Patchwork-Lebensläufe werden immer mehr zur Normalität und Industriebeamte gehören längst der Vergangenheit an. Eine Entwicklung, die vielen Menschen Angst macht, da sie sich vor allem nach finanzieller Sicherheit und Routine sehnen. Experten bewerten diesen Trend aber positiv, denn sie empfehlen: Nach spätestens fünf bis sieben Jahren sollten Sie Ihre Arbeitsstelle wechseln, am besten sogar den Arbeitgeber. Denn jeder Job unterliegt einem Zyklus, welcher in sieben Phasen abläuft.

Frau verlässt nach 7 Jahren das Unternehmen und wechselt den Job
Bildernachweis: © piyaphat – Fotolia.com

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Inhalt
1. Deutsche Arbeitnehmer bleiben rund 10 Jahre in einem Job
2. Experten empfehlen Jobwechsel nach spätestens 7 Jahren
3. Phase 1: Enthusiasmus
4. Phase 2: Wehmut
5. Phase 3: Einleben
6. Phase 4: Stabilität
7. Phase 5: Bestleistung
8. Phase 6: Wende
9. Phase 7: Abwärtsspirale
10. Jobwechsel als Chance begreifen, statt als Risiko
11. Überlassen Sie Ihren Jobzyklus nicht dem Zufall

Deutsche Arbeitnehmer bleiben rund 10 Jahre in einem Job

Aber stimmt das überhaupt? Während deutsche Arbeitnehmer im Jahr 1992 durchschnittlich 10,3 Jahre in demselben Job verweilten, waren dies im Jahr 2008 sogar 10,8 Jahre (Quelle: IAB). Von wegen unsichere Arbeitssituation und „Generation Praktikum“? Nicht wirklich!

Die Statistik verbirgt nämlich, dass es vor allem für Berufseinsteiger immer schwieriger wird, einen unbefristeten Arbeitsvertrag zu ergattern. Zudem gibt es große Branchenunterschiede. Während in Bereichen mit Fachkräftemangel befristete Arbeitsverträge wieder zum Auslaufmodell werden, weisen Arbeitnehmer in überfüllten Branchen, wie zum Beispiel bei Marketing- oder Werbeagenturen, häufig beeindruckende Patchwork-Lebensläufe mit einer beachtlichen Anzahl an kurzfristigen Jobs, Praktika, Volontariaten oder Trainee-Stellen auf. Zudem bilden die Statistiken nur einen Durchschnitt jener alteingesessenen Industriebeamten von einst, welche sich mittlerweile kurz vor dem Renteneintritt befinden, und der jungen Generation, mit Schwierigkeiten sich auf dem Arbeitsmarkt zu etablieren.

Um sich ein etwas genaueres Bild von der aktuellen Arbeitsmarktsituation in Deutschland zu bilden, benötigen wir daher weitere Zahlen: Eine auf Statista veröffentlichte Umfrage verrät, dass rund 55 Prozent der Deutschen gelegentlich über einen Jobwechsel nachdenken. Etwa 16 Prozent suchen bereits aktiv nach einer neuen Anstellung.
Statistik: Welche Einstellung haben Sie zu einem Wechsel des Arbeitnehmers? | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Experten empfehlen Jobwechsel nach spätestens 7 Jahren

Zehn Jahre – das ist noch lange kein Berufsleben, laut Experten ist das aber bereits deutlich zu viel. Nach drei bis fünf, spätestens aber sieben Jahren empfehlen diese stattdessen einen Jobwechsel. Die möglichen Gründe für den Wunsch nach einer neuen beruflichen Herausforderung sind vielfältig:

  • Wunsch nach neuen Perspektiven
  • Fehlende Anerkennung
  • Umstrukturierungen
  • Schlechtes Betriebsklima
  • u. v. m.

Experten plädieren dafür, nach spätestens sieben Jahren den Arbeitgeber zu wechseln. Ansonsten seien die Arbeitnehmer häufig früher oder später ohnehin unfreiwillig zu einer beruflichen Veränderung gezwungen. Auch die Unternehmen entwickeln sich nämlich weiter, verlagern ihre Schwerpunkte, verändern interne Strukturen oder bauen Personal ab.

Je schnelllebiger die Branche, umso wichtiger sind daher häufige Jobwechsel. Während für ITler oder Marketingfachleute deshalb rund drei Jahre als empfehlenswert gelten, fühlen sich Buchhalter gerne auch über zehn Jahre hinweg in ihrer Anstellung wohl. Wann genau für Sie der richtige Zeitpunkt für einen Jobwechsel gekommen ist, müssen Sie daher stets gemäß Ihrer individuellen Situation entscheiden. Alles in allem beobachten Experten laut Job.de aber in jedem Arbeitsverhältnis folgende sieben Phasen:

Phase 1: Enthusiasmus

Endlich ein neuer Job. Egal, ob Sie sich lange auf Jobsuche befunden haben oder von einem Headhunter abgeworben wurden: Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne und daher starten Sie in der Regel hoch motiviert, voller Vorfreude und auch ein wenig aufgeregt in die neue Anstellung. Sie müssen erst einmal ankommen, sich orientieren und vielleicht auch die ein oder andere Traumvorstellung durch die Realität ablösen.

Phase 2: Wehmut

Wenn nach den ersten ein bis zwei Monaten eben jene Realität Einzug hält und Ihre hohen Erwartungen vielleicht nicht (vollständig) erfüllt wurden, hängen viele Menschen erst einmal der Vergangenheit nach. Sie zweifeln daran, ob der Jobwechsel die richtige Entscheidung war, und neigen dazu, den vorherigen Arbeitsplatz zu romantisieren. Irgendwie waren die Kollegen netter, die Aufgaben anspruchsvoller und der Chef doch gar nicht so schlimm. Wehmut ist normal – lassen Sie sich davon nichts ins Bockshorn jagen!

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Phase 3: Einleben

Irgendwann pendelt sich Ihre Stimmung zwischen Enthusiasmus und Wehmut ein und Sie beginnen, sich in Ihrer neuen beruflichen Heimat einzuleben. Sie knüpfen neue Freundschaften, arbeiten sich in ihre Tätigkeitsbereiche ein und übernehmen etwas mehr Verantwortung. An diesem Punkt setzt auch die Motivation wieder ein und Sie möchten sich von Ihrer besten Seite präsentieren. Diese dritte Phase dauert laut Jörg Stegemann etwa ein Jahr lang an. Ein Jahr voller Höchstleistungen und Erfolge.

Phase 4: Stabilität

Nach dem ersten Jahr sind Sie endlich richtig eingearbeitet und konnten sich durch Ihre exzellenten Leistungen bereits Respekt bei den Kollegen und Vorgesetzten erarbeiten. Sie bewegen sich auf einem guten, nicht aber herausragenden Niveau. Nach dem anstrengenden ersten Jahr und den zahlreichen Veränderungen heißt es erst einmal durchatmen und Stabilität finden.

Phase 5: Bestleistung

Aufwärts geht es wieder in der fünften Phase, welche laut Stegemann etwa um das dritte Jahr einsetzt. Sie sind nun im Unternehmen etabliert, fühlen sich zuhause und gehen routiniert Ihrer Arbeit nach. Jetzt wollen Sie mehr und laufen zur Höchstform auf. Diese fünfte Phase hält mehrere Monate bis Jahre an und bedeutet häufig den Aufstieg in der Hierarchie. Länger als fünf Jahre jedoch, sei die Phase „Bestleistung“ nur selten zu beobachten, so der Experte.

Phase 6: Wende

Und dann? Der Jobzyklus ist vergleichbar mit einem klassischen Drama: Nach dem Höhepunkt folgt die Retardation. Ihre Leistung lässt nach, erste Zweifel kommen auf oder es entstehen Konflikte mit Teamkollegen beziehungsweise Vorgesetzten. Sie fühlen sich nicht mehr hundertprozentig wohl in Ihrem Job, sehnen sich nach Veränderung oder fühlen sich in der Stagnation gefangen und es fehlt an neuen Herausforderungen. Jetzt wäre der optimale Zeitpunkt für einen Jobwechsel gekommen. Viele Menschen schrecken aber noch aus Angst vor der Unsicherheit vor diesem Wechsel zurück oder werten die sechste Phase als einen vorübergehenden Durchhänger.

Phase 7: Abwärtsspirale

Dem sei aber nicht so, sagt Jörg Stegemann. Wer in der sechsten Phase nicht die Notbremse zieht und den Absprung schafft, begibt sich in eine gefährliche Abwärtsspirale. Häufig mündet diese in psychischen wie physischen Problemen, einer sinkenden Leistungsfähigkeit bis hin zum Burnout oder anderen stressbedingten Erkrankungen. Am Ende der siebten Phase werden Sie zum Jobwechsel gezwungen, sei es durch eine Krankheit oder die arbeitgeberseitige Kündigung.

Jobwechsel als Chance begreifen, statt als Risiko

Alle drei bis fünf Jahre sollten Sie daher den Mut zum Jobwechsel fassen, spätestens aber nach sieben Jahren. Prüfen Sie regelmäßig, in welcher Phase des Jobzyklus Sie sich gerade befinden und ziehen Sie rechtzeitig in der sechsten Phase die Notbremse, bevor Sie wirklich wie im klassischen Drama in der Katastrophe enden. Vielen Menschen fehlt es allerdings am notwendigen Selbstbewusstsein für einen Jobwechsel oder die Angst vor dem Risiko „Unsicherheit“ überwiegt die zahlreiche positiven Aspekte, welche solch ein beruflicher Schritt mit sich bringt. So ein Wechsel des Arbeitsplatzes birgt nämlich auch zahlreiche Chancen:

  • Sie entwickeln sich beruflich und persönlich weiter.
  • Die Betriebsblindheit weicht neuen Sichtweisen und Perspektiven.
  • Sie bleiben up-to-date und erschließen sich immer wieder neues Knowhow in Ihrem Fachbereich.
  • Sie werden vor neue Herausforderungen gestellt und können dadurch sowohl Ihre Hard als auch Soft Skills trainieren.
  • Dadurch werden Sie auch nicht zu spezialisiert oder festgefahren, sondern trainieren Ihre Auffassungsgabe, Lernbereitschaft sowie die Offenheit für neue Sichtweisen und Problemlösungsansätze.
  • Ihr Lebenslauf wird durch Jobwechsel aufgewertet, solange sie einen roten Faden erkennen lassen und zumindest die Probezeit überdauern.
  • Sie knüpfen neue Kontakte und bauen Ihr berufliches Netzwerk aus. „Vitamin B“ ist schließlich der wichtigste Erfolgsfaktor für Ihre Karriere, wie wir Ihnen bereits im Artikel „Nicht wer leistet, wird befördert. Sondern…?“ erläutert haben.

Überlassen Sie Ihren Jobzyklus nicht dem Zufall

Ergreifen Sie diese Chance und seien Sie Ihrer Konkurrenz dadurch stets einen (Karriere-) Schritt voraus. Wenn Sie Ihren Jobzyklus nämlich ab sofort nicht mehr dem Zufall überlassen, sondern Ihre Karriere aktiv planen, werden Sie die Karriereleiter schneller und höher erklimmen. Beobachten Sie daher stets, in welcher Phase Sie sich derzeit befinden und sehen Sie sich ab Phase 6 nach einer neuen Anstellung um.

Achtung: Wenn Sie sich auf Jobsuche begeben, obwohl Sie sich noch in der Anstellung bei einem anderen Unternehmen befinden, müssen Sie die Bewerbung unbedingt vor Ihrem Arbeitgeber geheim halten. Sie kann sonst zum Kündigungsgrund werden. Solche Lücken im Lebenslauf möchten Sie aber, wenn möglich, vermeiden. Je fließender der Übergang von einem Job in den nächsten, umso besser. Sie können dafür in Ihrer Bewerbung entweder um Geheimhaltung bitten, oder aber Sie wählen direkt eine anonyme Bewerbungsmethode, wie die Zielgruppen Kurzbewerbung.

Extra-Tipp: Fordern Sie unbedingt in regelmäßigen Abständen ein Zwischenzeugnis an. So sind Sie jederzeit bereit für eine Bewerbung, sobald Sie in Phase 6 des Jobzyklus eintreten. Zudem kann es vorkommen, dass Sie Ihr vorheriges Unternehmen nicht immer im Guten verlassen. Vielleicht gibt es kurz vor Ihrem Jobwechsel auch einen Führungswechsel und das Zeugnis lässt erahnen, dass der neue Chef so gar nicht gut auf Sie zu sprechen ist. Gut, wenn Sie dann noch mehrere Zwischenzeugnisse aus besseren Zeiten vorlegen können.

Welche weiteren Tipps und Erfahrungen haben Sie zum Thema Jobzyklus und Jobwechsel? Sehen Sie die Entwicklung hin zum Patchwork-Lebenslauf positiv oder sehnen Sie die Zeiten der Industriebeamten zurück?

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21 Kommentare

  1. Bazinga!

    6 Jahre und 10 Monate. Das war meine längste Anstellung. Ansonsten lag die Beschäftigung im Schnitt immer bei zweieinhalb Jahren. Mein aktueller “Haupt”-Kollege ist in dieser Firma seit er dort als Lehrling begonnen hat. Lange Rede kurzer Sinn: Erst durch ihn wurde mir bewusst, wie wertvoll meine Exkursionen waren. Er denkt nur im Bereich des für diese Firma Möglichen, da er nie andere Lösungsstrategien kennengelernt hat und auch nie gelernt hat über den Tellerrand hinauszublicken. Eben sehr eingeschränkt und sehr veraltet. Gut, das andere Problem ist, dass Ideen aus anderen Bereichen/Firmen, die ich einbringen kann, fast schon mit Entsetzen abgetan werden. Man müsste ja was verändern. Ich werde wohl auch in dieser Firma nicht sonderlich lang verweilen.

  2. Josef Madlener

    Diese Ansicht ist nicht schlecht – aber: solche Ansichten führen zu vielen Problemen vor allem in den kleinen Betrieben. Diese können solche Leistungsabgänge nur schwer verkraften. In diesen Gremien wird immer von Betrieben und Jobs geschrieben bei denen ich mir nicht sicher bin ob diese zu einer auf oder Entwertung der Berufe führt. Viele Menschen sehnen sich nach Sicherheit – und die Fachspezialisten predigen das Gegenteil. Es kommt mir vor, als genau diese Headhunter die Artikel schreiben um Ihre Jop’s zu sichern. Langjährige Arbeitskräfte bilden das absolute muss in einem Betrieb. Wieso müssen diese alle 7 Jahre weg und weshalb predigen alle wie nötig wir sie brauchen wenn gleichzeitig alle mit 55 in Rente geschickt werden? In jungen Jahren sollten Wanderjahre gemacht werden – um später mit Erfahrung in einem Betrieb die nötige Sicherheit zu haben. Bin ich komplett falsch? – wenn ja schmeisse ich 85% meiner Belegschaft raus – sind alle schon mehr als 15 Jahre bei mir und Arbeiten auch noch gut und mit Freude. Sind das eventuell Idioten?

  3. Tommy

    Sehe ich absolut nicht so und so eine Pauschalaussage “spätestens nach 7 Jahren” ist eigentlich sogar fast schon dreist. Das ist völlig individuell. Man kann durchaus auch nach 10, 15 oder 20 Jahren im gleichen Job noch motiviert sein und neue Dinge lernen. Bewerber die zwar schon mehrere Stationen im Lebenslauf haben, aber nie länger als die im Artikel vorgeschlagenen 3 Jahre in einem Unternehmen waren, würde ich sehr kritisch betrachten und die Bewerbung vermutlich nicht berücksichtigen. Spätestens bei der dritten Station würde ich 5+ Jahre erwarten.

  4. Als ich noch relativ junger Unternehmer war, hat mir einmal jemand gesagt, man arbeitet sich 2 Jahre ein, dann arbeitet man 2 Jahre mit, danach arbeitet für die Firma. Dieser Jemand war selbst Angestellter. Ich fand die Sichtweise sehr zutreffend.

    Wir sind ein Unternehmen in der Größenordnung 15 Mitarbeiter. Wir haben Einarbeitungszeiten von bis zu 2 Jahren. Wir können es uns nicht leisten alle paar Jahre die Belegschaft auszuwechseln.

    Bewerbungen, die alle 2 bis 4 Jahre einen Jobwechsel aufweisen, finden bei uns keine Beachtung. Wie bereits jemand schrieb, kann man ab der dritten Station 5+ Jahre erwarten.

  5. Rick zeibig

    Ich als Arbeitnehmer stimme dem völlig zu!
    Der Arbeitsmarkt ist wesentlich dynamischer geworden! Für Fachkräfte ist es aus diesem Grund enorm wichtig ständig neue Erfahrungen zu sammeln und vor allem ständig zu lernen! Wir müssen Spezialisten sein.
    Ein Wechsel ist somit in meinen Augen nicht negativ sondern positiv! Sicherlich ist es für den Arbeitgeber immer ein Verlust. Es zeugt aber auch von Qualität diesen zu kompensieren!

  6. Frank

    Auch ich bin jetzt nach mehreren Stationen in einer Firma gelandet, wo sehr viele Kollegen weit über 10 Jahre dabei sind. Ich bin der Querdenker, der schon vieles gesehen hat, die Kollegen bringen die Erfahrung mit, was alles schon gemacht wurde und (vielleicht) auch nicht geklappt hat. Aus meiner Sicht ergänzt sich das prima.

    Viele Kommentare hier sehen das für die Unternehmen als “schlecht” an, das liegt aber vielmehr daran, dass die Struktur auf dem Wissen der Mitarbeiter aufbaut und die Organisation nicht für Jobwechsel ausgelegt ist. Die Sichtweise in diesem Artikel ist aber aus Mitarbeitersicht und da kann das stimmen – für mich kommt der Faktor Langeweile noch dazu, da ich Routine überhaupt nicht mag – aber da mag es durchaus unterschiedliche Typen geben.

  7. Robert

    Meiner eigenen Erfahrung nach kann ich dem nur zustimmen. Sowohl bei mir selbst als auch bei meinen Kollegen und Mitarbeitern habe ich exakt diese Phasen beobachtet. Ein Angestellter, der nur mit ein bisschen Ehrgeiz ausgestattet ist, will ja schliesslich weiterkommen. Was soll eine Firma diesem nach 5-7 Jahren denn bieten? Es ist systembedingt, dass die Spitze immer enger wird. Bsp.: In einem Team mit 5 hervorragenden Mitgliedern kann vielleicht einer einmal die Führung übernehmen. Und die anderen??? Ja, es gibt auch die Möglichkeit der Fachspezialisten, aber da braucht’s auch nicht 4! Irgendjemand muss halt auch die Routinearbeit erledigen. Konsequenz: 1 Mitarbeiter übernimmt irgendwann die Führung, 1-2 Mitarbeiter werden Facharbeiter und 2-3 Mitarbeiter werden wohl in anderen Unternehmen neue Herausforderungen annehmen müssen. Es gibt Ausnahmen, aber selbst in diesem kleinen Beispiel müssen ca. 70%(!) einen Jobwechsel vornehmen. Schön, dass es im Betrieb von Herrn Madlener so toll läuft. Was passiert aber bei schlechterer Wirtschaftslage? Beim ersten Personalabbau prognostiziere ich gerade diesen langgedienten Mitarbeitern allergrösste Problem.

  8. Thomoas

    Das heißt also ich sollte mir mit 60 noch einen neuen Job suchen, in dem ich dann bis zur Rente mit vielleicht 67 bleibe ? Ganz ehrlich !!! Wer stellt einen 60-jährigen Jobwechsler noch ein ? Da passt doch das ganze System nicht. In der Branche in der ich arbeite, Marketing, erlebe ich aber noch viel extremere Wechsel. Maximal 2 Jahre in der Firma und dann wird gewechselt und das in 10 Jahren 5 mal.

  9. thomas

    Danke für diesen Artikel – ich hatte als Erfahrung immer einen 3-Jahresrhytmus –
    – Einarbeitung
    – Profilierung
    – Konkurrenz und Druck des Unternehmens (spätestens dann – denn eigentlich sollte man schon im 1. Jahr dicke Zahlen schreiben)
    Ich selbst fand in meinem Leben einen 10 – 12 Jahresrhytmus – ich wollte nicht “fliehen” und Betriebstreue war mir wichtig – das bedeutete aber auch viele unangenehme Jahre in der mittleren Führungsschicht.
    Von oben wird immer Druck gemacht und die Mitarbeiter haben immer einen Weg zum höheren Vorgesetzten.

  10. Das ist irgendwie die sich selbsterfüllende Prophezeiung. Den Arbeitnehmern wird vermittelt, dass der Wechsel nach 7 Jahren nicht nur zum guten Ton gehöre, sondern für berufliches Fortkommen notwendig sei. Und Arbeitnehmern wird geschildert, dass sie gar nicht längerfristig mit Mitarbeitern planen müssen, weil ja nach spätestens 7 Jahren Schluss sei.

    Wo sind die Stimmen, die den Arbeitgeber anmahnen, dagegenzuhalten? Die Wege aufzeigen, neben dem nächsten Titel oder weiteren Headcounts auf andere Art und Weise Mitarbeitern eine Entwicklung zu ermöglichen.

    Das ich das auch gesellschaftlich schwierig finde, habe ich in einem Beitrag auf meinem Blog ausgeführt: http://www.kreativfuersorge.de/allgemein/wenn-der-bauer-nicht-schwimmen-kann

  11. F. Albrecht

    Es kommt immer auf den Bereich an. Eine Pauschalisierende Aussage zu diesem Thema sehe ich als sehr bedenklich.
    Als Selbständiger der mit vielen Unternehmen zu tun hat und in einem Bereich aktiv ist, in dem ich sowohl mit Produktionsmitarbeitern wie auch Betriebsleitern und Inhabern zu tun habe, denke ich einen guten Überblick zu erhalten. Ich bekomme oft auch das mit was an Internen Spannungen im Betrieb herrscht.
    Es gibt Unternehmen die ihre “guten” Mitarbeiter bereits alle vier Jahre “weiterentwickeln” wollen und das beinah auf Gedeih und Verderb. Es gibt Unternehmen da muss jeder für sich selbst sorgen in Sachen Weiterkommen.
    Eines habe ich aber in meiner bisherigen Zeit sehr oft erlebt, und das passiert immer häufiger.

    Gerade die, die sehr oft den Job in kurzen Rhythmen wechseln, arbeiten extrem am eigenen Erfolg und weiterkommen. Ihre Erfolge sind seltenst nachhaltig für das Unternehmen. Meist fehlt ihnen die erforderliche Empathie für Mitarbeiterführung und mit großer Gewissheit ist bei solchen Aufwärts- und Erfolg-strebenden Angestellten der Nachfolger oder Übernächste der Dumme der einen Scherbenhaufen in allen belangen aufräumen darf. Leider habe ich noch nie mitbekommen das mal irgendwo ergründet wurde wie es zu den Scherbenhaufen kam .

    Sicher ist es wichtig frisches Blut in Abteilungen zu bringen, auch Personen die quer denken.
    Wenn jemand erfolgreich und nachhaltig seine Erfolge unter Beweis stellt dann sollte er auch in größeren Unternehmen weiterkommen können, wenn er sich richtig darum bemüht. Natürlich ist es einfacher sich mit kurzfristigen erfolgen beim ersten Widerstand im eigenen Unternehmen weg zu bewerben. Meist wird man woanders auch mehr Geld bekommen, es ist halt der einfache bequeme weg.
    Für mich kann dies auch ein Zeichen für fehlendes Durchhaltevermögen und Nachhaltigkeitsdenken sein.

    Zum Schluss Frage ich mich, warum viele die über solche Jobwechsel (Arbeitgeberwechsel) Rhythmen Publizieren an anderer stellen schreiben “Der Mitarbeiter ist das wichtigste Kapital des Unternehmens”
    Kapital bindet man!

  12. Marie F.

    Schon mal drüber nachgedacht, dass das Leben nicht nur aus Job und Karriere besteht? Was ist mit Frauen – und Männern – in der Familienphase: Dann sollten sich doch auch Jobwechsel nach dem Familienzyklus richten! Jede Frau mit kleinen Kindern wird froh sein, wenn sie in einem guten Job weiterarbeiten kann, vielleicht in Teilzeit, vielleicht auch mit einigen Incentives wie Förderung der Kinderbetreuung usw. Und ein Mann, dessen Frau gerade mit zwei Kleinkindern Familienpause macht und er möglicherweise die Tilgung für das neu gebaute Haus vorübergehend alleine tragen muss, wird nicht ohne Not den (sicheren) Job wechseln, nur weil die sieben Jahre gerade abgelaufen sind…

  13. Frank W.

    Leider nur eine reißerische Überschrift. “Alle 7 Jahre…” das funktioniert natürlich nicht in allen Altersstufen, Branchen und Firmen. Als Empfehlung – und als eine solche sollte dies ja verstanden werden – gänzlich ungeeignet. Da hat wieder jemand mit der groben Kelle ausgeteilt. Passt schon. Die, die es nicht brauchen, brauchen es ja nicht lesen.
    Was wenn aber tatsächlich ein gutgläubiges Gemüt den Ratschlägen des allwissenden Internet (“habe ich gerade erst im Internet gelesen..”) folgt? Lebensläufe mit Stellenauflistung über 3 DIN-A-4-Seiten zeugen nicht vom Wunsch Erfahrung sammeln zu wollen. Dies mag bei jungen Talenten auf dem Arbeitsmarkt eine zeitlang funktionieren. Später, mit 40+ oder 50+ kehrt sich die Interpretation schnell um.
    Eine insgesamt schlechte Empfehlung weil schluderig recherchiert und in Teilen sträflich falsch dargestellt. Den “Roter Faden zwischen den Probezeiten” schneide ich mir aus, damit ich öfter etewas zu schmunzeln habe. Ich freue mich auf Eure Bewerbungen!

  14. Marcel

    Also ganz ehrlich, ich möchte nicht alle 5 oder 7 Jahre meinen Job wechseln, nur um die Karriere voranzutreiben. Am liebsten wäre es mir, bei dem Arbeitgeber anzufangen, zu dem ich nach dem Studium möchte und dann dort zu bleiben bis zur Rente. Wie sonst soll man zb mit Freundin oder Eigentum längerfristig planen? Für mich wäre das ein Albtraum, ständig umzuziehen und den Job zu wechseln. Allerdings natürlich gerne öfter mal neue Aufgaben und Verantwortungsbereiche. Aber so sehr karrieregeil bin ich nicht, möchte meinen Job gut machen und entsprechend bezahlt werden, ohne dass das auf kurz oder lang auf eine Führungsposition hinauslaufen muss.

  15. Alex

    Ich war in meinem ersten Unternehmen 24 Jahre beschäftigt, habe mich keinen Tag unmotiviert gefühlt, aber das sah die neue Führung völlig differenziert. In meinem Outplacement erzähltem mir man dann, dass ich spätestens alle 3 – 5 Jahre den Job zukünftig wechseln sollte, so wären die Zeiten nun mal. Bei der meiner jetzigen Firma war ein wichtiger Punkt im Vorstellungsgespräch, dass sie jemanden suchen der für mindestens 5 Jahre einen Job sucht. Warum machen wir uns das Leben nur so schwer?

  16. arianndi

    Der Artikel hat viel richtiges, was die Arbeitsmotivation angeht. Er übersieht aber, dass Jobwechsel nicht nur einen selbst sondern auch Angehörige betreffen. Wer gibt einem das Recht, seine heranwachsenden Kinder zu einem Umzug zu zwingen und Ihnen ihre Freunde wegzunehmen, nur weil man sich gerade bei der Arbeit langweilt?

    Weiterhin lebt der Artikel in der Illusion ewiger Jugend.

  17. Bruno

    Meine Erfahrungen mit den Kollegen/innen, die nach ihrem (Studien-) Abschluß in die Firma eingetreten sind und keine Erfahrung in anderen Betrieben/Firmen gemacht haben, ist, auf eine Arroganz zu stoßen, die in der Tat sonderbar ist, dabei haben gerade diese diesen ‘Tunnelblick’. Ich gelte von Anfang an als Profi in unserem großen Unternehmen, das eben deshalb, weil ich in den letzten 20 Jahren immer mal wieder, -nach drei jahren, – die Firma wechselte und viel Wissen und Erfahrungen sammeln konnte. Natürlich war ich auch bestrebt, mir neben dem Job immer die Wissensbasis zu verfolgen und aktuelles dazu nachzulesen und Fachvorträge oder Workshops zu besuchen. Heute bin ich bereits sieben Jahre im Unternehmen und werde die letzten Jahre bis zur Rente vermutlich auch bleiben. Meine Jobwechsel hatten sich nie negativ ausgewirkt, im Gegenteil, neue Arbeitgeber waren froh jemanden zu finden, der einiges an Wissen und Erfahrung mit bringt, also einen Weitwinkel im Blickfeld hat. Das machte mich jedesmal gleich zum Teamchef. Auch eine neue Abteilung aufzubauen waren die Ergebnisse. Mein Bestreben nach Optimierung usw. war immer willkommen. Das ist natürlich nichts für ‘ängstliche’ Dauerjobber, die nie einen Wechsel in Betracht ziehen und den Mut nicht aufbringen, Neues zu beginnen. Denn da ist Schluß mit den Gewohnheiten, von denen sich viele davor scheuen. Ich hatte nie Angst vor neuen Aufgaben, auch nicht mit 55 Jahren, als ich eine neue Stelle suchen musste, weil beim Arbeitgeber davor eine wirtschaftliche Krise oder eine Übernahme anstand. Die positive Einstellung spürt jeder Personaler beim Gespräch. Also, keine Angst vor neuen Dingen, sich dem offen stellen und es klappt auch.
    Mein Umzug war mit einer Entfernung von 400 km verbunden. Doch deshalb gab ich meinen ersten Wohnsitz nicht auf. Und die Freunde samt soziales Umfeld blieben auch erhalten. Die richtige Einstellung zur Flexibilität ist mitunter entscheidend.

  18. Renate Gregor

    Mit Vergnügen habe ich diesen Beitrag und mit noch größerem Vergnügen die Kommentare dazu gelesen.

    Ja, ich gehöre auch zu den Wechslern.

    Es gab parallel zum Beruf zwei Familienphasen und keine beruflich bedingten Umzüge. Mich nötigt ja niemand zum Jobwechsel. Vielmehr habe ich sowohl mich als auch eine gewisse Abwechslung gesucht. Und wenn die Wechsel dazu führen, dass ich beruflich nach oben falle, prima. Ich bin eben nicht zurückgescheut davor, eine viel größere Stelle anzunehmen, sondern mich hat es gereizt, mich auszuprobieren. Viele, und insbesondere Frauen, hätten erst einmal geschaut, was sie alles nicht können, während ich die Chance sah, viel Neues zu lernen und eine spannende Erfahrung zu machen.

    Wenn mir mein Nachbar Automarke X empfhielt, kann ich dem nachgehen oder nicht. Es ist eine Empfehlung, kein Gesetz. So lese ich auch diesen Beitrag hier.

    Klar kann man solche Empfehlungen nur pauschal aussprechen. Wie sollte man das anders tun? In meiner heutigen Rolle als Personalberaterin merke ich, dass viele Menschen einem beruflichen Wechsel eine viel zu große Bedeutung beimessen. Wie viele haben Angst vor Veränderung, dabei ist auch eine Anstellung nicht sicher. Ist es da nicht besser, selbst die Initiative zu ergreifen?

    Wer seit Jahrzehnten beim gleichen Arbeitgeber war und dann mit 50+ auf der Straße steht, wird sich eher die Augen reiben als jemand, der über den Tellerrand geschaut und der mehr als einen Arbeitgeber kennengelernt hat.

    Ich möchte es so zusammenfassen: Ein Unternehmen braucht beides: Menschen, die bleiben UND Jobwechsler. Beide Denkweisen haben Recht, jeder so, wie er es für sich selbst für richtig hält. Der Beitrag soll doch letztlich nicht mehr tun, als ei wenig zum Nachdenken anzuregen.

  19. Ob viele Jobwechsel Sinn machen, hängt von der Art der Tätigkeit ab.
    Im Vertrieb kann das durchaus Sinn ergeben. Ich hatte in dieser Zeit meiner Berufslaufbahn auch viele verschiedene Tätigkeiten, sowohl als Angestellter, als auch freiberuflich.
    Im IT-Consulting wünschen sich meine Kunden aber einen verlässlichen Ansprechpartner, der nicht alle paar Jahre von einem anderen Unternehmen anruft.
    Und wenn das beschäftigende Unternehmen die Möglichkeit zur Entfaltung bietet, warum wechseln? Nur weil irgendwelche selbsternannte Guru’s das so behaupten?

  20. Michael

    Was sind das für “Experten”, die hier mit solchen Verallgemeinerungen von “Arbeitsphasen” um sich werfen und Wörter wie “Jobzyklus” kreieren? Muss ich auch irgendwann meine Frau verlassen, weil ich in Phase 6 oder 7 meines “Beziehungszyklus” angekommen bin?

    Ich gehe jeden Morgen mit Freude zur Arbeit, seit fast elf Jahren beim selben Arbeitgeber. Am ersten Tag, an dem ich diese Freude nicht mehr habe, werde ich mir Gedanken über einen Wechsel machen. Vielleicht in 14 Tagen, vielleicht in 14 Jahren, vielleicht nie. So einfach ist das.

  21. Inke Fabian

    Ich finde es gefährlich, dies an Jahren festzumachen, da es individuell unterschiedlich ist und am einzelnen Menschen, am Unternehmen, der Art der Tätigkeit und dem Markt, den man bedient, liegt.
    Wir müssen meiner Meinung nach versuchen, den Mitarbeitern Wege aufzuzeigen, dass sie beides vereinen können: eine längerfristige Perspektive in einem Unternehmen, da z. B. erst nach 3-5 Jahren die Früchte der Arbeit richtig geernet werden, sowie eine konstante Weiterentwicklung, die durchaus “Seitensprünge” mit Auslandsaufenthalt, in andere Unternehmen oder im Rahmen von Fortbildungen beinhalten können. Auch ein Unternehmen entwickelt sich weiter und kann viele Möglichkeiten bieten, so lange es durchlässig bleibt.
    Ich selbst habe viele Mitarbeiter, die länger als 10 Jahre dabei sind und die Routine und Erfahrung mitbringen. Auf diese sind wir angewiesen. Gute Erfahrung haben wir mit Auszubildenden gemacht, die in der Hierarchie stetig aufgestiegen, gedanklich aber nicht stehengeblieben sind. Perspektiven muss man allen bieten, insbesondere denen, die längerfristig dabei sind. Dazu muss eine Firma offen, flexibel und dynamisch bleiben und interne Perspektiven für die Mitarbeiter erarbeiten. Und dazu muss es vor allem eine Kultur geben, die dies offen thematisiert und proaktiv angeht – und die intrinsische Motivation der Mitarbeiter anschiebt. Abwechslung kann und sollte man sich bei uns im Unternehmen allerdings auch aktiv schaffen, indem man mitgestaltet.

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