Lohnverhandlung: Do’s und Don’ts für mehr Geld

0

Laut einer bei Statista veröffentlichten Umfrage, würden 61,6 Prozent der befragten Arbeitnehmer ihren Job aufgrund einer schlechten Bezahlung wechseln. Der bessere Verdienst steht damit auf Platz eins der Wunschliste der deutschen Arbeitnehmer. Ein Wunsch, der auch ohne Jobwechsel nicht unerreichbar bleiben muss. Denn nicht nur in einem Bewerbungsgespräch für einen neuen, sondern auch im jährlichen Mitarbeitergespräch im bestehenden Job haben Sie die Chance auf einen höheren Verdienst. Doch so eine Lohnverhandlung hat auch ihre Tücken. Wir möchten Ihnen deshalb die wichtigsten Do’s und Don’ts vorstellen, damit Sie Ihre Lohnverhandlung professionell zum Erfolg führen.

Statistik: Was wären für Sie Gründe für einen Arbeitsplatzwechsel? | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

1. Die Lohnverhandlung vorbereiten
2. Das Wunschgehalt festlegen
3. Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Lohnverhandlung?
4. Das richtige Maß finden
5. Tipps für die optimale Vorbereitung
6. Die häufigsten Fehler in der Lohnverhandlung

Die Lohnverhandlung vorbereiten

Es ist niemals eine gute Idee unvorbereitet in die Lohnverhandlung zu gehen. Stattdessen können Sie sich bereits im Vornherein Ihre wichtigsten Argumente bereitlegen und durch entsprechende Online-Tools oder einfach mit einem Bekannten schon einmal die Lohnverhandlung üben. So werden Sie sicherer und in Ihrer Argumentation schlüssiger. Zudem sollten Sie sich über einen konkreten Lohnvorschlag im Klaren sein. Wie viel möchten Sie verdienen? Wo liegt bei der kommenden Verhandlung Ihre Spannweite? Legen Sie sich einen Wunsch- und einen Minimalwert dessen bereit, was Sie in der Lohnverhandlung erreichen möchten. Doch woher wissen Sie eigentlich wie viel Sie verlangen können?

Das Wunschgehalt festlegen

Der wichtigste Anhaltspunkt für die Festlegung Ihres Wunschgehaltes ist der sogenannte Branchenvergleich. Denn viele Arbeitnehmer oder Bewerber, vor allem Berufseinsteiger, wissen nicht was sie für ihre Arbeit eigentlich verlangen können. Doch nicht selten werden in einer Jobausschreibung konkrete Gehaltsangaben gefordert. Wer die branchenüblichen Gehälter kennt hat daher nun eine optimale Vergleichsgrundlage und einen Ausgangspunkt, den er wählen, über- oder unterbieten kann, eben je nach Situation. Einen solchen Branchenvergleich können Sie sich auf zahlreichen Internetplattformen erstellen lassen oder direkt im Internet nachlesen. So finden Sie zahlreiche anonymisierte Gehaltsinformationen mit den wichtigsten Angaben zu Berufserfahrung, Alter und Bundesland. Denn nicht nur zwischen den Branchen, sondern auch zwischen einzelnen Regionen gibt es zum Teil große Unterschiede im Durchschnittsgehalt. In ganz Deutschland gilt jedoch mittlerweile der Mindestlohn, auf welchen Sie sich stets berufen können. Doch was, wenn Sie mehr möchten als den Mindestlohn?

Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Lohnverhandlung?

Am besten ist immer der Zeitpunkt, an welchem Sie explizit nach Ihren Lohnvorstellungen gefragt werden. In Bewerbungsprozessen ist das häufig bereits im Anschreiben oder aber dann beim Bewerbungsgespräch der Fall. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel und spätestens wenn Sie bereits in einer Anstellung sind, sich aber mehr Geld wünschen, müssen Sie die Eigeninitiative ergreifen. Im Vorstellungsgespräch bedeutet das, dass Sie bis zum Schluss abwarten, ob Ihr Gegenüber von sich aus auf das Gehalt zu sprechen kommt. Ansonsten fragen Sie zum Ende des Gespräches vorsichtig nach. Wer zu früh, gar vor der Besprechung der Aufgabenfelder und konkreten Stelle, auf das Gehalt zu sprechen kommt hinterlässt schnell einen schlechten Eindruck. Sind Sie bereits in einer festen Anstellung, so ergibt sich der optimale Zeitpunkt im Rahmen eines Routinegespräches. Warten Sie hierbei erst einmal ab was Ihr Chef Ihnen zu sagen hat. Fällt die Rückmeldung positiv aus, können Sie sich an das Thema heranwagen. Ansonsten warten Sie besser noch ein Jahr.

Ein klassischer Zeitpunkt für eine Gehaltsverhandlung ist zudem jener, an welchem Sie ein Abwerbungsangebot einer anderen Abteilung oder gar externen Firma erhalten haben. Seien Sie sich aber bewusst, dass Sie keine Garantie für eine Lohnerhöhung haben. Sollten Sie also den Weggang von Ihrer Arbeitsstelle als Druckmittel einsetzen, müssen Sie in der Konsequenz einer gescheiterten Lohnverhandlung auch tatsächlich gehen. Ansonsten machen Sie sich unglaubwürdig und werden wohl kaum mehr Chancen auf eine zukünftige, erfolgreiche Lohnerhöhung haben. Die Strategie für die Lohnverhandlung will daher gut durchdacht sein…

Das richtige Maß finden

In einer Lohnverhandlung geht es stets darum das richtige Maß zu finden. Sowohl beim Finanziellen als auch bei Ihrem Auftreten. Denn Selbstbewusstsein ist das A und O im Lohngespräch. Sie sollten Ihren eigenen Wert kennen und diesen plausibel darlegen können. Sie bieten einen Mehrwert für das Unternehmen? Wenn Sie das Ihrem Vorgesetzten oder dem Personaler glaubhaft vermitteln können, haben Sie gute Chance auf ein besseres Gehalt. Doch Vorsicht: Arroganz ist hier genauso schädlich wie Schüchternheit. Wer zu wenig fordert wird als unsicher und zu wenig selbstbewusst eingestuft. Wer zu viel fordert könnte schlichtweg zu teuer sein oder wird für einen eher unangenehmen Zeitgenossen gehalten. Wichtig ist, dass Sie gut vorbereitet scheinen, sich glaubhaft verkaufen können und dabei das richtige Maß an Selbstbewusstsein finden. Dass es einfach wird, hat ja niemand behauptet. Übrigens: Sie können nicht nur ein höheres Gehalt, sondern natürlich auch Nebenleistungen aushandeln. Hierzu gehören zum Beispiel Firmenwagen, Umzugsspesen, Bonuszahlungen, Reisespesen oder Zusatzversicherungen.

Tipps für die optimale Vorbereitung

Konkrete Tipps, um sich optimal auf die Lohnverhandlung vorzubereiten, sehen wie folgt aus:

  • Werden Sie sich über Ihre Forderung klar.
  • Bleiben Sie realistisch, aber selbstbewusst.
  • Welche Form des Gehaltes wünschen Sie (variabel, fix, Leistungsprämie o.ä.)?
  • Üben Sie die Lohnverhandlungen mit Bekannten oder über das Internet.
  • Legen Sie Ihre untere Schmerzgrenze fest.
  • Nennen Sie im Gespräch eine konkrete Summe und begründen Sie diese glaubhaft:

„Ich habe mich mit den aktuellen Einstiegsgehältern und dem üblichen Anforderungsprofil der Branche befasst. Aufgrund der von Ihnen beschriebenen Verantwortungsbereiche und meiner bisherigen Berufserfahrung bin ich der Meinung, dass 36.000 Euro angemessen sind.”

  • Achten Sie auf Ihre Körpersprache, vermeiden Sie nervöse Gesten oder das Spielen mit den Haaren beziehungsweise einem Kugelschreiber.
  • Wenden Sie sich Ihrem Gegenüber zu, sehen Sie ihm in die Augen und fragen Sie: „Was halten Sie davon?“
  • Der Arbeitgeber kommt nicht entgegen? Schlagen Sie doch zum Beispiel vor die Probezeit zu einem niedrigeren Gehalt zu absolvieren und es anschließend bei Zufriedenheit zu erhöhen.
  • Achten Sie darauf, dass alle Vereinbarungen hinterher auch tatsächlich im Arbeitsvertrag festgehalten werden.

Die häufigsten Fehler in der Lohnverhandlung

Mindestens ebenso wichtig wie die Tipps für eine Lohnverhandlungen sind deren absolute No-Gos. Denn wer hier ins Fettnäpfchen tritt, muss eventuell weitreichendere Folgen ausbaden als nur die fehlende Lohnerhöhung. Wer bereits in einer festen Anstellung ist kann es sich durch falsches Auftreten dauerhaft mit dem Chef oder gar den Kollegen verscherzen:

  1. Ziehen Sie niemals über Ihre Kollegen her oder schwärzen Sie diese beim Chef an: „Aber ich arbeite doch viel schneller und besser als Frau S.“ oder „Herr T. verdient mehr als ich dabei hat er doch erst letzte Woche diesen großen Kundenauftrag verloren“ sind Sätze, die Sie direkt ins Aus schießen.
  2. Bleiben Sie beim branchenüblichen Gehaltsvergleich stets anonym und berufen sich auf fundierte Zahlen. Ein direkter Vergleich mit dem Kollegen ist nur ungern gesehen, zumal in den meisten Arbeitsverträgen sowieso eine Verschwiegenheitserklärung greift.
  3. Jammern ist gewiss nicht der Schlüssel zum Erfolg. Heben Sie Ihre Leistungen hervor, Ihr Können und Ihren Wert für die Firma. Dass das Gehalt nicht reicht, um das frisch geborene dritte Kind zu ernähren, dürfte als Argument nicht gerne gesehen sein.
  4. Erpressung ist an absolutes No-Go. Sie drohen dem Chef zu gehen? Dann seien Sie sich bewusst, dass niemand unersetzbar ist. Ist diese Drohung einmal ausgesprochen, müssen Sie diese auch wahr machen. In der Konsequenz heißt das dann eventuell die Sachen zu packen.
  5. „Einfach mal kurz fragen“ ist gewiss nicht die richtige Herangehensweise für eine Lohnverhandlung. Wählen Sie den Zeitpunkt des Gespräches gezielt aus und bereiten Sie sich ausführlich auf die Verhandlungen vor.
  6. Schüchternheit, ein nach unten gesenkter Blick oder das Eindrehen der Haare wird bei der Frage nach dem Lohn alles andere als zuträglich sein.
  7. Emotionen oder gar Aggressionen haben in der Lohnverhandlung nichts verloren. Je besser Sie vorbereitet sind, desto weniger kann Ihr Gegenüber Sie reizen oder aus dem Konzept bringen.
  8. Ebenfalls unangebracht ist ein trotziges Verhalten. Stützen Sie Ihre Argumentation auf seriöse und sachliche Fakten. „Ja aber die Frau S. hat doch auch“ wird Sie nicht sehr weit bringen.
  9. Selbstüberschätzung oder gar Arroganz sind überall ungern gesehen. Bleiben Sie realistisch und schätzen Sie sich objektiv ein. Nehmen Sie hierfür eventuell Kollegen- oder Kundenfeedback in die Verhandlungen mit auf.
  10. „Ich habe doch vor zwei Jahren…“ Alte Argumente sind nicht hilfreich für eine Lohnverhandlung. Sie müssen das Eisen schmieden solange es warm ist. Haben Sie den Zeitpunkt für das Gespräch nach einem großen Erfolg verpasst, so müssen Sie sich neue und aktuelle Argumente suchen.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Lohnverhandlung im Job und Bewerbungsgespräch!

Beitrag von

Mirijam Franke

Mirijam Franke ist freiberufliche Texterin und Autorin. Die studierte Medienwirtschaftlerin aus Friedrichshafen am schönen Bodensee stieg nach ihrem Abitur bereits im zarten Alter von 18 Jahren als Lektorin in der Industrie ein. Seit Oktober 2014 unterstützt sie unser Team von Arbeits ABC mit Textbeiträgen und Ratgebern rund um die Arbeitswelt.

Schreiben Sie einen Kommentar