Detektive, Kameras & Co: Ist die Mitarbeiterüberwachung erlaubt?

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Videoüberwachung am Arbeitsplatz, Überprüfung der E-Mails, Abhören der Telefonate, Beauftragung von Privatdetektiven – immer wieder gab es in den letzten Jahren schockierende Nachrichten bezüglich der Überwachungsmechanismen einiger Arbeitgeber. Die Angestellten sind mehr und mehr verunsichert: Ist die Mitarbeiterüberwachung erlaubt? Wenn ja, wann und wie? Wann übertritt Ihr Chef sein Recht auf Kontrolle? Wir möchten für Sie Licht ins Dunkel bringen…

1. Hat der Arbeitgeber ein Recht auf Mitarbeiterüberwachung?
2. Was darf ein Mitarbeiter, was nicht?
3. Welche Rechte hat der Arbeitgeber bezüglich einer Mitarbeiterüberwachung?
4. Darf der Vorgesetzte Ihre E-Mails einsehen?
5. Wie sieht die Mitarbeiterüberwachung bei der Telefonnutzung aus?
6. Sind Videoüberwachungen am Arbeitsplatz erlaubt?
7. Und was, wenn es sich nur um Kamera-Attrappen handelt?
8. Darf der Arbeitgeber Videoaufnahmen speichern?
9. Welche Rechte haben Sie, sich gegen die Mitarbeiterüberwachung zu wehren?

Hat der Arbeitgeber ein Recht auf Mitarbeiterüberwachung?

Nein, der Arbeitgeber hat kein prinzipielles Recht seine Mitarbeiter am Arbeitsplatz zu überwachen. Natürlich würde er gerne wissen, ob die Angestellten die Arbeitszeit vielleicht lieber zum Schlafen, für einen Plausch mit den Kollegen, das Checken der privaten E-Mails oder gar private Telefonate nutzt, doch hier muss er einen Vertrauensvorschuss bieten und darf diese nicht ohne triftigen Grund beobachten. Wieso? Weil er damit gegen das Recht auf informationelle Selbstbestimmung sowie das gesetzlich festgehaltene allgemeine Persönlichkeitsrecht verstoßen würde.

Was darf ein Mitarbeiter, was nicht?

Also können Sie am Arbeitsplatz erst einmal tun und lassen, was Sie möchten? Falsch! Welche Ihre Rechte und Pflichten bei der Arbeit sind, ist im Arbeitsvertrag festgehalten. Hinzu kommen Tarifverträge, Betriebs- oder dienstliche Vereinbarungen, die für Ihren Arbeitsplatz gültig sind oder welche Sie individuell bei Ihrer Einstellung getroffen haben. Weiterhin gilt der Grundsatz der „betrieblichen Übung“. Das bedeutet: Hat Ihr Vorgesetzter ein bestimmtes Verhalten nicht ausdrücklich verboten und es stattdessen gar über einen längeren Zeitraum geduldet, kann er diesbezüglich keine Abmahnung oder Kündigung verfassen. Ein Beispiel hierfür sind kurze private Telefonate oder das Checken Ihrer privaten E-Mails. Erst dann, wenn er ein explizites Verbot ausspricht und Sie gegen dieses verstoßen, droht Ihnen eine Abmahnung oder gar Kündigung.

Welche Rechte hat der Arbeitgeber bezüglich einer Mitarbeiterüberwachung?

Allerdings kann der Vorgesetzte häufig nur von „unerwünschten“ oder verbotenen Aktivitäten erfahren und daraus Konsequenzen ziehen, wenn er die Mitarbeiter überwacht. Betrachten wir eine bei Statista veröffentlichte Umfrage, ist dieser Wunsch durchaus nachvollziehbar: Demnach lassen sich Arbeitnehmer während der Arbeitszeit neben E-Mails und Telefonaten am häufigsten auch von privaten Aktivitäten ablenken. Neun Prozent nannten Facebook als eine häufig genutzte Ablenkung auf der Arbeit, bei sechs Prozent ist es die Nutzung eines Instant Messengers, fünf Prozent nutzen Text Messenger.

Statistik: Anteil der befragten Arbeitnehmer weltweit, die sich von den folgenden Aktivitäten am Arbeitsplatz am häufigsten ablenken lassen | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Natürlich hat der Arbeitgeber auch das Recht, sich über solche Aktivitäten zu informieren. Die Mitarbeiterüberwachung ist daher in folgenden Ausnahmefällen erlaubt:

Darf der Vorgesetzte meine E-Mails einsehen?

Das hängt ganz davon ab, ob die Privatnutzung von Internet und E-Mails vertraglicher erlaubt beziehungsweise geduldet ist oder nicht. Ist sie explizit verboten, darf Ihr Vorgesetzter durchaus in regelmäßigen Abständen stichprobenartige Kontrollen durchführen. Hat er allerdings kein Verbot ausgesprochen oder dieses vertraglich festgehalten, darf er seine Mitarbeiter diesbezüglich auch nicht kontrollieren.

Im Gegenteil: Er muss dann gemäß § 3 Nr. 6, 10 des Telekommunikationsgesetzes sicherstellen, dass Ihre personenbezogenen Daten jederzeit geschützt sind. Er darf zudem ohne Einschränkungen auf Ihre beruflichen E-Mails zugreifen. Ist eine einvernehmliche Regelung zur Privatnutzung der E-Mails getroffen worden, bietet es sich daher an diese durch einen separaten E-Mail-Account von den geschäftlichen zu trennen.

Wie sieht die Mitarbeiterüberwachung bei der Telefonnutzung aus?

Bei Telefonaten gestaltet sich die Mitarbeiterüberwachung etwas schwieriger, da diese nur abgehört werden dürfen, wenn die am Telefonat beteiligten Personen explizit zugestimmt haben (zum Beispiel zu Trainingszwecken oder für eine bessere Qualitätskontrolle). Daher ist für Sie als Mitarbeiter bei privaten Telefonaten stets Vorsicht geboten, denn auch wenn diese in geringem Umfang vertraglich geduldet werden, können lange private Telefonate oder hohe private Telefonkosten eine außerordentliche Kündigung durch Ihren Vorgesetzten rechtfertigen.

Sind Videoüberwachungen am Arbeitsplatz erlaubt?

Videoüberwachungen am Arbeitsplatz
Hierbei kommt es zum einen darauf an, ob es sich um einen öffentlichen oder nicht öffentlichen Platz handelt, und zum anderen, ob es eine verdeckte oder offene Videoüberwachung ist. Grundsätzlich gilt:

Öffentlich zugängliche Räume mit Kundenverkehr, zum Beispiel eine Bankfiliale, dürfen in Sonderfällen per Video überwacht werden. Der Arbeitgeber muss hierfür ein „berechtigtes Interesse“ vorweisen können. Zudem muss die Videoüberwachung offen ersichtlich und durch Hinweisschilder angekündigt sein.

In nicht-öffentlichen Räumen hingegen, zum Beispiel in einem Büro oder dem Pausenraum, dürfen die Mitarbeiter nicht per Video überwacht werden. Selbiges gilt für eine verdeckte Videoüberwachung, zum Beispiel durch einen Privatdetektiv wegen des Verdachtes auf „Blaumachen“. Hierbei gibt es allerdings eine Ausnahme:

Hat der Arbeitgeber einen konkreten und begründeten Verdacht, dass sein Mitarbeiter eine Verfehlung oder gar Straftat begeht, darf er in einem engen Rahmen und nur kurzzeitig verdeckte Videoaufnahmen oder eine Mitarbeiterüberwachung in nicht-öffentlichen Räumen durchführen, wenn kein anderes, weniger einschneidendes Kontrollmittel zur Verfügung steht.

Dahingegen ist es stets verboten, Kameras in Räumen zu installieren, welche überwiegend privat genutzt werden. Hierzu gehören zum Beispiel Toiletten, Umkleide- oder Schlafräume.

Und was, wenn es sich nur um Kamera-Attrappen handelt?

Auch für Kamera-Attrappen gelten dieselben Richtlinien wie für Videoaufnahmen. Weshalb? Da das Gesetz durch den Überwachungsdruck, welcher dadurch auf dem Mitarbeiter lastet, ebenso eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte sieht wie durch die Videoaufnahme selbst. Schließlich wissen die Mitarbeiter nicht, dass es sich bei der Kamera nur um eine Attrappe handelt.

Darf der Arbeitgeber Videoaufnahmen speichern?

Hat Ihr Vorgesetzter berechtigte Videoaufnahmen erstellt, sollte er diese nicht länger als 48 Stunden speichern. Allerdings handelt es sich dabei lediglich um eine Empfehlung der Datenschützer und deutschen Arbeitsgerichte. Diese fordern, dass für eine längere Speicherung triftige Gründe bestehen müssen. Gesetzlich festgeschrieben ist dies bislang nicht…

Welche Rechte haben Sie, sich gegen die Mitarbeiterüberwachung zu wehren?

Sollte Ihr Vorgesetzter gegen Ihre Rechte verstoßen und eine unrechtmäßige Mitarbeiterüberwachung durchführen – in welcher Form auch immer – haben Sie Anspruch auf Unterlassung und eventuell gar Schadensersatz oder Schmerzensgeld. Hierfür müssen Sie Ihr Recht allerdings auf dem Klageweg geltend machen. Möchten Sie nicht gleich vor Gericht, so können Sie erst einmal Hilfe beim Betriebsrat suchen. Dieser hat bei der Einführung technischer Mittel stets ein Mitspracherecht, wenn diese zur Mitarbeiterüberwachung eingesetzt werden sollen (Software, Kameras, E-Mail-Programme o.ä.) und setzt sich zudem für die Rechte der Angestellten ein.

Haben Sie bereits Erfahrungen mit der Mitarbeiterüberwachung gemacht? Oder welche Tipps haben Sie für betroffene Leser? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar…

Beitrag von

Mirijam Franke

Mirijam Franke ist freiberufliche Texterin und Autorin. Die studierte Medienwirtschaftlerin aus Friedrichshafen am schönen Bodensee stieg nach ihrem Abitur bereits im zarten Alter von 18 Jahren als Lektorin in der Industrie ein. Seit Oktober 2014 unterstützt sie unser Team von Arbeits ABC mit Textbeiträgen und Ratgebern rund um die Arbeitswelt.

2 Kommentare

  1. Bei meinem ehemaligen Arbeitgeber hängen in jedem Büro Kameras. Es gibt sogar den begründeten Verdacht, dass diese mit Mikrofonen ausgestattet sind. Einen Betriebsrat gibt es nicht. Die Angestellten trauen sich nicht, dagegen vorzugehen oder sehen es mit Humor. Die Chefs haben null Vertrauen zu den Mitarbeitern und kontrollieren jeden Auftrag, jeden Vorgang, es geht keine Rechnung oder Lieferung raus die nicht abgezeichnet wurde. Jedes Vorgehen wird in Frage gestellt, sogar von MA die schon Jahrzehnte da sind. Ich finde das erbärmlich. Wie klein muss man sein, im sich durch derartiges Machtgehabe groß zu machen? Ich bin froh, dass ich nach über 25 Jahren den Mut zur Aufgabe, bzw. den Absprung, geschafft habe.

  2. Hallo Daniela,

    schade das Du so etwas erleben musstest. Wenn Chef’s ihre Mitarbeiter ständig kontrollieren, wirkt sich das auf die Motivation und natürlich auch auf die Arbeitsleistung aus. Vertrauen ist wichtig, nicht nur in privaten Beziehungen, sondern auch im Job.

    Hattest Du das Thema mit Deinem Chef und Deinen Kollegen angesprochen?

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