Wohlwollend? Wo sind Ihre Rechte beim Arbeitszeugnis?

Ein Arbeitszeugnis soll wohlwollend formuliert sein und den weiteren Berufsweg des Mitarbeiters dadurch nicht unnötig erschweren. Doch was heißt das eigentlich? Und wo liegt der Durchschnitt? Haben Sie einen Rechtsanspruch auf Note 2 oder müssen Sie sich gegebenenfalls auch mit einer 3 abfinden? Ein umstrittenes Dauerthema, das durch das aktuelle BAG-Urteil wieder in den Fokus der Medien geraten ist.

Inhalt:
1) Die Vorgeschichte
2) Das BAG-Urteil
3) Was sagen die Experten?
4) Fallen und Tricks im Arbeitszeugnis
5) Wo sind Ihre Rechte?

Die Vorgeschichte

Bleiben wir doch gleich einmal bei dem erwähnten Fall. In der Revisionssache zur Klage eine Zahnarzthelferin, die in ihrem Arbeitszeugnis mit der Note 3 bewertet wurde, hat das BAG für eine Aufrechterhaltung der bisherigen Rechtsprechung entschieden. Die Klage stützte sich auf brisante Studien, die eine hohe Anzahl guter oder sehr guter Noten in vielen Branchen festgestellt hatten. Somit sind die Zeugnisse mit einer Benotung von 3 entgegen ihres ursprünglichen Zweckes als unterdurchschnittlich anzusehen. Nun war also fraglich, inwiefern der Arbeitgeber im Sinne einer „wohlwollenden“ Bewertung gemäß § 109 GewO dazu verpflichtet sein könnte nicht mehr die Note 3, sondern die Note 2 als Durchschnitt anzusehen. Schließlich sei der Arbeitnehmer bzw. die Arbeitnehmerin andernfalls in seiner Branche gegenüber der Konkurrenz benachteiligt. Klingt sinnvoll und wurde vom LAG Brandenburg auch in dieser Form bestätigt.

Das BAG-Urteil

Nicht aber das BAG. Im Revisionsprozess wurde die Klage zurückgewiesen. Die Begründung lautete wie folgt: Die Benotung eines Mitarbeiters habe aufgrund seiner Leistungen zu erfolgen, unabhängig von der Durchschnittsbenotung in der jeweiligen Branche. „Wohlwollend“ beziehe sich auf den Wahrheitsgehalt des Zeugnisses, der durch überprüfbare Tatsachen zu rechtfertigen sei. Was heißt das jetzt für Sie? Wenn Sie eine bessere Note wünschen, so müssen Sie die bessere Bewertung rechtfertigen und anhand von Tatsachen darlegen können. Sie sind also in der Beweispflicht. Und wie Sie sich denken können gestaltet sich ein solcher Beweis meist äußerst schwierig.

Was sagen die Experten?

Experten befürchten demnach, dass es in gewissen Branchen eine Benachteiligung bestimmter Arbeitskräfte geben könnte, deren Chef andere Maßstäbe ansetzt als die in der Branche üblichen Noten von gut bzw. sehr gut. Um gar nicht erst in diese Situation zu gelangen, sollten Sie schon zu Beginn Ihres Arbeitsverhältnisses die Arbeitszeugnisse in „Vergleichspaketen“ verbindlich regeln. Sprich in Ihrem Arbeitsvertrag werden der Fall des Ausscheidens aus dem Betrieb und das damit einhergehende Arbeitszeugnis sowie dessen Qualität inhaltlich geregelt. So entsteht hinterher für Sie kein Nachteil. Dafür legen wir Ihnen kurz dar, worauf Sie bei einem Arbeitszeugnis achten sollten:

Fallen und Tricks im Arbeitszeugnis

Das Zeugnis soll dem zukünftigen Arbeitgeber ein Gesamtbild der Persönlichkeit und Arbeit der bewerteten Person vermitteln und in positiver Art und Weise darstellen. Zu diesem Zweck hat der Arbeitgeber freie Hand in seiner Formulierung und kann zudem die Schwerpunkte der Beurteilung frei bestimmten. Höchstes Gebot bei der Erstellung des Arbeitszeugnisses ist dabei immer der Wahrheitsgehalt. Für Laien sind die Zeugnisse manchmal schwierig zu interpretieren, denn standardisierte Formulierungen dienen als Codes und so kann ein positiv klingender Satz Sie in ein schlechtes Licht rücken, ohne dass Sie es auf den ersten Blick merken würden.

Ein Beispiel wäre die Beschreibung Ihrer Person als umfangreich gebildet, was Sie stets zu einem gesuchten Gesprächspartner machte. Klingt gut oder? Nicht wirklich. Ihrem potenziellen neuen Arbeitgeber wird vermittelt, Sie seien geschwätzig und führten auf der Arbeit gerne ausgedehnte private Gespräche mit den Kollegen. Und auch die Gesamtbeurteilung, die wohl wichtigste Aussage im Arbeitszeugnis, enthält für Laien ungewöhnliche Formulierungen. Diese schwanken zwischen „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ für eine Note „sehr gut“, bis „zu unserer vollen Zufriedenheit“ als die Note „befriedigend“. Schauen Sie also genau hin. Doch was können Sie tun, wenn Sie die ein oder andere ungünstige Formulierung finden oder mit der Gesamtbeurteilung unzufrieden sind?

Wo sind Ihre Rechte?

Die gute Nachricht ist, dass Sie einen Anspruch auf die Berichtigung Ihres Arbeitszeugnisses haben. Nehmen Sie so schnell wie möglich den Kontakt zum (ehemaligen) Arbeitgeber auf und unterbreiten Sie ihm Ihre Änderungswünsche. Wenn sich diese rechtfertigen lassen und in, aus der Sicht des Arbeitgebers, einem akzeptablen Rahmen bewegen, werden solche Wünsche meist ohne Probleme ausgeführt.

Sollte dies nicht der Fall sein, so treten Sie am besten mit Ihrem Anwalt in Kontakt. Dieser kann per Anwaltsschreiben erneut die Berichtigung anfordern. Geschieht dies immer noch nicht, lassen Sie sich über eine Zeugnisberichtigungsklage aufklären und professionell beraten. Doch an dieser Stelle wird es zunehmend schwierig, wie durch das aktuelle Urteil das BAG erneut bestätigt worden ist. Denn nun sind Sie in der Beweispflicht und müssen glaubhaft darlegen können, dass Ihnen die bessere Beurteilung zusteht. In dem ein oder anderen Fall mag dieser drastische Schritt sinnvoll sein und eventuell zum Erfolg führen. Besser wäre es jedoch, den Rat unserer Experten zu befolgen und das kontroverse Thema „Arbeitszeugnis“ schon vor dem Ausscheiden aus dem Betrieb vertraglich zu regeln. Lassen Sie sich zudem etwa alle fünf Jahre ein Zwischenzeugnis aushändigen. So haben Sie im eventuellen Konfliktfall später Vergleichsmaterialien zur Hand.

1 Kommentar

  1. Quirin White on

    Aus dem Arbeitsalltag: genau aus diesem Grund (es muss wohlwollend formuliert sein) ist das Arbeitszeugnis heutzutage fast nix mehr wert. Sehr viele Firmen holen sich inzwischen (wieder) Referenzen ihrer Bewerber ein – da ein Gutteil der Zeugnisse das Papier nicht wert ist, auf dem sie stehen…

Ihr Kommentar zum Thema