Kündigung – Tipps für einen professionellen Abgang

Wer kündigt und ein Unternehmen verlässt, sollte daran denken, dass man sich immer zweimal im Leben begegnet. In der Trauer um den verlorenen Arbeitsplatz, in der Wut über den Chef oder der Freude über eine neue berufliche Chance, übersieht man leicht so manches Fettnäpfchen.

Für einen professionellen Abgang bei einer Kündigung sollten Sie diese Tipps beachten:

Teil 1 – Wenn Sie selbst kündigen, beachten Sie folgende Tipps:

1. Bereiten Sie Ihre Kündigung und eine etwaige Verhandlung gut vor. Spontankündigungen haben meistens mehr Nachteile als Vorteile.

2. Beachten Sie die Fristen im Arbeitsvertrag und reichen Sie die Kündigung schriftlich ein („hiermit kündige ich das mit Ihnen bestehende Arbeitsverhältnis fristgerecht zum … .“).

3. Wenn Sie Schwierigkeiten vermuten, lassen Sie sich am besten vorher anwaltlich beraten und sprechen Sie mit dem Betriebsrat, sofern vorhanden.

4. Wenn Sie keinen Anschlussjob haben, müssen Sie sich arbeitslos melden. Nach § 159 (SGB III) kann die Arbeitsagentur eine Sperrfrist von 12 Wochen oder mehr verhängen, in der kein Arbeitslosengeld gezahlt wird.

5. Wenn der Chef Sie nach dem Grund Ihres Weggangs fragt, müssen Sie den nicht offen legen. Wenn Sie sich nicht vorher mit Ihrem Chef ausgesprochen haben, dann ist jetzt auch nicht mehr der richtige Zeitpunkt, schmutzige Wäsche zu waschen. Zeigen Sie lieber Stil.

6. Besser, Sie begründen Ihre Kündigung mit den Chancen und Herausforderungen in Ihrem neuen Job oder damit, dass die neue Arbeitsstelle günstiger liegt, etc..

7. Auch vor den Kollegen sollten Sie sich negative Urteile über Ihren Chef oder den „miesen Laden“ verkneifen. Der Flurfunk trägt solche Neuigkeiten weiter als man denkt.

8. Überhaupt sprechen Sie nur über Ihre neue Arbeitsstelle, wenn Sie schon unterschrieben haben und auch dann sehr zurückhaltend. Vielleicht haben Sie ja auch eine Verschwiegenheitserklärung unterschrieben. Sie sollten Ihren neuen Arbeitgeber nicht enttäuschen, in dem Sie jetzt plaudern.

9. Auch nach dem Ausscheiden sollten Sie darauf achten, wem Sie was erzählen: zum einen kennt man sich untereinander in den Branchen und zum anderen wirft das Lästern über Ihren alten Arbeitgeber im neuen Unternehmen ein schlechtes Licht auf Sie.

Lernen Sie die Lektion, die Sie aus dem alten Arbeitsverhältnis ziehen können: wenn es Streit oder Stress gab, was war Ihr Anteil daran? Mit welcher Haltung oder Einstellung haben Sie die Situation begünstigt? Was könnten Sie beim nächsten Mal besser machen?

Teil 2 – Wird Ihnen von Ihrem Arbeitgeber gekündigt, dann beachten Sie folgendes:

Kündigt der Arbeitgeber ordentlich, so kann er dies aus drei Gründen tun: Kündigung aus Gründen der Person, des Verhaltens oder aus betrieblichen Gründen.

1. Da es viele Details wie Urlaubsabgeltung, Freistellung, Bonusauszahlung, Betriebsrente, etc. zu beachten gilt, sollte man sich im Falle einer Kündigung immer anwaltlich beraten lassen. Unterschreiben Sie daher nichts unter Druck. Lassen Sie die Kündigung erst mal sacken und legen Sie etwaige Aufhebungsverträge immer erst einem Fachanwalt für Arbeitsrecht vor. Denn vielleicht wäre ja eine Kündigungsschutzklage der bessere Weg für Sie. Das geht aber nur, wenn Sie noch nichts unterschrieben haben.

2. Es gibt keinen gesetzlichen Anspruch auf Abfindung, auch wenn sich dieses Gerücht hartnäckig hält. Es ist jedoch für den Arbeitgeber eine bequeme Form, durch einen Aufhebungsvertrag eine Kündigung und damit eine Klage des Arbeitnehmers zu vermeiden.

3. Bei Aufhebungsverträgen droht jedoch eine Sperrzeit. Arbeitslosengeld fließt dann erst nach zwölf Wochen. Bis dahin zahlt die Arbeitsagentur noch nicht einmal Beiträge zur Kranken- und Rentenversicherung.

4. Nach einer Kündigung müssen Sie sich umgehend, d.h. innerhalb von drei Tagen beim Arbeitsamt arbeitslos melden, falls Sie nicht direkt einen neuen Job antreten, um überhaupt Anspruch auf das Arbeitslosengeld zu bekommen. Laut Gesetz muss der gekündigte Arbeitnehmer drei Monate vor Ende der Kündigungsfrist, bei kürzeren Fristen spätestens drei Tage nach Erhalt der Kündigung, persönlich bei der Arbeitsagentur erscheinen. Andernfalls droht eine Sperrzeit bei der Auszahlung des Arbeitslosengeldes.

5. Wer eine Kündigung erhält, darf auch nicht einfach zuhause bleiben, auch wenn er absolut keine Lust mehr hat, ins Büro zu gehen. Wer nicht freigestellt wurde, kann wegen Arbeitsverweigerung abgemahnt und auch noch fristlos gekündigt werden. Das wirkt sich nicht nur negativ auf das Zeugnis aus, auch die Arbeitsagentur kann in diesem Fall eine Sperrfrist verhängen.

6. Auch wenn ein Kündigungsgespräch sehr emotional verlaufen kann, sollte man sich sehr genau überlegen, was man sagt. Ursachenforschung oder Beschimpfungen sind jetzt fehl am Platz. Wer es schafft, stattdessen um ein Empfehlungsschreiben oder ein gutes Zeugnis zu bitten, ist klar im Vorteil.

7. Trotzdem kann eine Kündigungsschutzklage sinnvoll sein – sei es, dass man in der Firma weiterarbeiten will oder vor Gericht doch noch eine gute Abfindung herausholen möchte: Allerdings muss man innerhalb von drei Wochen handeln! Die Frist beginnt in dem Moment zu laufen, wenn das Kündigungsschreiben persönlich übergeben wurde oder es im Briefkasten liegt.

8. Vorteilhaft kann es auch sein, wenn das Unternehmen eine Outplacement-Beratung anbietet. Der Arbeitgeber bezahlt seinem scheidenden Mitarbeiter den Karriere-Coach. Dieser erarbeitet mit dem Betroffenen eine professionelle Bewerbungsstrategie und macht ihn in fit für eine neuen Aufgabe.

9. Das Arbeitslosengeld beträgt nur ca. 60% des Durchschnittseinkommens der letzten 12 Monate (zum selbst berechnen: http://www.pub.arbeitsamt.de/alt.html) Privatversicherte sollten deshalb schnellstmöglich klären, ob sie privatversichert bleiben wollen oder nicht und ob sie die Kosten dafür aufwenden können. Die Rückkehr in eine gesetzliche Krankenkasse kann gerade bei Familien jetzt sehr hilfreich sein.

10. Ebenso sollte überprüft werden, ob und wo man sparen könnte, in dem man Versicherungen oder Kreditrückzahlungen vorübergehend reduziert.

11. Sobald diese Fragen geklärt sind, sollten Sie Ihre ganze Kraft und Konzentration auf die Suche nach einem neuen Arbeitsstelle ausrichten.

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3 Kommentare

  1. Ein professioneller Abgang ist sehr wichtig, nicht nur um bei Anderen einen guten Eindruck zu hinterlassen, sondern auch um das eigene Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl zu stärken.

  2. Reinhold Loose on

    Eigenkündigung:

    Bei Eigenkündigung ohne wichtigen Grund, sieht das SGB III eine Sperrfrist von 12 Wochen vor. Aufgrund einer Sperrfrist von 3 Monaten, wird zwangsläufig die Anspruchsdauer um 6 Monate gekürzt. D.h. Bei einem Anspruch auf ALG I von 24 Monaten, wird in den ertsen 3 Monaten kein ALG I gezahlt, danach nur für max. 15 Monate und keine 21 Monate, wie häufig irrtümlich angenommen wird. Es steht exakt so im SGB III. Die Arbeitsagentur hat hier keinen Ermessungsspielraum.
    Vor einer Eigenkündigung sollte unbedingt geprüft werden ob ein wichtiger Grund vorliegt.
    Ein ärztliches Attest über die gesundheitliche Gefärdung am Arbeitsplatz, wäre ein wichtiger Grund.
    Mobbing ist ein wichtiger Grund, aber immer noch sehr schwer nachzuweisen.
    Oder erst kündigen, wenn der neue Arbeitsvertrag unterschrieben ist.
    Ich habe mit 58 Jahren aufgrund von Mobbing gekündigt und diese Entscheidung nun teuer bezahlen müssen. Es gilt immer noch ein ungeschriebenes Gesetz, der Arbeitgeber tut etwas Gutes, er gibt Arbeit und der Arbeitnehmer ist der Popel, er nimmt Arbeit. Um einen Arbeitsplatz zu erhalten wird vom Arbeitnehmer Demütigungen und eventuell eine Hinnahme von Gehltseinbußen erwartet.
    Getreu dem Motto, wer zahlt, schafft an.

  3. Hallo, ich habe meinem Arbeitgeber meine Kündigung eingereicht aber vergessen einzufügen ab wann. Ist di Kündigung trotzdem gültig . Ich hab geschrieben, hiermit ist kündige ich das mit Ihnen bestehende Arbeitsverhältnis ohne Angabe von gründen innerhalb der Probezeit.

    Gruß

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