Probezeit: Die wichtigsten Dos & Don’ts im neuen Job

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Die Bewerbungen stapeln sich, die zittrigen Hände müssen im Bewerbungsgespräch versteckt werden und jedes Mal, wenn Ihr Telefon klingelt schrecken Sie kurz zusammen. Bewerbungsprozesse können ein echter Thriller sein. Und dann? Endlich der erlösende Anruf. Sie haben den Job! Ihr Traum wird wahr und voller Begeisterung und Motivation nehmen Sie Ihren ersten Arbeitstag in Angriff. Doch irgendwie will das alles nicht so laufen, wie Sie es gehofft hatten. Bleiben Sie erstmal ruhig. Sie haben schließlich in der Regel ganze sechs Monate lang Zeit, sich über Ihre Zukunft in der angenommenen Stelle klar zu werden. Nutzen Sie die Probezeit effektiv, um sich an die neue Situation anzupassen und für sich zu klären, ob und wie Sie in dem neuen Job langfristig glücklich werden.

Inhalt:
1) Was ist die Probezeit überhaupt?
2) Kündigungsregelung in der Probezeit
3) Krank sein in der Probephase?
4) Ab in den Urlaub?
5) Der neue Traumjob?
6) Bleiben oder lieber nicht?
7) Grundregeln für die ersten 100 Tage
8) Wir statt Ich!
9) Aktiv auf den Chef zugehen
10) Endlich: Das Übernahmegespräch

Was ist die Probezeit überhaupt?

Sie werden heutzutage kaum noch ein Unternehmen finden, das neue Arbeitnehmer nicht zuerst auf eine vorher festgelegte Probezeit einstellt. Das hat für Sie aber nicht nur Nachteile. Die Arbeit auf Probe ermöglicht Ihnen und Ihrem Arbeitgeber sich klar zu werden, ob die Stelle für Sie die richtige ist und wie gut oder schlecht das neue Arbeitsverhältnis funktioniert. Aus rechtlicher Sicht ist die Probezeit nicht gesetzlich vorgeschrieben. Theoretisch könnten die Unternehmen also gänzlich darauf verzichten. Mittlerweile haben sich aber (<) sechs Monate als Regel durchgesetzt. Bei sehr verantwortungsvollen Tätigkeiten gegebenenfalls etwas mehr. Bei einer Berufsausbildung sieht das wiederum anders aus: hier sind Probezeiten von mindestens einem und höchstens drei Monaten gesetzlich verpflichtend. So oder so: in dieser Zeit gibt es für Sie allerhand Sonderregelungen zu beachten.

Kündigungsregelung in der Probezeit

Einer der großen Unterschiede zwischen Probezeit und regulärem Arbeitsvertrag ist die Kündigungsfrist. Diese ist in der Regel deutlich kürzer und kann ohne Angaben von Gründen beidseitig innerhalb von 14 Tagen wirksam werden. Selbst am letzten Tag der Probezeit ist die kurzfristige Kündigung noch möglich. Hauptgründe für eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses in der Probephase sind in der Regel unterschiedliche Vorstellungen hinsichtlich der Zusammenarbeit, mangelnde Fachkenntnisse oder keine bzw. eine unzureichende Teamfähigkeit. Wenn Sie als Arbeitnehmer sich entschließen, das Arbeitsverhältnis vorzeitig aufzulösen, so versuchen Sie dies bestenfalls möglichst einvernehmlich. Denn die Unternehmen derselben Branche tauschen sich gerne aus und schlimmstenfalls leidet Ihr Ruf unter einer fragwürdigen Kündigung.

Eine sehr gute Lösung, um trotz einer bald endenden Probezeit von der Anstellung zu profitieren, ist eine Änderung des Arbeits- in einen Projektvertrag. Sobald dieser planmäßig endet steht Ihnen ein ordentliches Arbeitszeugnis zu und Sie verlassen das Unternehmen einvernehmlich.

Krank sein in der Probephase?

Ungleich einem unbefristeten Arbeitsvertrag schützt Sie eine Krankheit in der Probezeit nicht vor der Kündigung. Der Kündigungsschutz greift in aller Regel sowieso erst nach mindestens sechs Monaten Betriebszugehörigkeit. Auch gibt es keine Verlängerung der Probezeit entsprechend Ihres krankheitsbedingten Ausfalls. Solange es nicht sittenwidrig ist, droht Ihnen somit trotz Krankheit eine Kündigung durch den Arbeitgeber. Natürlich sollte eine Krankschreibung in der Anfangsphase möglichst vermieden werden. Doch wenn es die Umstände nicht anders erlauben, so halten Sie bestenfalls eine ehrliche Rücksprache mit Ihrem Arbeitgeber bezüglich Ihres gesundheitlichen Zustandes und dem Zeitpunkt Ihrer Rückkehr.

Ab in den Urlaub?

In manchen Betrieben stoßen Sie zu Beginn auf ein halbes Jahr Urlaubssperre in der Probezeit. Zwar steht Ihnen offiziell der gesetzlich geregelte anteilige Urlaub zu, doch kein Arbeitnehmer sieht es gerne wenn Sie sich gleich zu Beginn Ihrer neuen Stelle eine ganze Woche oder mehr frei nehmen. Einzelne Tage sollten nach Absprache kein Problem sein. Wird Ihnen in der Probezeit gekündigt, so ist der Arbeitgeber verpflichtet, Ihnen Ihre nicht genommenen Urlaubstage auszubezahlen. Am besten besprechen Sie die individuelle Urlaubsregelung Ihrer Probezeit gleich beim Unterzeichnen des neuen Arbeitsvertrages. So kommt es später nicht zu Missverständnissen.

Der neue Traumjob?

Kündigung, Krankheit, Urlaub…diese Sache sollten bei Ihrer neuen Stelle sowieso erst einmal zweitrangig sein. Viel wichtiger ist, dass Sie sich auf Ihre Arbeit und Ihr Wohlbefinden in der neuen Situation konzentrieren können. Nur so können Sie anschließend für sich selbst entscheiden, ob Sie den neuen Traumjob gefunden haben oder sich lieber noch einmal neu umsehen möchten. In den ersten Wochen gibt es bei dem Arbeitnehmer oft immer wieder emotionale Gefühlswellen. An einem Tag kommen Sie euphorisch nach Hause, am nächsten lief nichts wie es sollte und Sie stellen sich, Ihren Job und den kompletten beruflichen Werdegang in Frage. Diese Gedanken sind völlig normal, sollten Sie aber auf keinen Fall zu einer Überreaktion veranlassen. Was hilft sind Check- oder Pro- und Contra-Listen. Hier kommen Sie zur Ruhe, können Ihren Kopf freikriegen und wieder klare Gedanken fassen. Am besten definieren Sie für sich selbst all die Kriterien, die Ihr Traumberuf erfüllen sollte und sortieren diese nach Wichtigkeit. Als Anreiz könnte Ihnen folgende Checkliste dienen:

  • Kann ich selbständig arbeiten und genieße ausreichende Autonomieräume?
  • Werde ich intellektuell und geistig gefordert?
  • Fühle ich mich wohl mit meinen Tätigkeiten und traue sie mir auch zu?
  • Sehe ich einen Sinn in meiner Arbeit und kann ich sie mit meinen Wertvorstellungen vereinbaren?
  • Empfinde ich die Bezahlung als angemessen?
  • Finde ich genügend Freizeit, um einen Ausgleich zur Arbeit zu finden und meinen Hobbies nachzugehen?
  • Fühle ich mich wohl im Team und wurde freundlich aufgenommen?

Natürlich werden Sie niemals den perfekten Job finden. Doch alles in allem sollten Sie die meisten der Fragen bejahen können und ein gutes Bauchgefühl bei der Sache haben.

Bleiben oder lieber nicht?

Irgendwie gestaltet sich aber alles noch ein wenig holprig? Bei dem Gedanken an eine Zukunft in Ihrer neuen Stelle verkrampft sich der Magen? Vielleicht wissen Sie auch gar nicht so recht wo das Problem liegt? Wenn Sie über einen möglichen Jobwechsel nachdenken, so kann Ihnen auch hier eventuell eine entsprechende Checkliste helfen. Sie erleichtert Ihnen das Herausarbeiten der Problematik und die Suche nach eventuellen Lösungswegen:

  • Ich fühle mich psychisch oder physisch unwohl und habe die Befürchtung, dass mich der Job auf lange Sicht krank machen könnte.
  • Ich fühle mich unter- oder überfordert mit meinen Aufgaben.
  • Ich werde gemobbt, habe das Gefühl ein Außenseiter zu sein oder fühle mich allgemein mit dem Team nicht mehr wohl.
  • Irgendwie sind der Chef und ich auf unterschiedlichen Wellenlängen und können uns gegenseitig nicht gut leiden.
  • Ich habe das Gefühl, das Unternehmen muss wirtschaftliche Einbußen hinnehmen und steuert eventuell auf eine Insolvenz zu.
  • Meine Projekte langweilen mich.

Gründe kann es viele geben und für viele davon gibt es auch wieder entsprechende Lösungen, ohne dass Sie gleich wieder nach einem anderen Job suchen müssen. Dennoch: bevor Sie in Ihrer neuen Stelle dauerhaft unglücklich werden, seien Sie lieber mutig und suchen noch einmal neu.

Grundregeln für die ersten 100 Tage

Alles in allem ist der wünschenswertere Fall natürlich die Übernahme nach der Probezeit. Wenn Sie sich entschließen im Unternehmen zu bleiben, so sollten Sie schon zu Beginn den Weg in eine erfolgreiche Karriere im neuen Unternehmen pflastern. Ein verpatzter Einstieg könnte eventuelle Aufstiegschancen gleich zu Beginn vernichten. Wir wollen Ihnen hier keine Angst machen…stattdessen geben wir Ihnen die wichtigsten Grundsätze für die ersten 100 Tage im neuen Unternehmen mit auf den Weg: Ganz wichtig ist die Pünktlichkeit. Zum Bewerbungsgespräch oder am ersten Arbeitstag sowieso ein No-Go, aber Sie können sich bestimmt denken, dass wenn Sie jeden Tag zu spät erscheinen Ihre Motivation und Hingabe an die neue Stelle recht schnell in Frage gestellt wird. Ein Tipp: Fragen Sie Ihre Kollegen nach Fahrgemeinschaften. So sind Sie erstens immer rechtzeitig zur Stelle und können zweitens gleich neue Freundschaften anbahnen.

Wenn Sie also nun morgens pünktlich auf der Matte stehen, möchten Sie sicherlich ein gutes Bild abgeben…im wahrsten Sinne des Wortes. Erkundigen Sie sich nach der Kleiderordnung und lassen Sie sich eventuell von Ihren Kollegen oder Kolleginnen inspirieren. Im Zweifelsfall gilt immer: schlicht, unauffällig, konservativ. Und da wahre Schönheit bekanntlich von innen kommt gilt ein Grundsatz: Lächeln! Sie sollten vielleicht nicht immer mit einem eingefrorenen Lächeln durch die Flure laufen, doch bei ersten Begegnungen kann ein freundliches Auftreten über Ihre Zukunft in dem Unternehmen entscheiden. Seien Sie aktiv, offen und freundlich. Gehen Sie auf die Leute zu, ohne zu offensiv, vorlaut oder gar schleimend zu sein. Dann gelingt Ihnen der Einstieg in die neue Stelle und das Team schon einmal ohne Missgeschick.

Wir statt Ich!

Menschen entscheiden schnell darüber, ob ihnen ihr Gegenüber sympathisch ist oder nicht. Zwar lassen sich erste Eindrücke später noch ändern, doch meist sehr schwer und mit viel Aufwand. Also achten Sie am besten darauf sich gleich zu Beginn in das neue Team einzufügen statt einen auf Einzelkämpfer zu machen. Und womit fangen Sie am besten an? Namen! Wenn Sie Probleme damit haben sich Namen zu merken, können wir Sie beruhigen: Sie sind nicht alleine. Dennoch kommen Sie nicht umher, Ihre neuen Kollegen früher oder später direkt anzusprechen. Also bauen Sie sich Eselsbrücken, schreiben Sie mit oder schauen Sie in einem unentdeckten Augenblick noch einmal im Intranet nach. Auch die Nachfrage wird Ihnen der neue Kollege nicht übel nehmen. Beim vierten Mal jedoch könnten Sie genervte Blicke ernten. Also bleiben Sie aufmerksam und versuchen Sie sich die wichtigsten Ansprechpartner und Teamkollegen so schnell wie möglich einzuprägen.

Ihre Teamfähigkeit wird nicht nur mit in die Entscheidung für oder gegen die Übernahme nach der Probezeit einfließen, sie kann Ihnen den Arbeitsalltag auch ungemein erleichtern…oder erschweren. Wenn Sie zu Beginn Fragen haben, so scheuen Sie sich nicht davor auf Ihre Kollegen zuzugehen. Jeder von uns hat schließlich gerne das Gefühl gebraucht zu werden. Zu schüchterne oder egoistische Personen hingegen sind nirgendwo gerne gesehen. Ein Geheimtipp: Nutzen Sie den Fahrstuhl anstelle der Treppen. Hier treffen Sie die interessantesten und wichtigsten Arbeitskollegen und können unkompliziert Kontakte knüpfen.

Und was natürlich zu Beginn nicht fehlen darf ist der Einstand. Erkundigen Sie sich über die Gepflogenheiten und organisieren ein nettes Beisammensein in der neuen Abteilung. Absolutes No-Go bei fast allen Unternehmen: Alkohol!

Aktiv auf den Chef zugehen

Alles läuft super, mit den Kollegen könnte es nicht besser sein und Ihre Arbeit meistern Sie ohne große Probleme…aber den Chef haben Sie seit Wochen nicht gesehen und befürchten er bekommt von all dem nichts mit? Seien Sie mutig und vereinbaren einen Gesprächstermin. Hier können Sie offiziell die weiteren Arbeitsziele besprechen. Inoffiziell wird Ihr Vorgesetzter sich gleichzeitig ein Bild von Ihrem Einleben in der neuen Stelle machen wollen und Sie können von Ihren Erfolgen berichten. Wichtig: Berichten, nicht prahlen! Zudem zeigen Sie Eigeninitiative und drehen nicht Däumchen bis Ihnen jemand eine Aufgabe zuteilt. Hier können auch gerne Vorschläge oder Anregungen zu den Aufgaben, Projekten, Arbeitsabläufen o.ä. geäußert werden. Allerdings immer in einer zurückhaltenden Art und Weise. Denn niemand wird gerne kritisiert oder lässt sich von einem Besserwisser belehren. Vor allem nicht Ihr Chef. Fragen Sie zudem nach einem ersten Feedback und versichern Sie sich dadurch seiner Zufriedenheit mit Ihrer Arbeit. Sollte Kritik aufkommen, so reagieren Sie professionell und einsichtig.

Endlich: Das Übernahmegespräch

Das Ende der Probezeit steht vor der Tür. Im besten Fall fühlen Sie sich wohl und möchten in Ihrem neu ergatterten Job bleiben und auch Ihr Arbeitgeber ist rundum zufrieden. Dann kann es zum letzten Schritt kommen: dem Übernahmegespräch. Dieses ist vergleichbar mit einem Bewerbungsgespräch und kann ähnlich vorbereitet werden. Der Unterschied ist lediglich der, dass sich beide Parteien besser kennen und Feedback geben können. Dies ist für beide Seiten eine wichtige Chance eigene Verhaltensweisen zu überdenken und sich selbst stetig zu verbessern. Sollte es dennoch Einwände oder Kritik an einer Übernahme hageln, können Sie sich bereits vor dem Gespräch Gegenargumente überlegen. Sie sind keinesfalls nur stiller Zuhörer. Im Gegenteil: Bringen Sie sich aktiv ein und suchen Sie gemeinsame Problemlösungen. Konnten Sie sich am Ende zu einer Übernahme einigen müssen die Ergebnisse unbedingt schriftlich festgehalten und in den Arbeitsvertrag eingearbeitet werden. Jetzt fehlt nur noch der Termin zu dessen Unterzeichnung, den Sie direkt anschließend vereinbaren können.

Noch Fragen? Ansonsten wünschen wir Ihnen viel Erfolg in der Probezeit!

Beitrag von

Mirijam Franke

Mirijam Franke ist freiberufliche Texterin und Autorin. Die studierte Medienwirtschaftlerin aus Friedrichshafen am schönen Bodensee stieg nach ihrem Abitur bereits im zarten Alter von 18 Jahren als Lektorin in der Industrie ein. Seit Oktober 2014 unterstützt sie unser Team von Arbeits ABC mit Textbeiträgen und Ratgebern rund um die Arbeitswelt.

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