Ist Handwerk noch Gold wert?


HandwerkertascheDas Handwerk ist das älteste Gewerbe der Menschheit, das besonders im Mittelalter „Gold wert“ war. Handwerksmeister waren damals angesehene Leute, die den größten Anteil am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wachstum der Städte besaßen (z. B. Schmiede, Tuchmacher, Brauer). Mit der Industrialisierung im 18. Jahrhundert wandelte sich allerdings die Bedeutung der Handwerksbetriebe, da viele Produkte nun in Fabriken maschinell und in Serie produziert werden konnten. Insbesondere individuelles Handwerk (v.a. Kunsthandwerk) machte aber weiterhin einen großen Teil der Wirtschaft aus. Zudem entstanden durch die Entwicklung immer modernerer Maschinen und Technologien in den letzten beiden Jahrhunderten auch neue Handwerkszweige, die bis in die Gegenwart eine wichtige Rolle spielen (z. B. Mechatroniker/in, Zahntechniker/in).

Insgesamt besitzt das Handwerk in Deutschland immer noch eine nicht zu unterschätzende Wirtschaftskraft: In den etwa 850.000 Handwerksbetrieben sind rund 15 Prozent aller Arbeitnehmer in über 100 verschiedenen Handwerksberufen beschäftigt. Heute bedeutet ein Handwerksberuf aber vor allem eine vielfältige, kreative Tätigkeit. Denn neben der reinen Produktion von Gütern werden in den verschiedenen Berufszweigen zunehmend auch Informations- und Beratungsangebote wichtiger. Ob Handwerk heute noch „Gold wert“ ist, hängt daher neben dem individuellen Geschick zu einem großen Teil von Schlüsselqualifikationen (“Soft Skills”) wie Team- und Kommunikationsfähigkeit, Lernbereitschaft und Fähigkeiten im Umgang mit modernen (Informations-)Technologien ab.

Zumindest ein Grund spricht dafür, dass eine handwerkliche Ausbildung auch heute noch „goldenen Boden“ haben kann. Denn qualifizierte Handwerker werden nach wie vor gebraucht, da ohne sie viele industriell hergestellte Produkte nicht sachgerecht eingebaut oder repariert und individuelle Kundenwünsche nicht zufrieden stellend bearbeitet werden könnten. Handwerker, die sich auf einem bestimmten Bereich ihres Arbeitsgebiets spezialisieren und flexibel sind, haben daher auch heute noch einen relativ sicheren Arbeitsplatz bzw. (als Meister) die Möglichkeit, sich erfolgreich selbständig zu machen. Besonders im Ausland ist die Nachfrage nach deutschen Handwerkern und Produkten groß.

Zukunftsreiche Handwerksberufe sind vor allem in der Bauwirtschaft und im Fahrzeug- und Maschinenbau zu finden (WBS Stellenmarktanalyse, 2007):

  • Dreher/in, Schweißer/in, Fräser/in
  • Elektriker/in, Monteur/in
  • Installateur/in
  • Bauhandwerker/in
  • Kfz-Mechaniker/in, Karosseriebauer/in

Und eine Vielzahl an Ausbildungsangeboten besteht unter anderem in folgenden Handwerksberufen (handfest-online, 05/2006):

  • im Bauhandwerk als Dachdecker/in, Ofen- und Luftheizungsbauer/in, Gerüstbauer/in oder Straßenbauer/in
  • im Elektro- und Metallhandwerk als Feinwerkmechaniker/in, Kälteanlagenbauer/in oder Rollladen- und Sonnenschutzmechatroniker/in
  • im Nahrungshandwerk als Bäcker/in, Fleischer/in oder Fachverkäufer/in im Nahrungsmittelhandwerk
  • im Reinigungsgewerbe als Gebäudereiniger/in
  • im Bestattungsgewerbe als Bestattungsfachkraft
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Bisher gibt es 2 Kommentare. »

  1. Ich habe 10 Jahre lang als Werkzeugmechaniker in den Fachrichtungen Stanz- und Umformtechnik sowie Formenbau Kunststoffspritzguss, Vorrichtungsbau und als Werkzeugschleifer in 7 verscheidenen Betrieben gearbeitet.

    Meiner Erfahrung nach ist das Handwerk zumindest im industriellen kein schöner Job mehr.

    Man arbeitet in meist schlecht beleuchteten Hallen, teils ohne Fenster und Tageslicht. Die Luft ist voll mit Schleifstaub und Dämpfen von Ölen, Kühlschmierstoffen und Dielektriken, es ist oft heiss wenn die Maschinen brummen und laut noch dazu.

    Die Arbeitgeber sparen häufig an den für Arbeiten höchster Präzision erforderlichen, teuren Werkzeugen und Geräten und an der Wartung des vorhandenen Maschinenparks sowieso.

    Natürlich darf die Präzision darunter nicht leiden, das hat der Arbeiter sicherzustellen und er darf natürlich keinesfalls langsamer sein wie wenn er gutes Gerät hätte.

    Viele Verlangen auch fehlerfreies Arbeiten und schreiben schon für Bagatellen Abmahnungen.

    Dazu kommt noch dass die Industrie vermehrt 3 Schicht und Wochenend Arbeit verlangt und auf den gesetzlichen Mindesturlaub geht und geringe Grundlöhne wegen der vorgeschriebenen Schichtzulagen zahlen will, und um das durchsetzen zu können trifft man es nicht selten dass es zweimal einen Jahresvertrag (innerhalb dessen ist es zulässig) gibt und anschliessend Auf Wiedersehn heisst.

    Man steht bei Lärm, Dreck, Dunkelheit und Hitze über 8 Stunden unter Volldampf bei höchster Konzentration, denn ohne die kann man im 1/100 oder gar 1/1000 Millimeter Bereich nicht arbeiten.

    Wenn man dann noch ein paar Mal am Tag schwer heben musste weil die Hebezeuge einfach nicht da sind, kann man sich vorstellen was für ein lockerer Job das ist, der Werkzeugmacher/Werkzeugmechaniker/Feinwerkmechaniker oder was er noch für Namen hat.

  2. Da muss ich dir zustimmen, doch war dies vor 30 Jahren auch nicht anders. Resultat meiner damaligen Tätigkeit in einer Druckgiesserei

    in der Druckgussspritzteile angefangen von kleinen Rädchen für VDO

    bis zu BING Vergasern und Rohlingen für französische Armeepistolen gefertigt wurden:

    Ein Gehörschaden wegen der wenig schallgedämmten überalterten Maschinen den die Berufsgenossenschaft natürlich schön abzuwehren weiss. Eigenartigerweise sind alle meiner damals 5 Kollegen bereits verstorben. Waren es die Gase in der kleinen Werkhalle ohne Lüftung,

    in der dir im sommer das Wasser nur so runterlief?

    Fazit – Arbeit lohnt sich nicht immer!!

    Und wenn – dann oftmals nur für andere.

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