Personalrabatte für Waren und Dienstleistungen

Sie arbeiten bei einer Baumarkt- oder Lebensmittelkette oder einem Bekleidungshaus? Dann sind Sie sicherlich häufig Nutznießer von Mitarbeiter- oder Belegschaftsrabatten (auch Personalrabatte genannt), die Ihnen Ihr Arbeitgeber gewährt und es Ihnen so ermöglicht, Waren oder Dienstleistungen, die das Unternehmen handelt oder für seine Kunden produziert, unentgeltlich oder verbilligt zu erwerben.

9.2. Personalrabatte

§ 8 des Einkommensteuergesetzes –EStG- führt in Absatz 3 hierzu aus:

(3) Erhält ein Arbeitnehmer auf Grund seines Dienstverhältnisses Waren oder Dienstleistungen, die vom Arbeitgeber nicht überwiegend für den Bedarf seiner Arbeitnehmer hergestellt, vertrieben oder erbracht werden und deren Bezug nicht nach § 40 pauschal versteuert wird, so gelten als deren Werte abweichend von Absatz 2 die um 4 Prozent geminderten Endpreise, zu denen der Arbeitgeber oder der dem Abgabeort nächstansässige Abnehmer die Waren oder Dienstleistungen fremden Letztverbrauchern im allgemeinen Geschäftsverkehr anbietet. Die sich nach Abzug der vom Arbeitnehmer gezahlten Entgelte ergebenden Vorteile sind steuerfrei, soweit sie aus dem Dienstverhältnis insgesamt 1 080 Euro im Kalenderjahr nicht übersteigen.

Kurz gefasst bedeutet diese Regelung:

  • Als Warenwert bzw. Dienstleistungswert werden 96 % des ortüblichen Endpreises angenommen, also einschließlich Mehrwertsteuer.
  • Die Differnz des rabattierten und vom Arbeitnehmer gezahlten Preises zu diesem Wert gilt als Sachbezugswert bzw. geldwerter Vorteil.
  • Je Beschäftigtem und Kalenderjahr gilt ein Freibetrag in Höhe von 1.080,00 €. Erst wenn dieser Betrag überschritten wird, erfolgt eine Anrechnung als steuer- und sozialversicherungspflichtiger Arbeitslohn.

Allerdings darf der genannte 4 %-ige Abschlag bei der Sachbezugsbewertung nicht vorgenommen werden, wenn für die Bewertung bereits der günstigste Marktpreis angesetzt wurde, der Sachbezug durch eine zweckgebundene Geldleistung des Arbeitgebers realisiert wird oder der Arbeitnehmer einen Warengutschein mit der Angabe des EURO-Wertes erhält.

Für all diejenigen Leserinnen und Leser, für dieser Sachverhalt im Rahmen unseres Online-Seminars Lohn und Gehalt Neuland bedeutet, “würzen” wir das Thema mit zwei Beispielen.

Angenommen, unsere Musterfirma sei ein Baustoffhandel, der seinen Beschäftigten die Möglichkeit einräumt, Baumaterialien mit einem Belegschaftsrabatt von 20 % verbilligt zu erwerben. Leo Lohn, den Sie ja bereits kennen gelernt haben, macht von dieser Möglichkeit Gebrauch. Für seine Gartengestaltung bezieht er im Januar 2015 den Fertigbausatz “Hochbeet Beste Ernte” mit den Maßen ca. 320*145 cm komplett mit Betonsteinen und Kleber zum Firmen-Katalogpreis von 829,00 € einschließlich Mehrwertsteuer.

Anzusetzen sind 96 % von 829,00 €, entsprechend 795,84 €. Leo Lohn erhält auf den Listenverkaufspreis den Belegschaftsrabatt in Höhe von 20 %, nämlich 165,80 € und bezahlt folglich noch 663,20 € für den Bausatz. Die Differenz zwischen 795,84 € und 663,20 € entspricht dann dem geldwerten Vorteil von 132,64 €. Hat er im laufenden Jahr bislang keine Käufe getätigt, wird der Freibetrag nicht überschritten und ist somit nicht in der Lohn- und Gehaltsabrechnung als steuer- und sozialversicherungspflichtiger Lohnbestandteil zu berücksichtigen.

Denkbar wäre allerdings, den Kaufpreis über die Lohnabrechnung Januar einzubehalten. Entsprechend würde sich der Auszahlungsbetrag vermindern, so wie wir es in unserer Musterlohnabrechnung zeigen.

Dem/der mit der Lohn-und Gehaltsabrechnung betraute(n) Mitarbeiter/in kommt folglich die Aufgabe zu, darüber Buch zu führen, in welchem finaziellen Rahmen ein Beschäftigter von Einkäufen mit Belegschaftsrabatten Gebrauch macht, um den geldwerten Vorteil bei Überschreiten der Freibeträge entsprechend korrekt in die Abrechnung einfließen zu lassen.

Ergänzen wir das Thema Personalrabatte im Online-Seminar Lohn und Gehalt um ein weiteres Beispiel, bei dem der geldwerte Vorteil auch zur Anwendung gelangt: Dazu wählen wir den Mitarbeiter Willi Wohlhabend aus, der ebenfalls von der Möglichkeit des verbilligten Einkaufs über den Arbeitgeber Gebrauch macht.

ProduktWarenwertDavon 96 %Zahlung mit Rabatt
von 20 %
Geldwerter Vorteil
Terrassendielen1.649,00 €1.583,04 €1.319,20 €
Sichtschutzelemente2.159,00 €2.072,64 €1.727,20 €
Bausatz Sitzecke1.495,00 €1.435,20 €1.196,00 €
Summen5.303,00 €5.090,88 €3.046,40 €2.044,48 €
Abzgl. Freibetrag1.080,00 €964,48 €

 

Bei dieser Abrechnung sieht man übrigens auch sehr schön, dass sich zwar der geldwerte Vorteil auf die Höhe des Steuerbruttos auswirkt, nicht aber auf die abzuführenden Sozialabgaben, weil Willi Wohlhabend bereits mit seinem regelmäßigen Gehalt die Beitragsbemessungsgrenze erreicht bzw. überschreitet.

weiter: Sachbezugswerte für freie Unterkunft und Verpflegung

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