Mitspracherecht berufliche Entscheidung: „Schatz“ fragen oder nicht?

Leben Sie in einer festen Beziehung? Oder in einer Ehe? Gerade in der Generation Y scheinen Partnerschaften immer mehr an Wichtigkeit zu verlieren. Jeder macht lieber „sein Ding“ und erfreut sich der Unabhängigkeit bei Entscheidungen – auch im Beruf. Der Arbeitnehmer von heute ist unabhängig, flexibel und mobil. Doch wie viel Mitspracherecht sollte ein Lebenspartner eigentlich bei beruflichen Entscheidungen besitzen?

Inhalt
1. Generation „beziehungsunfähig“? Von wegen!
2. Die Gesellschaft befindet sich im Wandel – und mit ihr die Beziehungsmodelle
3. Traditionen bleiben…
4. …aber werden neu gestaltet
5. Unabhängigkeit? Ja! Aber Fernbeziehung? Nein, danke!
6. Berufliche Entscheidung – Hat der Partner ein Mitspracherecht?
7. Unabhängigkeit vs. Kinder: Eine Grundsatzentscheidung
8. Gute Entscheidungen fällen: So klappt’s ohne Konflikte
9. Tipps für Arbeitgeber: Partner in Personalpolitik berücksichtigen

Generation „beziehungsunfähig“? Von wegen!

Wir leben in einer Zeit der überzeugten Singles, offenen Beziehungen oder Fern-Ehen. Es scheint, als gäbe es heutzutage kaum noch ein Beziehungskonzept, das es nicht gibt. Gerade die junge Generation Y (Jahrgänge 1980 bis 1995) wird oftmals spöttisch als die „Generation beziehungsunfähig“ bezeichnet.

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Es mag der große Drang nach persönlicher Freiheit und Unabhängigkeit sein, der die Generation Y vor dem „klassischen“ monogamischen Ehe- oder Beziehungskonzept zurückschrecken lässt. Denn das würde ja bedeuten, den Partner in alle – auch beruflichen – Entscheidungen mit einbeziehen und eventuell den gefürchteten Kompromiss eingehen zu müssen. Die Freiheitsliebe der Generation Y könnte daher in einigen Fällen auch etwas negativer als Egoismus interpretiert werden. Wer kann, reist mit dem Backpack durch die Welt, nimmt einen neuen Job in China an oder verfolgt eine Patchwork-Karriere mit Job- sowie Wohnortwechseln im Abstand von nur ein, zwei oder auch drei Jahren. Rücksicht auf eine Partnerschaft? Von wegen!

Lese-Tipp:Ade unbefristeter Arbeitsvertrag – Hallo Patchwork-Karriere

Aber stimmt das auch wirklich? Wie heißt es schließlich so schön:

„Ausnahmen bestätigen die Regel.“

Und was das Thema Partnerschaft angeht, scheint die Generation Y tatsächlich eine Ausnahme zu sein. Denn sowohl bei ihren Vorgängern, den Babyboomers sowie der Generation X, als auch bei ihren Nachfolgern, der Generation Z, scheinen feste Beziehungen (wieder) hoch im Kurs zu liegen.

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Immerhin 43,8 Prozent der Deutschen – und damit fast die Hälfte – befinden sich in einer festen Partnerschaft oder Ehe. Natürlich mag dieser Prozentsatz mit steigendem Alter höher liegen, doch auch die Generation Y ist alles in allem gar nicht so „beziehungsunfähig“, wie sie immer gerne dargestellt wird.

Statistik: Haben Sie derzeit eine feste Partnerschaft? | Statista
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Denn von den knapp über 50 Prozent Singles, sind wiederum 30 Prozent auf der Suche. Weitere 49 Prozent sind zwar zufrieden mit ihrem Single-Dasein, wären einer Beziehung gegenüber aber dennoch aufgeschlossen. Nur zehn Prozent bezeichnen sich selbst hingegen als „überzeugte Singles“.

Statistik: Sind Sie überzeugter Single oder sind Sie Single auf Partnersuche? (Deutschland 2011) | Statista
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Auch in der Generation Y scheint sich der Großteil also nach einer festen Partnerschaft zu sehnen. Nur werden Beziehungen hier eben mitunter anders gestaltet als noch im „klassischen“ Modell von einst. Aber woran liegt das eigentlich?

Die Gesellschaft befindet sich im Wandel – und mit ihr die Beziehungsmodelle

Der demografische Wandel, die fortschreitende Emanzipation und die modernen Verhütungsmöglichkeiten mögen wohl die Hauptgründe dafür sein, dass sich die Beziehungsmodelle in der deutschen Gesellschaft derzeit stark weiterentwickeln und diversifizieren. Nicht mehr nur die Männer, sondern auch die Frauen verfügen über eine top Ausbildung, gehen studieren, erklimmen die Karriereleiter und sind finanziell unabhängig. „Frau“ muss nicht mehr zuhause bleiben und sich um die Kinder kümmern, während der Mann als finanzieller Versorger fungiert. Aber sie kann, wenn sie will – und wenn ihr Partner das ebenfalls möchte. Überhaupt kann heutzutage – in Beziehungen – eigentlich fast jeder machen, was er will.

Offene Beziehungen, Fern-Ehen, Polygamie oder eben doch die Ehe mit klassischer Rollenverteilung – und wenn es nicht anders geht, ein, zwei oder auch drei Scheidungen: Der gesellschaftliche Druck, welcher noch vor wenigen Jahrzehnten eine klassische Hetero-Ehe mit Kindern voraussetzte und eine Scheidung tabuisierte, hat mittlerweile vor allem in Großstädten stark nachgelassen und auch in konservativeren beziehungsweise ländlicheren Gegenden ist ein rasches Umdenken zu beobachten. Das Interessante an der Sache ist: Während noch vor wenigen Jahren um die Akzeptanz „ungewöhnlicher“ Beziehungsmodelle gekämpft wurde, strebt vor allem die jüngere Generation Z jetzt, da sie akzeptiert sind, wieder vermehrt nach der klassischen stabilen Partnerschaft beziehungsweise Ehe.

Traditionen bleiben…

So scheint zumindest die Tendenz zu sein. Da sich ein Großteil der Generation Z allerdings noch nicht im heiratsfähigen Alter befindet, bleibt ihr tatsächlicher Umgang mit dem Thema Partnerschaft und Ehe in der Praxis noch abzuwarten. Aber selbst in der angeblich so „beziehungsunfähigen“ Generation Y ist die Ehe nicht aus der Mode:

  • Im Jahr 2016 wurden bundesweit rund 400.115 Eheschließungen gezählt.
  • Die Männer waren dabei durchschnittlich 33,8 Jahre alt.
  • Bei den Frauen lag das Durchschnittsalter bei 31,2 Jahren (Quelle: Statistisches Bundesamt).

Egal, ob Generation X, Y oder Z: Die Ehe als Beziehungsmodell hat also noch lange nicht ausgedient. Und wer seinen Bund nicht offiziell besiegelt, lebt dennoch häufig in einer „klassischen“ monogamen sowie stabilen Langzeitbeziehung. In Zeiten der ungewöhnlichen und mitunter äußerst kreativen Beziehungsmodelle scheinen sich die meisten Menschen also immer noch vor allem nach einem zu sehnen: dem verlässlichen und treuen Partner an ihrer Seite. Zu zweit lassen sich die Probleme des Lebens eben einfacher bewältigen und für Kinder sind klare Familienstrukturen schlussendlich immer noch das Beste.

…aber werden neu gestaltet

Dennoch sehen viele Ehen beziehungsweise Partnerschaften auf den zweiten Blick wohl grundlegend anders aus als noch vor wenigen Jahrzehnten. Gleichberechtigung wird hier in der Regel großgeschrieben. Die Zeiten, in welchen der Mann – zumindest dem äußeren Anschein nach – das (finanzielle) Sagen hatte und die Frau alleinig für Haushalt und Kinder zuständig war, sind eindeutig vorbei.

Statistik: Wer hat in Ihrer Partnerschaft oder Ehe das letzte Wort, wenn wichtige finanzielle Entscheidungen getroffen werden? | Statista
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Die „moderne“ Frau möchte selbst arbeiten gehen, beruflich erfolgreich sein und finanziell unabhängig. Und der „moderne“ Mann auf der anderen Seite möchte sich nicht mehr nur für seinen Job aufopfern, sondern auch Zeit mit seiner Familie genießen und aktiv an der Kindererziehung teilhaben. Selbstverwirklichung und Unabhängigkeit – das schreiben sowohl Männer als auch Frauen derzeit groß. Allerdings bedeutet dies mitunter einen schwierigen Spagat, schließlich kann eine Beziehung nur mit Verbindlichkeit und Kompromissen auf Dauer funktionieren. Viele Menschen – nicht nur aus der Generation Y – stehen daher vor einer schwierigen Frage: Wie viel (berufliche) Unabhängigkeit kann ich trotz meiner Beziehung oder Ehe leben? Oder anders formuliert: Wie viel Mitspracherecht sollte ich meinem Partner bei beruflichen Entscheidungen einräumen?

Unabhängigkeit? Ja! Aber Fernbeziehung? Nein, danke!

Grundsätzlich ist natürlich jede Beziehung individuell und sollte stets so gestaltet werden, dass sie für beide Partner zufriedenstellend ist. Dennoch sehen es 31 Prozent der Frauen und 26 Prozent der Männer als Liebesbeweis an, wenn der Partner beziehungsweise die Partnerin sie in ihre Lebenspläne einbezieht und bei wichtigen Entscheidungen gegebenenfalls das gemeinsame dem persönlichen Glück vorzieht.

Statistik: Welches dieser Dinge wäre für Sie ein großer Liebesbeweis Ihres Partners/Ihrer Partnerin? | Statista
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Nun, da in der Regel beide Parteien finanziell voneinander unabhängig sind, ist das gemeinschaftliche Fällen von Entscheidungen alles andere als selbstverständlich geworden. Im Gegenteil: Wenn jeder seine eigenen Karriereziele verfolgt, bleibt die Partnerschaft häufig auf der Strecke. Beide Partner entscheiden unabhängig voneinander, ob sie eine neue Stelle antreten, eine mehrwöchige Geschäftsreise absolvieren oder sogar dem Beruf zuliebe den Wohnort wechseln. Während das eine Paar solche durchaus wichtigen Entscheidungen gemeinsam diskutiert, stellt manch anderer seinen Partner plötzlich vor vollendete Tatsachen. Hier gibt es kein „Richtig“ oder „Falsch“. Es ist eben stets eine Frage der Prioritäten, denn die Entscheidung für einen Job- und Wohnortwechsel kann durchaus eine Entscheidung gegen die Beziehung sein.

Statistik: Wie lange würden Sie maximal in einer Fernbeziehung leben? | Statista
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Gerade, wenn beide Partner berufstätig und dadurch nicht unbegrenzt mobil (oder mit flexiblen Arbeitszeiten gesegnet) sind, kommt es häufig zur sogenannten „Fernbeziehung“. Dabei handelt es sich allerdings in der Regel eher um eine gezwungene Lösung als um das Wunschmodell. Höchstens zwei Jahre möchten 21 Prozent der Deutschen in solch einer Fernbeziehung leben. 33 Prozent sehen sie als Übergangslösung an, mit dem Ziel, früher oder später zusammenzuziehen – in der Regel lieber früher als später. Besonders schwierig wird es häufig, wenn die Partner bereits zusammengelebt haben und dann zum Beispiel aufgrund eines Jobwechsels wieder „getrennt“ werden. Eine solche Entscheidung kann ein großes Risiko für die Beziehung bedeuten. Sollte diese also nicht gemeinschaftlich getroffen werden?

Berufliche Entscheidung – Hat der Partner ein Mitspracherecht?

An dieser Stelle scheiden sich die Geister. Einerseits scheint sich der Großteil der Deutschen nach einer stabilen „klassischen“ Langzeitbeziehung zu sehnen – und zwar in einer gemeinsamen Wohnung ohne Fernbeziehung – andererseits stehen persönliche Freiheit und ein Streben nach Unabhängigkeit derzeit auch in Beziehungen hoch im Kurs. Wichtige berufliche Entscheidungen gemeinsam zu treffen, das würde nämlich bedeuten, eventuell einen Kompromiss eingehen oder eigene Wünsche hinten anstellen zu müssen. Und dann ist da natürlich auch noch das Risiko, diesen Kompromiss früher oder später zu bereuen, sollte die Partnerschaft scheitern. Entscheidungen als Paar zu treffen, das bedeutet:

Vorteil:

  • Das „Risiko“ der Entscheidung auf zwei Schultern zu verteilen.
  • Negative Konsequenzen gemeinsam zu tragen.
  • Der Beziehung Priorität im Leben einzuräumen.

Nachteil:

  • Zwei Meinungen zu kombinieren und einen Kompromiss zu finden.
  • Eventuelle Meinungsverschiedenheiten zu akzeptieren.
  • Eigene Wünsche zurückzustellen.

Fakt ist also: Sie sollten sich selbst darüber klar werden, ob der Beruf oder die Partnerschaft in Ihrem Leben Priorität hat. Stellen Sie den Beruf an erste Stelle und lässt sich Ihre berufliche Entscheidung nicht (langfristig) mit der Beziehung vereinbaren, so sollten Sie ehrlich mit der Situation umgehen und ein Scheitern der Beziehung in Kauf nehmen. Hat hingegen Ihre Partnerschaft, Ehe oder Familie im Leben Priorität, gilt es, berufliche Entscheidungen unbedingt gemeinsam und zum Wohle aller Beteiligten zu treffen.

Unabhängigkeit vs. Kinder: Eine Grundsatzentscheidung

Familie – das ist ein wichtiges Stichwort. Spätestens, wenn Kinder im Spiel sind, können Sie Ihre beruflichen Entscheidungen nicht mehr einfach auf eigene Faust fällen. Schließlich sollten Sie jetzt stets auch das Wohlergehen Ihres Nachwuchses im Blick haben. Und für die Kindesentwicklung sind geregelte Strukturen immer noch am besten. Das bedeutet nun nicht, dass „Frau“ zuhause am Herd stehen und ihr Dasein als Hausfrau und Mutter fristen muss.

Statistik: Sind Sie der Meinung, dass es die beste Arbeitsteilung in der Familie ist, wenn der Mann Vollzeit arbeitet, die Frau Teilzeit arbeitet und zusätzlich die Kinder und den Haushalt versorgt? | Statista
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Stattdessen wünschen sich immer mehr Vertreterinnern und Vertreter der Generation Y, dass beide Elternteile an der Kindererziehung teilhaben. Doch eine Fernbeziehung oder „Fern-Ehe“, eine wochenlange Geschäftsreise oder häufige Wohnortwechsel sollten auf jeden Fall gründlich durchdacht werden – und zwar gemeinschaftlich.

Gute Entscheidungen fällen: So klappt’s ohne Konflikte

Prinzipiell sollten Sie keine Angst vor Konflikten haben. Streit gehört zu jeder (guten) Beziehung hinzu und kann hinterher sogar Fortschritt beziehungsweise eine Festigung der Partnerschaft bedeuten. Dennoch ist es natürlich am besten, wenn Sie früh in Ihrer Beziehung lernen, Entscheidungen gemeinsam und ohne Konflikte zu treffen. Wie das geht? Wir haben einige hilfreiche Tipps für Sie zusammengetragen:

  • Kündigen Sie das Gespräch an und suchen Sie einen Termin, an welchem Sie beide einen freien Kopf sowie ausreichend Zeit haben, um das Gespräch ungestört zu führen.
  • Äußern Sie Ihr Anliegen erst einmal wertfrei, ohne die Entscheidung vorweg zu nehmen. Sagen Sie also „Ich habe heute ein Jobangebot erhalten“, anstelle von „Ich habe heute ein interessantes Jobangebot erhalten, das ich eigentlich nicht ausschlagen kann“. In letzterem Fall deuten Sie nämlich Ihre Entscheidung bereits an und könnten Ihrem Gegenüber damit das Gefühl geben, kein Mitspracherecht zu besitzen oder im Fall des Widerspruchs einen Streit befürchten zu müssen.
  • Üben Sie sich zudem im Zuhören. Denken Sie nicht, während Ihr/e Partner/in spricht, bereits über Ihre nächsten Worte nach. Hören Sie stattdessen aktiv zu, lassen Sie das Gesagte kurz auf sich wirken. Atmen Sie einmal tief durch und antworten Sie erst anschließend. Viele Menschen machen nämlich den Fehler, während der Gesprächszeit des anderen nur darüber nachzudenken, welche Argumente sieselbst als nächstes vorbringen wollen, anstatt tatsächlich in den Dialog zu gehen und die Meinung des Gesprächspartners anzuhören, zu verstehen und konkret darauf zu reagieren.
  • Erstellen Sie gegebenenfalls gemeinsam eine Pro- und Contra-Liste oder suchen Sie nach möglichen Alternativen und schreiben Sie diese auf.
  • Versuchen Sie zudem, die Konsequenzen der möglichen Entscheidungen für alle Beteiligten, also zum Beispiel die Kinder, realistisch einzuschätzen und schreiben Sie auch diese nieder.
  • Sollten Sie noch zu keiner eindeutigen Entscheidung gekommen sein oder habe sich die Fronten verhärtet, legen Sie eine Gesprächspause ein. So können beide Partner in einer ruhigen Minute noch einmal die erstellen Listen und Aufschriebe zur Hand nehmen, sich das Gespräch durch den Kopf gehen lassen und dann zu einem geeigneten Moment erneut das Gespräch suchen.
  • Sollten sich die Gemüter erhitzen und es kommt zum Streit, werden Sie niemals persönlich und beziehen Sie keine anderen Konflikte oder von der Entscheidung unabhängigen Argumente ein. Sagen Sie also zum Beispiel niemals „Du willst immer Deinen eigenen Kopf durchsetzen, nur, weil Deine Mutter Dich so verwöhnt und Dir nie Grenzen gesetzt hat“ – das hat schließlich nichts mit dem eigentlichen Problem zu tun.
  • Sollten Sie immer wieder Probleme mit der gemeinsamen Entscheidungsfindung haben oder stets in Konflikte geraten, suchen Sie sich eventuell professionelle Unterstützung durch einen Paartherapeuten, um Streitmuster zu erkennen, zu durchbrechen und durch neue, bessere Kommunikationsmuster zu ersetzen.

Tipps für Arbeitgeber: Partner in Personalpolitik berücksichtigen

Tatsächlich bezieht der Großteil der Arbeitnehmer bei beruflichen Entscheidungen die Meinung des Partners in seine Überlegungen ein, wie eine Studie an der Universität Hohenheim herausfand (Quelle: Karriere.at). Gerade bei Entscheidungen über einen Wohnortwechsel, spielen die Partnerschaft beziehungsweise Familie für die Betroffenen in der Regel eine große Rolle.

„Es ist leicht über ein Königreich zu herrschen, aber schwer, die eigene Familie zu regieren.“
(Chinesisches Sprichwort)

Für die Arbeitgeber ist das eine wichtige Erkenntnis, denn sie bedeutet: Ein Mitarbeiter lässt sich nicht (nur) durch materielle Werte wie ein hohes Gehalt oder eine Führungsposition an einen neuen Standort oder zu einem Jobwechsel bewegen, sondern die Entscheidung muss auch für die Partnerschaft beziehungsweise gesamte Familie (inklusive Kinder) attraktiv erscheinen. Die private Lebenssituation, sprich die Partnerschaft, Ehe oder Familie, des Arbeitnehmers sollte daher unbedingt in der Personalpolitik berücksichtigt werden. Stichwort: Lebensphasenorientierte Personalpolitik.

Lese-Tipp:Lebensphasenorientierte Personalpolitik: Ein Guide für Arbeitgeber

Doch wie könnte so eine Personalpolitik konkret aussehen? Unsere Ideen für Arbeitgeber:

  • Bei langen Geschäftsreisen den Besuch der Partner ermöglichen.
  • Bei Auslandsaufenthalten bei der Jobsuche für den Partner, der Wohnungssuche für die gesamte Familie oder der Schulanmeldung der Kinder helfen.
  • Eventuelle Übernahme der Kosten für eine gute (!) Privatschule.
  • Implementierung moderner Relocation Services oder Dual-Career-Programme.
  • Aktive Unterstützung der Karrieremöglichkeiten der Partner am neuen (vorübergehenden) Wohnort.
  • Betriebskindergärten zur Förderung der Karrierechancen des Partners.
  • Telearbeitsverträge oder flexible Arbeitsmodelle zur Minimierung von Pendlerzeiten.

Die Möglichkeiten sind endlos und in Zeiten der Digitalisierung sowie flexiblen Arbeitsmodelle wird es für Arbeitgeber immer einfacher, auch die Partner ihrer Angestellten aktiv in berufliche Entscheidungen einzubeziehen. Und das werden sie müssen, denn auch, wenn die Generation Y großen Wert auf ihre Unabhängigkeit und persönliche Freiheit legt, so sind ihr Zeit mit der Familie und eine ausgewogene Work-Life-Balance mindestens ebenso wichtig – und zwar wichtiger als eine steile Karriere oder das große Geld. Schlussendlich ist die Generation Y also doch traditioneller veranlagt, als sie auf den ersten Blick erscheinen mag. Generation „beziehungsunfähig“? Von wegen! Es wird Zeit, dass auch die Arbeitgeber das erkennen.

Welche weiteren Ideen haben Sie, wie Arbeitgeber berufliche Entscheidungen durch die Einbeziehung der Lebenspartner unterstützen könnten? Und wie handhaben Sie das gegenseitige Mitspracherecht in Ihrer Ehe oder Partnerschaft? Wir freuen uns auf Ihre Beiträge zum Thema in den Kommentaren!

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