Prämien und Provisionen: Die Entwicklung der Banker-Gehälter in der Finanzkrise


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In der Finanzkrise sind vor allem Banker in Kritik geraten, die für ihre Schlechtleistungen mit Boni und Abfindungen in Millionenhöhe belohnt wurden. Internationale Finanzexperten sind sich einig, dass die unzureichenden Vergütungssysteme der Banken der Auslöser für die Finanz- und die dadurch verursachte Wirtschaftskrise gewesen sind: Statt die Identifikation von Mitarbeitern mit den Unternehmenszielen zu stärken, hätten insbesondere im Bereich Investmentbanking der Wettbewerb um die besten Führungskräfte (so genannter „War of Talents“) und die damit verbundenen horrenden und garantierten Bonuszahlungen dazu beigetragen, dass Mitarbeiter immer mehr unverhältnismäßig hohe Risiken eingegangen wären und den langfristigen Geschäftserfolg vernachlässigt hätten.

Entwicklung der Banker-Gehälter in der Finanzkrise

Aus der regelmäßig erscheinenden Fachserie „Verdienste und Arbeitskosten“ des Statistischen Bundesamtes ergibt sich allerdings, dass viele Banken in Deutschland aus dem Geschäftseinbruch 2008 Konsequenzen gezogen und die Gehälter und Sonderzahlungen (u. a. variable Boni wie Prämien, Provisionen oder Gewinnbeteiligungen) bei ihren Angestellten im Jahr 2009 deutlich reduziert haben.

Der Statistik zufolge verdienten vollzeitbeschäftigte Angestellte im Finanzdienstleistungssektor im 2. Quartal 2008 inklusive Sonderzahlungen von durchschnittlich 1.290 EUR noch rund 5.301 EUR brutto monatlich. Dagegen sank im 2. Quartal 2009 der Bruttomonatsverdienst im Vergleich zum Vorjahresquartal auf rund 5.005 EUR, was einem Minus von etwa 5,6 Prozent entspricht. Werden die Sonderzahlungen gesondert betrachtet, fällt dieses Minus mit 27,3 Prozent noch deutlicher aus. Besonders starke Einbußen mussten dabei Führungskräfte hinnehmen: Bei ihnen sanken die Gehälter im 2. Quartal 2009 gegenüber dem Vorjahresquartal um 13,7 Prozent von 9.932 EUR auf 8.568 EUR brutto monatlich, die Sonderzahlungen sogar um 40,2 Prozent von 3.571 auf geschätzte 2.1.27 EUR pro Monat.

Mittlerweile ist ein Aufschwung des Finanzmarkts in Sicht. Aber auch wenn die „fetten Jahre“ nach Meinung von Finanzexperten vorbei zu sein scheinen, stehen die Fragen, wie viel Banker verdienen dürfen und wie stark der Staat bei Vergütungsfragen mitbestimmen darf, weiterhin im Raum.

Regulierung der Gehälter von Top-Bankern

Schon im Oktober 2008 hat der Staat seinen für Banken aufgespannten „Rettungsschirm“, den Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin), an Vergütungsbedingungen geknüpft: Banken wie die Hypo Real Estate oder die Commerzbank, die staatliche Garantien oder Beteiligungen in Anspruch nehmen, dürfen beispielsweise ihren Vorständen und Managern nicht mehr als 500.000 EUR pro Jahr sowie allen Mitarbeitern Abfindungen nur in der gesetzlichen Höhe und Boni nur unter speziellen Voraussetzungen zahlen. Zudem müssen die Banken ihre Vergütungssysteme überprüfen.

Auf dem G20-Gipfel in London im April 2009 wurde dann von den führenden Industrie- und Schwellenländern gemeinsam beschlossen, die Vergütungs- und Anreizsysteme im gesamten Bankenwesen weltweit stärker zu regulieren. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), die zusammen mit der Deutschen Bundesbank für die Aufsicht von Banken und Finanzdienstleistungsinstituten zuständig ist, hat daraufhin im August 2009 neue „Mindestanforderungen an das Risikomanagement in Banken“ (MaRisk) veröffentlicht.

Zu diesen Mindestanforderungen, die bis Ende 2009 von allen Banken und Finanzdienstleistungsinstituten umgesetzt werden müssen, gehören nun auch Vergütungsregelungen:

• Unter anderem müssen „schädliche Anreize“ wie die finanzielle Abhängigkeit von Mitarbeitern von Boni und vertraglich garantierte Abfindungszahlungen vermieden werden.
• Bei Bonuszahlungen an Führungskräfte sind Kreditinstitute aufgefordert, nicht nur die Leistung des einzelnen Mitarbeiters zu berücksichtigen, sondern auch den Gesamterfolg der jeweiligen Unternehmenseinheit und des Unternehmens.
• Darüber hinaus müssen „zukünftige negative Entwicklungen“ einbezogen und der für die Vergütung maßgebliche Leistungszeitraum langfristig angelegt werden.

Nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Banken haben Banken und Finanzdienstleistungsinstitute bereits auf diese politische Neuregelung reagiert. Zum Beispiel werde derzeit an der Einführung von Bonus-Malus-Systemen gearbeitet, bei denen ein Teil der Boni einbehalten und dann mit eventuellen Verlusten in folgenden Jahren verrechnet wird. Die Festsetzung einer Obergrenze für Bonuszahlungen und die komplette Streichung bei Gewinneinbrüchen, wie sie die EU auf dem G20-Gipfel in Pittsburgh im September 2009 gefordert hat, lehnen die meisten Banken jedoch ab.

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3 Kommentare

  1. Rainer 15. Oktober 2009 at 19:17 - Reply

    Für mich verdienen diese Banker immer noch zu viel. Spielen mit dem Geld als gebe kein Morgen. Ein normales Gehalt, wie es ein durchschnittlicher Angestellter verdient reicht aus. Jeder macht schließlich nur "einen" Job. Die Gier nach Macht, Geld und Reichtum steigt bei einigen ins unermessliche und gefährdet uns alle.

    Stoppt diesen Wahnsinn!!!

  2. Provisionen verbiete 26. Oktober 2009 at 16:02 - Reply

    Das Geschäftsmodell vieler Banken basiert darauf, ihren Kunden Produkte mit hohen Provisionen zu verkaufen, statt sie unabhängig, fair und transparent zu beraten. Der Anreiz, zum eigenen Vorteil zu handeln, ist systembedingt. Hohe Provisionen bedeuten hohe Einnahmen für die Bank, aber nicht zwingend für den Anleger. Ein Dilemma, das mit dem herkömmlichen Provisionsmodell nicht auflösbar ist.

    Die Folgen: Banken machen auch dann Gewinn, wenn der Kunde Verluste erwirtschaftet. Diese Falschberatung verursacht nach einer Untersuchung des Bundesverbraucherschutzministeriums einen volkswirtschaftlichen Schaden von 30 Milliarden Euro pro Jahr. Das Provisionsmodell ist eine der wesentlichen Ursachen für die hohen Anlegerverluste, und es hat die aktuelle Finanzmarktkrise mit verursacht.

    Unser Ziel: Der Gesetzgeber muss Schluss machen mit versteckten Gebühren und Provisionen im Privatkundengeschäft. So wird der Weg frei für ein transparentes Vergütungssystem und so kommen Bankkunden in den vollen Genuss ihrer erwirtschafteten Gewinne.

    Nur auf diese Weise lässt sich das Vertrauen zwischen Kunden und ihren Banken zurückgewinnen und auf Dauer erhalten.

    Deshalb appellieren wir an die neue Bundesregierung, Provisionen im Banksystem gesetzlich zu untersagen. Ähnlich, wie es die britische Finanzaufsicht FSA bereits 2012 in Großbritannien umsetzen wird.

    Unterstützen Sie uns! Gemeinsam für ein faires und transparentes Banksystem in Deutschland! Unterzeichnen Sie unsere Petition an den Gesetzgeber unter:

    http://www.quirinbank.de

  3. Fadin Reißmann 29. Oktober 2009 at 16:19 - Reply

    Vor kurzem habe ich einen Artikel gelesen, wo es darum ging, wie ernst Banker die Finanzkrise wirklich nehmen. Waren sie nicht schuld, das es erst soweit kam, ist heute schon wieder alles vergessen. Da war die Rede von Bonis und Prämien bis zu 25% und außerdem wie gut man es sich jetzt schon wieder gehen lässt, obwohl die Krise noch lange nicht überstanden ist. Von Sparmaßnahmen war keine Rede. Gelernt haben die nichts, im Gegenteil, man lässt es sich wieder so richtig gut gehen. Auf Lasten der Steuerzahler, wem sonst. Das ist eine riesengroße Schweinerei und dagegen muss unbedingt etwas unternommen werden. Eine Petition? Schau ma mal…

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