Lohn- und Gehaltsabrechnung: Steuerklassen und Freibeträge

2. Grundlagen der Lohn- und Gehaltsabrechnung

Die meisten Sachverhalte, die wir beim Online-Seminar Lohn und Gehalt in diesem zweiten Kapitel ansprechen, werden Ihnen, verehrte Leserinnen und Leser, nicht ganz unbekannt sein. Aber eine kurz gefasste, zusammenhängende Darstellung oder Wiederholung kann sicherlich nicht schaden!

2.1. Lohnsteuer

Die rechtlichen Grundlagen finden wir im Einkommensteuergesetz EStG. Dies bestimmt, dass die Einkünfte aller nicht selbständig Tätigen, also Arbeiter, Angestellte oder Beamte lohnsteuerpflichtig sind. Die Lohnsteuer bezeichnet somit die Einkommensteuer von Arbeitnehmern. Damit der Arbeitgeber die Lohnsteuer vom Steuerbrutto korrekt berechnen und an das zuständige Finanzamt – zuständig ist das Finanzamt des Ortes, an dem das Unternehmen seinen Sitz hat- abführen kann, benötigt er die Steuerabzugsmerkmale des Arbeitnehmers.

Dazu gehören:

  • Die Steuerklasse des Lohnsteuerpflichtigen
  • Die Zahl der Kinderfreibeträge
  • Die Religionszugehörigkeit des Arbeitnehmers
  • Eventuelle Steuerfreibeträge wegen erhöhter Werbungskosten, Sonderausgaben oder Behinderungen
  • Mögliche Hinzurechnungsbeträge, unter denen man beim voraussichtlichen Jahresarbeitslohn nicht ausgeschöpfte Steuerfreibeträge versteht, die auf ein weiteres Dienstverhältnis übertragen werden können.

2.1.1. Gesamtbrutto, Steuerbrutto, Nettoverdienst und Auszahlungsbetrag

Gesamtbrutto, Steuerbrutto, Nettoverdienst, Auszahlungsbetrag – wie verhalten sich diese Größen zueinander? Halten wir für dieses Online-Seminar Lohn und Gehalt die Definitionen fest.

Zum Gesamtbrutto zählen grundsätzlich alle laufende Bezüge, Einmalzahlungen und Sachbezüge bzw. geldwerte Vorteile, die eine besondere Form der Vergütung für erbrachte Arbeitsleistung darstellen, die an Stelle von Geld erbracht wird. Nach welchen Gesichtspunkten diese Entgelte besteuert werden (und auch der Sozialversicherugspflicht unterliegen), wird wesentlicher Bestandteil des Online-Seminars Lohn und Gehalt sein und in späteren Beiträgen an Hand ausführlicher Beispiele und Musterabrechnungen behandelt werden.

Laufende Bezüge – AuswahlEinmalzahlungen – AuswahlSachbezüge/geldwerte Vorteile – Auswahl
Löhne und GehälterUrlaubsgeldPrivate Nutzung betrieblicher Fahrzeuge, sog. Firmenwagen
Vergütungen für geleistete ÜberstundenWeihnachtsgeldFreie oder verbilligte Verpflegung und Unterkunft
Zuschläge für Sonderarbeitszeiten und tarifliche oder persönliche ZulagenHeiratszulagePersonalrabatte
Prämien und ProvisionenWarengutscheine
Entgeltfortzahlung bei Krankheit des ArbeitnehmersArbeitgeberdarlehen
Urlaubsentgelt
Zuschüsse des Arbeitgebers zum Mutterschaftsgeld
Zuschüsse des Arbeitgebers im Rahmen vermögenswirksamer Leistungen
Arbeitgeberzuschüsse zur Altersversorgung

 

Die in der Tabelle aufgelisteten Lohn- und Gehaltsbestandteile sind im Rahmen der Lohn- und Gehaltsabrechnung daraufhin zu überprüfen, inwieweit sie besonderen steuerlichen oder sozialversicherungsrechtlichen Regelungen unterliegen. Genannt seien an dieser Stelle schon einmal steuer- und sozialversicherungs freie Zuschläge für Sonn-, Feiertags- oder Nachtarbeit oder die Besteuerung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld.

Neben der Lohnsteuer gehören Solidaritätszuschlag und ggf. die Kirchensteuer zu den Steuerabzugsbeträgen. Zusätzlich sind vom Arbeitgeber die Beiträge zur Sozialversicherung (Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung) zu ermitteln. Der Nettoverdienst eines Arbeitnehmers ergibt sich folglich aus:

Gesamtbrutto
– Steuerabzugsbeträge unter Berücksichtigung von Freibeträgen
– Arbeitnehmeranteile zur Sozialversicherung
= Nettoverdienst

Bei einem Arbeitnehmer, der ausschließlich Stundenlohn oder Gehalt bezieht, wird der Nettoverdienst auch im Normalfall dem Auszahlungsbetrag entsprechen. Anders sieht es aus, wenn ein Arbeitnehmer bereits einen Vorschuss bekommen hat, der vom Arbeitgeber

einbehalten wird, vermögenswirksame Leistungen abgeführt oder gewährte geldwerte Vorteile verrechnet werden. Wie bereits vorher erwähnt, werden die unterschiedlichsten Sachverhalte im Online-Seminar Lohn und Gehalt an konkreten Beispielen unter Berücksichtigung der aktuellen rechtlichen Vorschriften bearbeitet werden.

2.1.2. Lohnsteuerklassen und darin eingearbeitete Freibeträge

Das Einkommensteuergesetz ordnet Arbeitnehmer sechs verschiedenen Lohnsteuerklassen zu, die somit zu unterschiedlichen (monatlichen) Steuerbelastungen beim Einkommen führen und sich damit im Nettoverdienst niederschlagen.

SteuerklasseArbeitnehmergruppe
IUnverheiratete und dauernd getrennt Lebende
IIUnverheiratete und allein Erziehende, denen ein Entlastungsbeitrag zusteht mit mindestens einem minderjährigen Kind im Haushalt
IIIVerheiratete, wenn der Ehegatte keinen Arbeitslohn bezieht bzw. in Steuerklasse V eingereiht ist
IVVerheiratete, wenn der Ehegatte ebenfalls Arbeitslohn bezieht und in Steuerklasse IV eingereiht ist; beide Ehegatten verdienen etwa gleich viel.
VVerheiratete, deren Ehegatte als der mehr verdienende in Steuerklasse III eingereiht ist
VISteuerpflichtige, die aus einem oder mehreren weiteren Arbeitsverhältnis als Arbeitnehmer Arbeitsentgelt beziehen

 

In die für die Ermittlung der Lohnsteuer heranzuziehenden Lohnsteuertabellen sind bereits als Freibeträge eingearbeitet:

  • Ein steuerlicher Grundfreibetrag, der das Existenzminimum des Steuerpflichtigen steuerfrei stellt und sich im Jahr 2014 auf 8.354 €/16.708 € für Alleinstehende/Verheiratete beläuft.
  • Ein Arbeitnehmerpauschbetrag/Werbungskostenpauschale in Höhe von 1.000 €
  • Ein Sonderausgabenpauschbetrag in Höhe von 36 € bzw. 72 € bei Ehegatten
  • Eine Vorsorgepauschale, um Ausgaben des Steuerpflichtigen für die soziale Sicherung steuerfrei zu stellen
  • Ein Entlastungsbetrag für Alleinerziehende in Höhe von 1.308 €
  • Kinderfreibeträge in Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer, den sog. Annexsteuern

An dieser Stelle zitieren wir im Online-Seminar Lohn und Gehalt bei Arbeits-ABC.de eine Mitteilung des Bundesfinanzministeriums vom 28.01.2015, in der es heißt:

„Das Bundeskabinett hat den Bericht über die Höhe des steuerfrei zu stellenden Existenzminimums von Erwachsenen und Kindern für die Jahre 2015 und 2016 beschlossen. Danach sind der steuerliche Grundfreibetrag und der Kinderfreibetrag anzupassen.
Die Bundesregierung wird die notwendigen gesetzgeberischen Schritte einleiten, die sich aus dem Existenzminimumbericht ergeben. Der 10. Existenzminimumbericht kommt zu dem Ergebnis, dass in den Veranlagungsjahren 2015 und 2016 sowohl beim Grundfreibetrag (derzeit 8.354 €) als auch beim Kinderfreibetrag (derzeit 4.368 €) Erhöhungsbedarf besteht. Der Grundfreibetrag ist um mindestens 118 € im Jahr 2015 und um mindestens 298 € im Jahr 2016 anzuheben. Der Kinderfreibetrag ist um mindestens 144 € im Jahr 2015 und um mindestens 240 € im Jahr 2016 anzuheben. In dem Umfang, wie Erwerbseinkommen zum Bestreiten des notwendigen Lebensunterhalts notwendig ist, darf es in Deutschland nicht besteuert werden. Um die Einhaltung dieser Vorgabe des Bundesverfassungsgerichts exakt zu überprüfen, legt die Bundesregierung seit 1995 alle zwei Jahre einen Bericht vor.“

In der Praxis bedeutet dies, dass bisher erstellte Lohnabrechnungen noch auf den bisherigen Lohnsteuertabellen basieren und für einen Arbeitnehmer u. U. zu viel Lohnsteuer einbehalten worden ist.

2.1.3. ELStAM-Verfahren ab 2013

Über Jahrzehnte hinweg stellte die Gemeindebehörde jedem Arbeitnehmer zu Beginn eines jeden Kalenderjahres eine Lohnsteuerkarte mit Angabe der Steuerklasse, der Kinderzahl und der Religionszugehörigkeit aus, die er seinem Arbeitgeber vorlegte. Eventuelle Freibeträge
wurden durch die zuständige Finanzbehörde eingetragen. Ab dem Jahr 2013 werden die für die Steuerermittlung relevanten Daten durch den Arbeitgeber bei Bundeszentralamt für Steuern auf elektronischem Wege abgerufen. ELStAM lautet die Abkürzung für Elektronische LohnSteuerAbzugsMerkmale. Für den Abruf macht der Arbeitgeber folgende Angaben:

  • Die lebenslang gültige, elfstellige Steuer-Identifikationsnummer des Steuerpflichtigen
  • Geburtsdatum des Arbeitnehmers laut Melderegister
  • Datum des Beginns des Beschäftigungsverhältnisses
  • Angabe, ob es sich um ein erstes oder weiteres Dienstverhältnis handelt
  • Angabe der Steuernummer der lohnsteuerlichen Betriebsstätte des Arbeitgebers

Hat ein neu eingestellter Arbeitnehmer dem Arbeitgeber keine oder eine falsche Steuer-Identifikationsnmmer mitgeteilt, hat er drei Monate Zeit, die erforderlichen Daten zu beschaffen. Nach dieser Dreimonatsfrist muss der Arbeitgeber zwingend die Lohnsteuer nach Steuerklasse VI berechnen, einbehalten und abführen.

weiter: Lohn- und Gehaltsabrechnung: Tages-, Monats- und Jahreslohnsteuertabellen

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