Privatsphäre im Internet – eine Illusion?


Informationen über sich im Internet findenSein eigenes Profil in einem sozialen Netzwerk anzulegen (z. B. Facebook, Myspace) und eigene Webseiten oder Blogs zu erstellen, wird immer beliebter, weil man sich so selbst präsentieren, leicht Informationen austauschen, Kontakte aufrechterhalten und anknüpfen kann – privat wie beruflich. Auf der anderen Seite gibt es jedoch im Internet so gut wie keine Privatsphäre. Denn die Einträge einer Person, die ihren richtigen Namen hinterlegt hat, und Einträge, die die Person mit Namen nennen, können im Netz potentiell von jedem verfolgt werden, wenn sie nicht vor öffentlichen Zugriff geschützt sind (z. B. Passwörter, eingeschränkte Profil-Freigabe).

Wie kann man Informationen über sich selbst im Internet finden?

Solche Informationen sind im Internet meist relativ einfach zu finden – vor allem, wenn man sich viel im Internet bewegt. Dazu muss man einfach nur den Namen in einer Suchmaschine (z. B. Google, Yahoo, MSN LiveSearch) eingeben oder auf eine spezielle Personen-Suchmaschine wie 123people.de, spock.com oder yasni.de zurückgreifen, die neben den Ergebnissen aus herkömmlichen Suchmaschinen und Online-Telefonbüchern zusätzlich die öffentlich zugänglichen Informationen aus Netzwerk-Profilen in die Suche einbezieht.

Zu beachten ist, dass – auch wenn die Suchergebnisse mit der Realität vielleicht gar nichts zu tun haben – ein Betrachter bei zu vielen negativen Einträgen ein negatives Urteil, bei vielen positiven oder neutralen Einträgen dagegen ein positives Urteil fällen wird. Um sich selbst zu schützen, sollte man sich daher genau überlegen, welche Inhalte man wo von sich preisgibt, und überwachen, was andere über einen veröffentlichen. Umgekehrt kann man das Internet auf diese Weise jedoch auch zu seinen Gunsten nutzen.

Wie kann man das Internet zum beruflichen Weiterkommen nutzen?

Mit einer positiven Präsentation im Internet kann man sich zum Beispiel berufliche Vorteile durch Networking sichern. Immerhin ein Drittel aller Stellenbesetzungen erfolgt nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Deutschland über Mitarbeiter und persönliche Kontakte. Wer Mitglied eines Online-Karrierenetzwerks ist (z. B. XING oder LinkedIn) und mit den richtigen Personen in Kontakt kommt, kann deshalb profitieren. Viele Arbeitgeber und Personalverantwortlich nutzen zudem solche Karrierenetzwerke und weitere Informationen im Internet, um selbst nach geeigneten Mitarbeitern zu suchen, die sich ansprechend präsentieren können.

Welche Folgen können negative Einträge haben?

Negative Interneteinträge können im Gegensatz dazu sogar zum „Karrierekiller“ werden, wenn sie von den falschen Personen gefunden werden. Beispielsweise kann ein unvorteilhaftes Suchergebnis durchaus ein Grund sein, warum ein Bewerber nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird, oder im Vorstellungsgespräch kaum eine Chance hat, wenn er dafür keine passende Erklärung hat.

Folgendes sollte daher bei der Präsentation im Netz beachtet werden:

• Vertrauliche Informationen sollten nicht für jedermann zugänglich gemacht werden; dazu gehören neben persönlichen Daten (z. B. über Krankheiten, private Probleme, sexuelle Orientierung) vor allem auch Fotos und Videos, auf denen man ein ungünstiges oder peinliches Bild abgibt (z. B. Aufnahmen von exzessiven Partys oder in alkoholisiertem Zustand).
• Wer Chats und Foren nutzt, sollte nicht nur darauf achten, was er von sich preisgibt, sondern auch die Regeln der „Netiquette“ beachten, d.h. ein gewisses Maß an Höflichkeit wahren und nicht über andere Personen lästern. Rechts- oder linksextreme politische Äußerungen oder pornographische Inhalte stellen sogar einen Straftatbestand dar.
• Eigene Homepages, Blogs und Community-Profile sollten regelmäßig aktualisiert werden, um Missverständnisse wegen veralteter Informationen (z. B. Lebenslauf) zu vermeiden.

Was kann man tun, um seinen guten Ruf wieder herzustellen?

Bei Ruf schädigenden Einträgen von fremden Personen kann man sich zunächst an die betreffende Person bzw. den Webseitenbetreiber wenden und verlangen, dass die Inhalte entfernt werden, oder in Foren eine Gegendarstellung verfassen.

Zudem bieten verschiedene „Online-Rufrettungsdienste“ Hilfe an – zum Beispiel das Netzwerk myON-ID, das registrierten Nutzern eine kostenlose Plattform zur Verfügung stellt, um Einträge zu überwachen und zu steuern. selbst- oder fremdverschuldete negative Einträge können damit zwar nicht eliminiert werden; auf der Plattform kann aber das Suchmaschinen-Ranking der Einträge verändert werden, indem die Einträge in eine andere Reihenfolge gebracht werden. Und je weiter hinten negative Suchergebnisse im Ranking liegen, umso unwahrscheinlicher ist es, dass sie entdeckt werden, da meist nur die besten Suchergebnisse gelesen werden.

Hilft alles nichts, kann man negative Einträge kostenpflichtig entfernen lassen (z. B. bei „Dein Guter Ruf“, „Datenwachschutz“ oder „Saubere Weste“). Eine 100prozentige Garantie, dass der gute Ruf vollkommen wiederhergestellt werden kann, ist dies wegen der schnellen Mund-zu-Mund-Propaganda im Internet aber auch nicht.

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