Kritik im Job – Wie Sie am besten reagieren

Kritik hört niemand von uns gerne. Im Privatleben reagieren wir dann meistens übermäßig gereizt, schnippisch oder eingeschnappt. Im Job jedoch ist das nicht so einfach. Schließlich muss Kritik professionell entgegen genommen werden. Und bloß nicht persönlich nehmen! Aber ist das nicht leichter gesagt als getan? Schließlich richtet sich im Endeffekt doch jede Art der Kritik irgendwie gegen uns, oder? Hier finden Sie die Do’s und Don’ts wenn Sie im Job kritisiert werden.

Inhalt:
1) Warum tut Kritik so weh?
2) Schritt 1: Ruhig bleiben und zuhören
3) Schritt 2: Nachfragen
4) Schritt 3: In den Kritiker hineinversetzen
5) Schritt 4: Kritikfähigkeit üben, üben, üben

Warum tut Kritik so weh?

Mit Kritik gehen meistens auch starke Emotionen einher. Wir fühlen uns angegriffen, im Ego verletzt oder entwickeln Ablehnung gegenüber der kritisierenden Person. Im schlimmsten Fall wird die Kritik dann auch noch unangemessen geäußert, vielleicht sogar vor versammelter Mannschaft. Die typische Reaktion ist es entweder wütend den Raum zu verlassen oder sich in Verteidigungsmechanismen zu verlieren. Wenn Sie dann auch noch zu hören bekommen Sie sollen die Kritik als Chance ansehen, wird das Fass zum Überlaufen gebracht. Woran liegt das? Im Prinzip besitzt jeder Mensch den tiefen Wunsch nach Anerkennung, Selbstwert und Akzeptanz in der Gruppe. Die Trennung zwischen sich selbst als Person und seinem eigenen Verhalten ist dabei äußerst schwierig. Schließlich verhalten wir uns ja in der Regel so, wie wir als Person das für richtig halten. Dies macht uns verletzlich und empfindlich gegenüber jedweder Kritik. Nun aber die gute Nachricht: Kritikfähigkeit kann erlernt werden.

Schritt 1: Ruhig bleiben und zuhören

Hören Sie sich erst einmal die Kritik an. Bleiben Sie ruhig und lassen Sie gerne auch anschließend einige Sekunden der Ruhe vergehen. Dies dient in erster Linie dazu, die Fassung zu bewahren und kann Sie zudem vor übermütigen Aussagen beschützen. Zudem sollten Sie den Kritiker auf keinen Fall im Satz unterbrechen oder direkt mit Rechtfertigungen beginnen, bevor dieser überhaupt fertig ist. Das wirkt kindisch und unprofessionell. Während der Ruhe können Sie auch innerlich auf Zehn zählen. Das klärt die Gedanken und mindert die Stresssymptome.

Schritt 2: Nachfragen

Anschließend fragen Sie ruhig noch einmal nach. Sie können dabei Redewendungen, wie „Habe ich es richtig verstanden, dass Sie meinten…?“ benutzen, um etwas mehr Zeit zu gewinnen. Außerdem räumt diese Technik eventuelle Missverständnisse aus dem Weg. Nun werden Sie konkreter: Worauf bezieht sich die Kritik? Was genau sollten Sie bestenfalls ändern? Sie werden sich wundern, aber nicht allzu selten werden dadurch auch Scheinkritiker überführt, sprich unsachlich kritisierende Kollegen, die sich selbst beweisen oder als wichtig empfinden möchten. So…Kritik aus dem Weg geräumt. Zumindest bestenfalls. Andernfalls handelte es sich tatsächlich um konstruktive Kritik, die Sie wirklich als Chance sehen sollten. Also kann auch hier die gezielte Nachfrage nicht schaden. Dies erleichtert Ihnen außerdem den nächsten Schritt…

Schritt 3: In den Kritiker hineinversetzen

…Sie versuchen, sich in den Kritiker hinein zu versetzen. Vielleicht können Sie ihn ja sogar verstehen? Zumindest bekunden Sie den nötigen Respekt und echtes Interesse an der Kritik. Sie zeigen Kooperationsbereitschaft. Hierbei müssen Sie sich nicht klein machen („Man bin ich dumm…“), im Gegenteil. Sie gehen Ihrem Gegenüber auf Augenhöhe einen Schritt entgegen: „Aus der Perspektive habe ich das noch nicht betrachtet…“ oder „Wenn ich mir das aus Ihre Sicht einmal ansehe, kann ich das sogar nachvollziehen“. Das heißt noch nicht, dass das Gespräch damit beendet ist. Es signalisiert dem Kritiker aber Ihr Verständnis sowie Ihre Kooperationsbereitschaft und ebnet damit den Weg für ein konstruktives entspanntes Gespräch. In diesem können Sie dann auch angemessen formuliert Ihre Meinung erläutern. Es ist schließlich nicht verboten, gegen Kritik auch zu argumentieren.

Schritt 4: Kritikfähigkeit üben, üben, üben

Aber nur, und das ist das Schwierige, wenn Sie wirklich eine andere Meinung dazu haben. Horchen Sie einmal in sich hinein:

  • Hat der Kritiker vielleicht wirklich recht?
  • Oder kann ich die Kritik durch Fakten widerlegen?
  • Bin ich wütend, weil ich kritisiert wurde?
  • Oder weil ich tatsächlich die Kritik an sich für falsch halte.
  • Und wie kann ich das dem Kritiker am besten näherbringen?

Im Endeffekt können wir nur dann wirklich kritikfähig werden, wenn wir ein gewisses Maß an Selbstwert entwickelt haben. Wir müssen uns unseres Könnens bewusst sein. Wir müssen unseren inneren Kritiker zum Schweigen bringen, dann drücken die äußeren Kritiker nicht immer wieder auf diesen schmerzenden Knopf. Müssen wir denn perfekt sein? Das ist gar nicht möglich! Den Weg zu dieser Gelassenheit muss allerdings jeder für sich selbst finden. Ein Geheimrezept gibt es nicht. Und bis dahin sollten Sie einfach immer wieder Ihre Kritikfähigkeit überprüfen und üben, üben, üben!

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