Krank durch Unterforderung – Boreout-Syndrom


Warum Unterforderung krank machen kann?

Krank durch Unterforderung – Boreout-Syndrom

Nicht umsonst spricht man vom „goldenen Mittelweg“.
Unterforderung ist, die Kehrseite der Überforderung, ein Abweichen von der „goldenen Mitte“. Beides verstrickt den Betroffenen in tiefe Depressionen.

Unterforderung entsteht durch den Mangel an Verantwortung, Abwechslung, Gestaltungsmöglichkeiten oder auch wegen fehlender Rückmeldungen auf die erledigten Arbeiten. Häufig löst das Zusammenspiel dieser Komponenten das „Boreout-Syndrom“ aus. Werden wir permanent diesem Mangel ausgesetzt, tritt unweigerlich früher oder später erst ein Gefühl von Langeweile auf, man fühlt sich nutzlos, beginnt an sich selbst zu zweifeln, ein stetig anwachsendes Gefühl der umfassenden Unzufriedenheit ergreift uns. Die Meisten jedoch identifizieren sich mit, und nicht selten auch, über den Beruf. Fehlen hier also Bestätigung und Erfüllung geht ein wesentlicher Punkt unseres Selbstwertgefühls und der eigenen Identität verloren.

Welche Anzeichen für eine Unterforderung (Boreout-Syndrom) gibt es?

Häufig werden „Ersatztätigkeiten“, gesucht. Da wird z.B. heimlich gechattet, der nächste Urlaub gebucht oder einfach nur am PC gespielt. Diese Tätigkeiten suggerieren „emsige Beschäftigung“ – man „tut als ob“, nicht nur dem eventuell erscheinenden Chef, sondern vor allem auch sich selbst gegenüber. Psychische Erschöpfung macht sich breit, latente Müdigkeit wird zum ständigen Begleiter und die Lustlosigkeit, überhaupt eine gestellte Aufgabe zu erledigen, ergreift den Betroffenen schon bei der bloßen Vorstellung. Der Betroffene hat „innerlich“ eigentlich schon „gekündigt“. Aber auch den physischen Gesundheitszustand greift diese Form der Depression an, und um nichts anderes handelt es sich hier, denn nicht selten sind Tabletten- und Alkoholmissbrauch Begleiter des „Boreout-Syndroms“.

Wie kämpfe ich dagegen an?

Steckt man in diesem Teufelskreis aus Selbstbetrug und Unzufriedenheit ist es schwer, einen Ausweg aus der Misere zu finden.
Philippe Rothlin und Peter R. Werder, ihres Zeichens Unternehmensberater, gingen dem Phänomen „Krank durch Unterforderung“ nach.

Als Lösung bieten sie ein Denkmodell „des qualitativen Lohns“ an. Sinn, Zeit und Geld werden hier in Bezug zur Arbeit gesetzt. Erst die Ausgewogenheit dieser Elemente lässt uns „glücklich sein“. Der erste Schritt aus dem Teufelskreis ist, lt. Rothlin und Werder, sich dieser Komponenten bewusst zu werden und eine Analyse der eigenen Situation vorzunehmen. Der Folgeschritt erfordert eine gehörige Portion Mut: mit dem Chef muss über die Situation gesprochen werden, möglicherweise ist schon die Versetzung in eine andere Abteilung die Problemlösung. Findet man hier keine Unterstützung oder Hilfe bleibt, so hart es auch sein mag, nur die Suche nach einem neuen Arbeitgeber, vielleicht sogar einer beruflichen Umorientierung. Oft wird uns erst nach dem Ausstieg bewusst, wie eng richtiges Arbeitsumfeld und Wohlfühlen mit einander verbunden sind.

Literaturtipp:
Rothlin und Werder gehen mit ihrem Buch „Diagnose Boreout: Warum Unterforderung im Job krank macht“ auf dieses Krankheitsbild ein.

Was kann sonst noch dagegen getan werden?

Ist die Depression bereits zu weit fortgeschritten fehlt es auch an notwendige Kraftreserven, die Situation in Eigeninitiative zu lösen. „Erste Hilfe“ kann oft schon der Hausarzt mit Herausnahme aus dem laufenden Arbeitsprozess und Empfehlung an einen kompetenten Psychologen leisten. Bringt dieser Schritt nicht die erwartete Hilfe, ist die Webseite „Psychotherapie Informationsdienst“ wertvoller Wegweiser. Informationen rund um psychische Erkrankungen, wie auch eine „Therapeutensuche“ stehen dem Betroffenen unter: http://www.psychotherapiesuche.de zur Verfügung.

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Bisher gibt es 2 Kommentare. »

  1. Ich habe eine Frage.

    Ein Arbeitsloser kann doch auch vom Boreaut-Syndrom betroffen sein , oder ? Es ist nämlich immer von Unterforderung bei Erwärbstätigen am Arbeitsplatz die Rede.

    Ich würde mich über eine Nachricht freuen !

    Danke

    Lola

  2. Hallo Lola,

    in dem Sinne schon.

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