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Bisher gibt es 2 Kommentare. »

  1. Tag schön!

    Ich bin Altenpflegerin und kann sagen das der Beruf knallhart ist. Ich arbeite in einem Altenheim für ~100 Personen. Nicht sehr große aber es reicht. Ich allein bin für 20 Kunden (!) für mich sind es Patienten oder alte, kranke Menschen verantwortlich. Das heißt ich bin nur am rotieren. Am meisten leid tun mnir dabei die Menschen die ich zu versorgen habe. Denn viel Zeit zum plaudern was selbstverständlich sein sollte, weil diese menschen das so sehr brauchen, bleibt nicht. Ist einfach nur Massenabfertigung, was ich sehr traurig finde.

    Ich kann keinem jungen Menschen raten diesen Beruf zu lernen. Einerseits wegen der enormen körperlichen Belastung, andererseits muss man schon ziemlich abgestumpft und gefühllos sein, um diesen Beruf ausüben zu können.

    Viele Grüße Eure Guste

  2. Da hast Du aber auch keinen einfachen Beruf. Ich bin aufm Bau ist auch ein Knochenjob. aber man kann es sich heute nicht mehr aussuchen, muss froh sein wenn man überhaupt arbeiten darf. Wünsche Dir alles Gute und eine lange Gesundheit! Gruß Marlo

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