Industrie 4.0: Droht uns die Massenarbeitslosigkeit durch Roboter?

Hochentwickelte Roboter, die uns in naher Zukunft die Arbeit wegnehmen – für immer mehr Menschen wird diese Vorstellung zum Horrorszenarium. Nicht wenige Experten sprechen längst von der Industrie 4.0. Maschinen und Roboter, die automatisierte Vorgänge übernehmen, finden sich inzwischen in nahezu jeder Branche. Sobald sie eine Arbeit billiger als ein Mensch erledigen können, kommen sie zum Einsatz. Welche Berufe sind von dieser Entwicklung besonders stark betroffen? Und droht uns in Zukunft die Massenarbeitslosigkeit? Ein Blick in die Zukunft der Arbeit.

Inhalt
1. Von Industrie 1.0 zu Industrie 4.0
2. Welche Berufe sind in ihrer Existenz bedroht?
3. Welche Berufe sind nicht in ihrer Existenz bedroht?
4. Roboter: Bedrohung oder Chance?
5. Der Wegfall von Berufen: Ein Phänomen, das es schon immer gegeben hat

Von Industrie 1.0 zu Industrie 4.0

Maschinen, die dem Menschen Arbeit abnehmen (oder auch wegnehmen), gibt es seit der Industrialisierung – sprich seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Es handelt sich hierbei also keinesfalls um ein neues Phänomen oder einen Trend, sondern eine Entwicklung, die seit mehreren Jahrhunderten existiert. Der Beginn des Zeitalters der digitalen Industrialisierung – und damit die Geburtsstunde der Roboter – kann grob auf die 1970er bis 1980er Jahre datiert werden. Seither steigt die Zahl der arbeitenden Roboter immer weiter. Die Komplexität bei Produktion und Programmierung und die damit einhergehenden enormen Kosten sorgen jedoch dafür, dass Roboter noch nicht flächendeckend in der Arbeitswelt eingesetzt werden.

  • Industrie 1.0: Beginn der Industrialisierung im 18. Jahrhundert, Beginn der Massenproduktion
  • Industrie 2.0: Einführung der Elektrizität und Ablösung von Dampf- und Wasserkraft am Ende des 19. Jahrhunderts
  • Industrie 3.0: Fortschreitende Automatisierung durch den Siegeszug der Computer ab den 1970er Jahren, die erst in Großkonzernen, später in jedem Büro zum Einsatz kamen
  • Industrie 4.0: Weiterentwicklung der Industrie unter dem Gesichtspunkt der Digitalisierung seit dem Ende des 20. Jahrhunderts

Info: Seit dem Beginn der Automatisierung durch Maschinen in den 1970/80er Jahren ist die Zahl der Beschäftigten nicht zurückgegangen, sondern sogar gestiegen.

Welche Berufe sind in ihrer Existenz bedroht?

Ganz allgemein kann folgendes gesagt werden: Roboter werden in Zukunft überall dort zum Einsatz kommen, wo routinierte Vorgänge stattfinden. Hieraus ergibt sich die Schlussfolgerung, dass einige Berufe stärker von der Industrie 4.0 bedroht sind als andere. Branchen, in denen sehr viel routinierte Arbeit stattfindet, sind unter anderem:

  • Industrie
  • Logistik
  • Verwaltung
  • Landwirtschaft

Konkrete Berufe, die (wenn man es so nennen will) vom Aussterben bedroht sind, sind beispielsweise Taxifahrer, Sekretärinnen, Sachbearbeiter, Verkäufer und alle Tätigkeiten, die der Industrie zugeordnet werden können.

Info: Experten aus Deutschland schätzen, dass etwa 18 Millionen Arbeitsplätze von der Industrie 4.0 bedroht sind. Wissenschaftler der Oxford Universität gehen davon aus, dass Roboter in den nächsten 20 Jahren rund 700 Berufe ersetzen werden. Andere blicken weitaus weniger pessimistisch in die Zukunft und geben an, dass es keinesfalls zu einer Massenarbeitslosigkeit kommen wird. Denn: Mit dem Wegfall alter Berufe entstehen immer auch neue Berufe. Ganz allgemein kann gesagt werden, dass die Meinung der Wissenschaftler und Experten sehr weit auseinandergehen.

Welche Berufe sind nicht in ihrer Existenz bedroht?

Geht man davon aus, dass stark von Routinen geprägte Berufe aussterben werden, kann gesagt werden, dass sehr komplexe, anspruchsvolle und auch kreative Berufe weiterhin Bestand haben. Beispiele hierfür sind:

  • Erzieher und Sozialpädagogen
  • Musiker und andere Künstler
  • Grafikdesigner
  • Ernährungsberater

Darüber hinaus werden auch völlig neue Berufe entstehen. Die Bereiche IT-Sicherheit und Robotik werden von dieser positiven Entwicklung besonders stark betroffen sein.

Robotern fehlt nicht nur Kreativität, sondern auch der gesunde Menschenverstand. Immer dann, wenn diese beiden Fähigkeiten gefragt sind, ist es eher unwahrscheinlich, dass eine Stelle von einer Maschine besetzt wird.

Beispiel: Der Journalist

Wenn es um das Thema „Bedrohung der Arbeit durch Roboter“ geht, wird zurzeit sehr gern das Beispiel des Journalisten genannt. Die Technik ist inzwischen soweit, dass es hochentwickelte Schreibroboter gibt, die teils hochwertige Texte verfassen können. Als Grundlage dienen ihnen riesige Datenbanken, Algorithmen und verschiedene Wortbausteine. Was auf den ersten Blick nach einer riesigen Bedrohung für die schreibende Gilde aussieht, ist nur halb so wild. Da den Schreibrobotern sowohl Kreativität als auch der gesunde Menschenverstand fehlen, können sie längst nicht alle gewünschten Texte liefern. Überall dort, wo tiefergehende Recherche verlangt wird und komplexe Verbindungen hergestellt werden müssen, stoßen die Maschinen an ihre Grenzen. Derzeit kommen die Roboter vor allem zum Einsatz, wenn es darum geht, Sport- und Wetterartikel zu schreiben. Hier geht es zum größten Teil nämlich ausschließlich um die Auswertung von Fakten (beziehungsweise Messungen) und Statistiken.

Info: Menschen mit einer hohen beruflichen Qualifikation sind am wenigsten von den Entwicklungen der Zukunft betroffen. Das bedeutet jedoch nicht die kategorische Entlassung für alle mit mittleren bis niedrigen Qualifikationen. Diese Arbeitgeber werden aller Voraussicht nach ihre Routine-Aufgaben („Fließbandarbeit“) abgeben und neue, anspruchsvollere Felder besetzen.

Roboter: Bedrohung oder Chance?

Es ist vollkommen normal, dass sich der Mensch von den Maschinen bedroht fühlt – schließlich geht es hierbei um seine berufliche Existenz. Dennoch darf die Industrie 4.0 nicht ausschließlich negativ betrachtet werden. Fakt ist, dass sich die Arbeitswelt, wie wir sie kennen, verändern wird. Berufe werden wegfallen, andere werden entstehen. Dass das zur Folge hat, dass die Mehrheit der Menschen arbeitslos wird, ist jedoch eher unwahrscheinlich. Arbeitnehmer, die ihre routinierten Aufgaben abgeben, werden die Chance erhalten, anspruchsvollere anzunehmen. Durch den Wegfall der bisherigen Routinen wird die Arbeit der Zukunft viel flexibler, abwechslungsreicher und qualitativer werden.

Beispiel: Der Bankangestellte

Mit der Verbreitung des Geldautomaten in den 1980er Jahren änderte sich das Berufsbild des Bankangestellten enorm. Er musste nicht länger tagein, tagaus Geldscheine zählen und an die Kunden herausgeben, sondern überließ diese monotone Aufgabe den Maschinen. Stattdessen konnten sich die Mitarbeiter auf andere Felder konzentrieren. Das Bankwesen wurde nach und nach zu einem Geschäft, das viel Zeit und Energie in die individuelle Beratung der Kunden steckt. Heute gilt der Beruf des Bankers als besonders prestigeträchtig – nicht zuletzt aufgrund der vielfältigen Aufgabenbereiche und Weiterentwicklungsmöglichkeiten.

Weiterhin muss gesagt werden, dass die Industrie 4.0 wichtig für die Wirtschaft ist. Der Einsatz von Maschinen und Robotern sorgt für größer werdende Auftragsvolumen und sichert die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.

Der Wegfall von Berufen: Ein Phänomen, das es schon immer gegeben hat

Vor einigen Wochen haben wir Ihnen in einem Beitrag 10 (fast) vergessene Handwerksberufe vorgestellt. Bereits in diesem Artikel haben wir darauf hingewiesen, dass es vollkommen normal ist, dass bestimmte Berufe im Laufe der Zeit immer unbedeutender werden und schließlich komplett von der Bildfläche verschwinden. Die Gründe hierfür reichen von technischen Entwicklungen über politische und gesellschaftliche Veränderungen bis hin zu der Erkenntnis, dass eine Dienstleistung oder ein Produkt einfach nicht mehr benötigt wird.

Der Blick in die Zukunft verängstigt viele Menschen. Es ist die Angst vor dem Ungewissen, vor dem Neuen. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt jedoch, dass viele Veränderungen und Entwicklungen gar nicht neu sind. Schon immer haben neue Berufe das Licht der Welt erblickt und andere mussten dafür weichen. Solang sich der Mensch immer weiterentwickelt, wird sich auch die Welt der Arbeit weiterentwickeln – und das bedeutet nun einmal auch Veränderungen.

2 Kommentare

  1. Harald Friedrich on

    Roboter sollen uns stupide, unangenehme und gefährliche Arbeiten abnehmen und die Produktivität erhöhen.
    Das ist eine Chance für uns, die allerdings durch den Gesetzgeber insofern geregelt werden müsste, das die Unternehmer, welche Roboter einsetzen, für diese auch Abgaben in der Höhe der Mitarbeiter, die ersetzt werden zahlen müssten.
    Ansonsten wird der Staat auf kurz oder lang nicht mehr in der Lage sein, die Arbeitslosen zu zahlen und zu versichern.
    Da Wirtschaftlich gut aufgestellte Unternehmen selten freiwillig die Menge an Steuern zahlen, welche durch Ihre Gewinne gerechtfertigt wären, sondern durch geschickte Investitionen oder Abschreibungen Ihre Gewinne wieder “verkleinern” oder durch die Drohung Mitarbeiter zu entlassen und Filialen zu schließen, teilweise gar keine Steuern zahlen, bliebe die Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit des “Sozial-Staates” bei noch weniger Arbeitern und Angestellten hängen.
    Das müsste von unserer Regierung geregelt werden, ehe wieder eine Gewohnheit Eintritt wie bei der Automatisierung der Automobilindustrie durch Roboter und Automaten. Dort z.B. für die ersetzten Arbeitsplätze in den Fertigungsstraßen Forderungen zu stellen würde sicher auf starke Gegenwehr stoßen.

  2. Jessika Fichtel
    Jessika Fichtel on

    Hallo Herr Friedrich,

    vielen Dank für diese Ergänzung. Sie haben natürlich recht, der ganze rechtliche Rahmen ist nochmal ein ganz entscheidendes Thema, das in den kommenden Jahren (hoffentlich) noch oft aufkommt und geklärt werden muss. Ich bin sehr gespannt, was uns in der Zukunft alles erwarten wird.

    Viele Grüße,
    Jessika Fichtel

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